Alba Berlin vs. Virtus Rom: Emotionaler Europapokalabend an alter Heimstätte

MB
 
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Alba Berlin vs. Virtus Rom: Emotionaler Europapokalabend an alter Heimstätte

AlbaNach fünf Jahren für ein Spiel wieder zurück in der Max-Schmeling-Halle. Für die Anhänger von Alba Berlin ganz gewiss eine spannende Zeitreise. Europapokal an alter Spielstätte. Dort, wo zwischen 1996 und 2008 manch ein Titel gefeiert wurde. Mitunter gab es große Schlachten zu sehen. So zum Beispiel am 04. Dezember 2007, als im ULEB Cup das Team von Bosna Sarajevo nach fünf Verlängerungen mit sage und schreibe 141:127 bezwungen werden konnte. In der laufenden Saison spielen die Berliner im Eurocup, Gegner am Donnerstagabend war Virtus Rom. Wie der Zufall will, war das italienische Hauptstadtteam am 23. Oktober 2008 der erste europäische Gegner in der o2 World. Damals wurde Virtus mit 68:63 bezwungen. Ob dies auch fünf Jahre später wieder gelingen würde?

Alba6.851 Zuschauer fanden den Weg in die in Berlin Prenzlauer Berg gelegene Max-Schmeling-Halle. Während draußen der Sturm „Xavers“ tobte und den Regen über die Straßen peitschte, kamen in der Halle die Zuschauer recht fix auf Betriebstemperatur – und diese sollte am Ende der hart umkämpften Partie ihren Siedepunkt finden. Anfangs dauerte es zweieinhalb Minuten, bis überhaupt die ersten Punkte des Spiels eingefahren werden konnten. Der Römer Lorenzo D´Ercole eröffnete den Abend mit einem Dreier. Phil Goss ließ sogleich aus zentraler Position einen weiteren Dreier für Virtus folgen. Alba hatte jedoch die passende Antwort parat, David Logan machte ebenfalls drei Punkte auf einen Streich klar.

So richtig flüssig lief es auf beiden Seiten noch nicht, die ersten Minuten waren von etlichen Fehlwürfen geprägt. Beim Stand von 5:9 kam der 23-jährige Akeem Vargas das erste Mal aufs Parkett. Und siehe da, sogleich platzte bei Alba ein Knötchen. Fix zwei Punkte zum 7:9, dann legte Jonas Wohlfarth-Bottermann zum 9:9 nach und anschließend konnte Reggie Redding auf 11:9 erhöhen. Nun ging es hin und her. Die Gäste legten wieder vor, Vargas konnte souverän zum 15:15 ausgleichen. Dann noch zwei Freiwürfe für Rom zum 17:15 aus Sicht der Gäste – und schon war das erste Viertel vorüber.

Und weiter ging´s. Der kroatische Center Leon Radosevic stopfte mal gleich zum 17:17 ein. Auf der Gegenseite konnte sich im Gegenzug Jimmy Baron prima durchsetzen und für Rom auf 19:17 erhöhen. Alba nun mit Power. Zwei Drei-Punkte-Würfe in Folge, dann machte David Logan noch zwei Punkte im Alleingang, wenig später hieß es sogar 27:19. Alba Berlin blieb zunächst am Ball, Virtus Rom war indes durch seine Sicherheit bei Drei-Punkte-Würfe gefährlich. Zudem konnte Alex Righetti seine Sicherheit bei Freiwürfen unter Beweis stellen. Rom kam heran. Noch 22 Sekunden bis zur Halbzeit. Letzter Angriff für Virtus. Phil Goss gibt an die rechte Seite ab, mit dem Ertönen der Sirene trudelte ein Dreier ins Körbchen. 38:37 für Rom!

