In etwa einer Woche beginnt für den 1. FC Lokomotive Leipzig wieder der ganz normale Regionalliga-Alltag. Lange Zeit für hängende Köpfe und Resignation hatten die Leipziger nicht. Die Trauer und Ernüchterung nach der verlorenen Aufstiegspartie in Havelse war groß, der Zusammenhalt aber noch größer. Mit einer „jetzt erst Recht“-Mentalität wurden die leeren Köpfe ziemlich schnell wieder mit Leben gefüllt und jegliche Muskelgruppen des Körpers wurden in Bewegung gesetzt.

Gemeint ist hierbei die Euphorie der eigenen Anhänger, die schnell die Tränen trockneten und seit mehreren Wochen das eigene Stadion drittligatauglich gestalten. Der Einbau der Rasenheizung steht kurz vor der Vervollständigung, einige Fans ließen sich auch bei fast 40 (!) Grad Außentemperatur nicht zwei Mal bitten und packten mit an, außerdem sind im Gästebereich neue Sitzmöglichkeiten entstanden und der geplante Pressecontainer hinter der Gegengeraden wurde auch aufgestellt. Ebenso interessant für Gästefans aller Vereine ist die Tatsache, dass der neue Parkplatz auch endgültig fertiggestellt wurde und man nun nicht mehr zwingend durch halb Leipzig marschieren müsse.

Viele Personen werden sich an die verpasste Aufstiegsmöglichkeit gegen den SC Verl erinnern, als nach dem Rückspiel der halbe Verein in sich zusammenbrach. Man stand kurzzeitig mit einem Feldspieler und ohne Trainer da. Almedin Civa war es damals, der in kurzer Zeit einen komplett neuen Kader zusammenstellen musste und ein paar wenige Jungs zur Vertragsverlängerung überreden konnte.
Die Vorzeichen standen in diesem Transfersommer komplett gegensätzlich. Zwar verließen mehrere Spieler den Verein, bei fast allen Akteuren war das aber der Wunsch des 1. FC Lok. Gründe hierfür? Das Altersgefüge oder die fehlende Perspektive. Ersatzkeeper Niclas Müller stand ebenso auf der Abschussliste, konnte sich nach mehreren Wochen allerdings doch auf eine weitere Vertragsverlängerung einigen. Zur Freude des Publikums.

Die wichtigsten Spieler des Kaders hatten so oder so einen Zweijahresvertrag unterschrieben und werden somit auch in der neuen Saison für Blau-Gelb aufdribbeln. Toni Wachsmuth hatte somit einen vergleichsweise ruhigen Sommer, hat bis dato fünf neue Spieler nach Probstheida locken können und hat bis zum Ende des Transferfensters mit Sicherheit noch zwei, drei Leute auf der Agenda.
Aufgrund der ziemlich kurzen Vorbereitungszeit haben die Leipziger auch nicht mit Testspielen übertrieben. Beim Schreiben dieses Textes waren es nur vier Testspiele, davon zwei Mal gegen gleichwertige Gegner und zwei Mal gegen Amateurteams. Das altehrwürdige DDR-Duell bei Stahl Brandenburg hatte enorm viel an Charme, bei der SG Rotation Leipzig trat man zum Crowdfunding-Duell in der eigenen Stadt an, im traditionellen Trainingslager in der Hansa-Zone Sternberg testete man gegen die Reserve des HSV und am düsteren Mittwochabend folgte das ligainterne Duell beim FC Eilenberg. Drei Siege, ein Remis.

Bemerkenswert hierbei vor allem die Zuschauerzahl des Stadtduelles. Inoffizielle 1.400 Zuschauer folgten dem Aufruf des 1. FC Lok Leipzig und unterstützten den Stadtligisten der SG Rotation Leipzig, die 8000 Euro an den Regionalligisten überwiesen und trotzdem mit einem fetten finanziellen Plus aus der Partie gingen. In Sternberg gaben sich Lok- und Hansafans die Klinke in die Hand. Das Verhältnis war beinahe 50/50. Komplett ohne Polizeiüberwachung gab es allerdings wenig erwähnenswertes. Bis auf ein paar finstere Blicke wurde nichts weiteres miteinander ausgetauscht.
Bericht & Fotos: Max Wieler
