Blick auf den Strand von Warnemünde

Warnemünde, Warnemünde …

„Warnemünde, Warnemünde gibt’s nur einmal auf der Welt …“ Eine private Urlaubswoche im August 1981. Übungstörns von Warnemünde aus mit Segellehrer Hansi und anschließender Einkehr im alten „Seehund“ Mitte der 90er Jahre. Die legendäre Silvesternacht 1997/98 am Strand von Warnemünde. Die berühmte Mole, der Alte Strom, der breiteste Ostseestrand in Deutschland. Ein Stelldichein vor Heimspielen des F.C. Hansa Rostock bei Fischbrötchen und Bier. Kaum einen anderen Ort in unserem Land hatte ich so häufig besucht wie das geliebte Warnemünde.

Zug der Deutschen Reichsbahn
Zug der Deutschen Reichsbahn

Vermutlich war es meine erste Reise nach Warnemünde, als ich als Achtjähriger mit meinen Eltern am 07. August 1981 am Bahnhof Berlin-Lichtenberg in den D-Zug 526 nach Rostock stieg. Pünktlich um 18:40 Uhr rollte der D-Zug gen Norden, und in der Mitropa kauften meine Eltern drei Knacker und drei Cola für glatte zehn Mark. Um 21:50 Uhr rollte unser Zug in der Hansestadt Rostock ein, und laut Reisetagebuch meiner Mutter fuhren wir noch eine Station mit der S-Bahn.

Bahnfahrkarte der Deutschen Reichsbahn
Bahnfahrkarte der Deutschen Reichsbahn

Da es damals den S-Bahnhof Holbeinplatz noch nicht gab, war es vermutlich die Station Klement-Gottwald-Straße (seit 1991 Parkstraße), an der wir ausstiegen und von Bekannten abgeholt wurden. Ganz in der Nähe des Ostseestadions wurden wir privat bei einer älteren Dame untergebracht, die bereits um 07:30 Uhr die Schrippen und den frisch gebrühten Rondo-Kaffee auf den Küchentisch stellte.

26 Grad und Sonne am 08. August 1981. Demzufolge ging es direkt zum Strand von Warnemünde, wo es am Nachmittag noch ins „Kaffeestübchen“ ging. Den Abend schlossen meine Eltern auf dem Zimmer – eher untypisch für sie – mit einem Apfelkorn (ich vermute mal, es war der „Campa“) ab. 

Rostocker Doppelkorn
Rostocker Doppelkorn

Da es am Tag darauf bedeckt war, wanderten wir zu dritt zur Steilküste der Stoltera, am Nachmittag gab es Kaffee, Kuchen und eine Bockwurst in einem etwas höher gelegenen Restaurant. Für das gesamte Gedeck mussten 10,41 Mark der DDR hingelegt werden. Zu meiner großen Freude wurde mir in einem Geschäft im berühmten Hotel Neptun ein kleines Segelschiff gekauft. Später stellte ich in meinem Kinderzimmer voller Stolz und Fernweh die kleine Kogge ins Regal zu den kleinen Wikingerschiffen.

Rechnung im Teepott
Rechnung im Teepott

Am 11. August 1981 wollten es meine Eltern wohl etwas krachen lassen und kehrten in der Konsum-Gaststätte „Teepott“ ein. Nach etlichen Jahren ließen sich meine Eltern mal wieder ein Rumpsteak „Strindberg“ für jeweils 4,45 Mark schmecken, und ich bekam laut Rechnung ein Kinderessen für 2,55 Mark. Insgesamt mussten 14,85 Mark hingeblättert werden, was für DDR-Zeiten bereits ein beachtliches Sümmchen war. Im Vergleich dazu kostete eine S-Bahnfahrkarte von Warnemünde nach Rostock für Erwachsene 50 Pfennige und für Kinder die Hälfte. An jenem Abend hatten meine Eltern wohl richtig gute Laune, denn in einem Intershop kauften sie noch eine Flasche Sekt und Mars. Aber hey, man war – man ist nur einmal jung!

