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Re: Lebensgefahr, Grenzerfahrungen, Schlüsselerlebnisse ... 11 Jan 2006 17:13 #2476

Hallo zusammen,

habe noch ne weitere lustige Story anzubieten.

Vor Jahren fuhr Marco und ich mit den Zug von Berlin nach Peking. Auf den abschnitt von Ulan Bator nach Peking hatte ich das Problem, das es unten wieder schneller rasukam als mir lieb war. so verbrachte ich einen Teil der Zugfahrt auf den Klo. Was ja ansich nix spektakuläres wäre. Um die Bahnhofe nicht unnötig zu belasten, werden vor jeden Stop die Toiletten kontrolliert und abgeschlossen. Soweit so gut, wäre nicht die mongolisch - chinesische Grenze gewesen. Wie fast immer fand die Grenzabfertigung in der Nacht statt. Erst 2 Stunden Wartezeit auf mongolischer Seite, dann die gleiche Prozedur auf der chinesischen Seite. Der Druck im Magen stieg und stieg. Schlafen konnten man auch nicht, da laufend irgentwelche Beamten durchkamen. Zu allen Überfluss ging es dann auch noch zum Spurwechsel in die Wagonhalle.
War schon am Überlegen, in welcher Ecke ich den Druck ablasse. Irgentwann nach 6 oder 7Stunden verlies der Zug den Grenzbahnhof und die Toilette wurde wieder geöfnet. Selbstverständlich war ich der erste, der sie zusch...
Danach fühlte ich mich im wahrsten Sinne des Wortes erleichtert und schlief erstmal paar Stunden.

Janosch

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Re: Lebensgefahr, Grenzerfahrungen, Schlüsselerlebnisse ... 11 Jan 2006 16:56 #2475

Hallo zusammen,

auf ausdrücklichen Wunsch von Marco gebe ich eine Geschichten zum besten. Zum Glück hatte ich bisher noch nie die Situation gehabt auf meinen Reisen in Lebensgefahr zu schweben.
Ich kann eher mit einer lustigen Story dienen.

Auf der Bahnfahrt von Berlin nach Budapest wurde ich an der tschechisch-slovakischen Grenze bei Breclav festgenommen. Es war nachts gegen 3Uhr als der Zug die Grenze erreichte. Grund war, das den slovakischen Zöllner mein etwas heruntergekommender Pass missfiel. Nach kurzen Anblick verschwand er mit meinen Pass und kam nach einigen Minuten zurück. Entgegen meinen Hoffnungen, das er mir meinen Pass zurückgab, forderte er mir auf Ihn zu folgen. Schnurstraks hieß es aus den Zug aussteigen, circa 2ß Gleise überwinden und ab auf die Polizeistation. Marco, mit den ich die ungarische Hauptstadt besuchen wollte, erklärte sich bereit mitzukommen, was den Grenzer gar nicht gefiel.
Auf der Polizeistation angekommen, wurde hinter uns erstmal das Gitter abgeschlossen. Was würde nun folgen, bleiben wir länger inhaftiert, müssen wir mit den nächsten Zug zurück nach Tschechien oder geht die Reise nach Ungarn irgentwann weiter? Ich konnte kein slovakisch und die Beamten kein englisch oder deutsch. Nachdem sich mehrere Beamten mit meinen Pass "beschäftigten" kam nach einigen Minuten einer dieser zu uns und gab mir den Pass zurück. In Gedanken hatten uns damit abgefunden die Nacht im slovakischen Grenzort verbringen zu müssen, da mittlerweile 20 - 30 Minuten verstrichen. Zu unseren Erstaunen stellten wir beim Verlassen der Polizeistation fest, das der Zug noch dastand. So ging es zügigen Schrittes ab über die Gleise und rein in den Zug. Ob der Zug wohl auf uns gewartet hatte? Jedensfalls verlebten wir schöne Tage in Budapest und die Rückfahrt durch die Slovakei verlief reibungslos.

Janosch

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Re: Lebensgefahr, Grenzerfahrungen, Schlüsselerlebnisse ... 11 Jan 2006 10:35 #2469

Hallo noch einmal,

schon einmal vielen Dank für all die spannenden Berichte.
Unser Freund Janosch versprach mir, auch bald an dieser Stelle noch etwas zuschreiben... :wink:
Schließlich wurde er an der slowakisch-tschechischen Grenze "festgenommen", weil sein Pass etwas lädiert aussah.
Na gespannt bin ich auch noch auf die Berichte vom Travelnator, der mit Sicherheit auch viel zu berichten hat.

