Rakija mit Himbeeren und nepalesisches Buffet: Die Welt trifft sich auf der ITB!

Autor: Marco Bertram     veröffentlicht am 12 März 2018    
 
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turus Fotostrecke

 

Wäre die reale Welt wie die ITB, wäre alles paletti und friedlich. Dieser Gedanke schoss mir durch den Kopf, als am Freitagabend am Messestand von Nepal der Wein ausgeschenkt und das Buffet eröffnet wurde und all die Anwesenden auf überaus angenehme Art und Weise ins Gespräch kamen. Die ganze Welt trifft sich in den Berliner Messehallen auf der ITB - und das ist keine Floskel. Ich wüsste nicht, wo man mit dermaßen vielen Menschen aus den verschiedensten Ecken dieser Erde ins Gespräch kommen könnte. Und da es nicht um technische Produkte, sondern einfach nur um das Bereisen der Länder geht - mit allem was dazu gehört -, gibt es keine fachlichen Hürden. Okay, an den Messeständen der Anbieter für elektronische Bezahlsysteme für das internationale Hotelwesen würde ich persönlich nicht gleich hängen bleiben und tiefer gehende Gespräche führen, doch in all den restlichen Bereichen sind im wahrsten Sinne des Wortes keine Grenzen gesetzt.

ITB Berlin

Nach einer dreijährigen Pause war ich in diesem Jahr wieder während der Fachbesuchertage der ITB vor Ort in den Berliner Messehallen am Funkturm. Da zuletzt die Reiserubrik unseres Magazins wieder gut gefüllt wurde mit verschiedenen Berichten und Fotostrecken, ergaben sich einige Anknüpfungspunkte. Nur durch die Hallen laufen und gucken, wäre zu langweilig. Und auch zu ermüdend. Hat man sich im Vorfeld jedoch ein paar konkrete Veranstaltungen und Empfänge herausgesucht, so läuft man nicht in Gefahr, sich einfach nur so in all den Hallen zu „verirren“. Zwei Tage sollten es in diesem Jahr sein, die Liste war gefüllt mit Notizen. Im Pressezentrum wurden zahlreiche Infomappen eingepackt. Themenvorschläge und Ideen für die kommenden Monate gibt es demzufolge reichlich. Somit wird es in Kürze zahlreiche weitere Berichte zu konkreten Regionen und Städten geben.

Thailand

An dieser Stelle sollen jedoch erst einmal ein paar Eindrücke von den zwei Fachbesuchertagen wiedergegeben werden. Wirft man sich zu Beginn ins Getümmel, so kann man schnell ermattet sein. Auch wenn nicht solch eine Masse wie am Wochenende bei den Privatbesuchertagen in den Messehallen auf Achse ist, so kann es einen auch an den Fachbesuchertagen schnell zu viel werden. Zurückzulegen sind erhebliche Strecken. Von Halle 15.1 bis zur Halle 1.2 ist es ein Stückchen, und all die Gesichter und Stimmen sowie die warme, trockene Luft können einen anfangs zu schaffen machen. Schnell ertappt man sich dabei, wie man in Hektik verfällt. Hier schnell hin, dort mal vorbei. Ein absoluter Fehler! Runter kommen, ein Päuschen einlegen. Hektik muss nicht sein. Irgendein Stand, an dem frischer Kaffee angeboten wird, findet sich immer.

ITB

Der große Haupttrubel ist gegen 15 Uhr eh vorbei. Dann wird es etwas ruhiger. Die Zeit der Empfänge ist gekommen. Für mich hieß es am Donnerstag: Auf zum Messestand von Serbien. Dort sollte es Rakija-Cocktails geben, und bekanntlich sind Osteuropa und der Balkan wichtige Themenschwerpunkte in unserer Reiserubrik. Es wurden drei Sorten aufgefahren: Brombeere mit Rakija, Himbeere mit Rakija, Minze mit Rakija. Anfangs wurde naturgemäß eher zaghaft zugegriffen, später dann wurde die Scheu abgelegt. Schnell wurde es geselliger, es dauerte nicht lange, bis man ins Gespräch kam. Ebenso schnell waren dann die Tabletts mit den leckeren Cocktails leer. Kein Problem. Die Serben holten weitere Flaschen heraus. Die Becher wurden gefüllt. Nun gab es Rakija pur. Die Beeren wurden als Dekoration ins Schnäpschen geworfen. Visitenkarten wurden getauscht, und nach einem weiteren Smalltalk stand ein Ortswechsel an.

