Sportfreunde Lotte vs. F.C. Hansa Rostock: Serienriss, Botschaft für den DFB und das Bier danach

MB 24 November 2018
 
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Lotte mit einer Serie (nur eine Niederlage in zehn Spielen) und Hansa Rostock mit einer Serie - das hätte gestern Abend ein Remis werden können. Werden müssen. Werden sollen. Wurde es aber nicht. Der F.C. Hansa Rostock hatte - begleitet von rund 1.400 Fans - gestern mit 0:1 verloren und verpasste somit den Sprung auf Rang zwei. Auch wenn wahrscheinlich nur über Nacht. Egal, der Anblick wäre für alle blau-weiß-roten Fans eine Wonne gewesen. Rang zwei! Nicht nach zwei, drei Spieltagen. Nein, nach 16 Spieltagen! Hätte, hätte, hätte. Fahrradkette. Und ja, hätte ich mal nicht vor geraumer Zeit - man muss es so sagen - meine überaus beschissene persönliche Statistik bei den vor Ort gesehenen Hansa-Spielen meinem Umfeld kundgetan. Nun habe ich den Salat. „Komm bloß nicht nach Duisburg!“ Aus dem fernen Irland gab es sogar ein „Du unsäglicher Unglücksrabe!“ zu lesen. So, nun weiß es eh die ganze Welt. Egal, denn auch jede negative Serie reißt. Als ich im Ostseestadion war, gab es schließlich auch den ersten Sieg gegen den 1. FC Magdeburg seit 25 Jahren. Also: Es wird mit mir auch den ersten Auswärtssieg beim KFC Uerdingen 05 geben! Damals noch beim FC Bayer 05 Uerdingen gab es 1994 eine 1:2-Niederlage und 1995 ein 1:1. In Zwei Wochen wird sich weiter gesteigert. 2:1 für  den FCH - so mein Tipp.

Und gestern? Tja! Es war einfach nix zu holen. Und dabei fing alles so prima an. Ein Schnitzel und nette Leute am Kreisverkehr. Ebenso nette Leute auf der Haupttribüne des FRIMO Stadions, in dem sich gestern insgesamt 3.114 Zuschauer eingefunden hatten. Bei meinem ersten Besuch in Lotte im Jahr 2011, damals war der SC Preußen Münster zu Gast, hatte ich mich noch amüsiert über die riesige Reklame-Wand hinter dem einen Tor und die ausgelegten Klatschpappen. Inzwischen hat sich etwas getan in Lotte. Logisch, dass der Verein als direkter Nachbar des VfL Osnabrück kein Mega-Zuschauermagnet wird, doch der Bau der neuen Stehtribüne hinter dem Tor, wo einst die vielen Werbeflächen das Stadion verschandelten, zahlt sich aus. Die Fanszene ist ein wenig gewachsen (kürzlich gab es sogar einen Sonderzug nach Kaiserslautern), und das Stadion macht insgesamt einen recht netten Eindruck. 

Gästefans können quasi die gesamt Gegengerade füllen, am gestrigen Abend fanden sich wie erwähnt zirka 1.400 Hansa-Fans in Lotte ein. Es war angerichtet. Mit voller Kapelle hätte die Mannschaft des F.C. Hansa Rostock von Beginn auf Tempo hundert gehen müssen. Tat sie allerdings nicht. Die erste Halbzeit war echt zum Vergessen. Und dabei hatte Biankadi in der 13. Minute die Möglichkeit, die Führung für die Kogge zu erzielen. Rein das Ding - und das Spiel wäre definitiv anders verlaufen. So aber machte Lotte nur eine Minute später das 1:0. Wegkamp spielte rüber zum frei stehenden Karweina, und dieser behielt vor dem FCH-Keeper die Nerven und lochte ein. Zwar schnupperte es nach Abseits, doch die Fahne blieb unten. Die „Saubande“ und all die anderen Lotte-Fans durften jubeln. 

Danach ging aus Hansa-Sicht herzlich wenig. Erst einmal. Hinter der Trainerbank wurde beim guten alten Hansa-Tom schon mal fast die Bomber auf Orange gedreht. Langeweile kam bei den Auswechselspielern und den Betreuern sicherlich nicht auf. Und dabei blieb es bei Tom sogar gestern beim alkfreien Bier. Vielleicht lag es auch einfach daran. Alkfrei beim Fußball! Tom war schuld. Der soll in Duisburg gefälligst wieder mit saufen. Und dass Sportsfreund Tom, der schon mal unter der Woche den Ball mit den alten Männern von Bergmann-Borsig den Ball laufen lässt, flotte Sprüche auf Lager hat, bekam in der Halbzeitpause Benno Möhlmann zu hören, der den Weg quer über die Sitze suchte und sich auf meiner Schulter abstützte. Nach einem Pläuschchen mit einem Auswechselspieler nahm Benno Möhlmann auf dem Rückweg lieber die Treppe. 

Tja und sonst so? Der Glühwein schmeckte, der Mond war helle. Irgendwie fühlte ich mich in die 90er zurückversetzt. Damals war jede Woche irgendein Freitagabendspiel Pflicht. Mit zwei Kindern daheim ist das indes derzeit mit einer Auswärtssause in die Ferne am Freitag immer so eine Sache. Umso mehr saugte ich gestern die Atmosphäre ein. Mensch, wie oft mussten wir damals in den 90ern an den Freitagabenden leiden. Irgendwo in Bremen, in Remscheid oder bei Fortuna Köln. Flutlicht. Viel Himmel. Manchmal auch fieser Nieselregen. Dieser blieb Gott sei Dank gestern aus. Gepasst hätte er dort bei Stadion und Gegend, die irgendwie an Holland und englische Provinz erinnerten.

