Der Balkan wird wohl niemals zur Ruhe kommen. Diversen internationalen Medienberichten zufolge verklagt Serbien sein Nachbarland Kroatien wegen Völkermordes vor dem Internationalen Gerichtshof.
Dieser ist das Hauptrechtsprechungsorgan der Vereinten Nationen und sitzt im niederländischen Den Haag. Die Vorbereitungen für diese Klage wurden im Dezember 2009 abgeschlossen. Bereits 1999 hatte Kroatien eine Klage gegen Serbien wegen Völkermordes beim IGH eingereicht. Zu einem Urteil ist es noch nicht gekommen.
Als Gegenklage reichte nun Serbien seine Klage in Den Haag ein. Serbien wirft Kroatien Völkermord an der serbischen Bevölkerungsminderheit während des Kroatienkrieges von 1991 bis 1995 vor. Über 200.000 Serben wurden im Zuge dieses Konfliktes vertrieben. Zu den meisten Kriegsverbrechen soll es während der kroatischen Militäroperationen „Blitz“ und „Sturm“ (Oluja) im Jahre 1995 gekommen sein. Bei dieser wurde unter anderem die Serbische Krajina (Republika Srpska Krajina) zurückerobert.
Die Vereinigten Staaten und die EU hatten vergeblich versucht, Serbien von der Klage abzusehen. Es wird befürchtet, dass sich das Verhältnis zwischen den beiden Balkanstaaten noch weiter verschlechtern könnte.
Für Spannungen wird diese Klage vor allen Dingen in Regionen beider Länder führen, wo serbische und kroatische Minderheiten mühsam versuchen, sich zu integrieren und wieder den Alltag einzuführen.
Noch immer ist Argwohn allgegenwärtig, und es wird noch viele Jahre dauern, bis Kroaten und Serben wirklich friedlich und ohne Vorbehalte nebeneinander leben können.
Serben, die vor allen Dingen in den Städten und Dörfern der östlichen Gebieten Kroatiens versuchen wieder Fuß zu fassen, werden mit der Klage der serbischen Regierung nicht glücklich sein. Nicht wenige werden befürchten, dass für sie als Bevölkerungsminderheit das Leben wieder schwerer wird.