ITB

Auch der polnische Tourismusverband lud am Donnerstagabend zu einem Empfang am Stand ein. Punkt 18 Uhr sollte es losgehen. 15 Minuten vorher ließen sich noch keine Besucher sehen, wie auf Startschuss strömte dann kurz vor sechs die Masse heran. Schnell waren die Bistro-Tische belegt. Häppchen wurden immer wieder nachgefüllt, das Bier konnte sich am Tresen abgeholt werden. Die Atmosphäre war von Beginn an gelöst und locker. Wenig später wurden die Visitenkarten der Besucher eingesammelt und in eine Schale gelegt. Verlost werden sollten ein paar Reisegutscheine und kleine Geschenke. Allerdings mussten die Gezogenen auf der kleinen Bühne auch etwas tun. Der erste Glückliche musste ein Lied auf einem schwer auszusprechenden polnischen Dialekt singen, eine andere musste aus bunt durcheinander gewürfelten Buchstaben polnische Flussnamen bilden.

Polska

Und auch ich war an der Reihe. Mir wurde ein Zettel mit polnischen Zungenbrechern vorgehalten. Na dann mal los! Ein Wort ging mitunter über eine gesamte Zeile. Sagen wir es mal so, ich habe mich wacker geschlagen. Meinen Reisegutschein hätte ich jedoch so oder so bekommen. Das Ganze sollte einfach locker gestaltet werden. Geselligkeit statt kühle Business-Atmosphäre. Sehr rasch kam man an den Bistro-Tischen ins Gespräch. Wo könnte es am Abend noch hingehen? Zur slowenischen Feier im Hotel oder doch zu den Indern? Ehe ich mich versah, wurde ich von drei Leuten eingeladen. Ich überlegte lange hin und her, fuhr dann aber doch nach Hause.

Polska

Am zweiten Tag ließ ich mich anfangs in den Hallen treiben und schaute mir die Aufmachung der Messestände an. Es fällt auf, dass die Stände weniger bunt und weniger kitschig gestaltet werden als zu früheren Zeiten. Die Messestände sind häufig optimiert für Empfänge und Gespräche an den drei Fachbesuchertagen, an denen schließlich auch die großen Geschäfte abgewickelt werden. Rein ausgelegt für die privaten Besucher am Wochenende sind inzwischen die wenigsten Stände. Klar, es gibt Hingucker wie die bunten Stände von Costa Rica, Indien oder Thailand, doch die meisten Stände kommen eher sachlich professionell daher. Was ich persönlich sehr angenehm finde. Weniger Kitsch und Ramsch, mehr Kommunikation und Zusammensein.

Kosovo

Nach einem schmackhaften Kaffee am besagten Stand von Costa Rica führte mich der Weg zum kleinen Stand von Tschernobyl. Ein Veranstalter warb dort mit Reisen in die verlassene ukrainische Stadt. Geführt könnte man dort die halb verfallenen Wohnblocks, Spielplätze und abgestellten Fahrzeuge besichtigen. Nur anschauen, nicht anfassen! So lautet das Motto des Reiseveranstalters. Gezeigt wurde auf einem Monitor ein beeindruckender Kurzfilm mit klasse gemachten Luftaufnahmen. Ein junger Mann in Camouflage-Shirt erklärte, dass kurz nach dem Fall des Eisernen Vorhangs zahlreiche abgestellte Fahrzeuge komplett ausgeschlachtet wurden. Man möchte gar nicht wissen, wo manch ein hochgradig radioaktiv kontaminierter Motor oder Reifen am Ende landete und den neuen Besitzer ganz heimtückisch in Gefahr gebracht hatte.

