Wenn ein Urlaub als Kind dem Traum von „Die Reise nach Sundevit“ nahe kam, dann war es der zweiwöchige Aufenthalt auf einem Bauernhof in der Ortschaft Mölschow auf dem Nordteil der Insel Usedom im Sommer 1986. Ich war damals 13 Jahre alt und durfte demzufolge mit dem Klapprad allein Touren in der Umgebung in Angriff nehmen. Einmal die Landstraße nach Trassenheide oder Krummin. Der warme Fahrtwind zerzauste mein lockiges Haar und am bröckligen Straßenrand lockten die Apfel- und Pflaumenbäume. Aber Vorsicht! In jeder zweiten süßen Pflaume steckte eine Wespe!

Ich hätte nicht gedacht, dass ich im Sommer 2025 noch einmal solch ein sommerliches Gefühl der Ruhe und Gemütlichkeit bekommen würde. Der Zufall wollte es, dass wir über zwei, drei Ecken spontan ein Bungalow am Rande von Ahlbeck bekamen. Eine Datsche mit großem Garten direkt am Wiesenrand. Zeitlos und unheimlich anheimelnd. Die Taschen waren gerade mal abgestellt, da fühlte ich mich gleich wie zu Hause.
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Rechts ein Hühnergatter, geradezu die Apfelbäume und hinter dem Zaun eine Wiesenlandschaft, hinter der sich sanfte Hügel erheben. Ein Traum! Plötzlich war es wie vor knapp 40 Jahren. Mit dem einzigen Unterschied, dass ich abends nicht mit einer Maracuja-Limo, sondern mit einem Bier den Abend- und Nachthimmel betrachtete.

Die Inseln Rügen und Usedom – das ist echt meins. Bei aller Liebe zu Schwerin und Rostock, aber Vorpommern hat es mir bereits als Kind angetan. Sobald ich dort aus dem Auto oder dem Zug steige, macht sich ein wohliges Heimatgefühl breit. Die Kombination aus Ostseestrand und Seebädern sowie den sanften Hügeln, den Bodden- und Achterwasser-Landschaften und den kleinen abgelegenen Dörfern macht es für mich perfekt, was den Urlaub hier im heimischen Land betrifft.

Ist Rügen etwas verwegener und abwechslungsreicher – Dranske, Wieck und Nordstrand lassen grüßen -, so erscheint mir die Insel Usedom ein stückweit gemütlicher. Dass Usedom zu den sonnenreichsten Flecken Deutschlands gehört, macht das Ganze natürlich perfekt. Zudem sind die meisten Orte mit den sauberen Zügen und Bussen der Usedomer Bäderbahn prima erreichbar.

So ist beispielsweise die am Stettiner Haff gelegene kleine Ortschaft Kamminke von Ahlbeck aus gut mit dem Bus zu erreichen. Nahe der 69 Meter hohen Erhebung Golm befindet sich eine Haltestelle und der Besuch der dortigen Kriegsgräberstätte ist ein Muss. Bestattet wurden dort von 1943 bis 1945 zahlreiche deutsche Soldaten, hinzu kamen nach dem amerikanischen Bombenangriff auf Swinemünde am 12. März 1945 tausende weitere getötete Menschen. Unter ihnen waren zahlreiche Flüchtlinge, die nach der Flucht aus Ostpreußen zunächst Unterschlupf in der überfüllten Stadt Swinemünde fanden.

Zu Fuß geht es vom Golm aus weiter hinunter zum Hafen von Kamminke. Lohnend ist in jedem Fall ein dortiger Strandspaziergang. Besonders für Kinder ist dies eine spannende, abenteuerliche Angelegenheit, da die Baumkronen teilweise über dem Ufer hängen und dem Ganzen einen Hauch von tropischer Insel geben. „Seven versus Wild“ lässt grüßen – Kinder kommen dort aus dem Stromern und Spielen gar nicht mehr heraus.

Ebenso ein echtes Highlight ist eine Wanderung auf den Loddiner Höft. Vom Bahnhof Kölpinsee aus geht es einfach in Richtung Süden, und am Ende des Ortes erwartet einen Kiki’s Bootsverleih & Gaststätte. So viel Werbung darf ruhig sein! Hier wurde nix gesponsert oder gar bezahlt – der Tipp kommt privat von ganzem Herzen! Preis – Leistung und das Ambiente passen einfach!

Der anschließende Spaziergang über die Weiden und Felder zum Aussichtspunkt Loddiner Höft erinnert ein wenig an Irland – und der weite Blick auf das Achterwasser ist wahrlich beeindruckend. Bereits vor über 20.000 Jahren ließen sich auf der dortigen Halbinsel die ersten Menschen nieder, und für mich gehört dieser Ort zu den schönsten Flecken der Insel Usedom.

