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Kalleman in Afrika

27 Aug 2007 12:14 #6349 von Buhli
Buhli antwortete auf Re: Kalleman in Afrika
Wenn Dir schon die Frauen kaum Antworten geben, dann frag doch mal in der Männerwelt nach, warum sich die Frauen da so verhalten. Vielleicht hat es was mit Sitten oder Gepflogenheiten zu tun.

Nehmt Euer Herz in beide Hände und macht was draus.
Spruch von Lutz Bertram. Ehemaliger blinder DT 64 Moderator, den leider die Stasi in ihre Fänge bekam.

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27 Aug 2007 13:03 #6353 von kalleman
kalleman antwortete auf Re: Kalleman in Afrika
Dieses Hattrick zwingt mich immer in die I-Cafes ... 8)

Ich haette es besser wissen muessen. Meine miese Laune war doch klares Indiz dafuer, dass ich nicht gesund bin. Am Samstagabend, ab 18 Uhr ohne Strom (wenige Etablissement, wie mein Hotel, haben Generator, leider auch die Bar neben meinem Hotel, dass jeweils bis weit in die Nacht die Baesse droehnen laesst), begann der Dauerdurchfall. Am Sonntag morgen glaube ich mich wieder gesuender, also zahle ich bei der meisgelaunten Rezeptionistin eine weitere Nacht, natuerlich ohne das sie aufblickt oder mein "Guten Morgen" erwidert (am liebsten wuerde ich sie mit einem Gartenschlauch abspritzen), einmal kriegte ich mein Wechselgeld nicht und bisher hat sie genau drei Woerter gesagt. "pay" "fill" und "okay" das okay aber erst, als ich einfach an der Rezeption stehen blieb.

Also ab an den Labadi Beach, dem besten Strand Accras. Unterwegs wird mir etwas schlecht, aber es geht. Ich laufe noch an einem Gottesdienst vorbei und sehe alt und jung in der Kirche froehlich tanzen. Der Labadi-Beach kostet Eintritt, aber dennoch liegt ueberall Muell herum. Es wimmelt von Verkaeufern, die irgendetwas verkaufen wollen, aber nie wirklich aggressiv. Ich setz mich an einen Strandtisch und mir geht es immer schlechter. Ich will stehen, liegen, sitzen, strecken, zusammenkauern und irgendwann halte ich den Kopf in den Haenden, Augen zu und mir ist einfach nur kotzuebel. Eine surreale Szene. Waehrend ich am sterben bin, kommen dauernd Verkauefer und wollen mir etwas verkaufen und irgendeiner, so halb krieg ich das mit, sitzt noch fuer kurze Zeit neben mir und erzaehlt, dass er jeden morgen 4 Stunden Sport macht (in der Tat, haben Frauen und Maenner hier am Strand oft beeindruckend athletische Koerper, oder sie sind abartig ueberfuellig). Man haette mich in diesem Moment ausrauben koennen, meinen Rucksack wegnehmen, ich haette mich nicht wehren koennen und irgendwann passierts und ich verunstalte den Strand. Da sitze ich, es hat nur leicht erleichtert, schau mich nach dem Kellner um um mich zu entschuldigen, um etwas zur Reinigung zu bitten, aber obwohl rund um mich herum Leute sitzen, nimmt niemand Notiz. Niemand schaut hin, ich weiss nicht, ob es ueberhaupt jemand bemerkt hat. So verbuddle ich das Ganze im Sand, war eh nur fluessig, habe ja seit 2 Tagen fast nichts mehr gegessen. Aber mir geht es immer noch nicht gut, ich fuehle mich transportunfaehig und so schlafe ich etwas. Als ich die Augen wieder oeffne, ist der Strand ploetzlich rammelvoll, ich fuehl mich aber bereit fuer den Rueckweg und gehe ins Hotel.

Ich haue endlos vergebens Immodium rein, es hilft nicht. In der Nacht kriege ich Bauchschmerzen und plane den Gang am morgen ins Spital, als mir einfaellt, dass ich noch eine pflanzliche Tinktur dabeihabe, die ich bisher immer fuer wirkungslos hielt. Ich nehme ein paar Tropfen, merke, wie die Bakterien im Magen boese werden, rumoren, machen und tatsaechlich tritt Linderung ein. Der Durchfall ist zwar nicht gestoppt, aber verlangsamt sich und ich fuehle mich gleich besser.