Los jetzt hier! Gesagt, getan. In der Kabine bekamen die Hansa-Spieler einiges zu hören. In der zweiten Halbzeit passte die Leistung halbwegs. Es wurde keine Gala, dafür ist Lotte jedoch in der Abwehr derzeit einfach zu gut in Form. Nicht ohne Grund haben auch die Sportfreunde aus Lotte eine prima Serie vorzuweisen. Nachdem Lotte in der 47. Minute einen Freistoß über das Gehäuse haute, erhöhte Hansa nach und nach den Druck. In der 54. Minute hatte Biankadi eine fette Chance, nur vier Minuten später hatte Hüsing in Form eines Kopfballs fast den Ausgleich klargemacht. Es war einfach zum Mäusemelken!

Apropos Melken. Im Gästeblock gab es zu Beginn der zweiten Halbzeit eine Botschaft in Richtung DFB. Auf einem langen Spruchband war zu lesen: „Fi** dich DFB!! Ihr kriegt kein Geld - höchstens auf´s Maul!!!“ Dieser Spruch fand auch bei den Heimfans Gefallen, und für ein Minuten gab es Gesänge und Sprechchöre in Richtung Verband. Im Anschluss gab es im Gästeblock das „Dem Morgengrauen entgegen…“ zu hören. Die verbleibende Spielzeit schmolz dahin, und die Unruhe wuchs. Ein wahrlich cooles Ding gab es in der 75. Minute zu sehen. Das war doch mal eine geniale Direktabnahme des zuvor eingewechselten Breier! Etwas platzierter - und die Kugel wäre erste Sahne im Lotter Kasten eingeschlagen!

Es sollte jedoch nicht sein. Lotte spielte clever die Zeit runter. Und wenn es sein musste, blieb halt auch mal ein Lotte-Spieler auf dem Rasen liegen. Was wiederum den Hansa-Tom auf der Haupttribüne hinter der Trainerbank auf den Plan rief. „Ich nehm dich gleich in den Schwitzkasten und dann bringst du mich nach Hause! Mein Zug fährt gleich, verdammt nochmal!“ In der 90. Minute schnupperte es noch mal nach dem Ausgleich - das hätte bombig gepasst. Aber nein, es blieb beim 1:0 für Lotte.

Da Tom seinen Zug kriegen musste, nahmen wir die Beine in die Hand und rannten quer über das Feld zur Bushaltestelle. Rein in den Bus und Punktlandung in Osnabrück. Während Tom in den Zug stieg, suchten wir zu zweit die überaus gemütliche Bahnhofspinte auf. Es war wie das Hase-und-Igel-Spiel. Die ersten Hansa-Fans saßen schon drin und ließen es sich gut gehen bei Pils und Pfeffi. Der Abend war nicht von schlechten Eltern. Eine Menge Hansa-Fans fand den Weg in die gute Stube - von Stress war keine Spur. Die Polizei konnte getrost weiter in der Bahnhofshalle spazieren gehen. Ein paar anwesende HSV-Fans und die Hansa-Fans quatschten, tranken - bis halt der letzte Zug fuhr und der Laden eh dicht machte. „Na, noch was für den Weg, Jungs?“ Ich legte die letzten 15 Euro auf den Tisch und ließ mich überraschen, was auf den Tresen gestellt wurde. Acht große Flaschen Bier wurden vom alten HSVer hingestellt. Nach kurzem Überlegen stellte er noch zwei dazu. Die Nacht sei schließlich noch lang…

Fotos: Marco Bertram

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Spielergebnis:
1:0
Zuschauerzahl:
3.114
Gästefans
1400

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Die nächsten beiden Spiele werden es zeigen, wohin die Kogge steuern wird. Ich bleibe optimistisch!

G
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Ja so trug es sich zu

....manchmal gibt es solche Tage!...
Aber du hast in den ersten 5/6 Minuten zwei riesige Möglichkeiten.
Mir gar die komplette Einstellung der Mannschaft zum Spiel/ Abend/ Gegner / Platz nicht gepasst. Es gibt da keine zwei Meinungen, wenn du das Ziel ausgibst, dann musst du dort gewinnen. Selbst 1 Punkt waere noch ok gewesen. Scheiss die Wand an....immer wenn du denkst, es könnte mal was gehen oder die sind dran, dann passiert nix und/ oder der dicke Finger wird gezeigt. Es ist seit Jahren so und es ist frustrierend. Ja der Gegner stand tief und hat in der zweiten Halbzeit nicht mitgespielt und ja es war auch Pech dabei, aber nur immer hoch den Ball rein lupfen oder wie das jetzt heißt....ne. Und leider haben die Einwechselungen auch nicht den erhofften Schwung gebracht. Positiv ist zu bemerken, dass sie dann wollten und auch gallig über die Leistung, sich selber, Gegner und Schiedsrichter waren...kanalisiert diese Wucht, Wut und Energie und münzt sie in zwei geiles spiele jetzt um und holt noch 4 oder besser 6 Punkte daraus. Kopf hoch. Brust raus. Wir sind der FCH! Ahu

H
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