Hertha BSC hat Lust: 12:0-Testspielsieg bei der VSG Altglienicke

MD
 
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Hertha BSC

HerthaAls sich alle anderen Hertha-Spieler schon im Kabinentrakt des Fritz-Lesch-Sportplatzes auf ihr Testspiel gegen die VSG Altglienicke vorbereiteten, schlenderte der Oldie im Kader, Levan Kobiashvili, noch gemütlich durch die Straßen von Berlin-Adlershof. Erst kurz vor den Stadiontoren trauten sich einige in blau und weiß Gekleidete, ihn um ein Autogramm zu bitten. Lächelnd ging der Georgier seiner Hauptbeschäftigung an diesem Nachmittag nach.

Hertha BSCFür die Leute aus Adlershof, Altglienicke und der Umgebung war es ein riesen Spektakel, das sich am Dienstag vor ihrer Haustür abspielte. Wann kommt denn schon mal ein Bundesligist zu ihnen? Beinahe die ganze Dörpfeldstraße war von Polizeiwannen gesäumt, zwischen ihnen huschten immer wieder Jungen und Mädchen mit Hertha-Trikots hindurch, während Mama und Papa im Schlepptau ähnlich aufgeregt schienen wie ihre Kleinen. Als der Hertha-Bus vorbei fuhr, winkte ihm ein Teil der Passanten freundlich zu, während der andere, eher ältere, etwas verdutzt dreinblickte. Ein rot/silbrig/weißer Bus, in denen Fußballprofis sitzen, ist für die Anwohner des Bezirks keine Seltenheit. Aber ein blau/weißer?

PolizeiJe näher man sich dem Sportgelände näherte, desto intensiver wurde die Polizeipräsenz. Kurz vor Spielbeginn kreiste sogar ein Hubschrauber über den Platz. Das Bild der vielen Uniformierten mutete völlig übertrieben an. Angeblich hatte sich aber ein Teil aus der Unioner Fanszene angekündigt, was die Ordnungshüter etwas nervös wirken lies. Am Ende kam es zu keinerlei Zwischenfällen, selbst Wortgefechte hielten sich im sportlichen Rahmen.

HerthaSportlich war auch das, was die Hertha, die nahezu in Bestbesetzung antrat, von Beginn an auf das Parkett legte. Nach dem Lauftrainingslager in Bad Saarow und den stundenlangen Fotosessions für die diesjährigen Autogrammkarten am Vormittag schienen die Charlottenburger spritzig und spielfreudig wie in noch keinem Sommer-Vorbereitungsspiel. Vor allem Ronny, Schulz, Ramos und der bärenstarke Baumjohann kombinierten sich nach Belieben durch die VSG-Hintermannschaft. Nur selten konnten sich die „Hausherrren“, die normalerweise auf dem Kunstrasen des Stadions Altglienicke spielen, befreien, ohne aber selbst gefährlich zu werden.

HerthaAls die VSG’er gerade zu zehnt agierten – Palmer wurde behandelt und kurze Zeit später ausgewechselt – klingelte es zum ersten Mal im Kasten von Thoralf „Uli“ Stein. Baumjohann netzte aus halblinker Position flach ein (10.). Es sollte nicht sein letzter Streich gewesen sein. Bereits 180 Sekunden nach dem Führungstreffer erhöhte der Neuzugang aus Kaiserslautern auf 2:0. In Minute 17 dann der nächste Hertha-Treffer. Diesmal schraubte Ronny den Spielstand hoch. Wie? Per Freistoß natürlich.

HerthaAuch die anschließenden Minuten spielten sich folgendermaßen ab: Anstoß, Ballverlust, Tor, Anstoß usw., bis es nach 27 Minuten bereits 0:6 aus Sicht der bemitleidenswerten Altgienicker stand. Allagui, Ramos und abermals Baumjohann (per Freistoß) hießen die Torschützen. Den Herthanern war die Lust nach drei Tagen der Regeneration spürbar anzumerken. Dass bis zum Halbzeitpfiff kein weiteres Tor fiel, verdankten die Altglienicker wohl einer Mischung aus Mitleid und Höflichkeit seitens ihrer Kontrahenten. Fairerweise muss auch gesagt werden, dass sich die VSG nun stabilisierte und sich hin und wieder auch vor dem Tor von Thomas Kraft zeigte.

10Dennoch konnte dem Oberligisten zu Wiederanpfiff nur Angst und Bange werden. Schließlich standen ihnen nun elf neue Akteure gegenüber, denen die Lust auf mehr ins Gesicht geschrieben war. Und tatsächlich setzte sich der Torreigen in Halbzeit zwei fort. Insbesondere Pierre-Michel Lasogga ragte heraus. Der U21-Nationalspieler wollte seinem Trainer Jos Luhukay offenbar zeigen, warum er sich als Stürmer Nummer eins sieht. Ganze 4 (!) Mal traf der bullige Angreifer in den zweiten 45 Minuten. Neben ihm trugen sich noch Ndjeng und Mukhtar in die Toschützenliste ein und machten damit das Dutzend komplett – und brachten die Herren hinter der Anzeigetafel damit in ernsthafte Schwierigkeiten. Mit einem zweistelligen Ergebnis hatten auch sie nicht gerechnet. Nach der „0“ vor der „10“ oder später der „12“ suchte man vergeblich. Ein netter Anblick, der die Schmach ein wenig abmilderte.

Hertha BSCWährend ihre Kollegen auf dem Feld zauberten, wurden auch die bereits ausgewechselten und geduschten Hertha-Spieler noch einmal richtig aktiv. Schließlich wollten alle Autogramm- und Fotojäger unter den 3.022 zahlenden Zuschauern noch auf ihre Kosten kommen. So bekam ein Großteil des jüngeren Publikums wenig von den letzten dreißig Minuten des Spiels mit. Vielmehr kümmerten sich die Kleinen darum, große Trauben um Brooks, Baumjohann, Lustenberger und Co. zu bilden, die teilweise bis an die Seitenlinie heranreichten.

HerthaWer es böse mit den Altglienickern meint, könnte sagen, dass die Herthaner erst hier so richtig ins Schwitzen kamen. Wundern konnte man sich über den deutlichen Qualitätsunterschied aber nicht. Schließlich spielten hier Profis gegen Amateure und während sich der Bundesligist in der heißen Phase der Vorbereitung befindet und schon drei Testpartien absolviert hat, müssen bei der VSG noch alle Rädchen ineinander greifen. Der neue Trainer Lothar Hamann und die Zugänge sollten sich zunächst einmal an das neue Arbeitsumfeld gewöhnen und ehe es in der Oberliga richtig ernst wird, bestreitet die VSG ja noch einige Freundschaftsspiele (u.a. gegen Dynamo Dresden II).

VSGNichtsdestotrotz hatten sich die Anhänger eine etwas weniger hohe Niederlage und vielleicht einen Ehrentreffer erhofft, aber die Hertha war nicht gekommen, um Geschenke zu verteilen. Am Ende konnte sich die VSG-Fanschaft aber doch über einen rundum gelungenen Tag freuen, Erinnerungsfotos schießen und dem Hertha-Bus beim rangieren helfen. Und auch die Altglienicker Spieler um den heute aufopferungsvoll kämpfenden Kapitän Wanski werden sich wohl ihr Leben lang an dieses Spektakel erinnern.

Fotos: Matthias Dehmel

> zur turus-Fotostrecke: Hertha BSC

 

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