Ebenso lohnenswert ist eine Rundtour über Pudagla zum dortigen urigen Badestrand und weiter am Ufer des Achterwassers entlang nach Ückeritz. Am Hafen von Ückeritz laden zwei Einkehrmöglichkeiten zum Verweilen ein, und wie bereits in Kölpinsee lässt sich das Ganze mit einem abschließenden Bad in der Ostsee auf der anderen Seite der Bahnstrecke abschließen.

Was das Baden betrifft, so gefiel es mir am Ostseestrand von Ahlbeck äußerst gut. Die Preise an den dortigen Strandbars sind moderat, und am Sportstrand können Bälle gegen Abgabe eines Pfands gratis ausgeborgt werden. Ich ließ mich nicht lange bitten und kickte mit ein paar Kids auf dem sandigen Fußballfeld. Daumen hoch!

Den Daumen hoch gibt es auch für Świnoujście (Swinemünde) auf der polnischen Seite der Insel Usedom. Im Sommer 2010 hatte ich mal einen Abstecher in diese Stadt gemacht und ich hatte das Ganze nicht in sonderlich guter Erinnerung. Inzwischen hat sich jedoch einiges getan, und auf dem hübsch sanierten Marktplatz und am Hafen lässt es sich gut einkehren. Zuerst ein leckeres Essen für umgerechnet rund zehn Euro in einem der Restaurants auf dem Marktplatz und später eine auf dem offenen Feuer gegrillte polnische Kiełbasa. Gut gesättigt kann es später mit der Bäderbahn zurück nach Ahlbeck gehen. Für Kinder und Jugendliche empfehlenswert ist der Kletterpark im Stadtpark von Świnoujście.

Ob am Ostseestrand oder im ruhigen Garten mit den Apfelbäumen – lange konnte ich nicht mehr so sehr entspannen und abschalten wie in Ahlbeck. Zwischen Ostsee und Stettiner Haff sagen sich im positiven Sinn Fuchs und Hase und reichlich Fledermäuse gute Nacht – und beim Blick auf die ersten aufleuchtenden Sterne kann den Gedanken freier Lauf gelassen werden. Ließe es sich dort prima leben? Meine Antwort: Ich denke, ja!



Übrigens: Wer wissen will, was so ein Urlaub bzw. Restaurantbesuch in der DDR kostet, der klickt mal auf diesen Artikel: Sie werden platziert! Was kosteten Schnitzel, Bier und Limo in HO- und Konsum-Gaststätten?
Fotos: Marco Bertram
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Historische Fotos aus der DDR 1950-1970

Motive Auswahl: Warnemünde Leuchtturm mit Fähre, Rostock Überseehafen, Sassnitz / Rügen Hafen, Warnemünde mit Teepot und Leuchtturm, Binz / Rügen Strand, Fähre zur Insel Hiddensee, Windmühle in Kühlungsborn, Fischer auf der Ostsee, Schloss Schwerin im Winter

Nächstes jahr mache ich wieder Urlaub auf Usedom. Ich liebe Usedom, Rügen und Hiddsensee wirklich sehr. 🙂
Ute
Sehr angenehm verfasst!
Lieben Dank!
Ein sehr schöner Bericht. Ich könnte gleich losfahren.🤣 jede Insel hat ihr eigenes Flair. Ich fühle mich auf beiden wohl. Vor allem der Südosten von Rügen, das Mönchsgut mit seinen urigen kleinen Fischerdörfern, wo es teilweise noch mit Reed bedeckte Dächer gibt sowie die Natur und die Stille. Als Kind war ich in den siebziger Jahren oft im Kinder Ferienlager in Breege in der alten Schule, welche heutzutage ein Kindergarten ist, damit verbunden auch positive Erinnerungen an die Insel Hiddensee, welche immer ein Ausflugsort in den Ferien gewesen ist. Ein bisschen Kultur musste sein, Denkmal Gerhart Hauptmann. In Göhren, im Heimatmuseum gibt es dieses Jahr eine Ausstellung über Urlaub in der DDR . Ist klein,war recht interessant und versetzte mich bei bestimmten Dingen zurück in die Vergangenheit.
Auch Usedom mit seinen langen Breiten Sandstränden, wo man von einem Ort zum anderen am Wasser entlang laufen kann. Aber auch das Hinterland nicht vergessen.
Ja so vergeht die Zeit…
Usedom und Rügen sind wirklich schöne, abwechslungsreiche Inseln, die alles haben, was man sich wünscht. Wildnis, Steilküste, Sandstrände…
Super Artikel und Kalender gleich bestellt.
Vielen Dank für den schönen Urlaubsbericht. Da kann man die Liebe zur Insel und Natur mit ihren herrlich ruhigen Ecken mit erleben. Ich habe selbst Kamminke, und einige Orte bis Ueckersitz vor der Wende besucht und freue mich darauf das zu wiederholen. Hoffentlich wird es mir im kommenden Jahr möglich sein. Bis dahin lese ich Deinen Bericht noch mehrmals.DANKE❤️