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Dinamo Riga als lettisches Aushängeschild - Rückblick auf die sowjetische Eishockeyliga

 
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An Moskau führte in der sowjetischen Eishockeyliga - von 1946 bis 1970 Klass A, von 1970 bis 1992 Wysschaja Liga - definitiv kein Weg vorbei. Nicht ein einziges Mal (!) konnte ein Verein aus einer anderen sowjetischen Stadt Meister werden. Mit Abstand die meisten Titel fuhr der HK ZSKA Moskau ein, es folgten in der Rangliste HK Dynamo Moskau, HK Spartak Moskau, WWS Moskau und Krylja Sowetow Moskau. Allerdings war es nicht so, dass in der ersten sowjetischen Eishockeyliga quasi nur Mannschaften aus der Hauptstadt spielten. 1983/84 waren es vier von 12 Vereinen in der Wysschaja Liga, die aus Moskau kamen. Mit dabei waren unter anderen SKA Leningrad, Sokil Kiew, Torpedo Gorki, Sibir Nowosibirsk, Traktor Tscheljabinsk und Dinamo Riga. Meister in jener Spielzeit wurde wieder einmal die Mannschaft von ZSKA Moskau, die von Wiktor Wassiljewitsch Tichonow trainiert wurde.

In der ersten Spielzeit der Klass A wurde die Hauptrunde noch in drei Gruppen ausgetragen, in der Gruppe B hatte es Dinamo Riga mit Dynamo Tallinn, Dynamo Leningrad und Spartak Moskau zu tun. Späterer Meister wurde Dynamo Moskau, in der Platzierungsrunde um Rang vier konnte sich Dinamo Riga immerhin den ersten Platz sichern. Bereits im Folgejahr wurde in einer einzigen Staffel mit zehn Mannschaften gespielt. Eine play-off-Runde gab es nicht. Meister wurde, wer nach Hin- und Rückrunde auf dem ersten Platz zu finden war. In diesem Fall ZSKA Moskau (damals noch ZDKA). Dinamo Riga war auf Rang vier zu finden.

Dinamo Riga - Aushängeschild der damaligen Lettischen Sozialistischen Sowjetrepublik und in der Gegenwart der Republik Lettland (Latvijas Republika) - wurde 1946 (neu) ins Leben gerufen, um sogleich an der ersten sowjetischen Meisterrunde teilzunehmen. Bereits 1930/31 wurde die erste lettische Eishockeymeisterschaft ausgetragen, an der fünf Vereine teilnahmen, darunter Union, Vanderer und Universitates Sport. Neunmal wurden die Vereine aus Riga die stärksten des Landes (1940 erfolgte die Okkupation Lettlands). Bemerkenswert: In Riga fand im Jahre 1908 das erste „kanadische Hockeyspiel“ auf dem Territorium des damaligen Russischen Reiches statt. Sich gegenüber standen Union (Унион) und Strelkovy Park (Стрелкового парка).

Von 1946 bis zur Auflösung im Jahr 1995 wechselte Dinamo Riga mehrfach seinen Namen (1950/51 wurde beispielsweise als Daugava Riga gespielt), doch die längste Zeit trat der Verein als „Dinamo“ an. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wurde der Name dann zuerst in Stars Riga und dann in Pārdaugava Riga umgewandelt. Seit 1970 wurde in der Rīgas Sporta pils Eishalle gespielt, die 2008 abgerissen wurde. Das Fassungsvermögen war ähnlich dem des Wellblechpalastes des EHC Dynamo Berlin, sprich 5.500. Allerdings gab es in der Halle in Riga fast nur Sitzplätze.

In den 1960er Jahren gab es einen tiefen sportlichen Fall, abgestürzt wurde bis in die dritte Liga. Erst als Trainerlegende Wiktor Wassiljewitsch Tichonow zu Dinamo Riga kam, kehrte der sportliche Erfolg zurück. 1970 ging es zurück in Liga zwei, drei Jahre später durfte die Rückkehr in das Eishockeyoberhaus gefeiert werden. Den größten Erfolg konnte Dinamo Riga in der Saison 1987/88 feiern. In der Hauptrunde war Dinamo noch auf Platz zehn zu finden und packte denkbar knapp den Einzug in die Finalrunde. Das Torverhältnis war besser als das vom punktgleichen Torpedo Jaroslawl.

In der Finalrunde wurde Dinamo Riga schließlich Dritter, im anschließenden Halbfinale konnte Dynamo Moskau bezwungen werden. Im Finale musste sich Dinamo Riga jedoch ZSKA Moskau mit 1:3 nach Siegen geschlagen geben. In der allerletzten Saison 1991/92, welche quasi die einzige Meisterschaft der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) war, wurde Riga nur Tabellenvierzehnter. Bis zur Auflösung 1995 wurde noch in der GUS-Eliteliga gespielt, im Anschluss wurde mit „Dinamo ’81 Riga" eine Art Nachfolgeverein gegründet, der in der Lettischen Eishockeyliga (Latvijas Atklātais čempionāts / Latvijas Hokeja Līga) gespielt hatte. Im Jahr 2000 wurde auch dieser Verein aufgelöst. Stattdessen war nun der HK Riga 2000 am Start, der bis 2009 Bestand hatte und fünfmal lettischer Meister wurde.

Am 7. April 2008 wurde Dinamo Riga (Rīgas „Dinamo" / Динамо Рига) neu ins Leben gerufen, um an die alten Traditionen von 1940 / 1946 bis 1995 anzuknüpfen. Die Heimspiele werden in der 11.000 Zuschauer fassenden Arena Riga ausgetragen, die am 15. Februar 2006 eröffnet und für die Eishockey-Weltmeisterschaft 2006 gebaut wurde. Mit dabei ist Dinamo Riga in der Kontinentalen Hockey-Liga (KHL), welche die höchste russische Spielklasse ist. An ihr teilnehmen dürfen auch Teams aus anderen asiatischen und europäischen Staaten, so zum Beispiel Barys Astana, HK Dinamo Minsk und Kunlun Red Star aus Peking. 

Aktuell hat es Dinamo Riga in der Bobrow Division, die seit 2008 von SKA Sankt Petersburg dominiert wird, unter anderen mit Jokerit Helsinki, Dynamo Moskau, Spartak Moskau, Sewerstal Tscherepowez und den besagten Jungs aus dem einstigen Leningrad zu tun. 

Dass Dinamo Riga nach der Neugründung 2008 bei den lettischen Eishockeyfreunden schnell angenommen wurde, ist beim Anklicken diverser Videos feststellbar. Da die Vereinsfarben quasi sehr ähnlich den blutroten Streifen der Landesflagge sind, trägt auf den Rängen fast jeder die Farben Weinrot-Weiß. „Riga, Riga, Riga!“, hallte es tausendfach in einem Video vom März 2010. In einem Video vom Februar 2012 ertönte dann ein lauter Dinamo-Wechselgesang durch die Arena. Allerdings musste in jüngerer Vergangenheit festgestellt werden, dass die aktuelle Stimmung nicht mit der vor ein paar Jahren vergleichbar ist. Das liegt vor allem daran, dass es sportlich alles andere als rosig aussieht. Gemeinsam mit Dinamo Minsk ist Dinamo Riga am Tabellenende der West-Konferenz (Tarassow Diwision & Bobrow Diwision) zu finden…

Fotos: Marco Bertram, Anika, Bildagentur frontalvision.com

 

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