Steigt Hertha BSC ab? Berliner schockt nichts, Rückblick auf ganz bittere Zeiten

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Markus Babbel, Trainer der TSG 1899 Hoffenheim, wird schon wissen, wie er sein Team für das Auswärtsspiel im Berliner Olympiastadion einzustellen hat. Keine Leichte Aufgabe für die Hertha am letzten Spieltag der Saison 2011/12. Dem nicht genug, müssen die Berliner auf Schützenhilfe des FC Bayern München hoffen. Der 1. FC Köln muss verlieren, die alte Dame muss gewinnen – dann würde sich das Hintertürchen Relegation öffnen. Und falls nicht? Ab in die 2. Bundesliga – und das zum zweiten Mal in kürzester Zeit. Anlass genug, um mal einen Blick auf ein ganz trauriges Hertha-Kapitel zu werfen!

ticket hertha bscMarkus Babbel, Trainer der TSG 1899 Hoffenheim, wird schon wissen, wie er sein Team für das Auswärtsspiel im Berliner Olympiastadion einzustellen hat. Keine Leichte Aufgabe für die Hertha am letzten Spieltag der Saison 2011/12. Dem nicht genug, müssen die Berliner auf Schützenhilfe des FC Bayern München hoffen. Der 1. FC Köln muss verlieren, die alte Dame muss gewinnen – dann würde sich das Hintertürchen Relegation öffnen. Und falls nicht? Ab in die 2. Bundesliga – und das zum zweiten Mal in kürzester Zeit. Anlass genug, um mal einen Blick auf ein ganz trauriges Hertha-Kapitel zu werfen!

Hertha bscDrehen wir die Zeit noch einmal zurück. Hertha BSC in der Saison 1993/94. Eine richtig grausige Angelegenheit! Verschollen in den Niederungen der 2. Bundesliga, die damals um Längen nicht so attraktiv war wie in der Gegenwart. Nix mit Kult à la brisante Ultrà-Liga. Zweite Liga – das bedeutete vielerorts Tristesse und mangelndes Fußballinteresse. So auch bei Hertha BSC. Selten, sehr selten waren im Berliner Olympiastadion fünfstellige Besucherzahlen zu verzeichnen. Meist kamen um die 6.000 treue Fans. Wenn es ganz bitter kam, waren es manchmal sogar nur knapp 4.000 Zuschauer, die sich in der kühlen, trostlosen Schüssel verloren.

Hertha BSCNach dem Erstligaausflug in der Saison 1990/91 wurde es nichts mit einem Wiederaufstieg. Hertha BSC verkümmerte in den Niederungen. Schlimmer noch: In der besagten Spielzeit 1993/94 ging es sogar ums Eingemachte. Der Abstieg in die drittklassige Oberliga drohte. Rang 11 in der Abschlusstabelle täuscht, denn am Ende der Saison hatte die alte Dame noch einmal die Kurve gekriegt. Ein paar Spieltage zuvor standen die Berliner gemeinsam mit Tennis Borussia Berlin ganz unten.
Dabei fing im Juli 1993 alles recht passabel an. Nach dem 1:1 beim FC Carl Zeiss Jena vor 5.700 Zuschauern folgte daheim ein 1:0-Sieg gegen Waldhof Mannheim vor knapp 10.000 Zuschauern. Sven Demandt hatte in der 43. Minute den Treffer des Tages erzielt. Da ginge doch was, dachten nicht wenige. Eine erste Ernüchterung am 08. August 1993 beim VfL Wolfsburg im alten VfL-Stadion. 7.000 Zuschauer, unter ihnen beachtlich viele Hertha-Fans, sahen, wie Goalgetter Siegfried Reich kurz vor der Pause die Wölfe zum Jubeln brachte.

Noch war die Stimmung in Berlin nicht verkorkst. Man hoffte auf einen einmaligen Ausrutscher. Und in der Tat: 8.200 Zuschauer sahen einen 1:0-Sieg gegen den FC Homburg. Wieder war es Sven Demandt, der das goldene Tor geschossen hatte. Es folgten ein 1:1 beim Chemnitzer FC und ein 1:1 gegen den SV Meppen. Hoffnung machte zudem das 2:2 beim FC Hansa Rostock vor rund 7.000 Zuschauern im Ostseestadion.

Nachdem Olaf Bodden die Kostocker mit 2:0 in Führung gebracht hatte, konnte Publikumsliebling Theo Gries mit zwei Toren die Sache noch ins Lot bringen. Sieben Spiele, nur eine Niederlage, Rang acht. Das konnte sich sehen lassen. Nun noch ein paar Siege nachlegen und dann würde die Hertha ganz oben zum VfL Bochum, zu 1860 München, Hansa Rostock, Saarbrücken und Bayer 05 Uerdingen aufschließen. So dachte man.

