S-Bahn Berlin: Das Grauen geht weiter – Einschränkungen ohne Ende

Schauplatz S-Bahnhof Neukölln. „Wegen Verzögerungen im Betriebsablauf fällt die S47 nach Spindlersfeld aus!“ In den Ohren klingelt es. Schon wieder? Gestern gab die S-Bahn Berlin GmbH bekannt, dass es auf Grund des Ausfalls von Fahrmotoren zu weiteren Einschränkungen im S-Bahn-Verkehr kommt. Derzeit fallen 100 Viertelzüge der Baureihe 481 aus. Der Fahrgast schüttelt den Kopf. Winter hin, Winter her – solche angehäuften Probleme gab es bei der Berliner S-Bahn noch nie.
 

Der Berliner Nahverkehr bleibt auf Grund der Probleme bei der S-Bahn ein Armutszeugnis für die deutsche Hauptstadt. Nun seit mehr mehrere Monaten folgt ein Problem dem anderen. Als Fahrgast weiß man gar nicht mehr, wann es das letzte Mal überhaupt geregelten Linienverkehr gab. Im April 2009? Im Juni? Oder ist es gar noch länger her?

Seit dem 4. Januar 2010 besteht ein Notfahrplan, nun fallen noch weitere Züge aus. Die Pannenserie geht weiter und ein Ende ist nicht in Sicht. Wie die S-Bahn Berlin GmbH mitteilte, „führen die derzeitigen Witterungsverhältnisse bei immer mehr Zügen der S-Bahn Berlin zu konstruktionsbedingten Antriebsstörungen. Durch Flugschnee und Kondenswasser fallen derzeit 100 Viertelzüge der Baureihe 481 mit defekten Fahrmotoren aus und stehen für den Betriebseinsatz nicht zur Verfügung.“
Nun gibt es seit langem Mal wieder so etwas wie einen normalen Winter, und schon liegen 100 S-Bahn-Züge brach. Der letzte Schneefall liegt bereits ein paar Tage zurück, die Temperaturen bewegen sich im normalen Bereich eines Winters – und trotzdem häufen sich die Probleme.
Selbst die S-Bahn Berlin GmbH teilt mit, dass in „dass auch in den nächsten Tagen keine signifikante Entspannung der Situation zu erwarten ist.“
Für solch eine Pannenserie gibt es keine Worte. Allein die Vorfälle im vergangenen Jahr brachten das Fass zum Überlaufen.
Damit nicht alles zusammenbricht, gibt es verstärkten Regionalverkehr, eingesetzte S-Bahn-Fahrzeuge aus dem Rhein-Main-Gebiet und Stuttgart und Unterstützung des DB Werks Dessau, die Reparaturen durchführen.
Harsche Kritik gab es dafür, dass ungemindert Fahrkartenkontrollen durchgeführt wurden. Die Anzahl der Kontrolleure blieb lange Zeit trotz der wenigen im Einsatz befindlichen Züge gleich.
Der Ruf nach mehr Servicemitarbeitern wurde laut. Nun gibt es zumindest auf den Bahnhöfen verbesserte Informationen durch 50 zusätzliche Servicemitarbeiter. Pünktlich zur Arbeit können auch diese die Pendler nicht bringen.
Michael Cramer, EU-Verkehrspolitiker, meint sogar, dass der Bund seit Jahren seiner Verpflichtung als Eigentümerin der Bahn nicht gerecht wird. Das Verhalten sei eine Katastrophe und so fordert Michael Cramer, dass die Bahn den S-Bahn Betrieb abgibt, wenn sie diesen nicht aufrecht erhalten kann.
Wieder zurück am Schauplatz S-Bahnhof Neukölln. Seit dem Schneefall durften die Fahrgäste noch in den Genuss eines weiteren Erlebnisses kommen. Direkt vor den Eingängen des Bahnhofs tat sich lange Zeit nichts.
Der Schnee blieb einfach liegen. Tagelang musste man durch knöchelhohen, braunen, pulvrigen Schneematsch tapsen, um in das Bahnhofsgebäude zu gelangen.
Mit einem Kinderwagen durch diesen Dreck zu fahren war eine wahre Tortur. Von den Problemen der älteren Bürger ganz zu Schweigen.
Die Bürgersteige wurden generell äußerst schlecht geräumt. Vielerorts ließ man den Schnee einfach festtreten. Das Festtreten gelang vor dem Bahnhof Neukölln nicht. Der Schnee blieb matschig. Nun – nach einigen Tagen – wurde der Bahnhofsvorplatz halbwegs geräumt. Am Hintereingang darf man jedoch noch immer durch den Matsch stiefeln.
Ausreden dafür gibt es nicht. Jeder Bürger, der ein Häuschen mit Garten hat, ist dazu verpflichtet, auf dem Bürgersteig zu räumen. Kann dieser es nicht selber tun, so muss er einen Räumdienst beauftragen. Warum gilt dies nicht für die Bahnhöfe?
Fazit: Insgesamt ergibt sich momentan für die Touristen in Berlin ein scheußliches Bild. Schlecht geräumte Straßen und Bürgersteige abseits der Hauptstraßen und als Sahnehäubchen ein schlecht funktionierender S-Bahn-Verkehr.
Und die Stimmung unter den Berlinern und Brandenburgern, die täglich auf die S-Bahn angewiesen sind, wird stetig schlechter. Das einst so gute Ansehen der Berliner S-Bahn ist nun endgültig rampuniert.
Man stelle sich mal vor, in der Energie- und Wasserversorgung würde auch alles den Bach runter gehen. Tut es aber nicht, denn es gibt Unternehmen, die seit Jahrzehnten verlässlich ihrer Arbeit nachgehen und sich ihrer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verantwortung bewusst sind…
 

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