1. FC Union Berlin vs. SV Sandhausen: Überzeugender Heimsieg mit neuer Tribüne

Autor: Felix     veröffentlicht am 03 Februar 2013    
 
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Union SandhausenEs ist noch gar nicht so lange her, da waren Besucher des Stadions An der Alten Försterei auf maroden unüberdachten Stehplatzblöcken Wind und Wetter ausgesetzt. Die Verhandlungen mit der Stadt Berlin zur Unterstützung der Sanierung bzw. dem Verkauf des Geländes an den Verein führten jedoch schon lange ins Leere, Union wurde schließlich der Umzug in den ungeliebten Jahnsportpark nahe gelegt. Nicht ganz uneigennützig, wurde dieser doch 1998 für 11 Millionen D-Mark runderneuert um einige wenige Amateur-Fußballteams, etwas American Football und das Finale des Berliner Landespokals auszutragen. Union wäre daher ein willkommener Mieter gewesen.

Der Verein blieb eisern und einigte sich schließlich mit der Stadt auf einen Erbbaurechtvertrag über 65 Jahre. Der Rest ist bekannt: in der Drittligasaison 2008/09 zog Union zeitweilig doch in den Prenzlauer Berg, während 2.000 Fans 140.000 freiwillige Arbeitsstunden an der Alten Försterei verrichteten. Pünktlich zur Rückkehr in die Zweite Bundesliga kehrte Union an die fast runderneuerte Heimat zurück: Die Stehplatzblöcke waren jetzt überdacht und höher, nur die alte Haupttribüne war geblieben und wirkte klein im Vergleich. Es vergingen einige Jahre, Union wollte kein finanzielles Risiko eingehen. Zu sehr sind Vereine wie Aachen und Bielefeld ein warnendes Beispiel was passieren kann, wenn man sich mit dem Stadionbau übernimmt. Bei der Finanzierung halfen (erneut) auch die Fans, die Aktien im Wert von gut 2,7 Mio. Euro erwarben und damit zu 44% am Stadion beteiligt sind.

Sandhausen gastiert zur Tribünen-Premiere

TribüneDer Neubau begann zu Beginn dieser Saison und schon heute, zum Spiel gegen den SV Sandhausen, können erstmalig Fans Platz nehmen. Die Spiele vor der Winterpause wurden nur von drei Seiten aus verfolgt und beschallt, und die Kapazität der alten Tribüne war damals nur halb so groß. Daher stellt sich heute die Frage, wie sich die Atmosphäre im wieder vervollständigten Stadion anfühlen und anhören würde. Mit 17.532 Zuschauern wird auch gleich ein großer Teil der neuen Kapazität genutzt. Eine Zuschauerzahl die man zu Beginn der Saison für ein Spiel gegen Sandhausen nicht erwartet hätte. Waldseite und Gegengerade platzen aus allen Nähten, auch die Haupttribüne ist gut gefüllt. Lediglich im Gästeblock steht es sich entspannt (weniger als hundert Fans).

WaldseiteAls sie die Treppen zum Stadion hinaufsteigen und die neue in Flutlicht getränkte Tribüne mit ihren strahlend roten Sitzen mit jeder Stufe immer weiter in Sicht kommt, können sich viele Union-Fans vor Freude nicht beherrschen: „Is dit jeil!“ „Is die fett!“ Mit Einlauf der Mannschaften wird die gesamte Waldseite des Stadions von einem Banner eingehüllt: „Ein Schlachtruf wie Donnerhall – Eisern Union!“ Zur Feier des Tages werden zudem massiv Silvesterraketen abgefeuert, Böllerschüsse knallen für etwa eine Minute. Massiver Einsatz von Pyrotechnik im Stadion? Fehlanzeige. Gezündet wurde hinter der Waldseite, außerhalb des Stadions. Dabei entsteht nicht weniger Gänsehaut, es ist eine „schöne Alternative“ findet auch mein Nachbar. Da zahlt sich aus, dass die Alte Försterei nicht in ein komplett zubetoniertes Plastikstadion verwandelt wurde.

