FarmVille lässt Herzen höher schlagen - macht jedoch auch abhängig

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FarmVille lässt Herzen höher schlagen - macht jedoch auch abhängig
altDas Spiel "FarmVille" der Generation Web 2.0 auf Facebook kann süchtig machen. Definitiv. Auch User, die nie zuvor am Computer gespielt hatten, werden angesteckt vom FarmVille-Fieber und säen, kaufen und ernten was das Zeug hält. Bäume und Tiere bevölkern schon bald die Farm, man findet Nachbarn und beschenkt sich  gegenseitig. Im Voraus wird geplant, welcher Erntezeitpunkt der Optimalste sei. Worum es geht? Natürlich um Spaß. Und darum, die User langfristig an Facebook zu binden. Turus-Redakteur Marco, der zuvor nie etwas von Computerspielen gehalten hatte, gründete eine Farm und testet seit einigen Wochen FarmVille.
 


Zu Beginn erhält man ein kleine Parzelle mit einem winzigen Feld. Auf dem Konto ein bisschen Geld. Das war´s. Es kann losgehen. Die Spielregeln bei FarmVille erklären sich fix. Zuerst schafft man sich eine Figur, die über die Farm wuselt. Ganz gleich, ob Männlein oder Weiblein. Der User schafft sein Ebenbild inklusive Haarfarbe, Augenfarbe, Kleidungsstil, Frisur und Mundform. Mit überdimensional großem Kopf und treuen Augen marschiert ab nun die Figur über den Bildschirm und tut das, was man von ihr verlangt.

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Umpflügen, Saatgut kaufen, säen und nach einer festgelegten Zeit wieder ernten. Sobald das erste Mal die gepflanzten Erdbeeren vertrocknet sind, weil man sie nicht rechtzeitig geerntet hat, versteht man, dass das Spiel doch nicht nur Pille-Palle ist. Gewissermaßen trägt man Verantwortung, wenn gleich nur virtuell.

Ab nun wird nur noch so ausgesät, dass man zum Zeitpunkt der Reife auch ernten kann. Reife Kürbisse mitten in der Nacht machen keinen Sinn. Bei jedem Ernteeinsatz verdient man fiktives Geld, von dem man sich Bäume, Tiere, Saatgut und später auch Gebäude und Fahrzeuge kaufen kann. Hinzu kommen nach und nach noch die FarmVille-Dollar, von denen man sich besondere Anschaffungen leisten kann. 

Wie bei jedem Spiel dreht es sich vor allen Dingen um das Punktekonto und die erreichten Level. Doch nicht nur. Vielen Usern geht es in der Tat darum, eine möglichst originelle Farm zu kreieren. Wichtig ist es, sich möglichst viele Nachbarn zuzulegen. Im Wechsel kann man sich diverse Dinge schenken. Angefangen von der Kuh und vom Pflaumenbaum bis hin zum Hühnerstall und zur Dattelpalme. Je höher das Level, in dem man sich befindet, desto mehr Möglichkeiten hat man.
Hilft man seinen Nachbarn, in dem man Waschbären, Füchse und Maulwürfe vertreibt, Unkraut jätet, Laub sammelt oder das Feld düngt, so erhält man Geld und Punkte.

Geht man gut zu Werke, so hat man in wenigen Wochen eine anständige Farm, auf der sich nach Wunsch zig Hasen und Enten tummeln oder eben ein Urwald wuchert. 
Und genau da ist man am Punkt, an dem es wirklich interessant ist. Man kann Studien anstellen und schauen, wie sich die Leute ihre Farmen gestalten. Die Farm ist das Spiegelbild der Persönlichkeit - außer man veralbert sein Umfeld und gestaltet bewusst so, wie es niemand erwartet hätte.
Die meisten User gestalten jedoch ihre Farm ganz ehrlich und nach ihrem eigenen Wunsch. Der eine zäunt ein, der andere liebt eher das wilde Chaos. Der eine setzt nur auf Feldanbau, der andere setzt eher auf Bäume und Tiere. Strategien werden ausgeklügelt, mit welchen Zuchtpflanzen man am schnellsten voran kommt. Eher dreimal am Tag Erdbeeren pflanzen oder besser doch einmal Baumwolle säen und nach drei Tagen voll abkassieren? Rasch ins nächste Level kommt man allerdings nur mit viel Fleißarbeit. Sprich: Je mehr man pflügt und erntet, desto fixer geht es letztendlich voran.