AlbaZeit für ein Gewinnspiel. Zwei Zuschauer aus dem Publikum kamen zum Mittelkreis. Torsten und Oliver – gleich beide aus Marzahn. Schmunzeln auf den Rängen. Bilderraten auf der Anzeigetafel. Wann war das? Korac Cup Gewinn 1995, Pokalsieg 2009, der besagte Sieg gegen Bosna Sarajevo, der erste Meistertitel 1997 und der Pokalsieg 2006. Für Oliver kein Problem. Souverän löste er die Aufgaben, da konnte Torsten meist nur staunen. Zu Beginn des dritten Viertels warf Leon Radosevic sogleich zwei Punkte für Alba. Mit dem Fanblock im Rücken wurde sogleich auf 41:38 bzw. 43:38 erhöht. Das Spiel wurde noch intensiver. Rom legte nach, wieder führte ein Dreier zum Ausgleich. Wenig später ging Virtus-Spieler Trevor Mbakwe ruppig zum Ball. Es folgte ein Schiedsrichterball. Sekunden später wurde Quinton Hosley zu Fall gebracht, beide Freiwürfe fanden ihr Ziel. 45:45 nun der Spielstand. Böses Foul an Alba-Spieler Akeem Vargas, Roms Spieler Quinton Hosley durfte sogleich das Feld verlassen. Ein Freiwurf konnte zum 46:45 verwandelt werden. Virtus nun richtig bissig. Fix ein Dreier und sogleich noch einen hinterher. So schnell kann es im Basketball gehen. Und ehe man sich versah, ließ Jimmy Baron noch einen Dreier folgen. 57:49 für Virtus! Treffsicher aus dem Spiel heraus, treffsicher bei Freiwürfen. Rom hielt Alba zunächst auf Distanz. Mit 54:62 ging es schließlich ins letzte Viertel.

Und dieses sollte es in sich haben! Alba bemüht, Virtus schon wieder mit einem Dreier. 60:70 der Zwischenstand. Dann ein kapitaler Fehler von Alba, Trevor Mbakwe machte sogleich das 73:62 für den einmaligen italienischen Meister (1983) und zweimaligen Korac Cup Sieger (1986 und 1992). Und als Virtus-Spieler Jimmy Baron mal eben alle drei fälligen Freiwürfe zum 76:64 verwandeln konnte, deutete nur noch wenig auf einen möglichen Berliner Sieg hin. Doch noch war der Europapokal-Abend nicht zu Ende. Da ging noch was! Reggie Redding zeigte mal sogleich, dass auch Alba hübsch von der Drei-Punkte-Linie werfen kann. 67:76. Zahlreiche Fouls, laute Pfiffe aus dem Publikum. Das Spiel stand auf der Kippe. 67:77 – und noch viereinhalb Minuten. 69:77. Gellende Pfeifkonzerte bei den Römischen Angriffen. Ein Jubelorkan, als es nur noch 72:77 stand. Und immer noch 3:52 Minuten!

Ha! Jimmy Baron verkackte auf gut Deutsch gesagt einen Dreier-Versuch – im Gegenzug prompt zwei Punkte für Alba. Das war der Schlüsselmoment der Partie. Da half auch die 30-sekündige Auszeit der Italiener nichts mehr. Noch drei Minuten und nur drei Punkte Rückstand. Jan-Hendrik Jagla fast mit dem Ausgleich, doch auch zwei Punkte Sekunden später waren nicht zu verachten. 76:77. Im Gegenzug erhöhte der stark aufspielende Trevor Mbakwe auf 79:76 für Virtus. Spannung, als Reggie Redding zwei Freiwürfe bekam. Er behielt die Nerven und konnte somit wieder auf 78:79 verkürzen. Rom kam über die Seite – und schon stand es 78:81. Ein letztes Time out. Die letzten Anweisungen von Alba-Trainer Sasa Obradovic, der einst von 1994 bis 1997 das Alba-Spielertrikot getragen hatte.

AlbaUnd seine Worte fanden Wirkung. Zuerst zwei Punkte zum 80:81, dann Sekunden später das umjubelte 82:81. Noch zehn Sekunden. Ein letzter Angriff für Virtus Rom, das nun alles klarmachen konnte. Aber dann! Balleroberung von Alba. Gegenangriff. 84:81! Der Sieg und somit das Weiterkommen im Eurocup war in trockenen Tüchern! Frenetischer Jubel auf den Rängen, feuchte Augen bei Sasa Obradovic. Zeit für eine kleine Uffta, die vom 35-jährigen Sven Schultze abgestimmt wurde. Was für ein Sieg – und das an alter Stätte. Ganz gewiss ein toller Abend, der sich einreiht in die großen Spiele der letzten 20 Jahre!

Fotos: Marco Bertram

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