90 Minuten Kerker oder Schutz? Polnische Gästekäfige und deren Sinn

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Käfig

Lechia GdanskDie Polen und ihre Gästeblöcke – das ist ein Kapitel für sich. Und so war es längst an der Zeit mal ein paar Exemplare etwas näher vorzustellen. Vorrangig werden es Käfige der unteren Ligen sein. Die Gästeblöcke der Arenen sind so langweilig wie diese selbst. „Kurioserweise“ wurde in der Vergangenheit beim Umbau der Stadien zuerst einmal der Gästeblock abgerissen. Gäste werden in Polen im Zusammenhang mit Fußball oft mit einem Problem gleichgesetzt, obwohl das Land an sich immer gastfreundlich war. Natürlich hat diese Medaille auch zwei Seiten. Einerseits wehte einst ein rauer Wind durch so manches Stadion, andererseits gibt es genug Spiele, bei denen die Verbände oder Woiwodschaften eine nicht nachzuvollziehende Panik an den Tag legen. Fakt ist aber: Die Gästeblöcke sind da, sehen skurril aus und werden genutzt.

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Also, ein vollständiger Überblick ist nur schwer zu bewerkstelligen. Durch Anordnungen des jeweiligen Verbands bzw. der Woiwodschaft gibt es einfach zu viele. Man muss nicht alle vorstellen, da sich einige doch stark ähneln. Aber ich wage mal zu behaupten, dass es jenseits der Arenenwelt keinen Käfig gibt, der irgendwo noch einen „Zwilling“ hat. Daher beschränke ich mich auf eine begrenzte Auswahl an Käfigen und versuche dem, der mit diesen Erscheinungen noch nie etwas zu tun hatte, anhand von kleinen Geschichten das Leben in so einem Gästekäfig etwas näher zu bringen. 

Jene faszinierenden Objekte wecken das Interesse des neutralen Stadionsammlers durch ihre oftmals beeindruckende Monumentalität. Bei vielen werden diese Teile auch eine Abscheu hervorrufen. Ein beliebtes Fotomotiv sind sie allemal. Als „Fremder“ in diesen Käfigen zu stehen ist schon etwas Besonderes. Mit sehr viel Begeisterung nahm ich bereits mehr als einmal an dieser Prozedur teil, ein Teil des Gästemobs zu sein. Wir kamen damals etwas zu spät zu einem Spiel, welches niemals ein Risikospiel war. Die Fans erreichten dann erst zur 30. Minute den Ground. Nun begann ein Ablauf, den es in dieser Form bisher so in Deutschland noch nicht gibt, in Polen aber normal ist. 

> zur turus-Fotostrecke: Gästekäfige in Polen

KontrolleUm erst einmal überhaupt das Stadiongelände betreten zu dürfen, mussten wir unsere Ausweise zücken und neben das Gesicht halten. Ein Polizist nahm alles per Camcorder auf. Eintritt wollte man nicht von uns. Es kommt häufig vor, dass der Gästeanhang in unteren Ligen keinen Zloty bezahlen muss. Nun ging es weiter. Ein anderer Polizist schrieb nun erneut alle Daten des Ausweises ab. War man fertig, musste man warten, bis weitere vier Leute auch mit dieser Bürokratie durch waren. Zu fünft bekam man nun vier Polizisten an die Seite gestellt, die einen zum Käfig brachten. Dort warteten dann die nächsten Beamten, die durch Hunde verstärkt wurden. Maulkörbe trugen sie übrigens nicht. Auf der Laufbahn stand der nächste Polizist, der uns zu Filmstars machen wollte. 

Zu Beginn der zweiten Hälfte waren dann alle 80 Leute drin. Im Gegensatz zu den höheren Ligen, in denen man schon bis zu drei Stunden vor dem Stadion Schlange steht,  natürlich eine Rekordzeit. Der Käfig war aber ganz annehmbar. Aufgrund der Maschendrahtkonstruktion wirkte er nicht ganz so stabil. Die Sicht war gut, da der Zaun nicht so hoch war. Zwischen uns und der Tribüne für Einheimische waren schon noch einige Meter Pufferblock. Gefährlich wurde es nie. Die Einheimischen waren keine Feinde und auch die Polizei hielt sich zurück. Man hat jedoch immer ein mulmiges Gefühl bei der Sache, da die Polizei und Ochrona (Security-Service) oft Streit suchen.