Nach einiger Zeit ist man der Sache ein wenig müßig, die knuffige Figur jedes Stückchen Feld einzeln pflügen und bestellen zu lassen. Maschinen müssen her. Traktor und Erntemaschine können angeschafft werden. Diese bearbeiten das Feld viermal so schnell. 
 
Der eine User mag die Melodie von FarmVille, der andere liebt die animierten Tiergeräusche, wiederum der andere stellt den Ton komplett ab. Eine Sache möchten jedoch alle: Punkte sammeln und die Nachbarn nach Punkten und Levelstand einholen. 
Kauft man sich für 16 wertvolle FarmVille-Dollar eine Irland- oder Brasilienfahne statt nochmals die Farm zu erweitern, ist das für alle anderen Nachbarn eine klare Ansage. 
Um die User bei Laune zu halten, gibt es Jahreszeiten gerechte Dekorationen, die man kaufen und verschenken kann. Herbstlaub und rotgefärbte Bäume stellen den Bezug zur Realität dar. Man darf gespannt sein, was in der Vorweihnachtszeit alles zu erwarten ist.

Klickt man sich durch die Farmen der Nachbarn, so sieht man, wie unterschiedlich locker die Leute an die Sache herangehen. Im Härtefall werden rein profitorientiert möglichst viele Bäume dicht an dicht in einer Reihe gedrängt, um viel Raum für möglichst viele Feldabschnitte zu haben. Tiere werden in Gehege abgestellt, wie Kartons im Supermarktregal.
Andere User gestalten sich die Farm so gemütlich und anheimelnd wie in einer Märchenwelt. Manch einer geht soweit, dass er die adoptierten Miezekatzen so platziert, dass es scheint, sie knabbern an den Blumen. Dem nicht genug, wird das auf Facebook auch noch ausgiebig diskutiert.

Uhrzeit 13:52 Uhr. Man staune, wie viele Freunde bei Facebook online sind. Hey, steckt sie nicht mitten im Unterricht? Ist er nicht gerade im Büro? Hat er nicht gerade einen Dreh? Nebenbei lässt fast jeder das Internet laufen. Nicht jeder baut sich seine Farm, andere stecken mitten im Gangsterkrieg bei "MafiaWars". Wiederum andere füttern gerade die Fische bei "HappyAquarium" und adoptieren Schildkröten mit treu glotzenden Augen. 

Facebook erkannte haargenau den Puls der Zeit. In jedem Erwachsenen steckt ein Kind. Lässt man den Spieltrieb freien Lauf, kommt man von den Spielen kaum noch los. "Mein Schatz, ich komme gleich. Geh schon mal ins Bett. Ich muss nur noch rasch ernten."
Krankhaft? Kann es werden, wenn man nicht aufpasst und die Grenzen einhält. Auf jeden Fall können FarmVille & Co. zum einen eine gute Alternative zum schlechten TV-Programm sein, zum anderen ergibt sich die Möglichkeit, auf witzige Art ständig Kontakt zu seinen Freunden zu halten.
Wohin der Weg führt, wird man sehen. Turus-Redakteur Marco ist schon gespannt, wie es ausschauen wird, wenn auf seiner brasilianischen Farm eines Tages hunderte weiße Kaninchen und schnatternde Enten herumlaufen. Gespannt ist er auch, wann die ersten Farmer auf der Strecke bleiben und aussteigen. Er wird am Ball bleiben und allein aus reiner Neugier das Spiel weiter spielen. Seine Kollegen in der Redaktion schütteln da sowieso nur den Kopf...
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