40 Grad

Kein Wunder, dass wenig später an einem anderen Messestand eine aufgestellte Wärmebildkamera mein Gesicht in roten Farben angezeigt hatte. 40 Grad Celsius? Meine Güte! Der bisherige Tag hatte mich arg mitgenommen. Zeit für eine Abkühlung! Wieder runterfahren. Tempo rausnehmen. Genug Kilometer abgearbeitet.

Prost

Der richtige Moment für ein kühles Gezapftes. Gesagt, getan. Am Messestand des Freistaates Bayern wurde gerade ein großes Fass angestochen, und fix bildete sich um das Bierfass eine große Traube arg durstiger Menschen. Die leeren Gläser wurden gereicht und im guten Takt wurden diese gefüllt. Anfang halbvoll mit Schaum, später dann bis oben mit Gerstensaft. Manch einer versuchte mit einer auf Bayrisch gesprochenen Floskel dem Zapf-Team ein Lächeln abzuringen. Etwas skurril, aber okay. Irgendwann hatte jeder sein Glas bayrisches Bier ergattert, und der Trubel legte sich wieder.

Nepal

Um 18 Uhr sollte es einen großen Empfang am Stand der Türkei geben. Ein erster Blick um 17 Uhr: Hm, vielleicht doch nichts für mich?! Es wurde bereits groß aufgebaut. Vielleicht doch nur mit Einladung oder Registrierung? Ich drehte noch einmal eine Runde in den Nachbarhallen und wie der Zufall (oder das Näschen) es wollte, führte mich der Weg am Stand von Nepal vorbei. Eine nepalesische Frau lud mich dazu ein, mich in der Buffetschlange einzureihen. Hier, erst einmal einen Wein bitte! Dann würde das Warten nicht so lange dauern. Eine gute Idee! Wenig später stand ich mit Hähnchenspießen und Erdnusssoße am Rande des Geschehens und beobachtete die Anwesenden. Mich faszinierte, wie miteinander umgegangen wurde. Die Blicke, die Körpersprache, die geführten Gespräche. Auf der ITB treffen die verschiedensten Kulturen aufeinander - und rackzack kommt es zur gelösten Kommunikation. Könnte nicht so auch die reale Welt dort draußen funktionieren? Einfach mal gemeinsam runterfahren, gemeinsam was leckeres essen und Musik hören - und dabei einfach mal austauschen und dem anderen zuhören.

Türkei

Und ganz wichtig! Vorurteile abbauen! Als ich gegen 17 Uhr den türkischen Stand sah, so hatte ich meine Vorstellungen, wie der Empfang ablaufen könnte. Sicherlich würden ständig Mitarbeiter in Anzügen zu den Tischen kommen und einen in Gespräche binden wollen. Ich war ein wenig abgeschreckt, doch nach vier, fünf Bechern Wein am Nepal-Stand war ich locker genug, um es bei den Türken dann doch zu „versuchen“. Ich legte Tasche und Jacke ab und stellte mich an das gigantische Buffet. Mit den all den anderen füllte ich den Teller und suchte mir einen freien Stehtisch. Nein, es kamen keine Mitarbeiter, die einen ein Gespräch aufzwingen wollten. Ganz im Gegenteil! In überraschend gelöster Atmosphäre durfte man einfach die kulinarischen Highlights genießen und einfach entspannt den Tag auf der Messe abschließen.

Türkei

Sich willkommen fühlen (ohne jegliche Anbiederei), andere Gäste kennenlernen, und den türkischen Messestand in guter Erinnerung behalten. Ich stand mit einer Frau und einem Mann am Tisch und tauschte mich über dieses und jenes aus. Mit Leuten, mit denen man höchstwahrscheinlich im „normalen“ Leben nie ins Gespräch kommen würde. Gegen 20:30 Uhr verließ ich mit einem Lächeln das Messegelände. Und noch einmal schoss es mir durch den Kopf: Wäre die reale Welt dort draußen wie die ITB, wäre alles einiges leichter und unkomplizierter…

ITB

Fotos: Marco Bertram

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