GästeblockBei einem anderen Spiel, welches in der totalen Einöde bei sengender Hitze stattfand, waren wir pünktlich im „Stadion“. Ganz anders als in Deutschland hat hier fast jeder Dorf-Sportplatz noch einen Ausbau. Ab der Kreisliga aufwärts muss man in manchen Regionen sogar einen Bereich für Gästefans einrichten. So musste dieses Dorf es auch tun. Oft sind es nur niedrige Zäune und ein getrennter Eingang. Es erfüllt eben nur den Zweck, ein vorgeschriebener Platz für Gästefans zu sein. Die Einheimischen hatten kein Problem damit, dass wir neben ihnen standen. Egal, ob die Fahrt überhaupt angetreten wird oder nicht, haben manche Vereine immer mindestens einen Beamten der Kriminalpolizei im Schlepptau. 

PolizeiSo war es auch bei diesem Spiel. Hektisch funkte er Verstärkung an, als er die Meute sah, da er nie im Leben mit „seinen Schützlingen“ gerechnet hätte. Nachdem die erste Hälfte neben den Einheimischen verbracht wurde, musste der Tross zur Pause in den Gästebereich, welcher logischerweise über einen separaten Eingang verfügte. Die Abgrenzung zum Spielfeld war nur hüfthoch. Bequem war er ja, aber bei der sengenden Hitze war es schon nicht leicht. Catering gibt es nur in den höheren Ligen. Aber man darf auch manchmal seinen Bereich verlassen, um Getränke zu holen. Es hängt allerdings vom Gegner und der Situation ab. Das Spiel endet und die Polizisten achten darauf, dass auch jeder zügig sein Auto erreicht. Das provozierende Schwingen des edlen weißen Knüppels aus älteren Zeiten, welches vom Kripo-Beamten vorgeführt wurde, durfte natürlich nicht fehlen. Noch beängstigender sind Spielbesuche, bei denen jede Minute die AT, eine Spezialeinheit der Polizei (Masken, Helme, schwarze Uniform und mit ein paar Waffen ausgerüstet), eingreifen kann. Der Anblick allein schüchtert schon gut ein – ähnlich wie bei den „normalen“ Polizisten mit den verspiegelten Visieren, die sich ganz gerne auch mal auf das Spiel mit dem Schlagen auf ihre Schilde einstimmen.

BlekitniEine gute Adresse für Liebhaber fremdartigster Käfighaltung ist der Gästebereich von Blekitni Stary Jaroslaw (7. Liga, Koszalin, Nord-Staffel). Ganz unscheinbar befindet sich neben dem Sportplatz eine kleine Treppe mit Geländer. Nach ein paar Schritten steht man auf mit Gras überwachsenen alten Stufen. Von hier aus kann man nun als Gästefan das Spiel beobachten. Man steht im Prinzip in einem abgesperrten Bereich außerhalb des Sportplatzes und hat einen Zaun, Büsche und Bäume vor der Nase. Es ist schwer zu beschreiben. Die Fotos machen dann die Sache dann hoffentlich etwas verständlicher. 

KumpelsIch bleibe in der Region, aber gehe jetzt mal in das Jahr 2005 zurück. Damals gab es noch eine 3. Liga, die aus 4 Staffeln bestand. Pommern, Kujawien und Wielkopolska wurden zum Beispiel in einer zusammengefasst. So kam es zum Duell zwischen Kotwica Kolobrzeg und Elana Torun. Nach zirka einer halben Stunde tauchte Elana auf. Es war ein kleiner Haufen von knapp 40 Hooligans. Ich fragte mich, wie hier denn die Gäste ins Stadion kommen sollen. Da wurde plötzlich ein Zaunfeld ausgehakt und die Meute in den Käfig gebracht. Im Vergleich zum heutigen Käfig des modernisierten Stadion war der alte alles andere als stabil. Da standen aber schon ganz andere Kaliber drin wie Pogon Szczecin, Zawisza Bydgoszcz, Arka Gdynia oder Lechia. Das ging alles irgendwie. 

