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Russland zur Jahrtausendwende: Mit der Transsib von Vladivostok nach Irkutsk

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Auf Schusters Rappen den Camino de Santiago entlang, quer durch die Rocky Mountains und die Hohe Tatra. Mit dem Mietwagen von La Habana nach Maria la Gorda, mit dem Linienschiff von Belém nach Manaus den Amazonas hinauf, mit Greyhound-Bussen einmal durch Nordamerika und zurück, mit dem Zug von Kairo nach Luxor, mit Interrail nach Edinburgh und Lissabon. Per Anhalter von Berlin nach Paris und Brüssel. Schwer zu sagen, welche Reise am beeindruckendsten, am schönsten, am emotionalsten war. Als Land berührte Brasilien am stärksten das Herz, doch alles in allem gab es eine Reise, die unter dem Strich am prägendsten war: Die Zugreise mit der Transsibirischen Eisenbahn quer durch Sibirien von Vladivostok zum Baikalsee und nach Irkutsk.

Transsib

Inzwischen wird man auf zahlreichen Webseiten fündig, was Informationen bezüglich der Transsibirischen und Transmongolischen Eisenbahn sowie den einzelnen Städten entlang der Strecken angeht. Eine individuelle Reise lässt sich inzwischen recht gut vom Rechner aus planen. Das war im Jahr 2000 noch völlig anders. Eine Fahrt quer durch Asien glich einer Fahrt ins Blaue. Visa und einzelne Tickets konnten auf Wunsch über ein spezielles Berliner Reisebüro erworben werden, doch die meisten Dinge wurden vor Ort organsiert. Übernachtung im fernen Vladivostok oder in der mongolischen Hauptstadt Ulaan Baatar? Vor Ort geschaut, was geht. Eine Gostiniza oder eine private Unterkunft würde sich schon finden. Das Anschlussticket von Ulaan Baatar nach Peking? Vor Ort gekauft!

Gobi

So ging es im Herbst 2000 mit dem Zug von Berlin aus über Warschau und Minsk nach Moskau. In mehreren Etappen fuhren wir zu zweit nach Irkutsk, verweilten dort eine Woche, düsten anschließend in die Mongolei, blieben dort zwei Wochen in der mongolischen Hauptstadt und reisten abschließend weiter nach China. Zurück in Berlin gab es nur einen Wunsch: Schnellstmöglich zurück – und zwar in die Region, die uns auf der ersten Reise am besten gefallen hatte: Sibirien! Ferne, Wehmut, Schwermut, Sehnsucht, Weite, liebenswerte Menschen. Fix waren die Flugtickets gebucht. Mit Aeroflot über Moskau direkt nach Vladivostok (auch Wladiwostok geschrieben). Nach ein paar Tagen Aufenthalt ging es mit der Transsib nach Irkutsk, um dort wiederum eine Weile zu bleiben und eine befreundete einheimische Familie zu besuchen.

Folgend das Tagebuch vom Sommer 2001. Manches wird sich inzwischen verändert haben (inkl. Schreibstil), manches wird immer noch gleich sein. Lest einfach selbst:

Vladivostok - "Beherrsche den Osten".
So lautet die freie Übersetzung vom Russischen ins Deutsche.
660.000 Menschen wohnen in der Stadt am "Goldenen Horn" im fernen Osten Russlands. Mit der Fähre ist Japan bequem erreichbar. Steht man in Vladivostok am Meer, befindet man sich wirklich am anderen Ende unserer Erde.
Zu Sowjetzeiten boomte die Stadt als strategisch wichtiger Ort, heute jedoch fühlt sich die Region ein wenig auf verlorenem Posten. Mit Japan und China wird reger Handel betrieben, und es besteht ein fast intensiverer Kontakt zu diesen beiden Ländern als zu Moskau.
So kommt es, dass auf den Straßen von Vladivostok fast nur japanische Gebrauchtwagen anzutreffen sind und der russisch-chinesische Grenzhandel blüht.

