Die Bahn will die Nachtzugverbindung von Berlin bzw. Hamburg nach Brüssel zum Fahrplanwechsel im Dezember einstellen. In einem Offenen Brief an die Vorstandsvorsitzenden der DB AG, der französischen SNCF und der belgischen SNCB, Harmut Mehdorn, Guillaume Pepy und Jannie Haek protestiert der Europa-Abgeordnete und verkehrspolitische Sprecher der Grünen Michael Cramer gegen diese Entscheidung.
„Die Bahnen wollen die europäische Hauptstadt Brüssel vom Nachtnetz abhängen. Wie falsch diese Entscheidung ist, haben nicht zuletzt die zahlreichen Reaktionen auf den Offenen Brief an die Bahnchefs gezeigt. Innerhalb weniger Tage sind knapp 500 Personen meinem Aufruf gefolgt, den Brief mit zu unterzeichnen“, erklärt Cramer.
Demnach sei die Verbindung für Tausende deutsche Mitarbeiter im Umfeld der EU und ihre Familien wie auch zahlreiche Geschäfts- und Privatreisende, die die europäische Hauptstadt ansteuern, die derzeit einzige Direktverbindung mit der Bahn. Angesichts der Herausforderung des Klimawandels und der dringend notwendigen Verlagerung von Verkehr auf die Schiene sei eine Einschränkung des Angebots ein verheerendes Signal, so Cramer in dem offenen Brief. Ab Dezember würde es damit sowohl aus der deutschen Hauptstadt als auch aus den Oberzentren Hamburg und Hannover nur mit dem Flugzeug möglich sein, direkt nach Brüssel zu reisen.
„Ich fordere die Bahnen auf, ihre Planungen für den neuen Fahrplan zu überprüfen und auch weiterhin ein regelmäßiges Nachtzugangebot in die europäische Hauptstadt anzubieten. Eine Bahn, die wichtige Strecken konkurrenzlos dem Flugverkehr überlässt, verliert nicht nur Kunden. Sie verliert auch ein Stück weit Glaubwürdigkeit, wenn es um die Bekämpfung des Klimawandels geht“, so Cramer, der sich unter anderem für den Erhalt und die Realisation des so genannten Iron Curtain Trails (der deutsch-deutschen Grenze) einsetzt: Auf einem Radwanderweg von der Barentssee bis zum Schwarzen Meer entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs soll die Geschichte der Teilung erfahrbar werden.