Rydzyna in Polen

Barockschloss Rydzyna am Valentinstag – ein Erfahrungsbericht

Am Freitag war es erstaunlich ruhig auf den Straßen. Ob es nun am 13. Tag des Monats lag, der auf einen Freitag fiel, oder auf den folgenden 14. Februar, dem Valentinstag, ist schwer zu sagen. Wahrscheinlich spielt da das letztgenannte Thema große eine Rolle. Es bietet sich halt für ein langes Wochenende an. Das Schlosshotel der Kleinstadt Rydzyna lud ebenso zum Valentinstag ein.

Rydzyna in Polen
Rydzyna in Polen

Von Poznań aus ist es nicht so weit, weshalb sich der Ort für einen kleinen Ausflug anbot. Man nimmt die südliche Abfahrt von Leszno und ist schon fast da. Doch vorher stand noch ein anderer Punkt auf dem Programm. Die polnische Regierung stellt eine interaktive Denkmal-Karte zur Verfügung, in der es dann auch jeweils einen kurzen Steckbrief zum jeweiligen Objekt gibt. Somit stieß ich dann auf das kleine Dorf Lubonia.

Grodzisko bezeichnet im Polnischen die Überreste einer Wallburg, von welcher mal mehr oder weniger übrig ist. Und genau eine solche gibt es dort direkt im Ort. Der Plan: Das Auto am Gutshaus abstellen und dann von dort aus die Attraktionen ansteuern. Die Burg in der Samica (ein Fluss) springt einen förmlich an – jedenfalls denjenigen, der sich dafür interessiert. Für den normalen Menschen von der Straße ist es einfach nur eine Insel mit einem Hügel. Die Burg wurde im 14. Jahrhundert angelegt und erst im 20. untersucht, wobei hauptsächlich Kleinkram wie Keramik gefunden wurde.

Rydzyna in Polen
Rydzyna in Polen

Aus dem anvisierten Parkplatz wurde nichts, da das Gutshaus, obwohl dieses und auch seine Gedenkplatte im Netz angepriesen wird, scheinbar auf Privatgelände befindet. So deute ich mal die Toreinfahrt. Da wählte ich mir einfach einen anderen Parkplatz. Nationaldichter Adam Mickiewicz weilte übrigens einst hier, weshalb eine Platte gesetzt wurde.

Noch interessanter fand ich den zweiten Programmpunkt. Kurz hinter dem östlichen Ortsausgangsschild steht einsam auf dem Feld eine Kapelle. Das kommt schon mal vor. Doch hier wurde sie um die vorletzte Jahrhundertwende auf einem Hügel errichtet, welcher es in den 90ern sogar bis ins Denkmalregister schaffte, obwohl nicht mal bekannt ist, was das überhaupt sein soll. Ohne die Frauenfigur mit den zwei Kindern (im Kontext der Thematik Kinderarbeit), würde der Hügel dem Laien gar nicht groß auffallen. War es eine Turmhügelburg, da sie sich in die Liste der Burgen in der Umgebung problemlos einreihen könnte?

Rydzyna in Polen
Rydzyna in Polen

Mit Sicherheit nicht! Da fehlen noch ein paar Merkmale. Denkbar wäre ein altes Hügelgrab. Die stehen nicht selten heute auf Feldern. Seit Generationen wird sich allerdings überliefert, dass es ein Massengrab für Pesttote sein soll. Wirklich geprüft hat es bisher niemand. Der Anblick ist jedenfalls interessant. Ich würde sagen, dass die Atmosphäre dort im Winter noch spezieller ist, da man aufgrund schlafender Vegetation mehr sieht und der Farbkontrast (Feld vs. Erhebung vs. Himmel) intensiver ist.

Der Auftakt wurde nun absolviert. Die nächste Station hieß dann Rydzyna. Das Wetter trübte etwas den Ausflug. Die Temperatur lag bei 0 Grad, während es leicht regnete. Rathaus – Obelisk – Schloss – Schlossteich bilden eine Achse, die noch durch eine gepflanzte Allee betont wird. Parkplätze gibt es ausreichend vor dem Schloss, welches aus dem 15. Jahrhundert datiert, zwischendurch zum klassischen Barockschloss ausgebaut wurde und in den letzten Kriegstagen des letzten Weltkriegs ausbrannte.

Rydzyna in Polen
Rydzyna in Polen

Zur Mittagszeit war es noch leer. Empfangen wurde man von einer Ritterrüstung. Der Speisesaal ist stilvoll eingerichtet und an diesem Tag thematisch passend geschmückt worden. Die übliche Speisekarte wurde gegen ein Tagesangebot eingetauscht. Die Preise liegen sonst im normalen Spektrum, an diesem Tag dann doch etwas teurer. Für 72 zl gab es z.B. eine Ente, die sehr gut gegart und dadurch ausgezeichnet zart war. Dazu wurden Kartoffelklöße, Bratensauce, Möhren, ein Stück Bratapfel und etwas Apfelmus gereicht – solide. Man muss allerdings wissen, dass im Preis noch eine Schlossbesichtigung enthalten war, die sonst extra kostet. Und diese lohnt sich wirklich, wenn man Skulpturen, Malereien und Stuck mag. Außerdem bekam man Zutritt zum Museum des Schlosses.

Rydzyna in Polen
Rydzyna in Polen

Die Mammutknochen und der Normannenhelm waren da meine Favoriten. Außen lud jetzt im Winter der Park nicht unbedingt zur Besichtigung ein, aber das Frühjahr kommt bestimmt… irgendwann mal wieder. Zwischen den teils öffentlich genutzten Schlossgebäuden aus dem 18. Jahrhundert, dem Garten und der Orangerie gibt es ja noch einen Sportplatz. Da lassen sich dann bestimmt interessante Fotos bei einem Spiel machen. Der Hintergrund kann sich jedenfalls sehen lassen.

Bericht & Fotos: Michael

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