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9.000 km mit dem Fahrrad bis in die Türkei - und das ist erst der Anfang!

 
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MB 14 Dezember 2019

Vier der vergangenen fünf Nächte wurden im Zelt am Strand des Mittelmeeres verbracht, eine davon in einer Strandbar, die vor Regen und Gewitter schützte. Wettertechnisch war zuletzt einiges dabei. Angenehmes Baden im Meer, Regen und Gegenwind beim Radeln. Auf den Bergen bei Fethiye wurde erstmals Schnee gesichtet. Bereits seit einem halben Jahr sind Anika und Denis auf Tour, nachdem die Jobs gekündigt und die Wohnung in Hamburg aufgegeben wurden. Es rief die grenzenlose Freiheit. Mit dem Rad ging es anfangs quer durch Polen und hoch bis nach Estland. Im Anschluss ging es in Richtung Süden. Einmal quer durch den Balkan, durch Griechenland und dann rüber in die Türkei. Der derzeitige exakte Kilometerstand: 8.695. Die beiden befinden sich derzeit gerade in der Nähe der Küstenstadt Kas im Süden der Türkei. Anika fand an einem Regentag die Gelegenheit uns in aller Ausführlichkeit ein paar Fragen zu beantworten. Und ja, das Trainingslager des F.C. Hansa Rostock in Belek ist fest eingeplant. Mehr dazu:

turus: Hallo Anika, wie man bei Euch im Blog lesen kann, habt Ihr bereits eine ordentliche Strecke zurückgelegt. Gedanklich die Zeit noch einmal zurückgespult: Hättet Ihr damals beim Tourstart gedacht, dass Ihr dort sein könntet wo Ihr jetzt seid?

Anika: Hi Marco, wir haben tatsächlich von Anfang an gehofft, in etwa dort zu sein, wo wir uns aktuell befinden - im Süden der Türkei, nicht allzu weit von Antalya entfernt. Wir haben nämlich schon vor der Abreise ein bisschen darauf spekuliert, dass Hansa wieder nach Belek ins Wintertrainingslager reist, und wollten, wenn es so kommt, versuchen, dort zu sein. Wir hatten damals natürlich noch keine Ahnung, ob wir das überhaupt schaffen können oder ob Hansa nicht vielleicht doch nach Spanien reist, aber als die Nachricht kam, dass es wieder Belek wird, haben wir uns riesig gefreut.

Ein paar Tage später haben wir mal grob überschlagen, wann wir dort ankommen könnten, und ein Apartment gebucht. Das war im Oktober als wir noch in Ungarn waren. Jetzt planen wir, in ein paar Tagen in Belek anzukommen, denn wir erwarten über Weihnachten Familienbesuch, und werden dort etwa vier Wochen Pause machen. 

turus: Wie fällt das erste Fazit aus? Schaut man sich die Fotos an, so sieht man stets glückliche Gesichter. Denis hält meist vorn das Smartphone, dahinter sieht man dich und häufig die Personen, die Ihr unterwegs getroffen habt. Es ist ja echt erstaunlich, mit wie vielen Leuten Ihr ins Gespräch kamt und wie häufig Ihr ein Quartier angeboten bekamt. Erzähl mal!

Anika: Ja, wir haben schon so unglaublich viele Leute getroffen und kennenlernen dürfen. Manchmal ist es nur ein kurzes Lächeln und ein Winken an jemanden auf der Straße, manchmal entwickelt sich ein längeres Gespräch. Einmal, in Polen, hat uns ein Mann, der gerade vom Brötchenholen kam, mit unserem ganzen Zeug - Zelt, Fahrräder, Schlafsäcke, die zum Lüften draußen lagen - beim Frühstücken gesehen und ausgefragt. Bevor er sich verabschiedete, schenkte er uns etwas von seinem frischen Brot für den Tag. 

In Serbien ist uns sogar mal eine Frau rufend und winkend nachgelaufen, um uns ein paar Äpfel aus ihrem Garten zu schenken. So als hätten wir vergessen, bei ihr anzuhalten. 

Das ist das Tolle am Fahrradfahren: man kommt super schnell mit den Leuten in Kontakt, hat keine Scheibe zwischen sich und der Welt wie beim Autofahren und ist immer sofort mittendrin. 