Also bis dann, Leute, es grüßt Marco :D

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Re: Lebensgefahr, Grenzerfahrungen, Schlüsselerlebnisse ... 10 Jan 2006 09:47 #2463

Oja, diese Radgeschichten. Da kannst du ganz schön im Sch**** landen. Der Freund meiner Schwester fuhr mit dem Rad nach China (ueber Zentralasien). In Tibet bekam er einen gewaltigen Knacks. (Kashgar-Lhasa). 2000 Kilometer Einsamkeit, Strassen zum heulen. So Wellblechbelaege. Dauernd durchgeschuettelt. Aber er hats ueberstanden :lol:

In Indonesien wollte ich von der Insel Sumbawa zu den Komodo-Islands. Damals fuhr genau eine Faehre am Tag. Am Vortag verzichtete ich auf's Geldwechseln in der Hauptstadt der Insel, weil mir der Kurs 10 Cents zu niedrig war :( wink:

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Re: Lebensgefahr, Grenzerfahrungen, Schlüsselerlebnisse ... 09 Jan 2006 20:28 #2461

Na dann geb ich noch ne Geschichte zum besten.
Februar 2005. Ich bin wie immer mit Rad unterwegs. Diesmal in Ägypten. Da ich das erstemal mir die Lybische Wüste vorgenommen habe, will ich diesesmal auf den Sinai.
Der Flug ging nach Hurghada. Von dort muß ich einen Bus nach Suez nehmen. Nachdem ich am nächsten Morgen kräftig eingekauft habe, suche ich die Fähren, die den Kanal kreuzen sollen. Vergeblich. Ich muß feststellen, das sie eingestellt worden sind. Das bedeutet für mich, das ich im Ahmed-Hamdi-Tunnel fahren muß. Hab von Anfang an ein schlechtes Gefühl. Beim Anblick der Autoschlange wird es nicht besser. Aber wenigstens muß ich keine Maut zahlen.
Beim Durchfahren des Tunnels wird mir sehr flau im Magen. Pkw`s, Lkw`s und Busse fahren im Zentimeterabstand an mir vorbei. Nach 5 Minuten ist der Spuk aber vorbei.
Dann bin ich auf dem Sinai.
Ich nehme mir vor, auf Nebenstrecken zum Serabit el Khadim und dem Forest of Pillars zu fahren.
Zuerst ist die Straße gut asphaltiert. Das ändert sich aber bald. Die Strecke wird sandig und recht staubig.
Kurz vor einer Mine übernachte ich im Windschatten eines Felsens. Am nächsten Morgen ziehe ich meinen Reiseführer mit Beschreibungen der Strecke zu Rate, weil ich auf eine Kreuzung stoße. Die ist aber nicht verzeichnet, also weiter geradeaus.
Nach etwa 20 km komme ich an einem Beduinenhaus vorbei. Ich werde hereingewunken und zum Tee eingeladen. Nach den obligaten 3 Teerunden zeigt mir die Beduinen den Weg weiter. Dabei stelle ich fest, das ich mich auf der falschen Strecke befinde. Macht aber nix, komme bald wieder drauf.
Kurz vorm Serabit el Khadim wird die Piste sehr sandig. Deswegen und wegen der sehr aufdringlichen Kinder verzichte ich darauf. Das Fahrrad muß die nächsten 10 km durch den weichen Sand geschoben werden. Kein leichtes Unterfangen, diese Schiebung wird aber noch lange nicht die letzte sein.
Während einer dieser "Nettigkeiten" begegne ich einem Beduinen, der mir den Ratschlag gibt, eine Alternativroute zu nehmen, die weniger Sand aufweist. Dann zeigt er mir noch ein großes Etwas, das an ein Ei erinnert aber sehr schwer ist. Er gibt es als Dino-Ei aus. Und will es wahrscheinlich in einen Touri-Ort fahren, um es dort in Bares zu verwandeln.
Am Abend komme ich an einer Mine vorbei. Aus Versehen gelange ich in das Camp der Arbeiter. Sie laden mich zum Abendessen ein. Als die Rede darauf kommt, wohin ich will, raten sie mir ab, das zu tun. Aber zurückfahren über unzählige Kilometer mit Sand? Ist auch nicht das Wahre, außerdem vertraue ich meiner Beschreibung.
Einige Kilometer hinter der Mine gelange ich zu einer Bergkette. Leider gibt es so viele Kreuzungen, das die richtige Piste nicht zu finden ist. Die Richtung kenne ich aber noch. Deswegen müssen die Berge gequert werden. Nach wiederholten Schieben gelange ich in ein Seitental, wo ich auf einen Bauern treffe. Illegalerweise baut er Hasch an, weshalb er mich bittet, keine Fotos zu machen, was ich respektiere.
Eine Einladung zum Tee ist für ihn selbstverständlich. Nach längeren Gesprächen darf ich auch in seinem Zelt mit übernachten.
Am nächsten Morgen gibt er mir noch ein paar Liter Wasser und eine Wegbeschreibung zum Wadi Beiraq, hinter dem die Asphaltstraße liegt.
Wie sich bald herausstellt, habe ich einen Umweg von 20-30 km gefahren. Nach langen Sandpassagen komme ich in das Wadi, das sehr steinig wird. Zur Abwechslung muß ich nicht wegen Sand sondern wegen Steinen schieben.
Als ich das Wadi verlasse, stelle ich fest, das die angekündigte Kreuzung nicht die erwartete Distanz zur Straße hat. Zudem ist die direkte Verbindung eine reine Sandstrecke. Und für die Umgehung durch das Wadi Labwa habe ich zuwenig Wasser. Zudem ist dieses Wadi bekannt für Landminen, die des öfteren durch Regen weggeschwemmt wurden. Ein Auffinden wird dadurch eigentlich nicht mehr möglich.
Dann kommt ein Beduine mit einem Jeep. Er nimmt mich mit zur Straße.
Hamdillullah!!!
Gruß peter
Laßt es rollen, am besten umweltfreundlich.

