Die Wahl ist gelaufen, die Wunden werden geleckt, neue Bündnisse geschmiedet und politische Zukunftsängste proklamiert. Dass CDU/CSU und FDP eine gemeinsame Koalition bilden bedarf keiner Unterschrift und ist sicher. Nun werden die ersten Stühle um die Ministerposten-Verteilung gerückt bevor die konservativ-liberale Gemeinschaft sich an die Erfüllung der Wahlversprechen versucht.
Ein Stuhl wird dagegen nicht gerückt und zwar der der Kanzlerin: Fester als Angela Merkel sitzt niemand auf bundespolitischer Ebene im Sattel und so kann die gebürtige Hamburgerin sich mit ihrem Siegerlächeln entspannt zurücklehnen. Aber Vorsicht ist geboten: Denn ihre Parteikollegen (Seehofer, Guttenberg, Koch und Pofalla) müssen im Zaum gehalten werden, ringen sie doch um die besten Positionen und beliebtesten Ressorts im Bund. Somit ist ein internes (vielleicht auch getwittertes) hauen und stechen in den kommenden Wochen zu erwarten.
Neben der Kanzlerin steht auch die Position des Außenministers und Vizekanzlers kaum zur Disposition. Das beliebte Ressort wird FDP-Parteichef Guido Westerwelle für sich beanspruchen und somit Deutschlands Außenwirkung als offenen und toleranten Staat weiter festigen, denn als erster schwuler Außenminister könnte er viel bewegen. Bleibt abzuwarten, ob er den Mut besitzt sich dieser Aufgabe zu stellen. Westerwelle ist neben Klaus Wowereit (regierender Bürgermeister von Berlin) und Ole von Beust (Bürgermeister von Hamburg) der dritte Homosexuelle in einer politischen Spitzenposition.
Aber was wird sich politisch bewegen? Was können die Menschen von der schwarz-gelben Koalition erwarten? Die Wahlversprechen mit Steuererleichterungen (Mehr netto vom brutto) lassen sich kaum realisieren und so war es auch kein Wunder, das sich Angela Merkel in der gestrigen Eröffnungspressekonferenz einen größeren Zeitrahmen und Geduld für die großspurigen Versprechen erbat. Damit scheint klar: Die Bürger müssen sich gedulden, bis sie irgendetwas im Portemonnaie sehen. Ob klein oder groß: Die Unternehmen dagegen werden sich früher freuen können. So wird die Schließung der Atomkraftwerke verzögert und so die Energiekonzerne gestärkt, der Mindestlohn nicht eingeführt und eine sozial benachteiligte Finanzierung (u.a. Hartz IV Beschränkung) angestrebt.
Manchmal kommt es aber anders als man denkt. Aber egal wie es kommt: Die Suppe muss der Bürger auslöffeln und die Tigerente dann bei der nächsten Wahl vielleicht in den Schrank zurück schieben oder die Farbstriche erneuern. Es bleibt spannend.