Und heute? Da bereitet 2012 ein kleiner Bus aus Slupsk (Stolp in Pommern) schon so viele Sorgen, dass man dem Gästemob die bereits seit Wochen angemeldete Fahrt kurz vorher absagt. Eine Namensliste wurde überpünktlich eingereicht und ein Bus schon lange vorher gebucht. Was macht man nun, wenn man drei Tage vorher den Brief erhält? Man fährt trotzdem und wird natürlich von der Polizei abgefangen und auf einen Parkplatz in Stadionnähe gebracht. Für einen unbeteiligten Liebhaber der Fankultur natürlich ein derber Schlag. Die Besatzung im Gästeblock! – das Stadion hätte richtig gekocht. So wurden aus zirka 200 Metern Entfernung nur ein paar Lieder gesungen und dann zum obligatorischen Gruppenfoto am Strand aufgebrochen. Der moderne videoüberwachte Käfig blieb leer. Das einzige, was noch so ein bisschen an das alte Fußball-Polen erinnerte war der Käfig. Alles war perfekt durchdacht – nur wurde der Käfig nicht zeitgleich mit den Sitzen installiert. So gab es zuerst die Sitze und dann die Zäune, so dass es heute einen mit Sitzplätzen ausgestatteten Pufferblock gibt, der aber komplett eingezäunt und somit nicht zugänglich ist. Wozu sind dann bitte schön dort die Sitzschalen? Das brachte wenigstens das erste kleine Grinsen des Spiels. Das zweite gab es dann, als der Bus auftauchte und Gryf zeigte, dass man doch da ist. Das ganze nennt man dann Auswärtsfahrt und könnte man in Deutschland für normale Fans niemals so anbieten.

KotwicaWas Kotwica seinen Gästen in der Umbauphase anbot, sorgte auch mal für den Lacher bei einer Tour. Man musste damals auf den Nebenplatz ausweichen. Für Gäste wurde ein überdimensionierter Bereich eingezäunt und mit einer winzigen Stahlrohrtribüne versehen. Trotzdem durfte so gut wie keine Fangruppe hinein. Beim Spiel der Zweiten von Kotwica gegen Wielim Szczecinek in der 6. Liga wurde kurz vorher das Heimrecht getauscht, da so weniger Kosten entstanden – die Reisekosten lagen unter dem Preis, der notwendig für das Anheuern von Ordner gewesen wäre. Auch das ist Alltag in Polen. Oder die Risikospiele werden unter Teilausschluss bzw. komplett ohne Zuschauer ausgetragen. Oftmals hängt das mit den auferlegten Bestimmungen der jeweiligen Institutionen ab. Kleine Vereine können es sich dann vielleicht einmal in der Saison leisten, Gäste zu empfangen, da die Ausgaben zu hoch wären.

PolizeiDiese sehr kleinen Käfige sind schon kurios. Zum Relegationsspiel von Pogon Szczecin bei Zatoka Puck gab es anfangs nur ganze 32 Gäste-Tickets. Am Spieltag sagte die Polizei kurzfristig die Fahrt ab. Wohlgemerkt, es war ein immens wichtiges Spiel. Irgendwie schafften es dann doch noch 45 Fans dort hin. Bei uns in Deutschland würde man in solch einer Situation ganz einfach in ein größeres Stadion ausweichen. Wunderlich geht es auch bei der Reserve-Mannschaft von Pogon Szczecin zu. Während die Spiele der U23 im großen Stadion ausgetragen werden, welches für die Ekstraklasa zugelassen ist, muss die Zweitvertretung in der 4. Liga auf dem Nebenplatz spielen. Dort gibt es zwar keinen Käfig, aber gelegentlich Gästefans. Das „Problem“ wird aber ganz einfach gelöst. Von der Straße aus kann man viel vom Spielgeschehen sehen. Die Polizei sperrt einfach einen kleinen Bereich mit Autos ab und fertig ist die Sache. Ein Lkw bringt noch ein Dixi-Klo, falls man mal aufs Töpfchen muss. Eintritt wird unter diesen Bedingungen natürlich nicht mehr verlangt.

PolizeiDass Spiele von außerhalb angeschaut werden, ist eigentlich schon normal. Gästeblöcke werden bei Risikospielen mittlerweile oft gesperrt. Meistens definieren Polizei, Stadt oder Woiwodschaft, was unter einem Risikospiel zu verstehen ist. Gästeblöcke werden auch nicht betreten, wenn man sich den Eintritt ersparen kann, der Chef-Ordner die Namensliste „mal eben nicht dabei hat“ oder man das Abgeben von Daten an die Polizei vermeiden möchte. Die gastgebenden Vereine gehen da auch oftmals ziemlich locker mit um. Da werden die Zäune eben nicht mit Werbung verdeckt, so dass man von außen noch etwas Sicht auf den Platz hat. Am nächsten Spieltag könnte einen selbst das gleiche Schicksal ereilen. Gästefans sind nun mal das Salz in der Suppe und das wissen auch die Vereine. Nicht selten brauchen Gästefans auch keinen Eintritt zu bezahlen. Eine Auswärtsfahrt ist immer mit Überraschungen oder Hürden verbunden. Da wurde auch nicht schlecht gestaunt, als man mal eine Fangruppe aus den Vorkarpaten fragte, weshalb denn deren Auswärtszahlen so schlecht aussehen. „Bei uns dürfen Fans, die unter 18 sind, nur in Begleitung eines volljährigen Erziehungsberechtigten zum Auswärtsspiel.“

