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Fans des HC Kometa Brno rocken den Wellblechpalast

 
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Doppelpack im Wellblechpalast in Berlin-Hohenschönhausen. Nachdem am Freitag der Schweizer Vertreter EV Zug zu Gast im Welli war, gab am heutigen Abend der tschechische Meister HC Kometa Brno seine Visitenkarte ab. Da sich auch zahlreiche Gästefans angekündigt hatten, stellte sich erst gar nicht die Frage, ob auch das dritte Spiel am dritten Tag (gestern stand Fußball an der Tagesordnung) mitgenommen wird. Tasche gepackt und ab mit der Tram Nummer 5 gen Sportforum Hohenschönhausen. Während einige Fans des EV Zug am Freitagabend einen eher muffigen Eindruck machten, war heute schnell klar: Die tschechischen Eishockey-Freunde aus Brünn gehören zu der überaus angenehmen Sorte. Auf dem Vorplatz der Eishalle wurden locker flockig mit den Heimfans ein paar Bierchen getrunken und erste Gespräche geführt.

Nachdem am Freitagabend der Fokus vor allem auf den Heimbereich gerichtet wurde, hieß es heute, am / im gut gefüllten Gästeblock vorbeizuschauen. Von Beginn an legten die Kometa-Fans gut los und schafften es, im Wellblechpalast für Heimspielatmosphäre zu sorgen. Erstaunlicherweise kamen zum Spiel gegen Kometa Brno weniger EHC-Fans als am Freitag gegen den EV Zug. Waren es vor zwei Tagen über 3.600 Zuschauern (bei deutlich weniger Gästefans), so kamen heute 3.030 Zuschauer in den Welli. Eigentlich müsste solch ein Europapokalspiel an alter Stätte ausverkauft sein, doch vielleicht gibt es einfach immer weniger Eisbären-Fans, die von den alten Zeiten schwärmen und den Wellblechpalast zu schätzen wissen. 

Aber gut, das ist jetzt Jammern auf hohem Niveau. Auch wenn es im Heimbereich nicht so laut wurde wie beim packenden Spiel gegen den EV Zug, so hatte es heute wieder richtig Spaß gemacht. Vorab ein wenig Historie: Der heutige Gegner wurde einst im Jahre 1953 als Rudá hvězda Brno (Roter Stern Brünn) ins Leben gerufen, also ein Jahr vor dem SC Dynamo Berlin. Von 1955 bis 1966 holte Rudá hvězda Brno sage und schreibe elfmal den Tschechoslowakischen Meistertitel, hinzu kam dreimal der Gewinn des Europapokals (1966, 1967, 1968). In den 70ern und 80ern rutschte der Verein ab und spielte zwischenzeitlich nur zweitklassig. Aus „Rudá hvězda“ wurde 1980 „Zetor“ und später „Královopolská“. Seit 1994 trägt der Eishockeyklub schließlich den heutigen Namen. Nach 51 Jahren konnte der HC Kometa Brno 2017 wieder einen Meistertitel feiern, 2018 folgte sogleich der zweite Tschechische Meistertitel.

Das erste Spiel in der Gruppenphase der Champions Hockey League hatte der HC Kometa Brno beim weißrussischen Vertreter Njoman Hrodna mit 2:4 verloren. Nun ging es also darum, wer von beiden die ersten Punkte einfahren wird. Das erste Drittel war sehr ausgeglichen. Die Zweikämpfe wurden mit der nötigen Härte geführt und die Torhüter zeigten prima Paraden. Beide konnten den Kasten sauber halten, mit dem Spielstand von 0:0 ging es in die erste Pause. 

In der 25. Minute konnte dann Martin Docekal die Gäste aus der tschechischen Republik mit 1:0 in Führung bringen, und die Gästefans machten nun richtig Alarm. Nachdem Jan Hruska in der 31. Minute und Karel Plasek in der 36. Minute auf 2:0 bzw. 3:0 für Kometa Brno nachlegten, gab es dort kein Halten mehr. Support vom Feinsten, zwischenzeitlich kamen blaue Folien und Luftballons zum Einsatz. Als die ersten Zuschauer kurz vor der zweiten Pause bereits zum Bierstand tingelten, brachte Martin Buchwieser in der 40. Minute die Eisbären zurück ins Spiel. Nur noch 1:3 - da ging noch was!

Spannend zu ging es im letzten Drittel. Die Berliner legten ein Schippchen drauf und zeigten hohen Einsatz. Zwischenzeitlich musste aufgrund der Strafen mit zwei Spielern auf dem Eis weniger das Ergebnis über die Runden gebracht werden. Nur kein 1:4, das quasi die Entscheidung bedeuten würde. Es wurde sich in Puck und Gegner und auch mal quer aufs Eis geworfen, um einen weiteren Gegentreffer zu verhindern. Mit Erfolg. In der 54. Minute gelang Colin Smith sogar das 2:3 für den EHC. Der Ausgleich sollte her. 2:15 Minuten vor dem Ende nahm Chef-Coach Clement Jodoin Franzreb vom Eis, doch einen weiteren Treffer gab es nicht mehr zu sehen. Nicht vorne, aber auch nicht hinten.

Nach Abpfiff feierten die zahlreichen Kometa-Fans ausgelassen ihre Mannschaft. Noch lange Zeit später sangen die letzten verbliebenen tschechischen Eishockey-Freunde in der bereits abgedunkelten Eishalle. Vor dem Welli sammelten sich die Fans, die von der Polizei zu den Reisebussen gebracht wurden. Schöne Szenen an den Bierständen auf dem Vorplatz. Beim Vorbeigehen wurde sich bedankt, geklatscht, abgeklatscht und kurz umarmt. Ein sehr stimmungsvoller, friedlicher Abend neigte sich dem Ende zu. Und ja, so was könnte ruhig alle zwei, drei Wochen im Wellblechpalast stattfinden. Man kann sich dran gewöhnen. 

Fotos: Marco Bertram

> zur turus-Fotostrecke: EHC Eisbären Berlin vs. HC Kometa Brno

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Welli We

hallo, im Welli ist immer wad los???? endlich CHL im April war die Naru gegen Frankreich zu Gast weiter so das macht den Fan Froh. & im April 2019 wenn die Mandelbäume blühen erst Recht. suf gehts ??? mit aller MACHT zur 8!!!

BU
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G
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@ Ich: Gab es Probleme? Mit der tschechischen Busfahrerfraktion jedenfalls nicht.
VG Gustav

G
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Letzter Kommentar

Na der letzte Absatz ist wohl so nicht richtig.

"Schöne Szenen an den Bierständen auf dem Vorplatz"

I
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