„Besser als Champions League hier“: Packender Fight im Berliner Landespokal

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Mittwochabend – Zeit für Fußball. Während sich Fans in München oder Turin aufmachen, um ihre Teams in der Gruppenphase der Champions League zu unterstützen, geht Berlin leer aus. Wieder einmal. Einst bat Hertha BSC noch alles was Rang und Namen hatte ins Olympiastadion, besiegte den FC Chelsea, den AC Mailand, und erkämpfte sich sogar ein 1:1 gegen den großen FC Barcelona in einem legendären Nebelspiel. Das war vor über 12 Jahren – seitdem machen die Königsklasse und seit kurzem sogar immer mal wieder die erste Bundesliga einen großen Bogen um die Hauptstadt.

Tur AbdinMittwochabend – Zeit für Fußball. Während sich Fans in München oder Turin aufmachen, um ihre Teams in der Gruppenphase der Champions League zu unterstützen, geht Berlin leer aus. Wieder einmal. Einst bat Hertha BSC noch alles was Rang und Namen hatte ins Olympiastadion, besiegte den FC Chelsea, den AC Mailand, und erkämpfte sich sogar ein 1:1 gegen den großen FC Barcelona in einem legendären Nebelspiel. Das war vor über 12 Jahren – seitdem machen die Königsklasse und seit kurzem sogar immer mal wieder die erste Bundesliga einen großen Bogen um die Hauptstadt.

Tur AbdinFür den interessierten Stadiongänger gab es heute eine Alternative: Berliner Landespokal, 4. Runde: BSV Hürtürkel gegen Tur Abdin Berlin – oberes Berlinligaviertel gegen Bezirksligavorletzten. Zwei Klassen Unterschied, wer die Vorgeschichte nicht kannte, hätte trotz geltender Pokalgesetze eine eindeutige Angelegenheit vermutet. Doch Tur Abdin schaltete bereits in der vergangenen Runde einen höherklassigen Gegner deutlich mit 3:0 aus, und rang Hürtürkel im letzten Jahr sogar mit 5:3 nach Verlängerung nieder. Die Saison verlief damals überhaupt sehr gut für die Weddinger: fünfter in der Liga, Pokalaus erst im Viertelfinale gegen den späteren Finalisten SC Gatow. Hürtürkel unterschätzte den Gegner dieses Mal nicht, schickte vorab sogar Späher die festgestellt haben werden, dass der Tabellenstand die spielerische Klasse nicht ganz exakt wiedergibt. 

Berliner PokalAuf dem vom Regen aalglatten Kunstrasen sah es heute für lange Zeit auch nicht nach einem Klassenunterschied aus. Hürtürkel war augensichtlich technisch besser, Tur Abdin hielt aber gut dagegen. Das nasse Geläuf war eine Herausforderung für beide Mannschaften – „quietsch, quietsch, quietsch“ klang es bei jedem Schritt, der Ball war glitschig und die Spieler rutschten bei Grätschen regelmäßig bis ins Gebüsch (der englische Begriff „sliding tackle“ bringt das deutlich besser zum Ausdruck).

Hürtürkel übernahm mit zunehmender Spieldauer die Kontrolle und kam zu gefährlichen Möglichkeiten, doch mitten in dieser Phase trafen plötzlich die Gäste: eine flach herein gespielte Ecke fand ihren Abnehmer, der Ball wurde aus kurzer Distanz unter die Latte gewuchtet. 30 Minuten waren zu diesem Zeitpunkt gespielt und Tur Abdin schien sich gefangen zu haben. Die Konzentration reichte aber nur bis kurz vor der Halbzeit, Hürtürkel köpfte den Ball nach einer Freistoßflanke zum Ausgleich ins Netz. Sollte es jetzt seinen gewohnten Gang gehen, würde der Underdog nun einbrechen?

HürtürkelMitnichten – beide Teams spielten in Halbzeit zwei sehr offensiv und hitzig, auf den Rängen und auf dem Feld ging es hoch emotional zu. Hürtürkel schaffte es erneut, den Bezirksligisten gehörig unter Druck zusetzen, erspielte sich viele Ecken und gute Tormöglichkeiten. Doch Tur Abdin stand dem in nichts nach, spielte mutig nach vorn und konnte nach Kontern mehrere gefährliche Torschüsse abgeben. 

Die Zuschauer sahen einen packenden Pokalfight, der kaum Atempausen zuließ. Die schnell vorgetragenen Angriffe auf beiden Seiten, gute Torchancen am Fließband und das immer näher rückende Ende forderten ihnen starke Nerven ab: „Besser als Champions League hier“ war zwei Minuten vor Schluss aus der Menge zu hören. Es wurde noch intensiver: Tur Abdin traf den Pfosten, Hürtürkel setzte den Ball kurz darauf aus fünf Metern freistehend am Tor vorbei.

HürtürkelDie Trainerbank der Gäste erinnerte den Schiedsrichter gerade, dass er bereits sehr lange nachspielen ließ, da kam es zum entscheidenden Spielzug: einmal den Ball nur halbherzig aus der eigenen Hälfte geschlagen, einmal nicht energisch genug hinterher gerannt, einmal unkonzentriert gestanden. In der vierten Minute der Nachspielzeit erzielte Hürtürkel das 2:1, kurz danach war Schluss. Die Anspannung senkte sich, es wurde vielen bewusst, was sich hier über 94 Minuten abgespielt hat, wie sich beide Mannschaften nichts geschenkt und doch alles gegeben haben. Spiele wie dieses verdienen keinen Verlierer.

FlutlichtAuf dem Heimweg ertönte der Jubel aus einer nahe gelegenen Fußballkneipe: Bastian Schweinsteiger hatte gerade den FC Bayern mit 1:0 gegen Lille in Führung geschossen. Am Ende wird es ein 6:1. Auch die Fans in Turin können sich über ein deutliches 4:0 freuen. Fast 100.000 Zuschauer verlassen gesättigt ihre großen Stadien. Als am Jahnsportplatz zu Berlin der letzte der schummerigen Flutlicht-Scheinwerfer erlischt und den kleinen nassen Kunstrasenplatz in Dunkelheit hüllt, ist das packende Pokalspiel noch immer bei den etwa 90 Zuschauern präsent. Und es scheint, als ob der eine vorhin Recht hatte – so viel besser konnte diese Champions League ja nun auch nicht gewesen sein.

Fotos: Marco Bertram, Felix Natschinski

Auf www.GroundhoppingEtc.com und www.facebook.com/GroundhoppingEtc berichtet Felix über seine Stadionerlebnisse, u.a. in Berlin, London oder Prag.

> zur turus-Fotostrecke: BSV Hürtürkel gegen BFC Tur Abdin

 

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