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Ein echter Geheimtipp: Der Park Las Dębiński in Poznań

 
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M 11 April 2019
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Der Dienstag war sonnig, der Zeitpuffer da. Den Rucksack schnell gepackt und schon war ich startklar. Bei einer kleinen Luftbildauswertung fiel mir ein Park unweit der Warte in den Blick. Nun muss man dazu sagen, dass ich nicht extra durch die ganze Stadt wollte, um etwas zu sehen, dass ich sowieso schon kannte und dessen Geschichte leicht über Wikipedia ermittelt werden könnte. Da schien der Park an der Warte dafür geeignet zu sein. Eigentlich sind es dorthin nur ein paar Meter Luftlinie, aber die Straßenführung ist so ungünstig, dass ich doch auf die Öffentlichen zurückgreifen musste. Selbst dort durfte ich noch zweimal umsteigen. Der für Sozialstudien eingeplante Bereich muss leider heute leer bleiben. In den Straßenbahnen war absolut nichts Außergewöhnliches festzustellen. Alles läuft hier in Poznań völlig ruhig und unaufgeregt ab. Niemand stört, und abstoßendes gibt es auch nicht zu sehen.

Ziemlich zügig erreichte ich die Haltestelle ul. Malinowa im Stadtteil Dębiec, von der es nur noch fünf Gehminuten (inklusive Ampel) sind, bis man den offiziellen Parkeingang erreicht hat. Zum Stadtteil ist zu sagen, dass er 1925 eingemeindet wurde und dadurch Anschluss an die städtische Infrastruktur fand. Hier, in einem klassischen Arbeiterviertel, leben ca. 14000 Menschen. Schon die Urväter siedelten hier gern. Ausgrabungen im Bereich des Parks brachten einige Keramikfunde zutage, dazu noch Reste von Verbrennungstätigkeiten. Na klar! Warum soll ich auch weit weg vom Wasser wohnen? Transport, Schutz, Wasser und Nahrung – alles ist da. Selbst heute angelten einige Angler an den Teichen des Parks. Noch höher als die Artenvielfalt der hier lebenden Fische (27) ist die Zahl der Vögel. Im Sommer können 130 verschiedene gefiederte Freunde auf dem 80 Hektar großen Gebiet gezählt werden. Einige Reptilien und Amphibien haben hier auch ein Zuhause gefunden. Erstaunlich ist das in dieser grünen Oase in der großen grauen Hauptstadt Wielkopolskie.

Zunächst bin ich allein und freue mich über die Bänke mit dem Tisch, alles nah am Wasser. Es hat etwas wie meine Peene bei Greifswald. Dann mache ich einen kleinen Spaziergang durch das Areal. Der erste Eindruck: sauber und idyllisch! Und wer hatte sonst noch an einem Dienstag zur Mittagsstunde Zeit für einen Ausflug in den Wald? Ein paar junge Läufer und ältere Radfahrer, Schulkinder, Mütter mit Kinderwagen und auch die bereits erwähnten Angler.

Links und rechts der ersten Brücke liegen wie riesige bedrohliche Tentakel vermodernde Baumreste im etwas trüben Wasser. So weit das Auge sehen kann – und ich war neulich erst beim Augenarzt hier in Poznań – kein Müll. Dafür sorgen ausreichend zur Verfügung gestellte Müllbehälter, die hier scheinbar jeder zu nutzen weiß. Durch das ganze Gelände führen unzählige Wege und auch richtige Wanderwege. Natur pur, wenn da nicht der permanente Autolärm wäre. Der dringt bis hier in diesen urigen Wald. Übrigens wachsen hier 400 Eichen, einige haben schon ihr erstes Jahrhundert feiern können. 

Nach ungefähr 400 Metern erspähe ich einen Betonklotz. Das sind Reste eines Bunkers, der zum Festungssystem der Stadt gehörte, das bis zum Zweiten Weltkrieg aktiv war. Die Bauten stammen allerdings aus preußischer Zeit. Insgesamt sind es 18 Anlagen. Alle sind gekennzeichnet und beschrieben, doch nur wenige kann man wirklich inspizieren. Teilweise werden die auch noch bis heute kurios genutzt. In einem Fort stieß ich auf eine Autowerkstatt, ein weiteres ist für Farbkugelballerei reserviert. Der neue Zoo beheimatet auch eine der Festungen. An diesem Tag laufen mir vier Bunker über den Weg. Es sind einfache Mannschaftsbunker mit mal fünf und mal nur zwei Kammern. 

Insgesamt soll es hier sieben kleine Bunker geben. Man muss diese allerdings nicht alle gesehen haben. Den ersten, den ich betrete, verlasse ich wieder ziemlich rasch in unzufriedener Stimmung. Sie liegen halt auf dem Präsentierteller. Der zweite ist in noch schlechterem Zustand. Kothaufen und Gummimützen liegen überall in den alten Gemäuern verteilt.

Kurz darauf endet der Weg am nächsten Teich. Zur Linken blubbert Wasser. Es wirkt wie ein Wasserfall, ist aber mehr eine Fontäne. Entlang des Ufers gehend hat mich bald der 176er Bus wieder. Die vorher getätigte Aussage zu den Sozialstudien in den Öffentlichen kann getrost hierher kopiert werden. Absolut kein Vorkommnis.

Fotos: Michael

> zur turus-Fotostrecke: Impressionen aus Polen

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