Wandern im Warta-Tal - alles andere als Qual

Wandern im Warta-Tal - alles andere als Qual

 
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M 09 Juni 2020

Bunker oder Burg? Der Ball rollt ja immer noch nicht, und die Naturschutzgebiete erweisen sich als gute Beschäftigung. So fiel die Wahl auf eine Slawenburg im "Landschaftspark Warta" (Nadwarcianski park krajobrazowy). Den Weg steckte ich mir per Karte ab und suchte mir noch etwas Beifang dazu. Das Wetter spielte mit, und so konnte dieses Naturschutzgebiet auf der Liste, was ich schon ewig vor mir herschiebe, endlich als "gesehen" abgehakt werden. Der Ausgangspunkt "Lądek" macht Sinn. Die infrastrukturelle Anbindung ist dennoch einmal wieder mittelprächtig, obwohl der 800-Seelen-Ort mit einer ansehnlichen Kirche und einem kleinem Busbahnhof ausgestattet ist. 

Słupca liegt auf der Zug-Strecke zwischen Konin und Poznan. Von Słupca aus muss man sich dann per Bus durchschlagen. Hat der Tourist die Kirche erreicht, dann befindet er sich schon am Tor zum Naturschutzgebiet. Hier gibt es einen blau und einen rot markierten Wanderweg. Ich wählte den blauen und war dann gut 11 km unterwegs. Das muss man dem Planer lassen, der Weg ist ausgezeichnet konzipiert, denn alle "Attraktionen" wurden miteinander verbunden. 

Zunächst führt der Weg durch die übliche Feld- und Wiesenlandschaft, in dessen Hintergrund man bereits die Türme des Zisterzienserklosters Ląd erspäht, was ebenso nicht unattraktiv ist. Wenn man schon hier ist, sollte man das gleich mitnehmen.

Dann beginnt ein größeres Waldstück mit Nadelwaldbereichen, Mischwaldarealen und reinen Birkenwäldchen. Rechter Hand taucht plötzlich aus dem Nichts ein überdimensionaler Sandberg auf. Im Umkreis ist es die höchste Erhebung. 

Nach der letzten Eiszeit wurde in der vegetationslosen Zeit Sand durch Winde zusammengeweht. Den aufgetürmten Sand nennt man Binnendüne. Entlang der Warta gibt es einige von diesen, allerdings nicht in dieser Dimension. Dieser ist ein ganz besonderer Berg, da ein Schulkinder mittelalterliche Münzen im ihm beim Spielen fanden. Der Berg wird "Großer Borek" genannt. Die Funde stehen im engen Zusammenhang mit der Slawenburg, die sich ca. einen Kilometer westlich des Bergs befindet. 

Grodzisko ist der Begriff für diese Relikte, ja Stümpfe von einst prächtigen Burgen. Das, was nun vor mir liegt, ist augenscheinlich nur ein kleiner Hügel, der von einem Graben umgeben ist. Die Bauern haben ganze Arbeit geleistet. Die Burg existierte zwischen dem 10. und 13. Jahrhundert am Rande des Flusses, zusätzlich durch die Feuchtwiesen geschützt. Clever! Ein Wall, ein Graben und eine Holz-Erde-Stein-Konstruktion mit Palisaden schützten zwei Hütten und einen Tempel. 

Der auf der Strecke zwischen der Kiewer Rus und Pommern gelegene einstige Handelsplatz brachte einige exotische Funde zutage - Schmuck, Werkzeuge, Waagengewichte und ein Boot. Die Burg, besser den zugewachsenen Hügel, lasse ich nun hinter mir und laufe durch die Wiesen mir den Totarmen der Warta. Ein paar Meter neben mir fließt der Fluss in seiner üblichen schnellen Geschwindigkeit. Nirgends gibt es einen Zugang zum Wasser. Schade eigentlich. Keine Anglerpfade, nichts. Da hatte ich mir mehr erwartet. 

Eigentlich dürfte hier geangelt werden, denn auf dem gesamten Gebiet (130.000 ha) gibt es nicht ein einziges Reservat. Alsbald komme ich wieder zu meinem Wäldchen. Kurioserweise wurden hier Verkehrsschilder aufgestellt, deren Sinn mir nicht ganz so klar werden. Eine Einbahnstraße im Wald? Vielleicht die Reste einer ehemaligen Kaserne, in welchen ich schon auf Straßenschilder traf? 100-prozentig nicht. Das Gebiet wurde noch nie militärisch genutzt. Es ist viel zu sumpfig. 

Nun sehe ich schon wieder die Kirchtürme von Lądek in der Ferne, während ich die Weidenallee hinter mir lasse. Dem großen Regen konnte ich gerade so entfliehen. Ein paar Minuten später senkt sich bereits die goldene Abendsonne über das Warta-Tal. 

Fotos: Michael

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Polen
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