Aber somit ist auch klar, dass ich den Rest der Reise in Accra bleibe.

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28 Aug 2007 14:31 #6366 von kalleman
kalleman antwortete auf Re: Kalleman in Afrika
Die Zeit auf der Toilette gibt Zeit zum Nachdenken. Wuerde ich die Reise wiedermachen? Sicherlich, aber anders. Ich wuerde auf den Sueden Ghanas komplett verzichten, vielmehr Zeit im netten Kumasi verbringen, mein liebster Ort in Ghana. Auch der Norden wurde ich wiederholen und mehr Zeit in Burkina Faso verbringen. Ghana und Burkina Faso sind sicherlich einen Besuch wert, ich machte aber den Fehler, 3/4 meiner Zeit im Sueden zu verbringen und der ist nicht mein Ding.

Die Ghanaer sind wirklich ruehrend. Ich rede mit einem Kellner ueber mein Magenproblem. Denn das Flaeschchen mit der pflanzlichen Arznei, das sehr geholfen hat, ist leer und sofort faellt die Linderung weg. Er geht weg und kommt mit ein paar Pillen zurueck, die er mir gibt. Es sind schon tolle Menschen.

Es gibt hier aber auch ganz anderes Gesindel, nicht aus Ghana, die so sind, wie ich mir eigentlich afrikaner vorgestellt habe, wobei was ist eigentlich ein Afrikaner, bei einem so grossen Kontinent mit ueber 50 Laendern?. Dieser Typ, der mir nachrennt kommt aus Simbabwe (ich bin mir sicher, er war Nigerianer) und sein Vater wurde von Mugabe abgeschossen und jetzt muss er 1,2 Mio Dollar ausser Landes schaffen und ich soll ihm dabei helfen und jetzt braucht er sofort 200 Dollar um seine Rechnung im teuren Niagara-hotel begleichen zu koennen und ich bekomme sie ganz sicher wieder und als ich ablehne, will er 2 Cedis fuer ein Telfon an seine Mutter und dann ploetzlich 10 Cedis um zu essen und das ganze erzaehlt er in einer eingeuebten Cleverness. Der Typ ist ganz schoen abgebrueht und vorallem laesst er nicht ab, kein Nein stoppt ihn, er folgt und macht und redet. Den Ghanaern passt das auch nicht, sie laufen vorbei und signalisieren mir, dass der Kerl ein Scheisser ist, nuetzt aber nichtviel, ich werd ihn nicht los, erst, als ich ins hotel gehe.

Dann will ich auf den Leuchtturm, hab aber die Rechnung ohne das 200 Kiloweib am Eingang gemacht: Die Frau des Leuchtturmwaerters. Gemaess Lonelyplanet kostet der Aufstieg 3000 Cedi, diese unfreundliche Frau sagt aber geradeweg 50,000 Cedi. (4 Euro) man muss sich mal die Relation vorstellen. Fuer 50,000 Cedi, also 5 neue Cedi kann ich mit dem besten Bus ins 250 Kilometer entfernte Kumasi fahren. Soviel kostet der Eintritt zum Canopy Highway oder in die sklavenburg von Cape Coast, inklusive 1 stuendiger Fuehrung.

Ich sage ihr, dass ich den Leuchtturm nicht kaufen will, sondern nur raufsteigen und sie fragt mich, wieviel ich bezahlen will. Ich sage 3000 Cedi, worauf sie erbost. Ich sage ihr, dass wenn sie einen fairen Preis genannt haette, sie etwas verdient haette, aber bei einer solchen abzockete verdient sie halt nichts. Aber die sehr netten, mausarmen Fischer dieses Quartier denken anders, wie mir ein Fischer erklaert. Sie denken, ich hab ja eh genug Geld, also kann ich auch 5 Cedis bezahlen. Irgendwie haben ja beide recht, aber er kann ja den Fisch auch nicht an den Einhemischen fuer 10 Cents und an den Reichen fuer 5 Dollar verkaufen, funktioniert nicht, ist der gleiche Fisch, hat nur einen Wert.

Accra ist eigentlich eine ganz angenehme Stadt, wenn es nur nicht soviel Verkehr haette.

