HSV lässt sich abschlachten: Bayern München erspielt drittes 9:2 der BL-Geschichte

MB
 
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RibérySchlimm, schlimmer, HSV! Darf man sich als stolzer Bundesliga-Dinosaurier dermaßen die Bude vollballern lassen? Denkbar knapp sind die Hamburger in München an einer zweistelligen Niederlage vorbeigeschrammt. Früher waren es Duelle auf Augenhöhe, am Samstag kam ein Ergebnis heraus, das nach einem schlechten Aprilscherz klingt. Nun ist es soweit: Der Hamburger SV reiht sich ein in die Liste, in der Klubs wie Borussia Neunkirchen, Tennis Borussia Berlin, SSV Ulm 1846, Blau-Weiß 90 Berlin, SG Wattenscheid 09 und Tasmania Berlin zu finden sind. Der HSV in der Rangliste der höchsten Niederlagen der Bundesligageschichte! Allerdings nicht zum ersten Mal!

MillerntorNeun Buden – die hatte zuletzt der besagte SSV Ulm 1846 kassiert. Und zwar am 18. März 2000 gegen Bayer 04 Leverkusen. 20.000 Zuschauer wurden im Donaustadion Zeuge, als Emerson, Paulo Rink, Ulf Kirsten, Oliver Neuville, Zé Roberto, Michael Ballack und Bernd Schneider ein Offensivfeuerwerk abbrannten. Leandro gelang in allerletzter Minute nur noch der traurige Ehrentreffer zum 1:9. Die letzte Niederlage mit einer Differenz von sieben Toren konnte am 10. September 2011 verzeichnet werden. Damals frühstückte der FC Bayern den SC Freiburg glatt mit 7:0 ab. Allein Mario Gómez trug sich viermal in der Torschützenliste ein, Franck Ribéry traf zweimal ins Schwarze, den letzten Treffer des Tages hatte Nils Petersen erzielt. Nur vier Monate zuvor konnte der deutsche Rekordmeister beim FC St. Pauli mit 8:1 für Furore sorgen. Auch bei jener Partie waren Gómez (drei Treffer) und Ribéry (zwei Treffer) gut mit dabei. Ebenso zwei Tore schoss am 07. Mai 2011 Arjen Robben, einen Treffer erzielte per Kopf zudem Daniel van Buyten.

Allianz ArenaAm heutigen Tag war es vor allem Claudio Pizarro, der die bajuwarischen Herzen höher schlagen ließ. Allein vier Treffer gingen auf sein Konto. Das Torreigen eröffnete indes in der fünften Minute Xherdan Shaqiri. 14 Minuten später konnte er für Bastian Schweinsteiger auflegen, der das 2:0 klarmachte. Die folgende Pizarro-Show ergänzten Robben (zwei Treffer) und Ribéry (ein Treffer). Die Hamburger Tore von Bruma (zum 1:8 in der 75. Minute) und Westermann (zum 2:9 in der 86. Minute) fielen beide in einer Phase, in der das Kind bereits in den Brunnen gefallen war und München einen Gang runter schalten konnte. 

Grunwalder Straße9:2 – dieses Ergebnis gab es in der 50-jährigen Bundesligageschichte zuvor erst zweimal. Kurioserweise war der Hamburger SV bereits einmal dran beteiligt. Und das nicht etwa als Sieger, sondern ebenfalls als trauriger Verlierer. Man schrieb den 07. März 1964, als das Team mit der Raute auf der Brust mit 2:9 beim TSV 1860 München unterging. Vor rund 40.000 Zuschauern im Stadion an der Grünwalder Straße legten die Löwen los wie die Feuerwehr. Alfred Heiß machte sogleich in der vierten und achten Minute die ersten beiden Tore klar. Charly Dörfels Anschlusstreffer in der neunten Minute verhalf zu keiner Hamburger Wende. Rudolf Brunnenmeier (zweimal), Wilfried Kohlars und Hans Küppers erhöhten bis zur 59. Minute auf 6:1. Klitzekleine Hamburger Hoffnung, als Uwe Seeler in der 71. den 2:6-Anschlusstreffer erzielte. Doch Pustekuchen: Küppers, Brunnenmeier und Kohlars hatten drei weitere Tore in petto. 

WaldstadionEin weiteres 9:2 gab es am 14. November 1981 zu bestaunen. Eintracht Frankfurt machte damals im Waldstadion vor 23.000 Zuschauern den SV Werder Bremen platt. Und dabei sah es anfangs für das Team von Otto Rehhagel gar nicht mal so übel aus. Norbert Meier hatte in der siebten Minute die Jungs von der Weser mit 1:0 in Front gebracht. Bernd Nickel und Ronny Borchers mit einem lupenreinen Hattrick stellten bis zum Pausentee eine flotte 4:1-Führung her. Uwe Reinders brachte im zweiten Spielabschnitt den SV Werder zurück ins Spiel, doch anschließend ließ es die Eintracht noch einmal richtig krachen. Norbert Nachtweih (zwei Treffer), Beom-geun Cha (zwei Treffer) und nochmal Bernd Nickel stellten das Endergebnis her.

BökelbergZweistellige Ergebnisse gab es indes in der Bundesliga erst sechsmal. Letztmals gelang es Borussia Mönchengladbach einem Team dermaßen auf dem Rasen zu erniedrigen, Eintracht Braunschweig war mit 0:10 das leidtragende Team. Der höchste Sieg der Geschichte dürfte allseits bekannt sein. Am 29. April 1978 bezwangen die Gladbacher Fohlen am letzten Spieltag Borussia Dortmund mit 12:0. Manch einer munkelte, dass dort nichts mit rechten Dingen zugehen konnte. Das zweithöchste Ergebnis können ebenso die Gladbacher ihr eigen nennen, am 07. Januar 1967 überrannten sie den FC Schalke 04 glatt mit 11:0. Und die Tasmania aus Berlin? Diese stellte zwar sämtliche Negativrekorde auf, konnte jedoch eine zweistellige Niederlage in ihrer Pleitensaison 1965/66 vermeiden. Nur mit 0:9 mussen sich die Tasmanen am 26. März 1966 dem Meidericher SV geschlagen geben. 

HSVZurück zum HSV. Die heutige 2:9-Klatscher erscheint umso erstaunlicher, wenn man einen Blick auf die Tabelle wirft. Ausgeglichene Bilanz, vor dem Spieltag ein ebenso fast ausgeglichenes Torverhältnis. An den Europa-League-Rängen darf geschnuppert werden. Doch nach der peinlichen 0:1-Niederlage gegen den FC Augsburg und der derben 2:9-Klatsche in München darf zurecht gezweifelt werden, ob es am Ende der Saison noch etwas wird mit einem Plätzchen, das zum Futtern an den europäischen Fleischtöpfen berechtigt. Ob es nur fiese Ausrutscher waren, dürfen die Nordlichter in einer Woche unter Beweis stellen. Zu Gast ist dann der Tabellennachbar SC Freiburg...

Fotos: turus.net-Archiv

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