Rückblick: Dynamo Dresdens brenzliger Auftritt beim 1. FC Kaiserslautern

Autor: Ric     veröffentlicht am 11 Februar 2013    
 
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Dresden beim FCKNach längerer Zeit stand wieder ein Besuch auf dem berühmt berüchtigten Betzenberg auf der Agenda, wo die Roten Teufel des FCK die Dynamos aus Dresden empfingen. Im sächsischen Elbflorenz wurden um die 3.500 Tickets im Vorverkauf abgesetzt, was auf einen rappelvollen Gästebereich schließen ließ. Der Betzenberg, welcher 1920 seine Eröffnung feierte und seitdem 12-mal in irgendeiner Form renoviert wurde, thront über der gesamten Stadt. Umso näher man dem Stadion kommt, desto wuchtiger kommt einem dieser vor. Der Pfälzer Fußballtempel bietet knapp 50.000 Zuschauern Platz, was bedeutet, dass etwa die Hälfte der Einwohner Kaiserslauterns Platz auf dem „Betze“ hätten. 

Zuerst zum Sportlichen: Knapp 33.000 Zuschauer, unter ihnen rund 4.000 Dresdner, fanden am Freitag den Weg ins Stadion und sahen einen nie gefährdeten 3:0-Erfolg der Roten Teufel. Die defensiv eingestellten Sachsen boten dem FCK zu Beginn die Stirn und suchten auch teilweise recht giftig die Zweikämpfe. Die Lauterer kamen kaum dazu ein Spiel geordnet aufzubauen. Hinten ließen die Pfälzer jedoch auch wenig zu, was auf zwei gute Abwehrreihen zurückzuführen ist. Beide verteidigten geschickt, blieben dafür vorne aber weitgehend blass. 

FCK - DresdenIn der 24. Minute war es schließlich der gerade erst von Union Berlin zum FCK gewechselte M. Karl, der nach Pass von Baumjohann aus knapp 30 Metern abzog. Kirsten im Tor der Dresdner stand etwas zu weit vor der Torlinie und so flog der Ball über ihn hinweg, an die Unterkante der Latte und schließlich ins Netz. Dynamo drückte in der Folgezeit auf den direkten Ausgleich, der FCK konterte gefährlich. Bunjaku konnte einen Pass im Mittelfeld abfangen und über Köhler kam der Ball zu Baumjohann, der per Außenrist ins Zentrum flankte, wo Idrissou zum 2:0 einnickte. Dynamo konnte sich nicht mehr aufbäumen. Das eigene Angriffsspiel war zudem viel zu langsam und umständlich. In der zweiten Hälfte ließ der FCK weitere gute Chancen liegen. E. Hofer erhöhte dann in der 81. Minute nach Pass von Köhler zum 3:0. Der FCK hatte danach noch weitere gute Chancen, aber es blieb beim 3:0. Der Sieg geht auch in dieser Höhe in Ordnung, weil Dynamo nach vorne insgesamt einfach zu wenig machte. Da die direkten Mitstreiter beim Kampf um den Klassenerhalt gewannen – Sandhausen 4:1 gegen St. Pauli (Bericht folgt auf turus.net) und Regensburg 2:0 in Bochum –,  rutschte die SGD weiter nach unten auf einen Abstiegsplatz. Als nächstes kommt der SV Sandhausen dann zu einem echten „6-Punkte-Spiel“ in die Elbmetropole.

FCKNun zum Fantechnischen: Der Betzenberg war früher in Fußball-Deutschland berüchtigt als „Hölle“. Davon ist heute nicht mehr viel zu spüren. Die Atmosphäre im Stadion ist durchaus okay, aber eine „Hölle“ ist dann doch etwas anderes. Wenn man bedenkt, dass ein 3:0-Sieg eingefahren wurde, darf durchaus etwas mehr erwartet werden. Ich persönlich kann mich an andere Spiele dort erinnern, die den Ruf „Hölle“ noch bestätigten. In der Westkurve gibt es mehrere aktive Fangruppen, von denen „Frenetic Youth“ Freitagabend am ehesten das Synonym „Aktiv“ verdiente. Dort war nahezu 90 Minuten Bewegung drin. Hinter der Fahne der „Generation Luzifer“ und des „Pfalz Inferno“ war eher wenig los. Schade. Kurz vor dem Ende wurden die Gäste noch mit tausenden Taschentüchern verabschiedet. Laut wurde es selten, und dann meist bei Anti-Gesängen („Sch*** Dynamo etc.) gegen die Dresdner.

