Wo steckt der einstige Bundesligist Blau-Weiß 90 Berlin?

MB
 
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Die Zweitligasaison 1985/86 war aus Berliner Sicht der absolute Hammer! Gleich drei Berliner Vereine spielten in der 2. Bundesliga, zwei von ihnen stiegen am Ende der Spielzeit ab, einer stieg auf. Tennis Borussia Berlin und Hertha BSC mussten die Segel streichen und fanden sich in der Oberliga wieder, die Sensation schlechthin gelang dagegen der Sportlichen Vereinigung Blau-Weiß 1890, die am 27. Juli 1927 aus den beiden Vereinen Berliner FC Vorwärts 1890 und Berliner Thor- und Fußball-Club Union 1892 hervorging. 

altDie Zweitligasaison 1985/86 war aus Berliner Sicht der absolute Hammer! Gleich drei Berliner Vereine spielten in der 2. Bundesliga, zwei von ihnen stiegen am Ende der Spielzeit ab, einer stieg auf. Tennis Borussia Berlin und Hertha BSC mussten die Segel streichen und fanden sich in der Oberliga wieder, die Sensation schlechthin gelang dagegen der Sportlichen Vereinigung Blau-Weiß 1890, die am 27. Juli 1927 aus den beiden Vereinen Berliner FC Vorwärts 1890 und Berliner Thor- und Fußball-Club Union 1892 hervorging. 

Union 1892 wurde 1905 Berliner und Deutscher Meister, der BFC Vorwärts 1890 wurde sechsmal Berliner Meister und einmal Deutscher Vizemeister. Als Blau-Weiß 90 Berlin wurde 1939 und 1942 die Gaumeisterschaft Berlin-Brandenburg gewonnen, die B-Jugend konnte 1978/79 die Deutsche Meisterschaft gewinnen. Der größte Erfolg der neueren Zeit war der eingangs erwähnte Aufstieg in die 1. Bundesliga. Während Hertha und Tebe drittklassig wurden, freute man sich bei Blau-Weiß auf die Duelle mit Bayern München, dem Hamburger SV, den 1. FC Köln und Eintracht Frankfurt. 17 geholte Siege in 38 Saisonspiele genügten, um gemeinsam mit dem FC 08 Homburg im Fußball-Oberhaus guten Tag zu sagen. Der Tabellendritte Fortuna Köln hatte in der Relegation gegen Borussia Dortmund unglaublich großes Pech und verpasste den Aufstieg denkbar knapp (Ausgenommen das 0:8 im Entscheidungsspiel).

In Berlin fand Blau-Weiß 90 durchaus Zuspruch. Knapp 10.000 Zuschauer sahen im Schnitt die Heimspiele der Aufstiegssaison. Über 60.000 waren es allein am 34. Spieltag, als gegen den Aufstiegskonkurrenten FC 08 Homburg gespielt wurde. Zum Vergleich: Zu den Heimspielen der Hertha kamen rund 5.000 Fans im Schnitt, zu Tebe mit 4.800 nicht viel weniger.
Im Kader des Aufsteigers Blau-Weiß 90 befand sich ein Spieler, der später beim FC Schalke 04 überaus beliebt wurde. Die Rede ist von Torhüter Holger Gehrke, der 1960 in Berlin geboren wurde und in der Saison 1985/86 bereits siebenmal zum Einsatz kam. In der Bundesligasaison 1986/87 kam ein weiterer Spieler hinzu, der später sogar deutscher Nationalmannschaft wurde. Karlheinz Riedle kam 34-mal zum Einsatz und erzielte für die Berliner immerhin zehn Treffer.

altZu holen war in der ersten Liga jedoch so gut wie nichts. Nur dreimal gingen die Blau-Weißen als Sieger vom Platz. Zu feiern gab es zu Hause ein 3:2 gegen Borussia Mönchengladbach und ein 4:1 gegen den SV Waldhof Mannheim. Auswärts gelang den Berlinern ein 3:1-Überraschungserfolg bei Eintracht Frankfurt. Wacker schlugen sich die Berliner beim späteren Meister Bayern München (0:2) und beim späteren Vizemeister Hamburger HSV (1:2). Trotz der zahlreichen Niederlagen - immerhin hielten die Zuschauer dem Verein die Treue, 21.000 Fans besuchten im Schnitt die Heimspiele im Olympiastadion. Minusrekord waren die 5.000 gegen den FC 08 Homburg am letzten Spieltag.

In der folgenden Zweitligasaison wurde Blau-Weiß 90 Siebter, in der Saison 1988/89 sprang Rang acht heraus. Nachdem Hertha BSC wieder aus der Oberliga aufgetaucht war, gab es wieder zwei Derbys zu sehen, bei denen Blau-Weiß mit 1:1 und 2:0 die Oberhand behalten konnte. In der Saison darauf war es vorbei mit der Vormachtstellung der Blau-Weißen. Hertha BSC gewann beide Stadtduelle (3:0 und 3:2) und stieg zudem als Meister der 2. Bundesliga ins Oberhaus auf.

Blau-Weiß 90 hielt sich in der 2. Liga stabil und schloss die Saison 1990/91 mit einem sechsten Platz ab. Bitteres geschah in der Saison 1991/92. Nachdem Hertha wieder mit blauen Flecken aus der 1. Liga in die 2. Liga abgestiegen war, gab es wieder zwei Derbys im Olympiastadion. Die Duelle gingen 1:1 und 3:0 aus Sicht der Hertha aus. Während Hertha am Ende in der Meisterrunde der Gruppe Nord ihr bestes versuchte, verkümmerte Blau-Weiß 90 in der Abstiegsrunde. Sportlich abgestiegen, zudem wurde dem Verein die Lizenz für die kommende Saison entzogen. Die Konsequenz: Der Verein löste sich auf. Das Kapitel Blau-Weiß war beendet.

Um die Traditionslinie jedoch unmittelbar fortzusetzen, wurde am 29. Juni 1992 der SV Blau Weiss Berlin e. V. Ins Leben gerufen. Mit ähnlichem Logo ging es in der Kreisliga C an den Start. Eine Erfolgsgeschichte bahnte sich an. Sollte das Wunder von Berlin gelingen? Ein paar Aufstiege gelangen, der Weg nach oben führte bis in die Landesliga. Dann war jedoch Schluss, leider. Es ging wieder eine Etage tiefer, die Bezirksliga (8. Liga) wurde das Zuhause des SV Blau Weiss. Die zurückliegende Spielzeit in der Berliner Bezirksliga Staffel 2 wurde mit Platz acht abgeschlossen. 12 Siege standen 12 Niederlagen gegenüber. Am letzten Spieltag gab es gegen den SFC Stern 1900 II ein 1:1. Im Berliner Pilsner Pokal war bereits in der zweiten Runde Schluss, beim VfB Hermsdorf setzte es eine 0:3-Niederlage. In der ersten Runde hatte der SV Blau-Weiss ein Freilos.

Wie es weitergeht? Zunächst treffen die Berliner in der Saisonvorbereitung auf den polnischen Sechstligisten Wielem Szczecinek. Zudem sucht der Verein noch Spieler – und die in sämtlichen Altersklassen. So auch für die G-Jugend Jahrgang 2005/2006. Vielleicht, ja vielleicht werden diese Stippis dann eines Tages die Basis sein für einen erneuten sportlichen Höhenflug...
Archivaufnahmen:
oben: Berliner Olympiastadion, Anfang 90er Jahre
unten: Hamburger Volksparkstadion, Anfang 90er Jahre

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