Vladivostok

Am 11. Juni 2001 war es wieder so weit, Sibirien rief!
 Wieder sollten hunderte Dia-Aufnahmen auf dieser Reise entstehen, die anschließend in meine überarbeiteten Vorträge einfließen werden. Direkt aus dem Fernen Osten hiermit ein Bericht über die Erlebnisse und Eindrücke am Amurskij Zaliv, in der Transsibirischen Eisenbahn, am Baikalsee und in Irkutsk:
Vladivostok, 13. Juni 2001:
Die Reise hierher machte uns bewusst, wie fern Vladivostok tatsächlich von Deutschland aus gesehen liegt.
Zwei Stunden Flug nach Moskau. Transfer vom internationalen Terminal zum "soliden" Terminal für Inlandsflüge. Aus fünf Stunden Wartezeit wurden knapp sieben, mit der Ungewissheit, ob der Flug überhaupt nach Vladivostok stattfinden wird. Die Zustände am Gate 3 waren hart.
Überraschend war der überaus gute Service an Bord der Aeroflot-Maschinen. Ebenfalls nicht unbedingt zu erwarten war, dass wir in einer Boeing nach Moskau saßen und von dort aus mit einem modernen Airbus 310 transportiert wurden. 


Der Anflug auf Vladivostok erinnerte mich sehr an Brasilien. Die strahlende Sonne, die grünen Berge und Täler mit weitgezogenen Wäldern. Der Flughafen liegt inmitten des satten Grüns am Rande der Stadt Artem, etwa 50 Kilometer nördlich von Vladivostok. Die Ankunft des Airbus aus Moskau war auf dem Flugplatz der Höhepunkt des Tages. Ausgestiegen wurde mitten auf der Rollbahn, etwas abseits standen auf einer Wiese alte, zum Teil verschrottete Flugzeuge der Aeroflot, und an einem rostigen Tor wartete bereits eine große Ansammlung an Leuten, die mich an die Zustände in Ulaanbaatar erinnern ließ.
Nachdem aus einer dunklen Kammer von einem anscheinend aus den fünfziger Jahren stammenden Fließband das Gepäck genommen werden konnte, ging es für uns nicht mit dem Taxi, sondern mit zwei ebenso alten Bussen in die Wohngebiete Vladivostoks. Die restlichen Kilometer legten wir zu Fuß zurück.

Fische

Die Stadt als solches liegt sehr interessant auf Hügeln, und im Hafen ruhen so einige Kriegs- und Zivilschiffe. Die Mischung ist hier ein wenig exotisch, doch auch hier wird man an jeder Stelle daran erinnert, dass man sich in Russland befindet. Das Einkaufen in den "Gastronoms", die teilweise desolaten Straßen und Bürgersteige, die klapprigen Straßenbahnen mit zum Teil mit Pappe verschlossenen Fenstern, die Trolleybusse, die akkurate Förmlichkeit der Behörden und die jedoch unglaublich hilfsbereiten Leute auf den Straßen und im öffentlichen und privaten Leben. 
Der Zustand der Stadt ist weiß Gott wirklich nicht der beste, jedoch hat Vladivostok einen eigenen Charme und einen Reiz. Immerhin wurde hier der Grundstein für den Bau der Transsibirischen Eisenbahn im Osten gelegt. Ein Obelisk erinnert daran auf einem Bahnsteig des Bahnhofs. 
Nach der Reise von Berlin über Irkutsk und Ulaanbaatar nach Beijing wird diese Russlandreise mit Sicherheit meine Eindrücke von diesem Land erweitern und festigen.

Vladivostok, 14. Juni 2001
Gestern stand ein Fußballspiel auf dem Programm:
Lutch Vladivostok gegen Schachter Prokopewsk vor etwa 7.000 Zuschauern im Dynamo-Stadion nahe des Yachthafens der Stadt.
Die Stimmung war bei torgefährlichen Situationen sehr gut, ansonsten eher verhalten. Schals, Transparente und Fahnen wie in den europäischen Ligen gibt es hier in Sibirien beim Fußball nicht. Das Spiel endete 2:0, und die reichlich anwesende Miliz hatte kaum etwas zu tun. In drei Stunden fährt unser Zug in Richtung Irkutsk ab. Das Wetter ist sehr trüb, was in Betracht der möglichen Dias etwas enttäuschend ist, aber vielleicht wird es noch. Immerhin wurden wir vorgestern in Vladivostok bei strahlendem Sonnenschein begrüßt. 