Fürs Übernachten nutzen wir eine Community namens Warmshowers. Das ist eine Plattform, auf der Radfahrer anderen Radfahrern eine kostenlose Übernachtung anbieten. Anfangs haben wir diese Möglichkeit nur sehr selten genutzt - es war schließlich Sommer und wir mussten uns erstmal an unser neues Leben auf dem Fahrrad gewöhnen und eine gewisse Routine entwickeln. Außerdem waren wir an der Ostsee und konnten sehr oft direkt am Strand schlafen, was einer der bestmöglichen Umstände ist. 

Später sind wir dann öfter mal darauf zurück gekommen und seitdem wir in der Türkei sind, nutzen wir Warmshowers echt regelmäßig, weil es hier unglaublich viele aktive Hosts (Gastgeber) gibt und diese gerade jetzt im Dezember nicht allzu ausgelastet sind. 

Wir haben auf diese Weise schon so viel über das Land, die Kultur und vor allem die Küche gelernt, denn wir sind bisher fast überall bekocht worden und haben lange Abende im Gespräch über alles Mögliche verbracht.

Außerdem haben wir so auch schon bei vielen interessanten Leuten übernachtet: bei einem Mann, der Fahrräder aus Bambus baut, oder einer Frau, die uns bei sich schlafen ließ, obwohl sie über Nacht arbeiten musste, und darauf bestand uns nach der Nachtschicht Frühstück zu machen, oder einem Grundschullehrer, der uns in seine Schule eingeladen und uns zum Thema einer Schulstunde gemacht hat. 

Es ist echt toll zu erleben, wie offen und warmherzig wir von Fremden aufgenommen werden und wie wenig Berührungsängste es gibt.

Die Menschen und ihre fast ausschließlich freundliche und offene Art uns gegenüber sind bisher die wichtigsten und schönsten Erfahrungen auf unserer Reise. 

turus: Karsten und ich, die beiden Betreiber dieses Magazins, radelten einst auch quer durch Serbien, Rumänien und Bulgarien. Von daher möchten wir natürlich wissen, wie es Euch auf dem Balkan gefallen hat. War Serbien das bisherige Highlight?

Anika: Auf dem Balkan war es toll. Wir sind ja schon früher gern in Richtung Osten gereist und haben das Einfache und Rustikale dort immer sehr genossen. 

Serbien war definitiv eins der Highlights bisher, denn wir sind hinter Belgrad von der geraden Nord-Süd-Route abgewichen und zwei Wochen lang abseits der Hauptverkehrswege durch die Berge gereist. Dort haben wir Orte durchquert, in die sich nicht allzu oft ein Tourist verirrt, und sind dort immer freundlich und fröhlich gegrüßt worden und wurden sogar einige Male mit Applaus bedacht, während wir mit einem Anstieg gekämpft haben. 

Einmal habe ich ein Experiment gemacht: in der Region ist es üblich, vor dem Haus eine Bank zu haben, auf der man abends beisammen sitzt und sich mit Nachbarn bei einem Getränk unterhält. Als wir durch diesen einen größeren und sehr belebten Ort - ich weiß leider den Namen nicht mehr - geradelt sind, habe ich jeder Bank zugewunken, auf der man uns wahrgenommen hat, und bin immer zurück gegrüßt worden.

Zusätzlich zu den tollen Menschen war die Landschaft atemberaubend schön, wir hatten nur strahlend blauen Himmel - das Wetter spielt auf so einer Fahrradreise eine deutlich wichtigere Rolle als im stationären Alltag - und wir wurden nach jedem Anstieg mit einem tollen Ausblick und einer angenehmen Abfahrt belohnt.

Obwohl die Menschen in Serbien unglaublich freundlich waren, sind wir dort leider nicht so stark ins Gespräch gekommen und konnten nicht so tief in die Kultur einsteigen wie beispielsweise jetzt in der Türkei.

