Fußball-Zeitreise: Pokalfieber im Old Trafford - Manchester United vs. Leeds United

MB Updated
old trafford
altDas turus-Magazin wirft ein Blick zurück. Februar 1995. Ein Spiel mit großer Tradition stand an. Ein echter Klassiker: Das FA-Cup-Achtelfinalspiel zwischen den Teams des Manchester United FC und des Leeds United FC. Ein Duell mit Derby-Atmosphäre, das die Fans jedes Jahr immer wieder aufs Neue von den Sitzen riss und reißt. Vor 15 Jahren ging es im Februar quer durch England. Ein Abstecher führte nach Schottland, um dort ein Pokalspiel von Celtic Glasgow zu sehen, anschließend ging es mit der Bahn direkt nach Manchester.
 
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Das turus-Magazin wirft ein Blick zurück. Februar 1995. Ein Spiel mit großer Tradition stand an. Ein echter Klassiker: Das FA-Cup-Achtelfinalspiel zwischen den Teams des Manchester United FC und des Leeds United FC. Ein Duell mit Derby-Atmosphäre, das die Fans jedes Jahr immer wieder aufs Neue von den Sitzen riss und reißt. Vor 15 Jahren ging es im Februar quer durch England. Ein Abstecher führte nach Schottland, um dort ein Pokalspiel von Celtic Glasgow zu sehen, anschließend ging es mit der Bahn direkt nach Manchester.

 
altDie Eintrittskarte erwarb ich mit viel Mühe bereits eine Woche zuvor. Normalerweise wurden die Tickets damals nur an Vereinsmitglieder ausgegeben. Der Andrang war bereits in der Saison 1994/95 riesig, jedes Liga- und Pokalspiel war restlos ausverkauft. Mit einer nötigen Portion Glück ergatterte ich dennoch auf der Geschäftsstelle ein Ticket für 15 Pfund. Mein Sitzplatz sollte sich als optimal erweisen.
Am Spieltag fuhr ich überpünktlich zum Old Trafford, dem Home of Dreams, wie es von den Fans liebevoll genannt wird. Bereits damals war Manchester United der Zeit ein wenig voraus. Der Verein hatte zwei große Fanshops, in denen auch unter der Woche zahlreiche MUFC-Fans aus Nah und Fern sich mit diversen Utensilien eindeckten.

Ich war einer der allerersten, die das Stadion betreten hatten. Ich setzte mich auf meinen roten Klappsitz und war zutiefst beeindruckt. Das Old Trafford war gerade frisch ausgebaut worden, so dass es seitdem nur noch Sitzplätze auf den Tribünen gab. Auch das legendäre "Stretford End", die ehemalige Stehplatztribüne der eingefleischten Manu-Fans, wurde dem restlichen Stadion angepasst. Somit ergab sich nun (aus damaliger Sicht) ein rundum perfektes Antlitz. Alle Sitzplätze waren rot, auf der Seitentribüne prankte der Vereinsname und hinter den Toren waren die Schriftzüge der damaligen Sponsoren - Sharp und Umbro - zu lesen. 1995 passten rund 44.000 Zuschauer auf die Ränge. (Heute sind es knapp 76.000).

altAllmählich füllte sich das Stadion. Das Old Trafford war etwa halbvoll, als plötzlich der Gästemob aus West Yorkshire auf die Tribüne hinter dem Tor strömte. Mit hochgerissenen Armen brüllten die Peacocks-Supporters in brachialer Lautstärke: "We are Leeds!!! We are Leeds!!!" Schätzungsweise satte 7.000 Anhänger waren aus Leeds angereist. Ich war sprachlos. Ein freudiger Schauer lief mir den Rücken hinunter. Englische Stimmung pur. Lasst es krachen, Jungs!
Kurz vor Anpfiff war das gesamte Stadion rappelvoll. Nun stimmten auch die MUFC-Fans ihre Lieder an. Die Stimmung kam auf den Siedepunkt, die Tribünen bebten. Als die beiden Mannschaften auf den Rasen liefen, gab es kein Halten mehr. Wirklich jeder jubelte, sang und schrie. Feuchte Augen, wenn man an den aktuellen Stand der Dinge denkt...

Anstoß. Und schon ging alles sehr schnell. Der erste Angriff von Manchester, Leeds konnte gerade noch zur Ecke klären. Es folgte eine gefühlvolle Ausführung von Ryan Giggs und ein ManU-Spieler Steve Bruce hämmerte den Ball mit den Kopf in die Maschen. 1:0 für Manchester! Unfassbarer Jubel. Die Gesichter der Leeds-Fans verzerrten sich dagegen voller Wut und Hass. Der Schock saß tief. Um so größer die Schadenfreude bei den ManU-Fans. Tausende zeigten auf den Gästebereich und sangen: "You´re shit and you are knowing that!!!" Die Leeds-Fans tobten und gestikulierten wütend. Ab und an mussten Ordner und Polizisten dazwischen gehen. Die Nerven lagen blank. Sei dazu gesagt, dass im Gästebereich durchaus passable Jungs ihr Stelldichein hatten.

altAls nur wenige Minuten später Brian McClair das 2:0 für Manchester schoss, bebte das Stadion endgültig. Das Team aus Leeds bewies Moral und auch die Gästefans supporteten in ungebremster Manier weiter. Der Fleiß der Gäste wurde kurz nach der Pause belohnt. Yeboah - bekannt aus Zeiten bei Eintracht Frankfurt - wurde in der 46. Minute für Masinga eingewechselt und schoss prompt den Anschlusstreffer zum 1:2 in der 52. Minute. Ab nun wogte das Pokalspiel hin und her. Auf beiden Seiten erfolgten die Angriffe im Minutentakt. Die Zuschauer standen mehr, als dass sie saßen. "Uuuuuh". "Aaaaaah" ertönte es immer wieder im weiten Rund.

Etwa in der 80. Spielminute kam die Erlösung für die Anhänger von Manchester United. 3:1! Der Sack war zugeschnürt. Hier würde nix mehr anbrennen! Das Stadion war ein Freudenmeer. Zehn Minuten lang gab es von Seiten der ManU-Fans Standing Ovations.
"Glory, glory Man United...", "Oh, it is so fucking easy, soooo fucking easy!!", "You are a fucking Yorkshire, aha, aha...", ertönte es von den Rängen. Mit hassverzerrten Gesichtern tobten dagegen die Leeds-Fans auf ihrer Tribüne. Die 7.000 Supporters aus Leeds waren außer Rand und Band. Tief saß der Stachel der Niederlage gegen den Erzfeind Manchester United. Nach dem Pokalfight mussten die Gästefans noch ein ganzes Weilchen im Stadion verharren. Ein mögliches Chaos und eine dritte Halbzeit sollte unter allen Umständen verhindert werden. Dank der schon damals perfekten Organisation rund um das Stadion blieb es auch nach dem Spiel meist friedlich.


Nachtrag (2010): Man sieht sich bekanntlich mehrmals im Leben. In der dritten Runde des FA-Cups 2009/10 traf Manchester United im Januar 2010 auf den derzeitigen Drittligisten Leeds United. Leeds gewann völlig überraschend mit 1:0. Den Treffer des Tages erzielte Jermaine Beckford.

Fotos: Marco Bertram

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