Luch

Ein Besuch ins Internet ist hier absolut problemlos, entweder man geht zur Post, wo in einem Nebenraum diverse Computer stehen, oder man besucht direkt am Hauptbahnhof das Businesscenter.
Völlig aus dem Rahmen fällt in Russland das Preisgefüge. Alles ist möglich. 50 Kilometer mit dem Bus fahren für schlappe drei Deutsche Mark inklusive Gepäckgebühr. Blienis, Pelmenis und Piroggen für Pfennige, jedoch kann man seine Pizza auch für umgerechnet 20 DM in einem normalen Restaurant um der Ecke essen. In Moskau wollte man von mir am Flughafen für zwei Fassbier 240 Rubel haben, in der Hoffnung, ich bemerke die eine Null nicht, welche zu viel war. In einem normalen „Magasin“ stehen neben Brot und anderen Alltagsprodukten hinter Glas "Liebes-Aufputschtabletten" für 2.100 Rubel, das sind für Leute in armen, ländlichen Gegenden bis zu sechs Monatsgehälter.

Vladivostok, 14. Juni 2001, fünf Stunden später. Alles anders, alles neu!!!
Wegen eines Zahlendrehers auf unseren Tickets müssen wir die Fahrt nach Irkutsk bis auf weiteres verschieben!
Schuld war jedoch nicht die Russische Staatsbahn sondern wir.
Aber was soll's, wir halten Euch auf dem laufenden, wann es nun endgültig in Richtung Baikal weitergeht. Der Tag hatte es heute in sich, einige Stunden Stress liegen hinter uns, das Warten in der Schlange vor dem Schalter war mehr als spannend. 
Nun werden so einige Dias mehr über Vladivostok und Umgebung entstehen, Ihr dürft gespannt sein.
Poka doragie drusija!!

Artem

Vladivostok / Sedanka, 15. Juni 2001.
 Gestern ging es am späten Nachmittag in das 20 Kilometer entfernte Sedanka, welches an der Transsibstrecke liegt und bequem mit der Elektricka erreichbar ist.
Sedanka liegt direkt am Wasser des Amurskij Zaliv und hat einen kleinen Sandstrand, auf dem Kinder mit Ponys reiten und Männer und Frauen in kleinen Gruppen Vodka und Bier trinken. Bereits gegen 18 Uhr torkelten die ersten volltrunken über die Gleise und kletterten den Bahnsteig hinauf. Eine schwierige Aufgabe, denn der eine oder andere stürzte kurzerhand rückwärts auf das Gleisbett.
Im dortigen Wohngebiet fertigte ich einige Aufnahmen an. Die Situation sieht dort alles andere als gut aus, wie meist überall in den russischen Städten und Ortschaften. Schotterpisten, halb verfallene Wohnblocks, schiefe Strommasten, verrostete, zusammengefallene Container an jeder Ecke. Heute geht es entweder mit dem Schiff ein Stück auf dem Wasser entlang oder mit der Elektricka ins nahe gelegene Amurskij Zaliv. Dort geht die Nebenstrecke nach Nachodka, wichtiges Wirtschaftszentrum in der Region Primor'e, ab.
Nach zwei Tagen trübes Wetter scheint nun wieder die Sonne mit vollen Kräften. Aller Voraussicht nach geht es nun am Sonntag um 12:30 Ortszeit weiter zum Baikalsee und nach Irkutsk!

16. Juni 2001.
 Überaus interessant und spannend ist es, mit einem Fährschiff von Vladivostok aus zu den vorgelagerten Inseln zu fahren. So geschehen gestern. 
Zwei Stunden schipperten wir mit einer alten Fähre, voll beladen mit Autos und LKWs, zu einer Insel und zurück. An den angelaufenen Anlegestellen mussten die Autofahrer ganze Arbeit leisten, um ihre japanischen Fahrzeuge ans Land oder aufs Schiff zu bugsieren. Die Übergänge waren hoch, und die Kanten der Kais abgebrochen und mit Schotter und Schlaglöchern übersät.
Außer den relativ häufig anzutreffenden Japanern sieht man hier keine asiatisch aussehenden Leute. Beim Anblick der Einheimischen könnte man meinen, man sei kurz hinter Moskau oder Brest. Im Gegensatz zu manchen sibirischen Provinzen wie Burjatien gibt es hier fast nur ausschließlich europäisch aussehende Russen. 
Heute ist definitiv unser letzter Tag in Vladivostok, denn morgen geht es im zweiten Anlauf in Richtung Irkutsk. Mit der guten alten Elektricka düsen Jan und ich am Nachmittag in die Stadt Artem, um noch einmal das Umland kennenzulernen. Artem, genau, dort liegt auch der Flughafen, auf dem wir mit dem Flugzeug ankamen.