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29 Aug 2007 21:47 #6372 von kalleman
kalleman antwortete auf Re: Kalleman in Afrika
Wer reist hat eine bestimmte Erwartungshaltung und eine engeschraenkte Wahrnehmung, an deren er die Reise misst und die sich eigentlich, wenn man sich einmal eine Meinung gebildet hat, nicht mehr gross aendert. Was ich ich aber wirklich krass finde ist, dass die Meinung ueber eine Reise sich massiv veraendert durch Krankheit. Wer krank ist, sieht alles viel dunkler und grauer, kaum ist man gesund, leuchtet alles viel heller. So eine Phase hab ich gerade wieder durchgemacht. Die Tabletten des Ghanaischen Kellners zeigten Wirkung.

Ich bin jetzt in einen anderen Stadtteil von Accra, Osu, umgezogen. Es ist ein eher teures Quartier. In dieser Gegend gibt es auch Villen und die Botschaften sind hier. Am Abend finde ich sogar einige Bars mit Blick auf den Rummel. Nach 4 Tagen Toilette, ist es ein herrliches Gefuehl, einfach draussen dazusitzen und ein Bier zu geniessen.

Aber da taucht auch schon mein Kumpel aus Simbabwe auf, sagen wir Moechtegernsimbabwe. Obwohl ich genau weiss, dass er luegt wie gedrueckt, schafft er es immer wieder, mich an meiner Meinung zweifeln zu lassen. Er ist ein wahrer Profi, der seine Geschichte sehr geschickt aufzieht, dich einlullt, und irgendwann kommt er dann mit, "jetzt fehlen nur noch die 300 Dollar, wenn ich die ihm nur geben koennte ... Wir sind beides Auslaender, beide allein ... " Doch ich bleibe jetzt hart, sage ihm, dass er jetzt schon wieder mit dem Geld anfaengt, das kackt mich an. Auch bringt er den Spruch, wir sind jetzt Freunde, aber der zieht bei Europaern nicht, weil Europaer nicht wissen, dass das Freunde sein in Afrika eine ganz andere Bedeutung hat, wie ich spaeter noch aufschluesseln werde. Dann fragt er ganz konkret:"du hilfst mir nicht?" So mit an die Moral appellierenden Tonfall, doch ich sage ihm direkt, dass ich ihm nicht helfe und so trennen wir uns. Also ich gehe einfach, weil er hoert nie auf. Er ist ein Scharlatan, aber ein richtig guter, ein Profi!

Ich moechte mich gerade ins Hotel zurueckziehen, als ich mich spontan entschliesse in der letzten Bar vor dem Hotel noch einen Schlummertrunk zu nehmen. Es stellt sich heraus, dass der Chef ein Deutscher ist, ein Rheinlaender. Wie immer, wenn ich Deutsche treffe, weist auch er eine sehr hohe Allgemeinbildung vor, was natuerlich fuer gute Gespraeche von grossem Nutzen ist.

Was er erzaehlt, ist wirklich sehr spannend. Ghana wird mit billigem chinesischem Schrott ueberfuellt. China erlaesst den afrikanischen Laendern die Schulden, baut ein paar Strassen oder Eisenbahnlinien un dim Gegenzug erhalten sie freien Marktzugang. Das Problem ist, dass so auch viel Piratery auf den Markt kommt, natuerlich auch gesundheitsschaedliche. So wurde die Colgate-Zahnpaste zurueckgerufen, ich habe so eine aber in Kumasi gekauft und putz mir damit seit 4 Wochen die Zaehne! So zeigt er mir auch mit gentechnisch veraenderten Stoffen versehene Getraenke.

Auf den Simbabwer angesprochen bestaetigt er mir, dass es hier die Nigerianer sind, die solche Geschaefte machen. Einer hat ihm 10,000 Dollar die Woche angeboten, wenn er mit ihnen zusammenarbeiten. Sie zocken per Email Europaer ab. Mit obstrusen Geschichten kochen sie sie weich (ich habe ja kurz vorher selber erlebt, wie clever sie sind und wie ueberzeugend sie es darlegen), bis sie ihnen Geld ueberweisen. Und er als Weisser sollte quasi die Seriositaet untermauern, damit die Kunden vertrauen gewinnen. Er tut es nicht.