Dennoch war es eine tolle Erfahrung, die umso schöner war, als dass wir Serbien so gar nicht geplant hatten, denn eigentlich wollten wir über das Schwarze Meer in die Türkei reisen. 

turus: Anfangs seid Ihr nach Lettland und Estland hochgeradelt. Anschließend ging es wieder zurück durch Polen gen Süden. War das von Anfang an so geplant? Wolltet Ihr von vornherein eine östliche Route durch Russland meiden? 

Anika: Wir wollten unsere Reise auf jeden Fall an der Ostsee starten, denn sie spielte in unserer beider Leben schon immer eine wichtige Rolle. Wir kommen ja beide aus Meck-Pomm und sind absolute Strandkinder. 

Außerdem sind wir vor zwei Jahren mal mit dem Auto um die Ostsee herum gefahren und haben uns ein bisschen in das Baltikum verliebt, das wir gern auf diesem Weg noch einmal erleben wollten. 

Dass wir von Estland aus in Richtung Süden gefahren sind, war schon von Anfang an so geplant. Nicht nur wegen der Möglichkeit, Hansa im Trainingslager zu sehen, wollten wir über die Türkei nach Asien reisen. Wir wollten außerdem noch mehr europäische Länder besuchen und vor allem den Winter in wärmeren Regionen im Süden verbringen. 

Die Route durch Russland wäre sicherlich auch sehr spannend gewesen, allerdings hätten wir auf dieser sehr viele Länder und Kulturen ausgelassen und wären viel zu schnell viel zu weit gekommen. Wir genießen es, dass wir noch so viel vor uns haben, obwohl wir schon seit einem halben Jahr unterwegs sind. 

turus: Welche waren bislang die bittersten, ernüchterndsten Momente auf dieser Reise? 

Anika: Die ernüchterndsten Momente sind die, in denen alles schief geht, was schief gehen kann, ohne dass man etwas daran ändern könnte. 

Den ersten davon hatten wir schon nach sehr kurzer Zeit in Polen als wir mal richtig böse von einem Regengebiet überrascht wurden und plötzlich vollkommen durchnässt und frierend dastanden und am eigenen Leib erfuhren, welche große Rolle das Wetter für uns ab sofort spielen würde.

Auch in Polen hatten wir mit zentimetertiefem Sand zu kämpfen, der uns die Wege durch die Nationalparks echt vermiest hat und über viele Kilometer am Stück vollkommen unbefahrbar war, obwohl wir uns auf einem offiziellen Europaradweg (Eurovelo) befanden. 

Wenig später ist direkt am Ortseingang von Kaliningrad die Felge von Denis' Vorderrad so stark verbogen, dass er nicht weiterfahren konnte. Ein unglaublich freundlicher Russe versuchte uns zu helfen und fuhr mit dem verborgenen Rad quer durch die Stadt, um eine Fahrradwerkstatt zu finden, die die Felge kurzfristig austauschen kann. Nachdem wir mehrere Stunden gewartet hatten mussten wir die Räder zwölf Kilometer weit in die Stadt schieben, weil unser Helfer keinen Erfolg gehabt hat. 

Vor Kurzem hatten wir noch einen Tag, an dem wir nur mit platten Reifen zu kämpfen hatten und schließlich auf der Felge zum nächsten Fahrradladen fahren mussten, weil uns die Flicken ausgegangen waren. Erst an der dritten Adresse konnten wir Flicken und neue Schläuche kaufen. Und nachdem wir alles für überstanden gehalten hatten, platzte wie aus dem Nichts der Schlauch in Denis' Vorderrad an einer Ampel und wir mussten wieder von vorne anfangen. Als wir schließlich den Park erreichten, in dem wir campen wollten, mussten wir feststellen, dass dieser geschlossen war, und wir völlig fertig und im Dunkeln ohne Übernachtungsmöglichkeit dastanden.

Zum Glück haben wir bisher nur sehr wenige solcher Tage erleben müssen. Allerdings zeigen uns solche Situationen auch im Nachhinein, dass sich immer irgendwie eine Lösung ergibt. Klar, während sowas passiert, liegen die Nerven schon mal blank, aber nachdem man sich beruhigt hat, merkt man, dass alles nur halb so schlimm ist. Wir sind in den letzten Monaten beide schon sehr viel entspannter geworden. 

turus: Gab es einen Augenblick, in dem Ihr dachtet, Mist, wir brechen das Ganze lieber doch ab?