Blick auf den Strand von Warnemünde
Blick auf den Strand von Warnemünde

Bei Bilderbuchwetter bestaunten wir am nächsten Tag das Auslaufen der „Völkerfreundschaft“ und aßen an der Strandpromenade eine Bratwurst. Wer hätte damals im Sommer 1981 gedacht, dass das 1948 als „Stockholm“ getaufte Passagierschiff später als „Völkerfreundschaft“ das am längsten im Dienst befindliche Kreuzfahrtschiff der Welt sein würde. Haltet Euch fest! Erst in diesem Jahr wurde es an eine belgische Abwrackwerft verkauft, im kommenden Jahr soll es schließlich zerlegt werden.

Alter Strom in Warnemünde
Alter Strom in Warnemünde

Zurück nach Warnemünde im sonnigen August 1981. Der Alte Strom mit seinen Fischerbooten und Segelyachten wusste bereits damals zu entzücken. Hätte ich damals als achtjähriger Bengel geahnt, dass ich 17 Jahre später auf dem Alten Strom unter Maschine im Zuge des Segelunterrichts für den BR-Schein eine Yacht quasi im Stand drehen müsste? Puh! Danach schmeckte das frisch Gezapfte im „Seehund“ um so besser. Was der junge Hansi im Sommer 81 wohl alles anstellte?

Als Kind der an der Ostsee
Als Kind der an der Ostsee

Fakt ist, dass meine Eltern und ich am 13. August 1981 am Strand lagen, danach (miserabel) Minigolf spielten und im Promenadenhotel Abendbrot zu uns nahmen. Was genau, steht im Reisetagebuch leider nicht geschrieben. Am Morgen des 14. August 1981 gaben meine Eltern am Rostocker Hauptbahnhof unser Gepäck auf, kauften die Fahrkarten und bummelten mit mir durch die Rostocker Innenstadt. Nach einem langen Besuch im Schifffahrtsmuseum (Eintritt eine Mark) aßen wir in einer Selbstbedienungsgaststätte zu Mittag und nahmen anschließend den D-Zug, der pünktlich um 15:19 Uhr gen Ost-Berlin abfuhr. 

Eintrittskarte aus DDR-Zeiten
Eintrittskarte aus DDR-Zeiten

In den 80ern kehrte ich nicht noch einmal nach Rostock / Warnemünde zurück – vielmehr verschlug es uns nach Binz, Ahlbeck, Breege auf Rügen, Wustrow auf dem Fischland, Mölschow auf Usedom und nochmals nach Breege -, doch sollten in den 90ern Rostock und Warnemünde quasi zu einem zweiten Zuhause werden. 

Zweimal feierte ich am Strand von Warnemünde Silvester, und einmal staunte ich nicht schlecht, wie aus Paletten und losen Teilen der Strandkörbe riesige Lagerfeuer entfacht wurden. Aggression lag jedoch keine in der Luft, vielmehr herrschte eine überaus ausgelassene Stimmung unter den Feiernden. Ganz nach dem damaligen Motto und Lebensgefühl: Alles sei möglich. 

Mit dem Wartburg am Strand (1993)
Mit dem Wartburg am Strand (1993)

Es müsste der Jahreswechsel 1993/94 gewesen sein, als ein guter Freund und ich östlich von Warnemünde einen alten Wartburg zwischen den Dünen parkten und hinten bei minus fünf Grad auf der ausgeklappten Ladefläche in Schlafsäcken lagen. Am frühen Morgen hieß es dann erst einmal Anbaden in frostigen Fluten. Ahu!

1997 und 1998 war ich mit drei, vier Freunden häufig im Zuge der Theorie und Praxis für den Sportbootführerschein See und den BR-Segelschein vor Ort in Warnemünde. Tagsüber wurde gebüffelt und auf der Ostsee manövriert, nachts ging es in Rostock in den LT-Club, den ST-Club und den Studentenkeller. 

