Das vergessene Denkmal auf dem Galgenberg zu Chojna

Das vergessene Denkmal auf dem Galgenberg zu Chojna

 
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M 11 Januar 2023

Die Kleinstadt Chojna (ehemals Königsberg/Neumark), sich einen Katzensprung von der deutsch-polnischen Grenze befindendend, dürfte unter meinen Orten, in denen ich mich in Polen außerordentlich gut auskenne, unter den Plätzen an der Spitze liegen. Das hat auch einen einfachen Grund. Im  Forum der Fans von Pogoń Szczecin gab es eine Liste an Graffiti. Das sind zweifelsfrei interessante Fotomotive, die man gerne bei Fahrten mitnimmt, wenn man eh in der Nähe ist. Und eines dieser Graffiti, welches in Chojna an eine Wand gebracht wurde, war einfach nicht zu finden. 

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Auf einem der viel zitierten stilechten Hinterhöfe lud es dann zu einem schnellen Schnappschuss ein. Danach die Kamera wieder schnell in der Tasche versteckt, bevor noch einer blöd guckt. Auch so hat Chojna mit seiner waldreichen Umgebung mit Sicherheit so viel zu bieten, sodass man locker einen ganzen Sommertag mit Programm füllen könnte. Ein Einkauf lohnt sich sowieso. Das haben auch viele Deutsche erkannt, was man an der steigenden Zahl an deutschen Kennzeichen in der Stadt innerhalb der letzten Jahre  festmachen kann. Hinter der letzten deutschsprachigen Tankstelle nach dem berühmten Straßenabschnitt (Straßenstrich) im Wald ist die Welt noch nicht zu Ende. Nebenbei bemerkt: "Meine" Kassenrollen für manche Spiele stammten aus einem Bürobedarf in Chojna.

Wie oft ich das Ortseingangsschild passiert habe, kann ich nicht mal mehr schätzen. Was mir dabei allerdings recht spät in den Fokus rückte, ist ein kleiner Hügel mit einem Steinturm links der Straße. Was ist das? Die Karten sagten mir auch nichts dazu. "Irgendwann wird es sich bestimmt mal ergeben!", meinte stets die innere Stimme. Irgendwann war dann neulich in der Weihnachtszeit. "Ein Kriegerdenkmal, ein Bismarck-Turm oder vielleicht sogar schon ein vergessenes polnisches Denkmal?", dachte ich mir so und grübelte. Je näher ich kam, umso eindeutiger wurde die These "polnisches Denkmal" widerlegt. Es ist schon ziemlich zugewachsen. Eine Steinplatte mit einer Inschrift wurde erkennbar. Das Teil muss somit eine größere Bedeutung gehabt haben. Dann begann ich zu lesen, und die Augen erfassten den Namen Gustav Adolf. 

Das kam überraschend. Den 30-jährigen Krieg hat man nicht unbedingt gleich auf dem Schirm. Wenn ich es korrekt entziffert habe, dann steht da: „Zum Gedenken an die Befreiung Königsbergs am 27. Dezember 1630 durch den schwedischen König Gustaf Adolf aus der großen Not des Dreißigjährigen Krieges“. Somit ist klar, dass die Polen, die sich ganz im Gegensatz zu den Deutschen sehr um ihre eigenen Denkmäler kümmern, diesem "fremden" keine Beachtung  mehr schenken, denn Gustav Adolf stand z.B. auch in Konflikt mit der polnischen Flotte. Ringsherum auf den Felsen wurden noch die Namen umliegender Dörfer vermerkt sowie die Namen der drei besiegten Generäle. Ansonsten sind noch ein paar Treppen erkennbar. 

Deutsche Seiten thematisieren das Denkmal übrigens gar nicht. Etwas Material gibt es auf polnischen Internet-Seiten. Umgeben war die Steinpyramide, die im Juni 1912 eingeweiht wurde, demnach mal mit vier weiteren Felsentürmchen. Wie das große Loch in die Gedenkplatte kam, weiß auch die polnische Quelle nicht. Es bleibt wohl ein ungelöstes Rätsel der Geschichte. Eine Seltenheit sind Denkmäler zu Ehren des Schweden-Königs aber übrigens nicht. Das nächste befindet sich schon im Park hinter dem Schwedter Stadion Heinrichslust. Auch am Greifswalder Dom hatte ich mal eine angebrachte Platte gesehen. Aber mit am interessantesten sieht wohl diese bei Chojna auf dem Galgenberg aus.

Fotos: Michael

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