radymnoWenden wir uns nun dieser Region etwas genauer zu. Das Vorkarpatenvolk hat in Sachen Kreativität auch Preise verdient. Beim Anblick der Käfige zum Beispiel von Bieszczady Ustrzyki-Dolne, Orzel Przeworsk, Sanovia Lesko oder MKS Radymno treten beim Käfig-Fanatiker vor Begeisterung die Augen aus den Höhlen. Letzterer war beim damaligen Besuch so angelegt worden: Er befand sich direkt hinter dem Eingang. Der Gästemob wird möglichst vom Bahnhof aus zum Stadion gebracht. Der andere Zugang wird einfach abgesperrt, bis der Mob durch ist. Der Käfig hat nur einen Ausgang, so dass schnell die Sache dicht gemacht werden kann, indem man beispielsweise Polizisten davor positioniert. Für Leute, die das Spiel sehen wollen, ist er natürlich eine Frechheit, da der Käfig an sich nur ebenerdig ist, weit vom Spielfeld entfernt liegt und der Zaun hoch und engmaschig ist. 

Zum Debica-Derby im Jahr 2011 musste die Anzahl der Gästetickets exakt durch Ausmessen des Bereiches im Stadion von Igloopol Debica bestimmt werden. Also wurde eine Schablone angefertigt, so dass auf den Stufen Kästchen für Kästchen gezeichnet werden konnten. Eine laufende Nummer in diese zu bringen, war dann nur noch Formsache. 758 Fans von Wisloka Debica durften schließlich das Derby sehen.

OrzelOrzel Przeworsk müsste für ein paar Leser sicherlich ein Begriff sein. Das ist der berühmte Käfig mit dem Dach. Klickt dort das Vorhängeschloss, dann kommt da keiner mehr raus. Um diesen Ground zu kreuzen, wählte ich damals ein Spiel aus, bei dem auch Gästefans zugelassen und anwesend waren. Unia Nowa Sarzyna brachte eine kleine Truppe mit und zündete auch noch überraschenderweise in diesem Zwinger. Die große Frage, die sich dem neutralen Besucher stellen dürfte ist: Was passiert, wenn bei einem Gästefan dort mal ein kleines oder großes Bedürfnis vorliegt? Ich weiß es auch nicht.

An der Grenze zur Ukraine befindet sich Przemysl mit seinem Verein Czuwaj. Czuwaj hatte eins der schönsten Stadien in Polen. Da aber die Anlage in einem schlechten Zustand war und der Verein eine Sanierung nicht stämmen konnte, wurde das Areal an die Stadt zurückgegeben. Die Stadt richtete das Stadion bis auf den Platz und den Gästekäfig wieder her. Kommen Gäste zu Czuwaj, so werden sie neben der unter Denkmalschutz stehenden Tribüne untergebracht – natürlich ohne Zäune. Passiert doch mal etwas, sitzt die Stadt am längeren Hebel und dann muss Czuwaj wahrscheinlich wieder außerhalb von Przemysl auf einem Sportplatz ohne wirklichen Ausbau spielen. 

pyroDie Ausschreitungen sind natürlich nicht zu vernachlässigen bei der Thematik der Käfige. Aber die extremen Zeiten sind seit einer Weile schon wieder vorbei. Wer tut sich denn in den unteren Ligen noch eine Auswärtsfahrt an? Für den Nachwuchs werden sie immer uninteressanter. Dafür Sorgen eine ständige Überwachung, extrem hohe Strafen (5 Jahre Haft für Zünden von Bengalos, die über viele Jahre bei Choreos erlaubt bzw. geduldet wurden und eine „erschreckende“ Verletztenzahl von 0 Personen (N-U-L-L) zu Stande brachten) und auch durch die „Verwestlichung“ orientieren sich Jugendliche nun an anderen Werten, die fern ab des Lokalpatriotismus liegen. 

