Berliner S-Bahn-Krise: War in der DDR alles besser?

altIm Osten war alles besser. Diese platte Äußerung zählt nicht. Jedoch ist man inzwischen wirklich ernsthaft der Meinung, dass auf jeden Fall in Sachen städtischer Nahverkehr in Ostberlin so einiges weitaus besser funktioniert hatte, als es heute im seit zwei Jahrzehnten vereinten Berlin der Fall ist. Man kann es nicht mehr hören. „S-Bahn dampft Angebot weiter ein“, titelte der RBB. Seit Sonntag sind nur noch 200 Viertelzüge im Einsatz. Im Normalfall wären es ganz 560. Auf fast allen Strecken kommt es zu weiteren Einschränkungen. Prost Neujahr!

2,30 Euro statt 2,10 kostet seit dem 1. Januar 2011 ein AB-Einzelticket. Auch die Zeitfahrkarten sind teurer geworden. Wut und Unverständnis bei den Berlinern und Brandenburgern. Da die Preiserhöhung für den gesamten Verkehrsbund VBB gilt, war diese nicht aussetzbar, weil andere Unternehmen des VBB auf die Mehreinnahmen angwiesen sind. Fakt ist, die S-Bahn hätte keinen einzigen Cent mehr verdient, zu miserabel sind die Leistungen, die derzeit den Fahrgästen angeboten werden. So verkehren nach Hennigsdorf, Spandau, Wartenberg und Strausberg momentan gar keine S-Bahnzüge mehr. Teilweise werden Ersatzbusse eingesetzt, nach Spandau soll man auf Regionalzüge und auf die U-Bahnlinie 7 ausweichen.

altMoment mal, wo ist nun die Ende der Fahnenstange? Wie lange dauert dieses Desaster, das nun schon seit zig Monaten Berlin und Brandenburg in Atem hält, noch an? Wird letztendlich irgendwann der S-Bahnverkehr ganz eingestellt?
Sicher man kann die Vergleiche zwischen jetzt und früher nicht mehr hören, doch besagen sie einiges aus über den katastrophalen Ist-Zustand eines Systems. Ohne Zweifel, im System der DDR lag so einiges quer, doch wenn etwas funktioniert hatte, dann war es der städtische Nahverkehr – vor allen Dingen in Ostberlin plus Umland.
Die S-Bahnzüge – teilweise handelte es sich um Waggons aus den 30er Jahren – rollten, rollten und rollten. Die Züge waren unverwüstlich, an Personal wurde nicht gespart. Der gesamte Nahverkehr wurde vom Staat fast komplett subventioniert. Ein Einzelfahrschein kostete 20 Pfennige, ermäßigt 10 Pfennige. In etwa wären es etwa 50 bis 60 Cent, bzw. 25 bis 30 Cent, wenn man ganz grob die Einkommensverhältnis vergleicht. Mit dem heutigen Ticket kann man heute zwei Stunden fahren, die damaligen Tickets waren für eine Strecke in einem Verkehrsmittel gültig. Nutzte man Straßenbahn und anschließend die S-Bahn, so benötigte man zwei Fahrkarten. Trotzdem, S-Bahn und Ostberliner BVB waren wirklich preiswert, zumal es bereits auch damals Monatskarten (zum Teil extrem ermäßigt) gab.

altWas nutzt es den Fahrgästen in der Gegenwart, wenn die Unternehmen „wettbewerbsfähig“ und „fit für die Börse“ gemacht werden sollen? Geht man nicht den falschen Weg, wenn alles privatisiert wird? Energie, Wasser und Verkehr – sollten diese lebenswichtigen Dinge einer Gesellschaft nicht Sache des Staates sein? Wir alle subventionieren mit Steuermitteln die billige Milch und die Steinkohle, sollten wir dann nichgt auch dafür sorgen, dass der städtische Nahverkehr endlich wieder reibungslos funktioniert? Kritik hat nicht nur die S-Bahn verdient, auch die BVG hatte in den letzten Jahren erheblich eingespart. Linien, besonders in den Randgebieten, wurden ausgedünnt, das Personal wurde vielerorts abgebaut. Ausgedünnt? Ein persönliches Beispiel gefällig? Vor dem Fall der Mauer fuhr der Bus der Linie 8 von Lichtenberg nach Waldesruh bei Berlin-Mahlsdorf im Berufsverkehr alle sieben (!) Minuten. Heute fährt der 108er Bus nur noch alle 20 Minuten. Am Sonntag fährt nur noch einmal stündlich ein Bus bis zur Endhaltestelle an der Mahsldorfer Allee durch. Ein Beispiel von vielen. Die Entwicklung kam schleichend. Die Entwicklung bei der S-Bahn kommt dagegen rasant…

Fotos: DDR-Fotoarchiv www.ddr-fotos.de / Bildagentur frontalvision.com

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