Tasmania Berlin streicht das Gropiusstadt und startet mit einem 4:0-Sieg

MB
 
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altAuf der Webseite des SV Tasmania Berlin ist noch SV Tasmania Gropiusstadt 1973 e.V. zu lesen. Kein Wunder, fand die letzte Mitgliederversammlung erst am 30. Juni 2011 statt. Auf jener wurde beschlossen, das „Gropiusstadt“ im Vereinsnamen durch „Berlin“ zu ersetzen. Entfernt wurde zudem das „1973“. Eine Assoziation zur traditionellen SC Tasmania 1900 soll hergestellt werden. Anknüpfen an alte Traditionen, so wie es auch beim BFC Viktoria 1889 erfolgreich gemacht wird. Viktoria spielt bereits in der Oberliga NOFV-Nord, in diese gehört eigentlich Tasmania Berlin auch allemal!

Als Rixdorfer TuFC Tasmania 1900 wurde der Verein, der im Sportpark Neukölln ansässig ist, am 02. Juni 1900 gegründet. 1912 erhielt der Verein dann den Namen Neuköllner SC Tasmania. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Klub im Jahre 1949 schließlich in SC Tasmania 1900 Berlin umbenannt. Unter diesen Namen erlangten die Tasmanen bundesweite Berühmtheit. Unvergessen – ja diese Sache muss wieder einmal aufgerollt werden – die Bundesligasaison 1965/66. Tasmania Berlin kurzerhand als Ersatz für Hertha BSC, das aufgrund erhöhter Prämienzahlungen aus der Bundesliga ausgeschlossen wurde.

altEs folgte eine Saison der Rekorde. Zwei Siege in 34 Saisonspielen. 8:60 Punkte. Ein Torverhältnis von 15:108. Das Team von Tasmania war in der 1. Bundesliga völlig überfordert. Siege gab es gegen den Karlsruher SC (2:0) und gegen Borussia Neunkirchen (2:1). Auswärts nur ein einziges Remis zu holen und zwar ein 0:0 beim 1. FC Kaiserslautern. Welch böse Klatschen musste Tasmania damals verschmerzen. 2:7 beim 1. FC Nürnberg, 0:9 gegen den MSV Duisburg, 0:6 gegen den 1. FC Köln. Das Resultat: Letzter Platz in der ewigen Bundesligatabelle, schlechteste Saisonbilanz aller Zeiten, die meisten Gegentore, die wenigsten Punkte, die längste Heimniederlagenserie, und und und.
Beachtlich damals der extreme Absturz in der Zuschauergunst. Anfangs kamen 81.500 und 70.000 Zuschauer zu den Heimspielen ins Berliner Olympiastadion, am Ende der Spielzeit waren es dann nur noch 827 (!) gegen Borussia Mönchengladbach.

Nach dem Abstieg in die Regionalliga wollte Tasmania noch einmal angreifen, übernahm sich dabei jedoch und musste 1973 Insolvenz anmelden. Im gleichen Jahr wurde der inoffizielle Nachfolger SV Tasmania 73 Neukölln (später SV Tasmania Gropiusstadt 1973) gegründet.
In der laufenden Saison treten die Tasmanen nun als SV Tasmania Berlin in der Landesliga Berlin Staffel 1 an. In der Vorbereitung ging es gegen Alt-Glienicke (1:2), Stern 1900 (3:0), Blankenfelde (3:1) und Türkiyemspor (1:2) ran. Mit Spannung wurde nach den passablen Testspielen der erste Spieltag der Landesliga erwartet. Zu Gast im Sportpark Neukölln der SV Norden-Nordwest. Das Saisonziel der Tasmanen: Ein Platz im oberen Tabellendrittel. Doch sollte es für den Aufstiegskampf reichen, würde man sich nicht wehren.

altWillkommen im „Schmuckkästchen“ Sportpark Neukölln. Und in der Tat: Die Sportanlage kann sich durchaus sehen lassen. An den Seiten zwei Tribünen, die sogar teilweise mit Sitzschalen bestückt sind. 4.500 Zuschauer finden Platz. Manch ein Oberligist (Optik Rathenow oder Germania Schöneiche) würde sich über solch ein Fußballstadion freuen.
Der Eintritt: Sechs Euro bei Pflichtspielen, vier Euro bei Freundschaftsspielen. Ermäßigt kostet der Spaß vier bzw. zwei Euro. Moderat die Preise für die Getränke. Ein Euro für eine Fassbrause, zwei Euro für ein frisch gezapftes Bier. Hinter dem Tor sind Bierbänke aufgestellt, auf denen man gemütlich sein Bierchen zischen kann. Ein hoher Zaun verhindert, dass einem der Ball um die Ohren fliegt.
Rund einhundert Zuschauer hatten sich am Sonntagnachmittag zum Spiel eingefunden. Alte Kiebitze, aber auch jüngere Leute. Siebte Liga hautnah. Wer mit einem Kleinkind unterwegs ist, der ist bei Tasmania gut aufgehoben. Den Kinder- bzw. Sportwagen kann man am Spielfeldrand entlangschieben, und zu beiden Seiten befinden sich zwei Kunstrasenplätze, auf denen sich das Bübchen (oder auch das Mädel) richtig austoben kann.

