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Al Akhaa Al Ahli FC vs AC Tripoli: Nicht genutzte Pyro und viel Stacheldraht

 
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MH 19 Dezember 2018
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Eigentlich sollte der Auftakt mit dem Derby zwischen Nejmeh und Al-Ahed von Statten gehen. Eigentlich! Wie ihr bereits lesen konntet, hatte der Wettergott etwas gegen dieses Vorhaben. Somit hatten das kleine, etwa 25 Kilometer östlich von Beirut gelegene Städtchen Bhamdoun die große Ehre, sich zuerst in meine Excelliste einzutragen und somit auf Ewigkeit Ruhm und Ehre als Länderpunktort zu ernten. 

Nach Bhamdoun sollte es mit dem öffentlichen Verkehr gehen, der sich sogleich von seiner tückischen, da unverständlichen Seite zeigen sollte. Die Fahrer verstanden nicht wohin ich wollte, ich wusste nicht wo und mit was ich fahren sollte und zu guter letzt bekam ich vom Hostelpersonal auch noch falsche Informationen. Somit stand ich also am Doura-Kreisverkehr und durfte von jedem Fahrer das gleiche hören: Von hier nur mit dem Taxi! Das könnte euch so gefallen, dass ich bereits am ersten vollen Tag im Libanon, mein mühsam erspartes Geld in eure gierigen Schlunde werfe. Da ich im Vorfeld aber auch etwas von Bussen ab der Cola-Station gelesen hatte, ging es mit einem der Stadtbusse eben dort hin. 

Busfahrten in Beirut sind mit 1.000 LL (1 Euro = ca. 1.700 LL) sehr günstig, aber man wird aus dem Busnetz eben nicht schlau. Auch gleiche Busnummern fahren immer wieder andere Routen und wenn man den Fahrern erzählt wohin man möchte, verstehen sie es aufgrund der fehlerhaften Aussprache eh nie. Nun stand ich eben an der Cola-Station. Dabei handelt es sich letztlich um einen Kreisverkehr, in dessen Nähe sich auch ein kleiner Sammelpool für die Busse gen Osten und Süden befindet. Dort nach Bhamdoun gefragt und siehe an, ich wurde sofort weitergeleitet. Natürlich zu einem überzogenen Preis, wie ich später feststellen sollte. Wenn es eine Menschengruppe gibt, welche ich absolut nicht leiden kann, dann sind es Bus-, Taxi- und sonstige Fahrer des Bezahlverkehrs. Sobald man nicht als Einheimischer identifiziert wird, wird man gnadenlos beschissen und das obwohl mich im Libanon alle für einen Einheimischen hielten. 

Nun gut, es ging nun aber ab in die Berge nach Bhamdoun. Da schraubt der Kleinbus schon einige Höhenmeter und bietet dafür sehr nette Panorama-Ausblicke über Beirut. In Bhamdoun angekommen herrschte zum einen eine gespenstische Ruhe und zum anderen eine unangenehme Kälte. Das war ich so absolut nicht mehr gewohnt nach 14 Monaten in warmen Ländern. Der restliche Weg entlang unzähliger Militärstützpunkte, bei denen einige von wilden Schießereien gezeichnet waren, legte ich per pedes zurück. War ja auch nicht so weit. Für das Spiel hatte ich offensichtlich zu viel Zeitpuffer eingeplant, sodass ich die Zwischenzeit mit einer kleinen Fotorunde über den Platz überbrücken durfte. 

So ganz allmählich trudelten dann auch weitere Besucher ein und die Partie konnte beginnen. Auch der Regen meldete sich zu Wort und machte es noch kälter, als es eh schon war. So viel Erwärmendes gab es auch leider nicht. Wenn ich ein Heißsporn wie manch Einheimischer wäre, dann wäre mir sicherlich warm geworden. Also fluchen und schimpfen können die Libanesen gut, wobei man bei der arabischen Sprache und der euphorischen Ausdrucksweise auch oft nette Gespräche als Auseinandersetzung wertet. Immerhin gab es von einer Gruppe Jugendlicher etwas Support und auch ein paar Feuerwerkskörper wurden herum gereicht, letztlich aber nicht genutzt. Dies war wohl dem Ergebnis geschuldet. Die wenigen Gästefans hatten wesentlich mehr Grund zur Freude. 

Zur Halbzeit musste mich dann erstmal ein heißer Tee auftauen, was auch ganz gut gelang. Somit konnte die 2. Hälfte starten. Bis auf den Anschlusstreffer, der noch einmal die Stimmung vom Heimvolk pushte, passierte nicht viel. Es wurde weiterhin geflucht und gepöbelt und mit dem Abpfiff musste sich die Mannschaft für die Niederlage rechtfertigen und das obwohl die Heimelf gar nicht so schlecht in der Tabelle steht. Dafür gab es wohl die 4 Rollen Stacheldraht am Innenzaun der Tribüne. Also ein Zaunsturm würde hier hässliche Wunden hinterlassen, zumal es sich um diesen miesen Stacheldraht handelte, der sich enger zuzieht, wenn man sich bewegt. Das man selbst den Heimbereich dermaßen absichert, habe ich noch nicht so oft gesehen, aber wird ja wohl nicht ohne Grund gemacht werden. 

Für Eintrittskartensammler hier gleich noch ein Hinweis. Wenn ihr eure erworbene Eintrittskarte behalten wollt, am besten gar nicht aus der Hand geben. Die Kontrolleure machen daraus nämlich Konfetti. Nach etwas Bauchmiezeln durfte ich das Ticket trotz schwerer Bedenken und dem Hinweis doch ein zweites Ticket für 5.000 LL zu kaufen, behalten. Die Logik mit dem Zweitticket erschloss sich mir nicht so ganz. Wahrscheinlich zerreißen sie halt einfach gerne Tickets. 

Fotos: Marcel Hartmann

> zur turus-Fotostrecke: Fußball im Libanon

Spielergebnis:
1:2
Zuschauerzahl:
220
Gästefans
20
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