Anika: Nein, nicht einen einzigen. Im Gegenteil: wir sind jetzt noch viel mehr als am Anfang davon überzeugt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Die Erlebnisse und Begegnungen, die wir in den letzten sechs Monaten gemacht haben, haben unser Leben sehr bereichert.

Manchmal - vor allem am Montagmorgen - denke ich an meine ehemaligen Kollegen und daran, dass sie sich jetzt wahrscheinlich gerade an die Arbeit machen, und bin glücklich darüber, dass ich gerade in diesem Moment am Strand frühstücken kann oder mich in meinem Schlafsack nochmal umdrehe, wenn ich halt noch keine Lust habe, aufzustehen. 

Ich versuche dann immer, das Ganze ein wenig zu relativieren und denke daran, dass sie dafür etwas anderes haben, was ich halt nicht mehr habe, aber es will mir einfach nichts ausschlaggebendes einfallen. Unser Zelt ist jetzt unser Zuhause, das wir immer dabeihaben. Wir haben immer noch sehr viel Kontakt zu Freunden und Familie, haben sogar schon ein paar Mal unterwegs Besuch gehabt und werden unsere Familien in Belek wiedersehen. Klar, große finanzielle Anschaffungen sind nicht drin, aber die sind auch nicht nötig, denn es ist sehr befreiend, wenn man nur sehr wenig besitzt - und alles, was wir besitzen, haben wir auf unseren Fahrrädern. 

Okay, ich würde wirklich sehr gerne mal wieder ins Stadion gehen - und zwar nicht in irgendeins, sondern in meins -, aber mehr vermisse ich nicht. 

turus: Was mich auf Radtouren und auch Wanderungen in südlichen Ländern echt nervte (und teils auch Angst machte), waren die streunenden Hunde? Wie schaute es bislang bei Euch aus? Gab es schon einen frechen Biss von hinten in die Fahrradtaschen?

Anika: Es gab tatsächlich schon einen Biss in die Tasche. Allerdings nicht von einem Hund, sondern von einer hungrigen Maus, die sich in der Slowakei über Nacht in eine unserer Küchentaschen geknabbert hatte. Sie hatte es auf eine leere Dose Kartoffelsalat abgesehen, die wir extra in der Tasche gelagert hatten, um keine wilden Tiere anzulocken. Seitdem lagern wir unseren Müll nachts vor dem Zelt.

Hunde sind beim Fahren teilweise wirklich ein Ärgernis, wobei es deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern gibt. Bis in den Balkan hatten wir eigentlich keine großen Probleme, denn Hunde waren meist eingesperrt oder angeleint. Auf dem Balkan ist es dann öfter mal vorgekommen, dass die Hunde frei umher gelaufen sind. Aber am schlimmsten war es bisher in Griechenland, denn dort gibt es überall streunende Hunde, die auch in Rudeln auf Feldern und in Dörfern unterwegs sind. Normalerweise greifen sie Menschen nicht an, aber einen Fahrradfahrer erkennen sie in erster Linie nicht als Mensch, sondern als etwas, das relativ schnell in einer ungewohnten Weise auf sie zukommt und sie wahrscheinlich angreifen will. Deswegen reagieren Hunde auf Radfahrer allergisch. 

Ich bin mit Hunden aufgewachsen und hatte noch nie Angst vor ihnen, was mir jetzt ganz gut in die Karten spielt. Einmal sind mir - Denis war ein wenig vor mir und schon an der Szenerie vorbei gefahren - bestimmt sechs oder sieben Hunde von einem Grundstück aus durch ein Loch im Zaun hinterher gelaufen. Ich bin dann abgestiegen, habe das Fahrrad abgestellt, bin ein paar Schritte auf die Hunde zugegangen und habe sie angebrüllt, dass sie wieder nach Hause gehen sollen. Die Tiere waren dann so erschrocken und perplex, dass sie das auch wirklich gemacht haben. Diese Taktik ist bisher am erfolgreichsten. 