altLeider gibt es derzeit keinen Stadionsprecher, was auch von den alten Kiebitzen moniert wurde. Beim Bierchen wurde so oder so emotional diskutiert. „Da musste aber...“, „Haut der doch aus fünf Metern drüber...“, „Ja unsereins damals...“, „Der is echt jut...“, „Muss man kieken...“, „Haste Schalke jesehn?“, „Mach doch nach drüben...“, „Fortuna Spandau is doch ooch noch da...“, „Muss ma mit rechne...“, „Ach ja, da ham wa schön verloren, damals...“
Auf dem Platz ging es munter zur Sache. Blau gegen Rot. Tasmania gegen Norden-Nordwest. Erste Chancen für die Hausherren, doch entweder war der Norden-Torhüter auf dem Posten oder die Hereingaben waren zu ungenau. Nach einer Viertelstunde kamen die Gäste frecher vor das Tor. Ein Freistoß ging straff an die Latte, so dass den älteren Herrschaften hinter dem Zaun fast das Bier aus der Hand fiel.

Nach 30 Minuten bekam Tasmania das Spiel immer mehr in den Griff. Nach 35. Minuten der erste Torjubel. Doch stop! Der Treffer wurden wegen vorangegangenem Foulspiel nicht gegeben. Fast ein Ding gefangen hatten sich die Hausherren noch unmittelbar vor dem Pausenpfiff. Rettungstat des Tasmania-Keepers.
Eine Schippe drauf legte Tasmania im zweiten Spielabschnitt. In der 63. Spielminute war es soweit. Erst ein Heber an die Latte, dann vor dem Tor völlig versagt, doch dann war Jack Grubert zur Stelle und lochte zum 1:0 ein. Die Spieler zu erkennen, war jedoch nicht allzu leicht. Im Programmheft keine Nummernzuteilung beim Aufgebot, keine Namen auf den Trikots, kein Stadionsprecher, und der Kader auf der Webseite wurde noch nicht aktualisiert. Allerdings ist auf der Seite etwas von „erneuten Grubert-Festspielen“ gegen Hertha 06 zu lesen. Dieser Stürmer scheint einen guten Lauf zu haben.

altFlott ging es weiter. Die Nummer 3 flankte rein, doch niemand fand sich, um die gute Vorlage zu verwerten. Aus Wut wurde gegen den Zaun gehämmert, so dass sich ein Schild scheppernd löste. Bitteres dann in der 70. Spielminute. Vor dem gegnerischen Tor kugelte sich die Nummer 6 (Inan Witte?) die Schulter aus. Nach Behandlung auf dem Platz wurde er vom Spielfeld geführt, ein Arzt wurde sogleich gerufen.
Ein „geiles Tor“ (Zitat eines Zuschauers) gab es wenig später zu sehen. 2:0 für Tasmania, der Verletzte, der auf einer Bank wartete, freute sich auch und wurde von einer Frau am Kopf gekrault. Nun ließ es Tasmania richtig krachen. Ecke, Schuss, Knallertor. Wenig später das 4:0 per Kopf, doch der Linienrichter entschied auf Abseits. Empörung. Tasmania war torhungrig und wollte mehr. Ein Törchen war noch drin. Die Nummer 13 verwandelte trocken zum 4:0-Endstand. Wenig später gab die 13 den Ball noch einmal schussgerecht rein, doch Tasmanias Nummer 10 semmelte die Kirsche über den hohen Zaun hinweg auf das Dach des Vereinsgebäudes.

Nach Abpfiff machten sich die Zuschauer wieder auf den Weg. Gute Laune bei den meisten, doch nicht bei allen. Es gibt immer etwas zu meckern. „Na ja, ging so, aber zu jedem Heimspiel werde ich bestimmt nicht kommen“, knurrte einer der Alten...
(Zweites Foto von oben: Westberlin, Mitte der 60er Jahre)

> zur turus-Fotostrecke: SV Tasmania Berlin

 

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