Die herzige kleine Kellnerin hat am Freitag geheiratet, einen Tschechen, was sie nicht daran hindert dauernd um mich rumzuschleichen. Sie verdient 50 Cedis, leider vergass ich zu fragen ob es pro Woche oder pro Monat ist. 50 Cedis pro Monat waere in der Tat wahnsinnig wenig. Sie ging zur Schule, kann aber nichtmal ihren Namen schreiben, die Schulen sind hier derart schlecht.

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29 Aug 2007 21:53 #6373 von kalleman
kalleman antwortete auf Re: Kalleman in Afrika
Am morgen will ich fruehstuecken, es ist von 7-10 Uhr und im Preis inbegriffen. Ich bin in einem ziemlich teuren, modernen Hotel. Ich gehe in das Restaurant, es ist leer und nichts sieht nach Fruehstueck auf. Dann entdecke ich die Kellnerin, die hinter der Kasse versteckt, schlaeft. Ich versuche sie zu wecken, zwecklos, Tiefschlaf. Also lasse ich sie schlafen und kehre ins Zimmer zurueck.

In Accra gibt es mehrere Supermaerkte, mir fallen die hohen Preise auf. Der Ananassaft kommt aus dem Libanon, wie wenn Ghana keine eigenen Ananaspflanzen haette. Ich entdecke Traubensaft aus Deuschtland, Butter aus Frankreich, dazu alles moegliche aus dem Libanon, aus Indien, Kanada und Osteuropa. Ghanaische Produkte suche ich lange vergebens, bis ich einen ganz kleinen Orangensaft finde, er ist spottbillig, schmeckt aber nicht. Es wird hoechste Zeit fuer eine weltweite CO2-Steuer.

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30 Aug 2007 17:40 #6374 von kalleman
kalleman antwortete auf Re: Kalleman in Afrika
Ich zitiere hier einige Textteile aus Ryzard Kapuscinskis Afrikanisches Fieber, weil er einiges ueber Afrika sehr anschaulich darstellt.:

"Verlauf und Atmosphaere der Begruessung sind fuer das weitere Geschick einer Bekanntschaft von grosser Bedeutung, weshalb man hier grossen Wert auf die Art und Weise der Begruessung legt, mit der man einander begruesst. Am wichtisgten ist es, von Anfang, von der ersten Sekunde an grosse spontane Freude und Herzlichkeit zu zeigen ... Oft sehen wir zei (oder auch mehr) Menschen auf der Strasse stehen und sich vor Lachen biegen. Das bedeutet nicht, dass sie einander Witze erzaehlen. Sie begruessen einander nur."

"Um ihre Beamten zur Arbeit in den Kolonien zu ermutigen, hatten London und Paris fuer die Willigen die besten Bedienungen geschaffen. Ein kleiner, bescheidener Postbeamter aus Manchester bekam nach seiner Anjunft in Tanganijka eine Villa mit Garten und Swimmingpool, Autos, Diener, Urlaub in Europa usw. Die Kolonialbuerokratie lebte tatsaechlich in Saus und Braus. Und nun erlangten die Kolonien von eiem Tag auf den anderen die Unabhaengigkeit. Sie uebernahmen den Kolonialstaat in unveraenderter Form. ... Gestern noch arm und erniedrigt, sind sie heute Auserwaehlte des Schicksals, haben hohe Positionen inne und einen Prall gefuellten Geldbeutel. Diese koloniale Genese des afrikanischen Staates hatte zur Folge, dass der Kampf um die Macht im unabhaengigen Afrika von Anfang an verbissen und erbarmungslos gefuerht wurde. In einem Augenblick, mit einem Staatsstrecih, entsteht eine buerokratische Bourgeoisie, die nichts hervorbringt, nichts produziert, nur ueber die Gesellschaft herrscht und priviliegein geniesst ... frueher einmal brauchte es Jahrzehnte, sogar Jahrhunderte fuer das Entstehen einer Klasse und hier genuegten ein paar Tage.