Hier in der Türkei gibt es übrigens auch einige streunende Hunde, aber die sind in der Regel so entspannt, dass sie sich gar nicht für uns interessieren, oder so zutraulich, dass sie uns nachlaufen. Einmal lief ein Hund mehrere Kilometer auf einer Hauptverkehrsstraße neben uns her und bellte alle LKW und Busse an, weil er uns vor ihnen beschützen wollte. Das war natürlich sehr gefährlich für den Hund, aber er wollte nicht damit aufhören und ließ sich nicht so einfach davon abbringen. Wir haben dann bei der nächsten Abfahrt zugesehen, dass wir so schnell fahren, dass er nicht mehr hinterher kommt und nach Hause geht. 

turus: Wie läuft es finanziell? Habt Ihr bislang ein Budget verbraucht habt, mit dem ihr gerechnet habt? Oder stiegen die Kosten doch mehr als vermutet? Aufgrund etwaiger Reparaturen, etc.

Anika: Erfahrungen von anderen Radreisenden besagen, dass man durchschnittlich mit etwa zehn Euro pro Person und Tag rechnen kann, womit wir auch ungefähr geplant haben. Insgesamt liegen wir etwas über diesem Budget. Das liegt daran, dass wir zum Anfang direkt in ziemlich teuren Ländern unterwegs gewesen sind und dort auch einige Reparaturen machen lassen mussten - Denis hat zum Beispiel an beiden Rädern eine neue Felge. Der Austausch der vorderen Felge hat in Kaliningrad umgerechnet dreißig Euro gekostet, der Austausch der hinteren in Tallinn mal eben hundert Euro. Nur um mal zu zeigen, welchen Unterschied es macht, wo etwas kaputt geht. 

Außerdem haben wir anfangs auch noch etwas Ausrüstung nachkaufen müssen, also ein paar Powerbanks, ein Solarpanel und ein bisschen Kleinkram, der sich halt insgesamt auch auf das Budget auswirkt. Im November kamen dann über 200 Euro für unsere Iran-Visa dazu. Und so ist bisher jeden Monat eine größere außerplanmäßige Ausgabe angefallen. 

Wir versuchen schon, unsere Einkäufe möglichst günstig zu erledigen und geben kaum Geld für Restaurants und Unterkünfte aus, aber wir wollen uns auch nicht nur vom Geld lenken lassen.

Außerdem  haben wir ein Paypal-Konto eingerichtet, über das die Leute, denen gefällt, was wir machen, uns unterstützen können und sind überrascht und erfreut darüber, wie viele Leute uns schon Geld gesendet haben. Einige spenden uns regelmäßig etwas, andere hin und wieder, manche einmalig und eine Person immer dann, wenn Hansa gewinnt. Wir feiern jede einzelne Spende, egal wie hoch sie ausfällt, denn wir freuen uns vor allem über die Geste und die Tatsache, dass es offenbar gut ankommt, was wir machen. 

turus: Wie schaut es körperlich aus? War bei einem von Euch schon mal der Hintern richtig wund?

Anika: Nein, einen wunden Hintern hatten wir noch nicht zu beklagen und das, obwohl die gepolsterten Radlerhosen zu den ersten Kleidungsstücken gehörten, die wir aussortiert haben. 

Die allererste Änderung an unseren Fahrrädern war nämlich die Anschaffung eines bequemen Sattels, der meiner Meinung nach der wichtigste Bestandteil eines guten Fahrrades ist.

Nach langen Tagen mit siebzig Kilometern und mehr merkt man den Hintern am Abend schon mal, aber am nächsten Morgen ist das auch schon wieder vergessen. 

Ansonsten ist es körperlich so, dass wir schon richtig viel abgenommen haben. Das ist noch so eine tolle Sache am Fahrradfahren: du hast immer so ein kleines bisschen Hunger, kannst den ganzen Tag lang essen, was du willst, und nimmst am Ende trotzdem ab. Großartig. 

turus: War überhaupt einer von Euch schon mal krank, sprich ernsthaft erkältet oder mit verdorbenem Magen im Zelt liegend?

Anika: Wir hatten ein paar Kopfschmerztage und eine Unpässlichkeit im Magen-Darm-Bereich ist auch schon einmal aufgetreten, aber ansonsten sind wir bisher zum Glück vor Krankheiten und Verletzungen verschont geblieben. 