DresdenDer Gästeblock verlagerte sich mehr Richtung Tor als sonst. Der eigentliche Gästeblock in Kaiserslautern ist wegen seiner Lage und Gegebenheiten einer der unbeliebtesten der Liga. Mit respektablen 4.000 Leuten stellten die Gästefans einen zahlenmäßig sehr guten Block für einen Freitagabend. Viele der aktiven Fans kamen im 90er-Jahre-Look (inkl. Schnauzer, Perücken, witzigen Klamotten etc.), frei nach dem Motto „Wie vor 18 Jahren zum FCK“. Im April 1995 spielte Dynamo das letzte Mal auf dem „Betze“. Das Duell der beiden Vereine war auch das erste „Ost/West - Pflichtspiel“ der 1. Bundesliga nach dem Mauerfall. Am 03.08.1991 siegte der FCK in Dresden mit 1:0 am ersten Spieltag. Zeitgleich fand mit Hansa Rostock - Nürnberg ein weiteres Duell zweier ehemaliger, durch eine Mauer getrennter Vereine statt. 

PyroIm Vorfeld des aktuellen Spiels machte ein für Außenstehende eher merkwürdiges erscheinendes Video die Runde. Von diesem kann man halten was man will. Im Stadion jedenfalls präsentierte der Schwarz-Gelbe Anhang mehrmals Leucht- und Rauchelemente, einen mit unzähligen Fahnen beflaggten Zaun und ordentlichen Support. Bei Einlaufen der Mannschaften leuchtete der Block das erste Mal auf. Im weiteren Verlauf gab es weitere Pyrotechnik-Aktionen. Nach dem 2:0 für den FCK schepperte man das „Europapokal-Lied“ in den Abendhimmel, was den Heimanhang verstummen ließ. Stimmungstechnisch ging am Freitagabend der Sieg ganz klar an die Elbe. Nach dem 0:3 war dann aber auch bei den Dynamos die Luft raus. Zu groß war die Enttäuschung. 

DresdenZum Geschehen nach dem Spiel: Zu Fuß in Richtung Parkplatz. Um als Zuschauer diesen zu erreichen, musste man am Gästeausgang vorbei und eine lange Treppe ins Tal hinabgehen. Eben dieser Weg wurde auch den Dresdnern eingeräumt. Der Großteil der Szene ist mit Bussen gekommen, die direkt am Stadion standen. Viele Fans jedoch kamen auch mit dem PKW und dem Zug und mussten den Weg ins Tal zu Fuß antreten. Unter ihnen auch zirka 150 Leute, die schon oben den Eindruck erweckten nicht den direkten Weg zum Auto oder zur Bahn nutzen zu wollen. Was folglich beobachtetet werden konnte, war eine katastrophale Organisation bei der Abreise der Fans, welche wenig später ihren negativen Höhepunkt finden sollte. Die glatten Wege und Stufen der Treppe wurden weder gestreut, noch ausgeleuchtet. Absolut unverantwortlich. Bereits an der Stadionecke vor der Treppe gab es erste Auseinandersetzungen mit der Polizei.
Da alles völlig unbeleuchtet und somit stockfinster war, konnte sich ein etwa 60 bis 80 Mann großer Haufen auch sehr leicht von der Masse absetzen. 

BetzenbergUnten an der Straße angekommen, geschah dann das Unfassbare. Man ließ die Gäste, mit denen es bereits oben Auseinandersetzungen gab, runter auf die Straße, und schickte zeitgleich die Shuttle-Busse mit Lauterer Fans eben jene Straße entlang. Ebenfalls unverantwortlich ist die Tatsache, dass keinerlei Polizei am Ort des Aufeinandertreffens war. Plötzlich rannte ein Großteil des Mobs, der sich im Schutz der Dunkelheit bereits absetzte, den Bussen nach. Viele Minuten später fuhren auch Polizeifahrzeuge herbei. Später bot sich auf der Straße weiter unten ein Ort der Verwüstung. Entglaste Busse, der Asphalt voller Splitter, verbogenen KFZ-Kennzeichen und Autospiegeln, umgeworfenen Mülltonnen und anderen Gegenständen. Was im Detail an den Bussen passierte, war aus der Distanz schwer einsehbar. Fakt ist: Nach einer ruhigen Abreise und einer organisatorischen Meisterleistung der örtlichen Behörden sah das Ganze gewiss nicht aus.

Laut Medienberichten entstand an diesem Abend ein Sachschaden von etwa 70.000 Euro. Sicherlich haben einige Leute dem Verein Dynamo Dresden einen „Bärendienst“ erwiesen. Keinesfalls unbeachtet darf indes die katastrophale Organisation bleiben. Bezüglich dieser wurden eine ganze Reihe Fehler gemacht, welche die Möglichkeit erst schufen, dass es zu solchen düsteren Szenen kam. 

Fotos: Sandy Hartenstein & Ricardo Lichtenfeld

> zur turus-Fotostrecke: SG Dynamo Dresden

> zur turus-Fotostrecke: 1. FC Kaiserslautern

 
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