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Vipers SC vs. SC Villa Jogoo: Melancholisches Abschiedsspiel in Uganda

 
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MH 01 März 2019
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Nach dem recht langweiligen Erstkontakt zum Fußball Ugandas, hoffte ich beim Spiel des amtierenden Meisters im Vorort Kitende auf Besserung. Hierfür wollte ich dieses Mal gleich den Komfort eines Motorradtransfers nutzen und ließ mir von einer Hostelangestellten eines ordern. Auch in Uganda gibt es dafür einige Apps, die auch dem „Mzungu“ günstiger kommen sollten. Sollten! Hier werden die Einheimischen nämlich zu kleinen Mistkriepeln. Sobald sie um die Ecke biegen und einen Hellhäutigen als Fahrgast sichten, ist der über die App angezeigte Preis gar nicht mehr von Interesse. Sie sagen auch offen, dass sie von Ausländern einfach mehr wollen. Ähm, sorry Jungs, aber wenn h es schon über eine App buchen kann, dann sollte die Hautfarbe schon egal sein. Einer fuhr dann lieber leer von dannen anstatt etwas Geld zu verdienen. Verstehen muss man das nicht. War mir aber egal, der darauffolgende Fahrer hatte damit weniger Probleme.

Aber mit Orientierung ist es halt so eine Sache. Da kann man den Fahrern so oft sagen wie man will, wo das Ziel sich befindet. Es wird einfach ignoriert und der eigenen Unwissenheit gefolgt. Vielleicht auch eine Variante um den Fahrpreis zu pushen. 

Irgendwann war ich dann doch am Ziel. Das Stadion wurde vor kurzem erst renoviert, wobei ich über die schiefe Gegengerade schon etwas amüsiert war. Auf der Seite kam ich auch als erstes an, allerdings sollte diese nicht für das normale Publikum geöffnet werden. Also eine Runde um das Stadion herum und dort sollte es klappen. War schon einiges los, also mehr als 350 Besucher sollten es definitiv werden. Wirkte ja fast schon sympathisch hier. Bierverkauf im Plastikbecher zu tschechischen Preisen, die ersten Gesänge waren zu vernehmen. Es klang vielversprechend. 

Die Haupttribüne sah letztlich gut gefüllt aus und auch im Gästebereich konnte man eine stattliche Anzahl an Fans ausmachen. War für mich aber nicht genauer zu quantifizieren, da ich am linken Tribünenende saß und der Gästesektor befand sich am rechten Ende. Also nur eine bedingte Sicht auf das dortige Treiben. Vuvuzelas durften natürlich auf beiden Seiten nicht fehlen. Die allgemeine Atmosphäre war dann schon sehr fußballtauglich, also schon deutlich besser als am Tag zuvor. Spielerisch war es auch um Längen besser, wobei der Sieg der Gäste viele Leute überraschte. War aber gut anzusehen, was beide Teams da boten. Ein spannendes Spiel. Aus den Torjubeln wurden aber immer halbe Staatsakte gemacht und gefühlt jeder Tanz den man beim Fußball schon einmal gesehen hat aufgeführt. Der Schiedsrichter musste die Spieler einige Male animieren, doch endlich zum Mittelkreis zu laufen. 

Einige Fans hatten sich wieder recht skurril kostümiert und auch so fand ich die Fanartikelquote recht hoch. Am Ende gab es noch eine leichte körperliche Auseinandersetzung zu beobachten und eine Mannschaft mit „South Sudan“-Jacken zog beim Laufen durchs Stadion die Blicke kurzzeitig auf sich. Hätte mich auch interessiert, was diese Mannschaft in Uganda gemacht hat. Im Internet habe ich dazu nichts finden können, habe aber auch nicht sonderlich intensiv gesucht. Ebenfalls skurril war das Maskottchen der Vipers. Was wäre bei dem Namen naheliegender als ein Löwe? Eine Schlange würde da keinen Sinn machen. Zumal das Vereinswappen ebenfalls eine Schlange ziert. Manchmal muss man da schon lachen. Wie man auf so eine Idee kommt. Wahrscheinlich war das Löwenkostüm irgendwo übrig oder billig zu haben, anders ist es ja kaum erklärbar. :D 

Letztlich muss ich dem Spiel dennoch eine richtig schöne Fußballatmosphäre attestieren. So macht das Ganze doch schon deutlich mehr Spaß. Die Fans waren voll bei der Sache, auch wenn es keine typische Anfeuerung gab. Bei den Gästen wirkte es etwas koordinierter, auf Heimseite war es doch recht trötenlastig. Bei etwas anderem Spielverlauf, wäre es eventuell auch besser gewesen von den Heimfans, aber es war schon alles gut so wie es war. 

Die Gäste hatten letztlich allen Grund zur Freude und ließen diese auch hemmungslos heraus. Da wurde vorm Mannschaftsbus getanzt und gepost, als ob es kein Morgen mehr gibt. Herrlich anzusehen. Zu meiner Freude standen direkt vorm Ausgang zahlreiche Minibusse, die Kampala Zentrum als Ziel hatten. Das ersparte mir den Marsch an die Hauptstraße. Auf dieser war auch einiges los. Die Gäste feierten auch hier ihren Sieg. Ob im vollgepackten Bus, mit herausragenden Vuvuzelas oder im Kofferraum eines PKW, hier wurde richtig die Sau herausgelassen. 

Das war bereits das letzte Spiel in Uganda, was so eigentlich nicht geplant war. Es sollte auch am Sonntag noch einen Spielbesuch geben. Hier entschied ich mich aber spontan um, da ich noch etwas durch Kampala schlendern wollte. Tja, war dann wohl die aus fußballerischer Sicht falsche Entscheidung, denn die anvisierte Partie der höchsten Jugendliga fand nicht wie vom Verein veröffentlicht, in deren Stadion statt. Dort schauten mich nur zahlreiche Augenpaare von Soldaten an, welche ihr Camp im Stadion aufgeschlagen hatten. Man hat mich zwar zu einem in der Nähe befindlichen Fußballplatz geschickt, wo auch ein paar Jungs in Trikots herumstanden, aber wirklich nach einem in Kürze stattfindenden Spiel sah das nicht aus. Zumal das Viertel schon etwas speziell war. Da scheinen sich nicht so oft Ausländer hin zu verirren. Dann also dem Erkunden der Stadt etwas mehr Zeit eingeräumt. Ist ja auch nicht schädlich und außerdem freute sich eine der Angestellten auch, dass ich einen Tag länger im Hostel blieb. Wieder eine gute Tat vollbracht! ;)

Fotos: Marcel Hartmann

> zur turus-Fotostrecke: Fußball in Afrika

Spielergebnis:
1:3
Zuschauerzahl:
2.000
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