1. FC Union Berlin vs. Eintracht Frankfurt: Fans bieten dem DFB die Stirn

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„Hallo Unioner!“ Lauter Jubel. „Hallo Frankfurter!“ Gedämpfter Jubel in der Stadionecke. „Psst! Ihr dürft gar nicht hier sein!“, scherzte der Stadionsprecher des 1. FC Union Berlin kurz vor Anpfiff gegen den Klassenprimus Eintracht Frankfurt. Einsam hing zu jenem Zeitpunkt eine kleine Eintracht-Fahne am Zaun des verwaisten Gästebereichs der Alten Försterei. Dass jedoch Fans bzw. Ultras der Eintracht im Stadion verweilten, war eher ein offenes Geheimnis. Was die Fans von Dynamo Dresden in Frankfurt schafften, gelingt den Jungs von der Mainmetropole allemal. Noch unklar war jedoch, wie viele es wirklich geschafft hatten ins Stadion zu gelangen. 500? Oder gar rund tausend?

Eine klare Ansage gab es von den Union-Ultras auf der Waldseite. „FI** DICH DFB!“ war in großen schwarzen Buchstaben auf weißem Stoff zu lesen. Dazu ein lautes „Fußballmafia DFB!“ Der Union-Anhang ließ das Spruchband so lange oben bis unten auf dem Platz angepfiffen wurde. Jeder sollte diese klare Botschaft zur Kenntnis nehmen. Falls möglich, auch die Zuschauer vor den Fernsehgeräten.

Die Frankfurter Fans meldeten sich in der Ecke auch schon mal verbal zu Wort. Noch eher zaghaft, doch bereits unüberhörbar. Als Idrissou bereits in der neunten Minute das 1:0 für die ambitionierten Gäste schoss, sprangen auch auf der Sitzplatztribüne einige Fans jubelnd auf.



Die Zeit war gekommen, dass so langsam der leere Gästebereich in Augenschein genommen werden konnte. Bewegung auf den Rängen hinter dem Tor. Erste Frankfurter Fans kletterten auf den Zwischenzaun. Ordner und Polizei waren fix zur Stelle, hielten sich jedoch sehr zurück. Nur nicht die Sache eskalieren lassen. Denn eine Sache stand fest: Die Stimmung im gesamten Stadion hätte schnell umkippen können.
„Hurra, hurra, die Frankfurter sind da!“, hieß es auf der Gästeseite. „Lasst sie rüber, lasst sie rüber!“ und „Die Mauer muss weg! Die Mauer muss weg!“, wurde auf der Waldseite gefordert. Dazu von beiden Seiten ein knackiges „Fußballmafia DFB!“

Es gab kein Halten mehr. Die reichlich angereisten Frankfurter enterten friedlich den Sitzplatzblock des Gästebereichs. Nach wenigen Minuten war dieser komplett gefüllt. Nun kam Fahrt in die Sache. Das Ganze wurde für den Verband ein echtes Eigentor. Während die Partie live im Fernsehen übertragen wurde, riefen nun tausende Fußballfans von beiden Seiten im Wechselgesang: „Scheiß DFB!“ Ein echtes Desaster für den DFB. Dem nicht genug, zogen die Union-Ultras noch einmal das kaum übersehbare Spruchband hoch.

Gespielt wurde auch noch. Allerdings lässt sich die Sache recht fix zusammenfassen. Union Berlin machte kein schlechtes Spiel. Wie Eintracht-Coach Armin Veh nach der Partie wohlwollend zugab, waren die Eisernen wohl das einzige Team, das es in der laufenden Saison geschafft hatte, gegen Frankfurt mehr Spielanteile zu haben. 56 Prozent Ballbesitz für die Berliner. 52 Prozent gewonnene Zweikämpfe. 14 zu 14 Torschüsse. Alles prima aus Sicht der Unioner. Bis auf einen Fakt. Union machte keine Tore, Eintracht dagegen gleich vier. Ganz gewiss fiel der Sieg der Eintracht zu hoch aus, doch die Art und Weise, wie die Treffer herausgespielt wurden, war schon wirklich beeindruckend!

Während die Berliner vor dem Frankfurter Gehäuse nicht präzise und abgeklärt genug waren, wurde bei den Gästen vorgelegt und eingelocht wie im Training. Locker, flockig, eins, zwei, drei und vier. Erwin Hoffer mit dem Kopf, Alexander Meier zweimal mit rechts. Dabei hatte es Union mehrmals auf dem Fuß gehabt, den Ausgleich bzw. den Anschlusstreffer zu erzielen. Tijani Belaid zum Beispiel in der 55. Minute, um nur eine Möglichkeit zu nennen.

Beste Laune natürlich unter den Frankfurter Fans, die einen prächtigen Support ablieferten. Improvisiert erschien nichts. Der Zaun war beflaggt. Am Gesang nahm fast jeder im Block teil. „Stadionverbot, wir haben alle Stadionverbot“, „Frankfurter Jungs, Frankfurter Jungs, wir sind alle Frankfurter Jungs...“. Zwischendurch immer wieder ein kraftvolles „Scheiß DFB!“ und ein „Ihr macht unseren Sport kaputt!“ Nach dem dritten Treffer der SGE dann noch die Klassiker „Nie mehr zweite Liga, nie mehr...“ und „Den Eintracht-Frankfurt-Walzer tanzen wir...“



Die Laune verderben ließen sich die Heimfans jedoch nicht. Der Klassenerhalt war in trockenen Tüchern. Da fiel das 0:4 gegen den Aufstiegsfavoriten nicht allzu sehr ins Gewicht. Vielmehr freuten sich nicht wenige Zuschauer, dass dem DFB ein Schnippchen geschlagen wurde. Gemeinsam brachten beide Fanlager den Abend stimmungsvoll und absolut friedlich über die Runden. So kann Fußball sein!

Fotos: Marco Bertram

> zur turus-Fotostrecke: Eintracht Frankfurt

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