Okean

17. Juni 2001. 
Do svidanja Vladivostok!
Der nächste Eintrag wird wohl am 20. Juni in Irkutsk erfolgen, denn nun sind wir mit der Transsibirischen Eisenbahn unterwegs. Dieses Mal werden wohl unsere Billets stimmen. Mit der Elekticka ging es gestern in die Vororte der Stadt Artem. Artem liegt an der Strecke, die von der Hauptstrecke der Transsibirischen Eisenbahn abzeigt und in Richtung Osten zur Stadt Nachodka führt.
Zu Zeiten des Eisernen Vorhangs war Nachodka Endbahnhof der Transsib, denn Vladivostok war für Besucher komplett geschlossen.
Die Umgebung von Artem schaut sehr ländlich aus. Weitgezogene Felder und Wiesen, am Horizont dunkelbläuliche Bergrücken. Hier trifft man wieder die für Russland so typischen Datschen an, auf denen Gemüse und Obst angebaut werden. Der Boden ist gut, und jedes Stück Land wird intensiv genutzt. Überall arbeiten Männer und Frauen auf den Feldern und jäten Unkraut und schauen den vorbeimarschierenden Besucher neugierig an. Die Tätigkeit wird dann für einen Moment unterbrochen. 
Quietschvergnügt waren die Kinder, die auf den Wegen und Grundstücken umhertollten und uns ein "Priviet" hinzuriefen. Eher schüchtern verhielten sich die älteren Leute.

21. Juni 2001.
 Irkutsk hat uns wieder, und die Liebe zu dieser Stadt flammte in mir wieder auf!
Irkutsk hat einen ganz besonderen Charme. Die alten sibirischen Holzhäuser, die vielen Bäume an den Straßenrändern. Es ist kontinentaler Hochsommer, die Sonne glüht, und die Frauen haben sich hübsch gemacht.
Gestern um 15:30 Uhr Ortszeit trafen wir im sogenannten Paris des Ostens ein. Die Fahrt mit der Transsib war wieder ein glanzvoller Höhepunkt. Inmitten von Einheimischen wurden wir im Wagon Nummer 5 wieder auf Anhieb freundlichst aufgenommen und es gab so einige nette Gespräche. 
3 Tage und 3 Nächte waren Jan und ich mit der Bahn unterwegs. Vorbei an Chabarowsk, Tchita und Ulan-Ude. Vorbei an Bergketten, die jenseits der chinesischen Grenze lagen, weiter über den Amur, und vorbei an endlosen Wäldern und Wiesen. 


Marco Bertram

Zusammen mit einer russischen Frau und ihren neun und einjährigen Töchtern verbrachten wir die Zeit zusammen im Abteil des Regelzuges Vladivostok - Moskau. Nein, nicht der bekannte "Rossia" Nummer 1, sondern ein in Deutschland nicht so sehr bekannter Linienzug 317. 
Es blieb viel Zeit um nachzudenken über die Verhältnisse auf dieser Welt, über die Weite, das Leben, das Politische und Zwischenmenschliche. Bereits nach wenigen Stunden hatte mich die innere Ruhe wieder. Jeglicher Stress war vergessen. Eine Zugfahrt mit der Transsib bringt innere Ruhe und Zufriedenheit. 
Nun warten noch ein paar Tage Irkutsk, wo wir in einem alten sibirischen Holzhaus bei Freunden wohnen. Spaziergänge an der Angara, eine Fahrt mit der Rakjeta zum Baikalsee nach Bolschie Katije, viele aufschlussreiche, interessante Gespräche mit Russen und das eine oder andere Bier...