Ostsee vor Warnemünde
Ostsee vor Warnemünde

Im Neuen Jahrtausend führten von Berlin aus häufig Tagesausflüge mit guten Freunden und der damaligen Partnerin nach Warnemünde. Mega lecker waren in den Nuller Jahren Speis und Trank im damaligen kubanischen Restaurant. Qué bien! Die Ventilatoren drehten an der Decke – vor einem lachte einen das lateinamerikanische Essen an. Noch stimmte das Preis-Leistungs-Verhältnis.

In den vergangenen 15 Jahren wurde häufig der Anker im Ostseestadion ausgeworfen, und vor Heimspielen schaute / schaue ich allzu gern am Alten Strom und an der Mole vorbei. Auch wenn sich die Zeiten sehr geändert haben, Warnemünde wird definitiv nie seinen Reiz verlieren. Um einen entspannten Urlaub zu machen, eigneten sich zuletzt Binz auf Rügen und Ahlbeck auf Usedom 1a, doch für „zwischendurch“ ist Warnemünde immer eine Reise wert. 

Mole von Warnemünde
Mole von Warnemünde

Zuletzt machte ich wie einst in den wilden 90ern zweimal die Nacht durch in Warnemünde. Ein Gang zur Mole hat kurz nach Mitternacht seinen eigenen Reiz, und zuletzt staunte ich nicht schlecht, als im Stockdustern der dortige Strandvogt mit seinem Fahrzeug am Wasser entlang brauste und mich mit einer Taschenlampe anfunzelte. Mit schusssicherer Weste (er ist Angestellter im Öffentlichen Dienst und Vollzugsbeamter) dreht er tagsüber und halt auch mal nachts seine Runde und schaut, ob alles in Ordnung ist oder irgendwelche Strolche illegal zwischen den Strandkörben ein Nachtlager aufbauen.

Ostsee vor Warnemünde
Ostsee vor Warnemünde

War es in den 90ern der alte „Seehund“ am Alten Strom, so ist es nun die „Klönstuv“ gegenüber von Leuchtturm und Teepott. Schau an! Bereits seit 1992 soll es diese Bar & Kneipe geben. Und das Gute am „Klönstuv“: Sie hat je nach Bedarf schon mal bis drei oder vier Uhr nachts auf. Zweimal überbrückte ich dort zuletzt die letzten Stunden bis zum Morgengrauen und kam gut ins Schnacken. Da unter der Woche bereits um vier Uhr die erste S-Bahn zum Rostocker Hauptbahnhof fährt, war es keine große Kunst die Nacht durchzumachen. 

Rostocker Greif im Sand
Rostocker Greif im Sand

Ein Blick zurück zur Mole und hinüber zum Yachthafen, wo bei steifer Brise die Wanten kirren – und dann ab zum Zug! Der nächste Besuch kommt ganz gewiss sehr bald! Das Ziel bei meiner nächsten Tour: Die Steilküste der Stoltera! Auf die alten Zeiten! Auf Warnemünde! Auf die Ostsee! Auf die Heimat! Ahoi!

Lesen am Strand von Warnemünde
Lesen am Strand von Warnemünde

Übrigens: Wer wissen will, was so ein Urlaub bzw. Restaurantbesuch in der DDR kostet, der klickt mal auf diesen Artikel: Sie werden platziert! Was kosteten Schnitzel, Bier und Limo in HO- und Konsum-Gaststätten?

Fotos: Marco Bertram, privat

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2 Kommentare zu „Warnemünde, Warnemünde …“

  1. Schöne Erinnerungen, dank deiner Eltern. Die obengelegene Gaststätte war Wilhelmshöhe. Auch heute noch ein toller Ort. Ja, Warnemünde gibt’s nur einmal auf der Welt…

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