VFL BochumAm 15. Spieltag war bereits jegliche Euphorie verflogen. Platz 14 (von insgesamt 20 Teams), drei Siege standen fünf Niederlagen gegenüber. So gab es auch beim Tabellenführer VfL Bochum vor 11.000 Zuschauern im Ruhrstadion nichts zu holen. Da half auch nichts, dass Dariusz Wosz mit Rot vom Platz musste, Hertha verlor die Partie mit 1:3. Apropos, bei Hertha stand bereits Uwe Reinders statt Günter Sebert an der Außenlinie. Auch mit Reinders setzte es am 16. Spieltag eine richtig böse Klatsche. Vor nicht einmal 5.000 Zuschauern musste sich die Hertha daheim dem Wuppertaler SV mit 0:3 geschlagen geben. Was zu jenem Zeitpunkt noch niemand ahnen konnte: Das Rückspiel beim WSV würde die Wende bringen.
Erst einmal trudelten die Berliner immer tiefer und tiefer in den Keller. 0:1 beim FC St. Pauli vor 14.100 Zuschauern im Millerntor-Stadion. 1:1 gegen Bayer 05 Uerdingen (jetzt KFC Uerdingen) vor sage und schreibe 3.100 Zuschauern im nasskalten Olympiastadion. Ein Hoffnungsschimmer am 11. Dezember 1993. Hertha erkämpfte beim SC Fortuna Köln nach Rückstand einen 3:1-Sieg. Gerade einmal 800 wackere Fußballfreunde wollten damals im Südstadion diese Zweitligapartie sehen. Das sprach für sich. Zum einen war der Hauptstadtklub ganz gewiss kein Zugpferd, zum anderen kann man sich leicht ausmalen, wie wenig Unterstützung die Hertha auf ihren Auswärtstouren erhielt. Hierbei sei angemerkt, dass ich einige Auswärtsspiele im Raum NRW persönlich bewundern durfte. In Köln, Bochum, Wuppertal und Uerdingen.

OlympiastadionDie blau-weiße Hertha kam einfach nicht in Tritt. Nach dem 21. Spieltag war Platz 17 der Stand der Dinge. Gerade einmal vier Siege konnten bis dato eingefahren werden. Es kam richtig knüppeldick. Am 19. März 1994 verlor Hertha zu Hause mit 1:2 gegen den Chemnitzer FC. Der Spieler mit dem klangvollen Namen Sixten Veit (später selbst bei Hertha unter Vertrag) erzielte beide Treffer für die Himmelsblauen. Das Desaster ging weiter. 0:1 in Meppen, 0:1 gegen Hansa Rostock. Selbst dieses Spiel lockte nur noch 4.700 Unentwegte ins Stadion. Hertha am Tiefpunkt. Nur der FC Carl Zeiss Jena und Tennis Borussia Berlin standen noch tiefer in der Tabelle.
Nach der 0:2-Niederlage bei Rot-Weiss Essen war es dann passiert. Die Schande war perfekt. Tebe auf dem letzten, Hertha BSC auf dem vorletzten Platz. Als geborener Berliner schämte man sich maßlos. Auf der Arbeit legten Kollegen die aktuelle Zweitligatabelle auf den Tisch. Mit dem Hinweis: „Willst du Berliner oben sehn, musst du die Tabelle drehn!“ Das hatte gesessen. Ein Stich mitten ins Berliner Bärchenherz.

Immerhin. Das Duell der peinlichen Kellerkinder konnten die Herthaner am 3. Mai 1994 mit 2:1 bei Tebe für sich entscheiden. Knapp 7.000 Zuschauer sahen die ins Olympiastadion verlegte Partie. Hätte Tebe-Spieler Bjarne Goldbeck statt einer vielleicht zwei oder drei Buden gemacht – wer weiß. Vielleicht hätte das der Hertha endgültig das Genick gebrochen. So jedoch tauchte ein klitzekleines Lichtlein am Horizont auf. Nach dem überraschenden 5:0-Sieg gegen den 1. FSV Mainz 05 legte Hertha mit einem 2:0 bei Hannover 96 nach.

ticket wsvEng blieb es jedoch bis zum 35. Spieltag. Am 25. Mai 1994 um 19:30 Uhr stand das direkte Duell der Abstiegskandidaten Wuppertaler SV gegen Hertha BSC auf dem Programm. Mit ungutem Gefühl ging es am Mittwochabend ins Stadion am Zoo. Rund 4.000 Zuschauer hatten sich eingefunden, unter ihnen auch rund 200 Gästefans im Away-Winkel in der letzten oberen Ecke des völlig maroden Stadions. Das Team von Hertha BSC, mittlerweile trainiert von Karsten Heine, ergriff den Strohhalm. Irgendwie mit Kampf und Krampf konnten die Berliner das Spiel mit 2:1 für sich entscheiden. Schützenhilfe gab es in der 37. Minute, als WSV-Spieler Christian Broos den Ball im eigenen Netz unterbrachte. Nach dem Ausgleich von Markus Aerdken nach gut einer Stunde war es Carsten Ramelow, der in der 75. Minute den leidgeplagten Hertha-Anhang zum Jubeln brachte.

ticket uerdingenDrei Tage später machte Hertha mit einem 2:1-Sieg gegen den FC St. Pauli vor immerhin 13.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion die Sache rund. Große Unterstützung gab es auch beim letzten Auswärtsspiel der Saison. Über 1.000 Hertha-Fans begleiteten ihr Team in die Grotenburg von Bayer 05 Uerdingen. Immerhin ein 0:0 erkämpften die Berliner Jungs beim Tabellenzweiten. Der blau-weiße Anhang feierte im Gästeblock eine prächtige Party.
Über 10.000 Zuschauer sahen sich auch in der kommenden Woche versöhnt. Gegen Fortuna Köln gab es zwar nur ein 1:1, doch das war den meisten egal. Der Hertha-Anhang war heilfroh, dass ihr Team noch einmal den Kopf aus der Schlinge ziehen konnte. Ganz sicher: Diese Saison war ein echter Knackpunkt. Wäre die Partie beim WSV verloren gegangen, hätte dies womöglich zum Abstieg in die Oberliga geführt. Niemals hätte dann die 1. Bundesliga die Berliner im Sommer 1997 im Fußballoberhaus begrüßen dürfen.

Welche Knack- und Wendepunkte dürfen die Hertha-Fans im Jahre 2012 erleben? Einen Sieg gegen Hoffenheim? Eine Relegation gegen Fortuna Düsseldorf, Paderborn oder den FC St. Pauli? In wenigen Tagen wissen wir mehr...

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