In unserem Gepäck befindet sich eine kleine Reiseapotheke und wir haben uns vorab gegen die gefährlichsten Krankheiten impfen lassen. 

turus: Wie sieht der Tagesablauf aus? Karsten und ich waren mal sechs Wochen wandern. Über 1.000 Kilometer. Irgendwann hatte man beim Zeltaufbauen und Abbauen das Gefühl, es grüße das tägliche Murmeltier. Wie ist das bei Euch?

Anika: Natürlich entwickelt man nach einer Weile eine gewisse Routine, aber das finde ich gar nicht schlimm. Statt aufstehen - duschen - zur Arbeit fahren ist es jetzt halt aufstehen - frühstücken - Zelt abbauen. Wir machen uns morgens keinen Stress und brauchen daher in der Regel ziemlich lange bevor wir loskommen. Manchmal nehmen wir uns eine Abfahrtszeit vor, aber meistens schaffen wir es nicht, sie einzuhalten. Im Sommer ist das alles nicht so schlimm, denn da ist es lange hell und wir können bis in den späten Abend fahren, aber jetzt, da die Tage sehr kurz sind, nervt das schon manchmal. Wir versuchen nämlich, nicht im Dunkeln zu fahren oder einen Schlafplatz zu suchen. 

Wenn wir dann irgendwann losgefahren sind, fahren wir bis jemand Hunger hat und machen eine Mittagspause - im Sommer hat die gut und gerne schon mal zwei Stunden gedauert. Später gehen wir einkaufen und Wasser besorgen und dann fahren wir so lange bis wir keine Lust mehr haben, einen schönen Schlafplatz finden oder die Sonne langsam untergeht. 

Das klingt jetzt nicht besonders spannend und an einigen Tagen ist es das auch nicht, aber meistens passiert zwischendurch noch etwas - eine nette Begegnung, ein kurzes Gespräch, ein platter Reifen, ein steiler Anstieg, ein toller Ausblick, ein Regenschauer, ein tolles Panorama am Horizont… Wir hatten bisher noch keine zwei gleichen Tage. 

turus: Wo werdet Ihr Weihnachten verbringen?

Anika: Wie eingangs erwähnt, werden wir bald in Belek ankommen und dort vier Wochen Pause machen, also auch über Weihnachten dort sein. Unser Host in Dalyan sagte uns kürzlich, dass es dort üblich wäre, dass man sich zu Weihnachten am Strand trifft und Glühwein trinkt. Und wenn das auch in Belek so gehandhabt wird, dann klingt das doch nach einer perfekten Version von Weihnachten, oder? 

turus: Wie sind die Pläne für das Neue Jahr? Genauer gefragt, wie soll es erst einmal in Januar und Februar weitergehen?

Anika: Wir werden ja erstmal bis Mitte Januar Pause machen und wollen dann weiter in den Osten fahren. Kappadokien, eine Gebirgsregion in der Zentraltürkei, steht auf jeden Fall noch auf unserem Zettel. Weil es dort aber im Januar/Februar echt kalt ist und wir uns ohne Visum nur 90 Tage in der Türkei aufhalten dürfen - wir sind am 11.11. eingereist - werden wir wahrscheinlich einen Teil der Strecke mit dem Zug oder Bus zurücklegen müssen. 

Danach wollen wir dann in den Iran fahren, unser Visum haben wir uns schon in Istanbul besorgt. Allerdings werden wir dort nur dann einreisen, wenn die Situation entsprechend ruhig ist.

Danach geht es dann wahrscheinlich irgendwie nach Armenien und Georgien und dann über das Kaspische Meer nach Zentralasien. Diese Pläne werden wir wohl in den nächsten Wochen etwas konkretisieren müssen. 

Wir von turus.net wünschen Anika und Denis alles Gute! Falls Ihr die Beiden unterstützen möchtet, findet Ihr auf der Seite von Anika und Denis ein Spendenkonto!

Fotos: Anika & Denis

> zur turus-Fotostrecke: Ostwärts nach Westen

> zum Blog von Anika & Denis „ Ostwärts nach Westen“

 

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Türkei
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