Arne Mill, Sportfotograf aus der Gemeinde Neuenhagen bei Berlin, ist viel unterwegs und bereiste auch das ostafrikanische Land Ruanda. Mill arbeitet für mehre Agenturen in aller Welt und berichtete jüngst mit seiner Kamera von den UCI-Straßenradsport-Weltmeisterschaften. Darüber hinaus hatte er die Möglichkeit, das unbekannte Land näher kennen zu lernen.

Noch lange wird man in dem afrikanischen Land über die Tage im September 2025 reden. Auch weil Radsport in Afrika regelrecht boomt. Das hatte Arne Mill, Sportfotograf und selbst ehemaliger aktiver Radrennfahrer, schon vor Jahren vorhergesagt. Neben den sportlichen Ereignissen war auch er von der Organisation, der Gastfreundschaft vor allem aber der Disziplin an der Strecke begeistert. Arne Mill war schon bei den ganz großen Rennen vor allem in Europa mit dabei. „Was man inzwischen bei den verrückten Fans so alles erlebt … Das gab es in Kigali nicht.“

Begeisterte Zuschauer an der Strecke
Für ihn war dieses Rennen zum Beispiel mit Etappen bei der Tour de France kaum zu vergleichen. „Es war eine unglaubliche Atmosphäre. Die Menschen an der Strecke standen in dichten Reihen und feierten mit Gesängen und Trommeln. Überall gab es Musik und alle Fahrer wurden angefeuert.“ Mill berichtet, dass zahlreiche einheimische Radsportler mit dabei waren. „Hier hat man schnell einen Unterschied gesehen. Während die Favoriten mit High-Tech-Maschinen an den Start gingen, waren die Einheimischen eher mit älteren Rädern dabei. Radsport ist ein teurer Sport.“

Ob die knapp 165 Starter der Straßenradsport-Weltmeisterschaften in der ruandischen Hauptstadt Kigali tatsächlich alles was an der Strecke passierte wahrgenommen hatten, lässt sich kaum noch ermitteln. Es war schließlich das erste Mal in der über 100-jährigen Geschichte der Rad-Weltmeisterschaften, dass die Elite-Wettkämpfe in Afrika stattfanden. David Lappartient, Präsident des Weltverbands UCI, hatte sich für die Vergabe stark gemacht und folgte einem Trend, nachdem das Land viel Aufmerksamkeit über den Sport erreichen möchte. Die Tourismus-Initiative „Visit Rwanda“ versucht neben Engagement bei prominenten Fußballclubs sogar die Formel I nach Ruanda zu holen.

Von den Radsportlern hatte am ehesten der neue Weltmeister in der Disziplin Straßenrennen Tadej Pogacar die Möglichkeit für einen Blick nach links oder rechts, denn nach einem starken Antritt konnte der Slowene sich von seinen Konkurrenten absetzen und beendete das Rennen als Solist in beeindruckender Manier. Er fuhr knapp 66 Kilometer allein vor dem Feld.

Komplimente für perfekte Organisation
Neben dem Straßenrennen wurden noch die Disziplinen Zeitfahren, Mannschaftszeitfahren und das Rennen der Frauen ausgetragen. Superstar Tadej Pogacar machte übrigens nach dem Rennen dem Gastgeber große Komplimente für die perfekte Organisation, die Betreuung der Sportler und schließlich auch dem Publikum. „Ich habe mich hier sehr sicher gefühlt.“ Während zahlreiche andere Stars nicht nach Afrika kamen, ging Pogacar nach dem Sieg bei der Tour de France auch in der ruandischen Hauptstadt Kigali an den Start. Mit insgesamt 267,5 Kilometern und 5.475 Höhenmetern war die Strecke sehr anspruchsvoll. Ein entscheidender Teil der Strecke war der Mount Kigali, eine fünf Kilometer lange Steigung, die das Rennen mit prägte. Das Rennen wurde als eines der härtesten der jüngeren WM-Geschichte bezeichnet.

