Eine Reise durch Südamerika: Mit dem Flieger von Brasilien nach Suriname

K Updated 02 August 2017
Eine Reise durch Südamerika: Mit dem Flieger von Brasilien nach Suriname

Flugzeug SurinameDer Schweizer turus.net-Autor Kalleman auf Tour. Auf eigene Faust von Brasilien in die ehemalige niederländische Kolonie Suriname. Am topmodernen Flughafen von Belém erkundige ich mich nach einer Wechselstube, die Schweizer Franken akzeptiert. Zum Glück besitzt Belém eine topmoderne Infrastruktur und so ist es kein Problem im Zentrum meine Schweizer Franken umzutauschen und das zu einem prima Kurs. Welch großes Glück! Ich bin all meine Sorgen los! Ich hätte die Welt umarmen können. Dabei ahnte ich nicht einmal, wie wichtig diese Aktion gewesen ist. Denn am Flughafen war noch die Flughafentaxe vor dem Abflug nach Paramaribo fällig und dazu hätten meine Real nicht mehr gereicht.


Zurück am Flughafen. Der Surinam Airways Flug verlässt Belém zu einer ungewohnten Zeit: um 3.45 Uhr. Vor zwei Jahren versuchte ich auf dem Landweg nach Suriname einzureisen und wurde mangels Visum wieder nach Guyana abgeschoben. Schon damals erschien mir Suriname als ein Bürokratiemonster. Und schon damals stellte ich fest, dass meine Logik nicht ausreicht, um Suriname zu verstehen. Die Fluggesellschaft Suriname Airways ist da ein Spiegelbild des Landes. Beim Einchecken wurde mir mitgeteilt, dass der Flug erst um 4.45 Uhr stattfindet. Doch um 3 Uhr wurde das Gate geöffnet um 3.45 Uhr war alles bereit um abzuheben. Doch nun sei das Wetter in Paramaribo so schlecht, dass wir nicht landen könnten und so müssen wir alle wieder das Flugzeug verlassen. Um 6.30 Uhr gehe es neu los und so lege ich mich schlafen. Plötzlich schrecke ich auf. Alle sind weg, ich bin alleine im Warteraum des Gates. Ich sehe gerade noch, wie eine Angestellte der Suriname Airways in den Gangway läuft, lege einen verschlafenen Sprint hin und erreiche das Flugzeug. Es ist 5.30 Uhr, es geht los.

Das Wetter über Suriname könnte nicht besser sein. Ein strahlend blauer Himmel öffnet mir die Sicht auf den endlosen Regenwald Surinames. Umso erstaunlicher ist die Durchsage des Piloten, dass das Wetter immer noch zu schlecht sei und wir nicht landen könnten. So dreht der Flieger eine Runde um die andere, unter mir sehe ich den Flughafen. Irgendwann setzt er zur Landung an. Es ist windstill. Eine wirklich eigenartige Airline.

Suriname CentDie surinamische Zollkontrolle ist streng, bürokratisch und vor allem langsam. Damals, als ich aus Suriname abgeschoben wurde, hatte mir der Zöllner noch einen Stempel in den Pass gedrückt und denn sieht nun der Zöllner und diesen macht den Zöllner offenbar nervös. Er tippt energisch mit dem Finger auf diesen Stempel und reicht meinen Pass seinen Kollegen. Nun muss ich rund vier Mal meine Geschichte erzählen, vier verschiedenen Personen, sie nicken jeweils. Irgendwann scheinen ihnen die Fragen auszugehen. Der Zöllner knallt seinen Stempel in den Pass und ich bin durch – doch nicht ganz. Nun wird noch das Gepäck durchwühlt und Fragen werden gestellt. Dann stehe ich endlich draussen vor dem Flughafengebäude. Ich habs geschafft! Endlich bin ich in Suriname. Nun habe ich sämtliche Länder Südamerikas besucht.

Ein Taxi bringt mich für rund 150 Surinamesische Dollar (SRD) ins Zentrum. Der Bus hätte nur einen SRD gekostet. Doch ich habe nur Real, der Flughafen keinen Geldwechsel, hätte auch nichts genützt, denn Banken in Suriname wechseln nur Euro und Dollar. Ein Taxifahrer weiss Rat. Im Viertel der Brasilianer, sie scheinen hier den Goldhandel zu beherrschen – und können selbstverständlich nur portugiesisch – werde ich kräftig abgezockt. Ich verliere rund 1/3 des Wertes, doch immer noch besser, als gar kein Geld wechseln zu können. Und Suriname ist billig. Krass billig.

