Der Weg der tausend Kronkorken

Der Weg der tausend Kronkorken

 
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MB 25 Februar 2020

Seit wann gibt es eigentlich Kronkorken, die in Österreich auch als Bierkapsel bezeichnet werden? Erfunden und im Jahre 1892 als Patent angemeldet wurden sie von William Painter (1838–1906) aus Baltimore (Maryland). Tatsächlich nannte er seine Erfindung „Crown Cork“, und schon bald lösten die Kronkorken (Kronenkorken) in den USA bei den Bierflaschen nach und nach die Bügelverschlüsse ab. Früher waren es 24 Zacken, heute sind es in Deutschland in der Regel 21 Zacken. So wie der Topf zum Deckel passen muss, gilt dies für das Mundstück der Glasflaschen und dem Kronkorken. Die Mundstücke müssen hierzulande gemäß der Norm DIN 6094 hergestellt werden, dann passt auch der heute übliche Kronkorken, der einen Innendurchmesser von 26,75 mm, eine Höhe von 6 mm, einen Radius von 16,05 mm und eine Blechdecke von 0,235 mm hat. Wer das wissen möchte und weshalb ich darauf komme? Ganz einfach! Jede Woche laufe ich einen schmalen Waldweg entlang, der mit zig hunderten Kronkorken gepflastert ist.

Quasi jede Woche besuche ich in Waldesruh vor den Toren Berlins einen alten Schulfreund, um mit ihm eine zehn Kilometer lange Runde durch das Erpetal joggen zu gehen. Im Anschluss geht es nach einer Tasse Kaffee zu Fuß über Ravenstein zum S-Bahnhof Friedrichshagen. Von den Kleingärten im Wiesengrund an der Erpe (Neuenhagener Mühlenfließ) führt ein schmaler Waldweg rüber zur Dahlwitzer Landstraße. Mir war das vorher noch nie bewusst aufgefallen, und erst, als sich das eine Mal ein weiterer Kumpel der Laufeinheit angeschlossen hatte, machte es auch bei mir Klick. 

Was ist das? Der gesamte Pfad ist gepflastert mit Kronkorken, und fast alle zeigen mit der Oberseite gen Himmel. Im weichen dunklen Waldboden sind sie fein reingedrückt und zeigen nun an, was auf dieser Strecke feines getrunken wurde. Es blieb wahrlich nicht bei einer Marke. Kronkorken der verschiedensten Biersorten sind auf dem schmalen, vielleicht 200 Meter langen Wegabschnitt zwischen Wiesengrund und Landstraße zu bestaunen. 

Nun denn, denkt man auf dem ersten Blick. Hier trinkt wohl jemand auf dem Nachhauseweg ab und an ein Bierchen. Das Kuriose indes: Davor und dahinter sind im Prinzip keine Kronkorken zu finden. Nur auf dem besagten schmalen Wegabschnitt glitzern und funkeln die Kronkorken, wenn die Sonnenstrahlen den Weg durch die Baumkronen finden. Jüngst wurden an manchen Stellen sogar einfache Muster gebildet. Einfach nur wegwerfen, ist nicht! Kanne geöffnet, genussvoll konsumiert und anschließend den Kronkorken in den Waldboden gedrückt. 

Kürzlich machte ich mir den Spaß und zählte einmal grob durch. Ich überschlug in einzelnen Abschnitten und kam letztendlich auf über 1.000 Kronkorken. Eine ordentliche Hausnummer. Zumal im weichen Boden bei der steten Feuchtigkeit Kronkorken rostig werden und irgendwann unter Erde und Laub verschwinden. Für Nachschub ist stets gesorgt. Tagsüber hatte ich noch niemanden ertappen können, der sich dort zu schaffen macht. Vielleicht aber meldet sich aufgrund dieses Berichtes derjenige ganz diskret bei mir. Dann könnte man sich am S-Bahnhof Friedrichshagen treffen, ein Pilsette schlürfen und eine Ortsbegehung machen. Bis dahin: Fröhliches Kronkorkendrücken! 

Fotos: Marco Bertram

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