Erstaunliches aus dem Netz: Polizeibericht Berlin

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altEine pdf-Datei. Zehn MB groß. Satte 109 Seiten. Recht aufwändig aufgemacht und reichlich illustriert. Vielerorts heiß diskutiert. Der Polizeibericht 2010. Frei zugänglich ist diese pdf-Datei auf einschlägigen indymedia-Seiten. Polizeibericht? Berlin? Von wem? Für wen? Ein erster Blick. Man sieht nicht ganz durch. Ein Blick ins Impressum, das unter dem Vorwort steht. Extrem Mist in der Archivstraße 12. Ein Witz?! Dort sitzt das Geheime Staatsarchiv...

Vor dem Vorwort ein paar gänzlich neue Informationen, die hinzugekommen sind. Sie lesen sich, als seien sie von der Polizei selbst verfasst worden. Ein Beispiel: "Die Abschnitte 57 und 58 wurden geschlossen. Dafür befindet sich in der Wedekindstraße 10 der neu gegründete Abschnitt 51".
Noch besser: "Personenkraftwagen geländefähig. Der Geländewagen der Technischen Einsatzeinheit hat Notlaufbereifung." Oder: "Absperrgitterzug. Seit Ende 2009 verfügt die Berliner Polizei über neue LKW zum Transport von Hamburger Gittern."

altNach der Einleitung das Deckblatt. Ganz oben zu lesen "Autonome Gruppen". Darunter: "Polizeibericht Berlin 2010 - Ausrüstung, Strukturen, Einsatztaktik, Hintergründe, Analysen, Kritik".
Nach einem ausführlichen Vorwort das Inhaltsverzeichnis. Fein säuberlich gegliedert wie bei einer Hausarbeit an der Uni. In den einzelnen Abschnitten erfährt man einiges über das Versammlungsgesetz und die Demoauflagen, über das unmittelbare Zwangsgesetz, die Polizeiarbeit in den Medien, die Einsatzhundertschaften, die Polizeiabschnitte, den zentralen Objektschutz und die Bereitschaftspolizei.
Reichlich Infos gibt es zudem über den polizeiärztlichen Dienst, die Diensthundeführer, die Reiterstaffel, das Gefangenenwesen, die Polizeihubschrauberstaffel, die Sondereinheiten, die Bundespolizei, das Ordnungsamt, den Verfassungsschutz. Berichtet wird des weiteren über "Griechische Verhältnisse", die Schutzausrüstung, die Waffen der Polizei und den Fahrzeugschutz. Last but not least gibt es doch tatsächlich ein Verzeichnis mit den Kennzeichen der Fahrzeuge der Zivilpolizisten. VW Busse, Ford Kombi, Mercedes A-Klasse - alles dabei.

Beim Durchscrollen der pdf-Datei fällt auf Seite 103 doch gleich was auf. Außenspiegel abtreten, Polizeifahrzeuge aufschaukeln und umkippen. Das ist in der Tat pikant. Detailliert wird erläutert, wie man am besten "mit vereinten körperlichen Kräften" tonnenschwere Fahrzeuge zum Umstürzen bringen kann. Erklärt werden zudem die Schwachstellen der Fahrzeuge, die trotz der Hochrüstung nun einmal jedes Fahrzeug besitzt. Schließlich sind Polizeifahrzeuge keine Panzer.

altIn Erinnerung ruft die pdf-Datei die Debatte um den im Jahre 2005 eingeführten Tonfa ("ein Schlaginstrument, mit dem sich mühelos Schädel brechen lassen"). Einen Ausblick gibt es auf die "Riot Control im 21. Jahrhundert": Taser und SensoCopter.
Nicht fehlen dürfen natürlich die Infos zum Reizstoffsprühgerät (RSG) 3 und Reizstoffsprühgerät (RSG) 8 sowie zur Mehrzweckpistole 1 (MZP1) - HK69 von Heckler und Koch, die mit beeindruckender Munition bestückt werden können. Gänsehaut und flaues Gefühl in der Magengrube beim Lesen der Texte, doch es hilft nichts, seit 2007 wird Reizgas von der Polizei vielerorts eingesetzt. Bei Demonstrationen und am Rande von Fußballspielen. Irgendwann wird jeder Besucher einer Großveranstaltung einmal in den Genuss kommen, dieses beißende Lüftchen in Nase und Augen zu verspüren...

Sind die hinteren Seiten des Berichtes eher martialisch verfasst, so sind die vorderen Kapitel eher sachlich gehalten. Gesammelte Fakten und Daten über die Ausrüstung und die Strukturen. Durchaus lesenswert, doch sicherlich auch in jedem Lehrbuch der Polizei zu finden. Also: Klick, Datei geschlossen. Weiter im Text. Die Nachrichtenwelt hat noch andere Themen parat...

Fotos: Archivbilder von turus.net & frontalvision.com

> zu den turus-Fotostrecken: Fußball, Gesellschaft und Reise
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