Als die Deutschen nach Polen auswanderten - Wanderung durch die Puszcza Pyzdrska

Als die Deutschen nach Polen auswanderten - Wanderung durch die Puszcza Pyzdrska

 
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M 02 Juni 2020

"Witam, witam", sagte der Bauer freundlich zu mir, von dem ich etwas frische Milch holte. Noch nie hatten wir zuvor Kontakt. Meine Herkunft war gerade zu noch der Eisbrecher. Keine Unfreundlichkeiten, kein Abziehen des deutschen Immigranten waren zu registrieren. Ähnlich freundlich ging es bestimmt auch damals zu, als Polen Deutsche und Holländer einlud, um das Sumpfgebiet, das sich südlich von Pyzdry (3500-Einwohnerstadt zwischen Poznan und Kalisz) befindet, urbar zu machen. Die Olederzy genannten Siedler wussten, wie man die Sümpfe trockenlegt. Da war ich gespannt, ob ich noch Hinterlassenschaften entdecken könnte. Ich wählte den südlichen Zugang zum Waldgebiet, dass heute ca. 26.000 ha umfasst.

Ich tauchte hier in eine ganz andere Welt ein, denn für ein paar Stunden empfand ich eine extrem angenehme Entspannung. Hier hat bestimmt noch nicht jeder was vom Corona-Virus gehört. Ich erfreute mich am Anblick von Wald, Äckern, Wiesen, einzelnen Bauernhöfen und einigen speziellen Bauten. Das waren einst die Höfe der Siedler, und ein paar standen leer und verlassen. Entweder wurden sie aus Holz oder Stein errichtet. Bei den Steinkonstruktionen wurde Rasenerz verwendet, bei dem Sedimente durch Eisenoxid verbunden werden. Im Resultat entsteht ein rötlicher dunkler Stein. Der Prozess dauert natürlich lange und benötigt sumpfige Bedingungen. In Verwendung zusammen mit weißem Putz sieht das natürlich sehr edel aus. 

Da war ich nun in der Heidelandschaft. Die Bereiche, die ich sah, erinnerten teilweise an ehemalige Truppenübungsplätze der Sowjets. Hin und wieder fanden sich sogar noch undefinierbare Metallteile. Kampfhandlungen gab es in diesem Kontext aber nie. Das eindeutigste Überbleibsel der Siedler waren die Reste eines Nachttopfes. Über Stunden war ich der einzige Nutzer der Wege, die häufig durch Birkenalleen und Birkenwälder gesäumt werden. Sehr nett. In einem Mischwaldstück wurde ich dann richtig fündig, da plötzlich hinter den Resten einer Mauer - auch aus Rasenerz - ein Friedhof auftauchte. Der älteste Bestattete wurde noch im 18. Jahrhundert geboren. 

Zwischen den Grabsteinen entfalteten sich sehr ansehnlich kleine Flächen von Maiglöckchen. Ein paar Gräber befanden sich sogar noch in einem recht guten Zustand. Hier und da standen Verse aus christlichen Liedtexten eingraviert. Ich muss schon sagen: Von den bisher erkundeten evangelischen Friedhöfen in den Masuren und Wielkopolskie ist das einer der interessantesten. Durch die Abgelegenheit des Ortes sind die Gräber von Plünderern weitestgehend verschont geblieben. Obwohl das Gebiet spannend ist und durch malerische Wanderwege überzeugen kann, war ich hier der einzige Tourist! Es gibt Schlimmeres.

Fotos: Michael

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Polen
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