Paramaribo ist weniger lebhaft als Georgetown, dafür findet man auch unter der Woche Kneipen, die offen und gut gefüllt sind, im Gegensatz zu Cayenne. Das Land ist wahrlich seltsam. Man sieht hier Menschen, die ihre Vogelkäfige spazieren führen. Und sie, also die Menschen, scheinen sich nicht zu vermischen. In Guyana sind sie dunkelhäutig oder indischer Abstammung, man sieht kaum Weisse. In Nickerie (Suriname), rund 80 Kilometer von Paramaribo entfernt, gibt es praktisch ausschliesslich Inder. In Paramaribo sieht man keine, dafür Javaner und dunkelhäutige Menschen, die sich optisch wesentlich von den Guyanern unterscheiden. Dazu noch ein Menschentyp, deren Haut tiefschwarz ist. Noch nie habe ich eine so tiefschwarze Haut gesehen, wie die der Kellnerin an der Bar, in der ich sitze. Sie sieht sehr gut aus. In Französisch Guyana gibt es vor allem Weisse und ein paar dunkelhäutige Bewohner, die sich aber wiederum optisch von den Surinamern klar abgrenzen lassen.

ParamariboParamaribo ist ein relaxter Ort und die junge Frau, die in meinen Guesthouse arbeitet, etwas vom Unfähigsten, was ich je erlebt habe. Bald einmal liege ich mit ihr im Streit, weil sie behauptet, ich könne doch nicht einfach mein Gepäck in meinem Zimmer lassen, während ich in der Stadt spaziere. Dann mäkelt sie rum, dass ich gar nicht heute morgen angekommen wäre, sondern erst jetzt und daher müsse ich erstmal die Nächte bezahlen. Egal wie sehr ich nachdenke, ich weiss beim besten Willen nicht, wie sie auf so absurde Gedanken kommt. Surinamische Logik. aber ich habe sie offenbar durch meinen energischen Widerspruch tief getroffen. Beleidigt kehrt sie mir den Rücken zu. Während ich auf der Terrasse sitze, reklamiert ein neu angekommener Gast, dass in seinem Zimmer schon einer drinliegt. Das Guesthouse ist schön, die Terrasse ein wunderbarer Treffpunkt, leider hat es kaum andere Reisende, obwohl alle Zimmer vergeben sind. Schade, keine Ahnung, wo die alle sind.

Paramaribo hat man schnell gesehen. Zwar ist das historische Zentrum ziemlich weitläufig, es gibt aber nicht allzu viel zu tun. Ein verschlafenes Nest könnte man sagen. So miete ich ein Fahrrad und dreh meine Runden. Auf einem Boot setze ich über den Fluss Suriname, vorbei an einem halbversunkenen Kahn und fahre nach Fort Amsterdam, angeblich eine Touristenattraktion und frage mich, was es hier echt zu sehen geben könnte. Hier, am Zusammenfluss von den Flüssen Suriname und Commewijne toure ich noch ein paar Stunden herum, vorbei an grosszügig gebauten Häusern mitten im Grünen und besuche noch eine Plantage. Das Land ist flach. Keine Erhebung weit und breit. Als ich dann auf die Ost-West-Strasse Richtung Meerzorg einbiege um von dort mit einem Boot wieder nach Paramaribo überzusetzen, wird es unangenehm. Es hat viel Verkehr und wenig Platz für das Velo. Schliesslich bringt mich ein Boot nach Paramaribo zurück. Leider reicht mein Geld nicht für die geplanten Dschungeltouren. Suriname scheint mir in dieser Beziehung sehr gut organisiert zu sein. Schade. Es geht bereits wieder nach Hause.

SurinameIm Chaos des Busparkplatzes Heiligenweg brauche ich doch ziemlich viel Aufwand, bis ich einen Bus zum Flughafen finde. Dabei sollte man eben nicht nach dem Weg zum Flughafen fragen, sondern nach Zanderij, einem kleinen Nest gleich neben dem Flughafen. Meine Reise ist zu Ende. Der Bus ist spottbillig. Einen einzigen SRD, 150x mal billiger als ein Taxi. Es geht vorbei über Orte wie Onverwacht und Nooiterwacht nach Zanderij, das nur aus ein paar Hütten, einem Laden, sowie einer Tankstelle besteht. Englisch verstehen sie hier nicht mehr, meine Brocken niederländisch genügen. Viele Flüge gehen von hier nicht weg. Dennoch ist der Flughafen ganz angenehm und erstaunlich billig. Draussen gibt es Snackbars und Shops zu fairen Preisen und auch im Transitraum ist es günstig. Die T-Shirts kosten gar nur noch die Hälfte im Vergleich zu den Läden in der Innenstadt. Der Flieger der KLM steht auch schon bereit und nach zahlreichen Sicherheitskontrollen – wir sind immer noch in Suriname – stehe ich auf dem Rollfeld. Doch in das Flugzeug dürfen wir nicht. Die Stewardess winkt und macht, aber der Kerl mit dem Funk vor mir gibt keine Erlaubnis das Flugfeld zu betreten. Eine Logik erkenne ich in seinem Verhalten nicht, aber offenbar ist es ihm wichtig, noch zuzuwarten. Dumm nur, dass irgendwann die Passagiere einfach beginnen loszulaufen. Er gibt noch schnell das Frei-Zeichen, wohl um seine Autorität zu wahren. Einfach mühsam diese Touristen!
Fotos: Kalleman (Schweiz)

> zu Teil 1: Auf der Todesstrecke nach Macapá

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