Slavia Praha vs. Banik Ostrava: Der lauteste Prager Fanblock singt „Stando diky!“

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Pyro Slavia PrahaMit einem langen historischen Abriss zu Slavia zu beginnen, wäre an dieser Stelle verschenkte Zeit - dafür haben Spieler und Fans heute zu viel gezeigt. Fakt ist, dass der 1892 von Studenten gegründete bürgerliche Club in den letzten Jahren eine Achterbahnfahrt hinter sich hat. Nach Meisterschaften in den Spielzeiten 2007/08 und 2008/09 schlugen wirtschaftliche Schwierigkeiten, Probleme mit Investoren rund um den teuren Stadionneubau und ein allgemeines Chaos in der Führungsetage durch. Der Lizenzverlust konnte gerade noch abgewendet werden, aber sportlich ist der frühere „ewige Zweite“ im Mittelmaß verschwunden.

SK Slavia PrahaMit einem langen historischen Abriss zu Slavia zu beginnen, wäre an dieser Stelle verschenkte Zeit - dafür haben Spieler und Fans heute zu viel gezeigt. Fakt ist, dass der 1892 von Studenten gegründete bürgerliche Club in den letzten Jahren eine Achterbahnfahrt hinter sich hat. Nach Meisterschaften in den Spielzeiten 2007/08 und 2008/09 schlugen wirtschaftliche Schwierigkeiten, Probleme mit Investoren rund um den teuren Stadionneubau und ein allgemeines Chaos in der Führungsetage durch. Der Lizenzverlust konnte gerade noch abgewendet werden, aber sportlich ist der frühere „ewige Zweite“ im Mittelmaß verschwunden.

So stehen die Jungs mit dem roten Stern auf dem Herzen auch in dieser Saison nur auf Platz 11, und müssen versuchen, den heutigen Gegner Banik Ostrava (4 Punkte weniger) auf Distanz zu halten. In die schmucke Synot Tip Arena (Kapazität 21.000) pilgern aufgrund der bescheidenen Situation zu normalen Spielen um die 5.000-6.000 Fans. Das heutige Spiel war aber kein normales und daher fanden sich immerhin7.080 zahlende Zuschauer ein (darunter knapp 1.000 im prall gefüllten Gästeblock). Den Slavia Fans ging es aber dabei nicht um das Spiel oder den Gegner. Es galt, einen verdienten Spieler zu verabschieden: Stanislav Vlček, der in fast 150 Spielen die rechte Seite im rot-weißen Trikot beackert hat, dabei maßgeblich zur Meisterschaft 2007/08 beigetragen und auch mal ein wichtiges Tor in der Champions League Qualifikation gegen Ajax Amsterdam erzielt hat. Ihm sollte der heutige Abend gewidmet sein, auch wenn er zunächst auf der Bank saß.

Slavia ChoreoGenug der Vorrede, rein ins Spiel! Von Beginn an gingen beide Mannschaften und beide Fankurven intensiv zu Werk: aus dem Slavia-Block tönten unentwegt brutal laute Gesänge, doch die Gästekurve bot gut Paroli. Noch in der ersten Halbzeit wurde die erste Slavia-Choreographie entrollt: Club- und Nationalfarben hüllten den Block ein, darunter war zu lesen: „Stando diky“ - ein Dankeschön an Vlček (kurze Tschechisch-Lektion gefällig? Die Kurzform von Stanislav lautet „Standa“ – „Stando“ ist der Vokativ; „diky“ heißt Danke). Unter den Bannern wurde ein wenig versteckt gezündelt.

BanikDas Spiel lief so vor sich hin, da trafen plötzlich die Gäste aus dem Gewühl nach einem Freistoß und der bis dahin etwas ruhiger gewordene Banik-Block wachte spürbar auf. Slavias Fans dachten aber nicht daran, ihre Gesänge zu unterbrechen als sich abzeichnete, dass der Ball auf dem Weg über die Linie war. Gegen Ende der ersten Hälfte gab es im Heimblock noch ein ACAB-Banner zu sehen, das beide Fangruppen gemeinsam besangen.

BanikBeeindruckt von Ausdauer und brachialer Stimmkraft der Slavia-Fans hinter dem Tor (die Zuschauer auf Haupttribüne und Gegengerade verfolgten das Spiel weitestgehend schweigsam) gesellte ich mich zu Beginn der zweiten Halbzeit zu ihnen und entdeckte das Geheimnis der lautesten Fankurve Prags: technischer Vorsprung! Der Einpeitscher arbeitete modern mit Mikro und lauten Boxen um seine Herde zu steuern. Just nach meiner Ankunft tauchten die Fans den Block mit Fackeln in orange, auf dem Spielfeld wurde es neblig. Gesang von beiden Seiten und ein großes Banner im Gästeblock („Za Baník život dej!“ – Gib dein Leben für Banik!) - es gab keine Atempause. Dann wurde es in der 64. Minute noch mal richtig laut: Stanislav Vlček kam zu seinem letzten Einsatz im Slavia-Trikot.

Tor für OstravaBei all dem Geschehen auf den Rängen passierte auf dem Platz zum Glück nicht viel: Slavia fehlte es an Durchschlagskraft, Banik wartete geduldig und legte schließlich mit einem direkten Freistoß von der Strafraumkante nach - 0:2. Die Heimfans beeindruckte auch das nicht, nach Abpfiff begann für sie erst der eigentliche Teil des Abends: zur würdigen Verabschiedung von Stanislav Vlček illuminierten 17 Fackeln die Kurve, ein weiteres großes Banner wehte in seinen Ehren („Navždy Legenda“ = für immer eine Legende). Minutenlang skandiert der Block „Stando diky děkujeme“ (Danke, danke Standa), ein Lied das vielen Fans auch noch auf dem Heimweg im Bus auf den Lippen liegt.

Fotos: Felix Natschinski 

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