Berauschendes Berlin-Wochenende: Hanfparade und Biermeile

MB
 
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alt„BTMG aus den Köpfen rauchen“. Dazu ein Berliner Polizist, der eine fette Jolle raucht. Dies war eines der Transparente, welches auf der diesjährigen Hanfparade, die vom Berliner Alexanderplatz über die Oranienburger Straße und Friedrichstraße bis zur Scheidemannstraße führte, gezeigt wurde. Am Zielpunkt war eine Bühne aufgebaut, auf der bis zu später Stunde ein musikalisches Programm zu sehen war. Allerdings war alles für ein paar mehr Leute vorbereitet, schätzungsweise nur rund 1.500 bis 2.000 Teilnehmer demonstrierten am Samstag für die Legalisierung von Cannabis.

alt„Schland-Land zum Hanfland“. Ihren Spaß hatten die Demonstranten so oder so. Gute Laune. Laute Musik. Hier und dort der Geruch von Marihuana. Schilder und Transparente mit Witz, Humor und ernsthaftem Hintergrund. „Gran Cannabia“, „JVAs brauchen keine Gärtner“, „Schluss mit Krimi. Cannabis normal“, „Drogen kann man nicht ändern. Politik schon.“, „BtMG ade. 40 Jahre sind genug!“, „Cannabis als Medizin. Die Kriminalisierung von Patienten beenden!“, „Freiheit statt Prohibition!“.

altEin Zwischenstopp wurde vor dem Bundesministerium für Gesundheit in der Friedrichstraße nahe des Tacheles eingelegt. Ein paar Redner kamen zu Wort. Manch einer nutzte die Zeit, sich mit einem Getränk oder einem Snack zu versorgen. Kein Wunder also, dass beim Weiterlaufen die Hanfparade so große Lücken hatte und so langgestreckt war. Erst nach und nach erreichten die letzten Teilnehmer die an der Ecke Scheidemannstraße / Yitzhak-Rabin-Straße aufgebaute Bühne. Für Unterhaltung sorgte ein junger Mann mit Dreadlocks, der auf ein SPD-Wahlplakat geklettert war und einfach nicht mehr hinunter kommen wollte. Die Polizei zeigte wenig Humor und diskutierte mit dem Plakatkletterer minutenlang.

Apropos Polizei. Die Veranstalter kritisierten später, dass ihnen das Leben nicht leicht gemacht wurde. Auf der Strecke waren eigentlich mehr Musikeinlagen geplant, letztendlich musste die Sache gerafft und gekürzt werden. Harsche Kritik gab es auch dafür, dass Polizisten in voller Montur in der Nähe der Hanfparade waren. „Als wenn unsere bösen Blicke sie verletzen könnten...“, ließ ein Redner verlauten. Noch nie kam es auf der Hanfparade zu Gewalt, und trotzdem sei die Polizei allpräsent, wurde bemängelt. Bei der Organisation hätte es viel mehr Ärger mit den Behörden gegeben als gedacht. Doch trotzdem wolle man sich die gute Laune nicht verderben lassen. Gesagt, getan. Es folgten die ersten musikalischen Einlagen. An Ständen konnten sich die Leute über Hanf als Baustoff, Medikament und Genussmittel informieren. Noch ein Hanfkeks – und dann weiter zum nächsten Event...

altAnderer Schauplatz. Eine ganz andere Atmosphäre. Das 15. Internationale Bierfestival in Berlin. Kurz: Biermeile. Zwischen Strausberger Platz und Frankfurter Tor konnten wieder Tausende Menschen die verschiedensten Biersorten mit Genuss probieren oder sich einfach nur den Schädel wegknallen. Dort demonstrieren die einen für die Legalisierung von Cannabis, hier kann Alkohol ohne Beschränkung konsumiert werden. Alkohol ist legal. Alkohol ist gesellschaftsfähig. Cannabis ist es nicht. Das ist der entscheidende Unterschied.

altDamit die Biermeile nicht zu einer stumpfsinnigen Saufveranstaltung wird, wurde einiges getan. Ja, man dürfte beim ersten Besuch positiv überrascht sein. Auf zahlreichen Bühnen wurde Musik gespielt – und nicht nur die klassische In-den-Schädel-Musik. Klar, die gab es auch. Doch wer mehr auf Ballermann-Atmospäre steht, musste eher in eines der aufgebauten Zelte gehen. Kurios war, wie unterschiedlich die Bierstände gestaltet waren. Hier urige Stände mit schummerigem Licht, dort blanke Bierstände mit weißer Krankenhausbeleuchtung. Vielen war´s egal, getrunken wurde überall. Der Umsatz war mit Sicherheit nicht der schlechteste, zumal das Wetter am Samstag recht passabel war.


altAb 22 Uhr hatte manch einer zu viel Alkohol im Blut und suchte Streit. Der Klassiker: Zwei Männer im mittleren Alter mit Hertha-Shirts blökten den Zapfer eines böhmischen Bierstandes an. „Ey, wa! Du hast uns zu wenig rausgegeben! Dat jibbt Stress, Alter! Ick hol mein Kumpel, dann wirste seh´n!“ Der andere kam gleich dazu: „Haste wat jegen meinen Kumpel jesagt? Fresse oder wat?“ Im Eifer des Gefechts beugte sich der Typ rüber und packte dem Zapfer an den Arm – und das, obwohl der Mann am Bierstand ein Kopf größer war und beide locker vernascht hätte. Hätte er vielleicht auch liebend gern, doch die Arbeit geht vor. Der Kunde ist König. Und gibt es Probleme, wird per Handy fix die Security gerufen. So auch in diesem Fall. Der eine Herthaner verdrückte sich mal gleich ganz schnell, der andere war gleich ganz still. Security auf der Biermeile? Muss man noch viel erklären? Ein paar ernste Worte der Jungs genügten – dann war Friede am böhmischen Bierstand...

> zur turus-Fotostrecke: Hanfparade und Biermeile in Berlin

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