...
Aber wir sind in Afrika und der glueckliche Neureiche darf nicht die alte Klanstruktur ausser acht lassen, deren oberstes Gesetz lautet: Teile alles, was du hast, mit deien Bruedern, mit anderen Mitgliedern des Klans, oder, wie man hier sagt, mit den Cousins. ... Wenn jemand an Stelle eines Weissen Minister wird und dessen Villa mit Garten, Gehalt und Autos erhaelt, verbreitet sich die Kunde davon rasch bis zu dem Ort, von wo dieser Glueckspilz stammt. ... Und wenig spaeter setzt die Wanderung in die Haupstadt ein. Hier finden sie den gluecklichen entfernten Verwandten ohne viel Muehe. ... und dann machen sie es sich in der Villa, im hof und im Garten bequem. ...

Wer einen mobileren Beruf besitzt und die Tradfition weniger achtet, versucht seine Spuren zu verwischen. So traf ich einmal ... einen Strassenhaendler, der Orangen verkaufe .... Ich fragte ihn, was er hier mache ... Er musste cvor seinen Cousins fliehen, erklaerte er. Er hatte lange alles mit ihnen geteilt, bis er es am Ende gruendlich satt hatte und sich aus dem Straub machte. "Fuer einige Zeit werde ich ein paar Cents mein eigen nennen" freute er sich. "Bis sie mich auch hier aufstoebern.""

"Das Problem Afrikas ist der Widerspruch zwischen Mensch und Umwelt. ... Wohin man sich auch wendet, ueberallhin hat man es weit, ueberall ist es leer, ohne Menschen, endlos weit. ... Es gab keine Informationen, kein Wissen, keinen technischen Fortschritt, keinen Reichtum, keine Erfahrungen anderer - diese drangen nicht bis hierher vor, fanden den Weg nicht.

... Die kleinen Gruppen, Klans, voelker lebten meist isoliert, verloren, zerstreut ueber die endlosen, feindlichen Weiten, toedlich bedroht durch Malaria, Duerre, Hitze, Hunger.
Andererseits ermoeglichte es ihnen gerade die Tatsache, dass sie in kleinen Gruppen lebten und wanderten, aus bedrohten Gebieten zu fliehen ... und auf diese Weise zu ueberleben. Diese Staemme waehlten die gleiche Taktik wie die leichte Kavallerie. Ihr Prinzip war die Beweglichkeit, die Faehigkeit, frontalen Konfrontationen auszuweichen, Uebel zu meiden und zu ueberlisten. Das hat zur Folge, dass der Afrikaner staendig unterwegs war. Selbst wenn er ein sesshaftes Leben fuehrte, in einem Dorf lebte, war er unterwegs, weil sich auch das Dorf von Zeit zu Zeit auf Wanderschaft machte. Einmal versiegte das Wasser, dann wurde der Boden unfruchtbar ...

Diese erzwungene Beweglichkeit der Menschen brachte es mit sich, dass es im Inneren von Afrika keine alten Staedte gibt, die etwa so alt waeren wie manche Staedte in Europa oder im Nahen Osten, die bis in unsere Tage existieren. Und noch ein Gegensatz zu Europa und Asien> Grosse Teile der Bevoelkerung (macnhe meinen sogar die gesamte) bewohnen heute Gebiete, in denen sie frueher nicht zu Hause waren.

Alle sind Zuwanderer aus anderen Gebieten - alle sind Immigranten ... Ein auffallendes Kennzeichen dieser Zivilisation ist daher ihr voruebergehender Zustand, das Provisorium, das fehlen jeder materiellen Kontinuitaet. Die Huette aus Lehm wurde erst gestern errichtet, und heute ist sie schon wieder verschwunden...."

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30 Aug 2007 17:46 #6375 von kalleman
kalleman antwortete auf Re: Kalleman in Afrika
"Und die Diebstaehle? Anfangs packte mich schon die Wut, wenn man eine ausgepluenderte Wohnung betrat. ... In einer kleinen Gasse lebte in einem Winkel eine alleinstehende Frau, deren einziger Bewitz ein Topf war. Sie verdiente ihren Lebensunterhalt damit, dass sie von den Gemuesehaendlerinnen Bohnen auf Kredit kaufte, diese kochte, mit Sosse zubereitete und an die Leute verkaufte. Fuer viele war eine Schuessel Bohnen die einzige Mahlzeit am Tag. Doch eines Nachts weckte uns ein durchdringender Schrei. Die ganze Gasse schreckte auf. Die Frau rannte verzweifelt und wie von Sinnen herum: Man hatte ihr den Topf gestohlen und damit hatte sie das einzige Hilfsmittel verloren, von dem sie lebte."

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