Ultras beziehen Haupttribüne mit ein

Die Ultras auf der Waldseite versuchen sogleich, die Fans auf der Haupttribüne mit einzubeziehen, und diese erhebt sich immer brav von ihren Sitzen wenn es heißt: „Steht auf, wenn ihr Unioner seid!“ Auch gehen die Arme bei Wechselgesängen dieses Mal nicht in Richtung Gegengerade sondern zur Haupttribüne. Und beim Lied „Dem Morgengrauen entgegen“ sieht man dort auch einige Schals wedeln. Trotz alledem wird deutlich, dass sich auf der Haupttribüne eher die zurückhaltenden Fußballgenießer aufhalten, es ist insgesamt vergleichsweise ruhig und ab Minute 40 gehen auch die ersten schon in die Halbzeitpause.

MattuschkaDa führt der das Spiel bestimmende Gastgeber bereits verdient durch Tore von Michael Parensen und Torsten Mattuschka (via Elfmeter). Union erspielt sich mehrere gute Möglichkeiten, auf den Rängen meint man lediglich, dass noch etwas mehr über Björn Kopplin auf der rechten Seite gehen könnte. Nach langer Verletzungspause kann man ihn fast als Neuzugang bezeichnen, heute spielt er problemlos durch.

In der zweiten Halbzeit will ich wissen, wie sich die Stimmung und Akustik von unten anfühlen bzw. anhören. Doch während es in der ersten Halbzeit noch laut von den Rängen schallte, geht es jetzt etwas ruhiger zu. Die Haupttribüne füllt sich nur langsam, die Waldseite singt am Anfang, verflacht aber zunehmend und passt sich dabei dem Geschehen auf dem Rasen an: Union hat das Spiel im Griff, Gefahr kommt für das Tor von Daniel Haas kaum auf.

Neuzugang Özbek kommt und trifft

JubelEin Highlight gibt es dann doch noch: Neuzugang Barış Özbek trifft zwei Minuten nach seiner Einwechslung und zeigt insgesamt eine engagierte Leistung, auch wenn Uwe Neuhaus im Nachhinein meint, man habe ihm seine mangelnde Wettkampfpraxis schon nach den ersten Minuten angemerkt und müsse ihm noch etwas Zeit geben. Eroll Zejnullahu unterstützt die Sandhäuser eine Minute nach seiner Einwechslung noch beim Ehrentreffer (Neuhaus spricht von einem „Lerneffekt“ für den Union-Youngster), dann ist Schluss.

NeuhausGäste-Trainer Hans-Jürgen Boysen gratuliert am Ende zur Tribüne und spricht von einem „hohen Zuschauerdruck“. Mit der neuen Tribüne hallt es jetzt besser im Stadion, zudem wirken die jetzt wieder durchgehenden Stehplatzränge beeindruckender. Die Tribünengäste sind zwar zurückhaltender als der Rest des Stadions, aber das liegt in der Natur der Dinge und war auch schon vor dem Neubau der Fall. Bei engeren, emotionaleren Spielen mit besser gefüllten Gästeblöcken (Aue, St. Pauli, Dresden) wird sie aber bestimmt noch im Verlauf dieser Saison zur vollen Entfaltung kommen.

Der nächste Saisonhöhepunkt findet aber erstmal auswärts statt: am 11. Februar gastiert der 1. FC Union Berlin zum Derby bei Hertha BSC im Berliner Olympiastadion. Sportlich scheint die Mannschaft gut vorbereitet zu sein, moralisch kann sie auf die Unterstützung von etwa 20.000 rot-weißen Fans und Sympathisanten zählen.

Fotos: Marco Bertram & Felix Natschinski

> zur turus-Fotostrecke: 1. FC Union Berlin

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