> zur turus-Fotostrecke: Gästekäfige in Polen

Was ich mal beeindruckend fand, war die Situation bei einem Spiel, in dem der Reiz zur Anfeuerung aufgrund einer fehlenden Heimszene nicht richtig vorhanden war. Die Führungsperson der Gästefans machte dann eine Ansage: „Leute, das geht so nicht. Wir vertreten hier nicht nur unsere Gruppe, sondern auch unseren Verein und unsere Stadt. Jetzt geben wir noch einmal 100 Prozent!“ (das kurwa dazu durfte natürlich nicht fehlen). Eine Denkweise, die langsam aus der Mode kommt. Dann werden die unterklassigen Spiele irgendwann so langweilig wie in unseren Ligen in Deutschland sein. Die Situation auf dem Arbeitsmarkt sorgt natürlich auch dafür, dass erfahrene Fans mit Vorbildfunktion auswandern müssen. 

Baltyk GdyniaBetrachtet man die polnischen Käfige, dann darf ein bestimmtes Spiel nicht fehlen. Nach dem polnischen Pokalfinale in Bydgoszcz im Jahr 2011 gab es eine Attacke von staatlicher Seite auf die Fanszenen, die es in dieser Form und Brutalität nie zuvor gegeben hatte. Aufgrund einer kleinen Auseinandersetzung zwischen den Fangruppen beider Finalisten und der Polizei wurden im ganzen Land für mehrere Wochen die Gästeblöcke geschlossen. Das betraf alle Herren-Teams und zog sich bis zur Jugend. Da kam es dann zu einer sehr großen Solidarität unter den Fangruppen - auch unter den verfeindeten.

Trotz all der Abartigkeit vieler dieser Käfige, wäre es doch ein Verlust für die polnische Fankultur gewesen, wenn sie ab da an leer geblieben wären. Diese Käfige sind doch einzigartig in Europa und jeder, der schon einmal mit ihnen in Berührung kam, war fasziniert von ihnen – wie auch diese kurze, subjektive Schilderung eines Krakauer Sportsfreundes am Anfang der 2000er Jahre es zeigt.

Katowice„Ich war damals noch jung, noch keine 18 Jahre. Es war meine erste Fahrt mit Krakow zu einem Auswärtsspiel. Das Spiel bei GKS Katowice elektrisierte mich förmlich. Die Anspannung und Vorfreude waren groß. Wir fuhren alle mit dem Zug. In Katowice wurden wir von einem Großaufgebot der Polizei und Wasserwerfern empfangen. Wir ließen uns nicht einschüchtern und sangen sogar auf dem Weg zum etwas maroden Stadion. Obwohl wir so viele waren, haben es trotzdem alle pünktlich in den Gästeblock geschafft. Wir kauften ganz normal eine Karte am Stadion. Es war noch nicht so, wie es heute ist. Das Spiel war spannend. Ich bekam auch eine bengalische Fackel in die Hand gedrückt. Sie war Bestandteil der optischen Unterstützung. Die Atmosphäre war unglaublich. Man war wie in Trance. Gegen Ende wurde der Ton rauer und die Lage war angespannt. Der Schiedsrichter beendete das Spiel und es fing die Randale mit der Polizei an. Das waren die ersten größeren Ausschreitungen, bei denen ich dabei war. Ich hatte auch etwas Angst. Unsere Fans gaben sich aber nicht geschlagen. Nach einer gefühlten Ewigkeit durften wir das Stadion endlich verlassen. Während des Rückwegs provozierte uns die Polizei ständig. Auf die letzte Reihe wurde permanent mit Gummiknüppeln eingeschlagen. Wir stiegen in den Zug und fuhren zurück nach Krakow, als ob nichts gewesen wäre. Es war mein erstes Spiel mit Wisla in Katowice und die Emotionen und Eindrücke blieben noch lange im Gedächtnis.“ (turus.net bedankt sich bei polscykibice.com)

Bilder sagen mehr als 1.000 Worte und es gibt so viele Geschichten um diese Bauten, so dass man sie jetzt gar nicht alle erzählen kann. Daher gibt es eine extra angelegte Fotostrecke, welche die verschiedenen Gästeblöcke beinhaltet und in Zukunft immer aktualisiert wird.

Fotos: Michael

> zur turus-Fotostrecke: Gästekäfige in Polen

> zu den turus-Fotostrecken: Fußball in Polen

 

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