Datsche

23. Juni 2001. 
Mein Rücken brennt, und auf den Handflächen bildeten sich erste Blasen...
Grund dafür war die gestrige Arbeit auf einem Kartoffelfeld bei knallender Sonne und über 35 Grad Celsius im Schatten. Ich wollte das Leben in Sibirien auf dem Land erleben, und so fuhren wir mit einem alten, klapprigen Ikarus-Bus etwa 30 Kilometer hinaus aus Irkutsk und besuchten eine 70-jährige Frau auf ihrer Datscha.
Um sich ein Bild von der wirklich harten Arbeit zu machen können, gingen wir den Tag über mit zur Hand und hackten ein kleines Kartoffelfeld auf. Ehe man sich versieht, wuchern Disteln und Knopfkraut auf dem fruchtbaren Boden, und so blieb es gestern nicht nur beim Hacken.
Die kooperative Gartengemeinschaft "Kinematografist", welche inmitten von Birken- und Kiefernwäldern liegt, wurde vor etwa 20 Jahren gegründet. Über fließendes Wasser und elektrischen Strom verfügen die meisten dort noch nicht. Manch einer verbringt auch den ganzen Winter über auf seiner Datscha. Zwar gibt es dort seit längerem keine Bären und Wölfe mehr, jedoch treiben verwilderte Hunde ihr Unwesen, die nach Angaben der Einheimische weitaus schlimmer als Wölfe seien.


In Irkutsk waren wir mit einem 45-jährigen Mann namens Sascha unterwegs, der uns die interessantesten, versteckten Ecken der Stadt zeigte. So kam es, dass wir an der Angara auch den Direktor des Dekabristen-Museums trafen, der sich sehr erfreut über meine Fotos im neu erschienen "Transsib-Handbuch" zeigte.
Weiter auf dem Programm stand für uns der Besuch bei einer Familie im Zentrum der Stadt, bei der wir bereits vorheriges Jahr die Zeit über in Irkutsk verweilten. Die Freude war groß, und man sprach über die touristischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten Sibiriens. Ich versprach, mein Anteil dafür zu tun, dass Vorurteile gegenüber Russland in Deutschland abgebaut werden.

Irkutsk

Heute ist unser vorletzter Tag in Irkutsk, morgen geht es mit der Aeroflot zurück nach Berlin, und mit der berühmten "Rakjeta" düsen wir noch einmal zum Baikal ins kleine Örtchen Balschie Katie. Ein vorerst letztes Mal Räucherfisch essen, das Weltwunder eines Gewässers betrachten und eine Münze in den See werfen, damit wir auch bestimmt wiederkehren!

25. Juni 2001.
 Wieder zurück im heimischen Berlin.
Eine gehörige Portion Wehmut kommt auf. Die Brasilianer nennen dieses Gefühl Saudade. 
Sehnsucht nach Sibirien, nach Irkutsk und zum Baikal.
Die Rückkehr war anstrengend und ging Schlag auf Schlag. Nach einigen Flaschen Bier mit Freunden an der Angara in Irkutsk, wo sich viele Leute des Abends und in der Nacht tummelten, blieben nur zwei Stunden Schlaf.
Nach mehreren Tagen heißem Wetter zog eine Gewitterfront auf und ließ es ordentlich krachen. Bei mir kamen in Bezug auf den Heimflug erste Sorgen auf.
Am Sonntag in aller Frühe von der Innenstadt Irkutsks zum Flughafen zu kommen ist gar nicht leicht, denn es fährt vor halb sieben so gut wie gar nichts auf den Straßen, und so kam es, dass wir es gerade noch rechtzeitig zum Einchecken schafften.


Baikal

Im Flughafengebäude pferchten sich in jenem Moment um die 200 Leute durch eine einzige Tür zur Vorkontrolle. Die Stimmung war gereizt und es wurde geschoben und geflucht. Taschen, Kinderwagen und geschnürte Pakete inmitten der ganzen dicht gedrängten Menschen.
“Eto Rossia! (Das ist Russland!)“, fluchte ich vor mich hin. Ohne Drängeln hätten Jan und ich gewiss unseren Flug verpasst. Mit einer Tupolev 154 ging es nach dem ganzen Trubel nach Moskau, von wo aus der Heimflug nach Berlin-Schönefeld anstand. Zwei letzte Baltika-Bier in einem Café, ab ging es durch die vier Kontrollen der russischen Behörden, die Stempel krachten in Pass und auf das Flugticket und anschließend hieß es:
Poka, do svidanija doraga Rossia! Auf Wiedersehen Russland, ich werde wiederkommen! Ganz bestimmt!

Moskau

Fotos: Marco Bertram

> zur turus-Fotostrecke: Russland / Transsibirische Eisenbahn

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