Lange Reisevorbereitung
Der 56-jährige Arne Mill aus Neuenhagen aus Berlin hatte sich auf die Reise lange vorbereitet. Natürlich hatte er sich über die politische Lage im Land informiert und wusste, dass die Vergabe der WM nach Ruanda auf Grund der autoritären Führung von Staatspräsident Paul Kagame umstritten war. Er flog von Berlin nach Brüssel (90 Minuten) von Brüssel nach Kigali, der Hauptstadt von Ruanda. Knapp neun Stunden dauerte der Flug. „Ein kleiner Flughafen. Alles ging reibungslos. Ich bekam ohne großen zeitlichen Aufwand mein Visum (50 Dollar).“

Arne Mill hat für den möglichen Besuch von Ruanda auch gleich wichtige Tipps: „Natürlich sollte man sich frühzeitig (mindestens vier bis sechs Wochen vor Reiseantritt) von einem Arzt beraten zu lassen. Es sind zwar keine Impfungen vorgeschrieben, doch Gelbfiber, Tetanus, Diphtherie, Pertussis (Keuchhusten), Masern und Poliomyelitis sind als Gefährdungen bekannt, eine Hepatitis AB-Impfung ist empfehlenswert.

Unglaubliche Sauberkeit in Kigali
Arne Mill berichtet von „Unglaublicher Sauberkeit in der Stadt“. In Ruanda sind zum Beispiel Plastiktüten verboten und auch Plastikflaschen versucht man weitestgehend zu vermeiden. Es wird nichts weggeworfen und so ziemlich alles wiederverwertet. Das wichtigste Verkehrsmittel ist das Fahrrad. „Nahezu alles wird per Rad transportiert. Das ist teilweise sehr abenteuerlich anzusehen.“ Zu den Hauptverkehrsmitteln gehören neben Fahrrädern, Motorräder, von denen die meisten einen E-Antrieb haben.

Wer mobil sein will und einen Mietwagen wünscht, sollte am besten im Land mieten und ein Fahrzeug mit Allrad ordern. „Das ist alles problemlos. Mein Hyundai-SUV war zwar sehr alt, dafür gab es aber kaum Probleme bei der Rückgabe, wie man es bei uns gelegentlich kennt. Kratzer oder sogar Beulen werden nicht kleinlich bemängelt.“ Gewöhnungsbedürftig sei das Autofahren, sagt er.

Moto-Taxi als Alternative zum Auto
Die Hauptstraßen sind gut ausgebaut, die Seitenstraßen eher nicht und es gibt scheinbar keine Regeln. „Was mir aufgefallen ist, es gibt – wahrscheinlich ist das eine Art ,Entwicklungshilfe‘ aus Deutschland – eine Unmenge an Blitzern und es wird über eine App sofort abkassiert.“ Eine weitere Möglichkeit mobil zu sein, bieten sogenannte Moto-Taxis. „Die Fahrer holen einen auf Wunsch ab und haben immer einen Helm dabei.“

Ein zweiter Tipp: „Hotels sind sehr teuer. Es gibt zahlreiche Airbnb-(Air Bed and Breakfast)-Angebote. Man findet diese schnell und die Auswahl ist groß.“

Im Landesinneren ist das Leben etwas anders. Die Armut der Menschen ist nicht zu übersehen. Sie leben in einfachen Hütten und haben selten fließendes Wasser und oder elektrischen Strom. Auffällig ist die schwere Feldarbeit, die vor allem Frauen verrichten müssen. Unglaublich ist es, was die Frauen auf dem Kopf tragen und dabei noch ihr Kind auf dem Rücken. Die Menschen sind sehr freundlich, aber auch besonders stolz. Deshalb sollte man mit dem Fotoapparat sehr behutsam umgehen und auf Porträtaufnahmen eher verzichten, bzw. vorher auf jeden Fall fragen, rät er.

Safari im Akagera Nationalpark
Das ursprüngliche Afrika zu sehen, bietet eine Safari. Zum Beispiel im Akagera Nationalpark. Dort leben in freier Wildbahn Giraffen, Antilopen, Zebras, Elefanten, Löwen oder Leoparden und an den Ufern des Akagera Flusses Nilpferde und Krokodile.

Sicherer als Berlin?!
„Es war eine tolle Reise und Ruanda ist ein echter Tipp. Ich habe mich entgegen vieler Gerüchte absolut sicher gefühlt. Sicherer, als wenn ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch Berlin fahre.“
Bericht: Edgar Nemschok
Fotos: Arne Mill / frontalvision.com