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Re: Lebensgefahr, Grenzerfahrungen, Schlüsselerlebnisse ... 09 Jan 2006 13:37 #2450

Oh ha, Kalleman, das mit dem Bus und dem Mädchen ist ja eine echt gute Anekdote!
Bitter, 11 Stunden an der Tür stehen...
Was für eine Vorstellung! :lol:

Oh Mann, das mit dem Jungen und dem abgeschossenen Fuß ist ja ganz bitter. Kam wenigstens schnelle Hilfe? Wirklich übel! :cry:
Und die Sache mit der Panik in dem eingeschlossenen Bahnhof...
Na, Mensch, da kommt ja auch bei dir einiges zusammen...

Apropos, Sehnsüchte, Hotelsuche...
Mein einsamster Moment auf einer Reise war im Februar 1995 in London.
Ich war allein unterwegs, mit Rucksack. Das erste Mal wirklich ganz allein auf Reise. Winter, trübes Wetter. Ich wartete auf einem Bahnof auf den Zug in Richtung Schottland. Ich wusste noch nicht, wo ich übernachten würde...
Ziel war Inverness, ich hatte ein Zelt dabei - im Februar...
Ich fühlte mich auf dem Bahnhof dermaßen allein gelassen. Bitter. Ich hätte heulen können...

Marco

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Re: Lebensgefahr, Grenzerfahrungen, Schlüsselerlebnisse ... 09 Jan 2006 12:44 #2446

Ein sehr interessantes und wichtiges Thema. Ich hatte noch nie wirklich eine Grenzerfahrung. Klar, als ich auf dem Macchu Picchu im Bahnhof eingeschlossen wurde - mit den anderen 1000 Touristen - und niemand erfuhr was los ist. Man sah nur Polizei und roch Traenengas. Ich konnte ja nur warten. Als das Traenengas in die Bahnhofshalle hineingeweht wurde, brach Panik aus. Mir war etwas mulmig zu Mute. Aber ich hatte nie Angst um mein Leben. Das haesslichste erlebte ich in Santa Cruz, als ich leider Zeuge wurde, wie die Polizei eine Traenengaspetarde in die Menge schoss und einem Junge den Fuss abschoss. Aber das war kein Grenzerlebnis.

Ich kam eher durch andere Erfahrungen an meine Grenzen. Krank sein, allein sein. Vergeblich auf Hotelsuche. Es waren mehr die alltaeglichen Momente, Sehnsüchte, die mir zusetzten.

Ich erinnere mich noch an ein Erlebnis, an dem ich koerperlich an meine Grenzen stiess. ich sass im Bus von Chang Mai (Thailand) nach Udon Thani. Ich hatte einen Sitzplatz, der Buss war randvoll. Alles stand. EIn Mädchen neben mir konnte etwas Englisch. Irgendwann lud sie sich zu ihr nach Hause ein in Lampang (2 Stunden von Chang Mai entfernt). Als junger Hengst (19) :P Ich durfte an der Tuer stehen, ich hatte kaum Platz fuer einen Fuss! So stand cih auf einem Bein, links und recht Ellbogen im Koerper. 11 Stunden lang... :?
Ich war muede, meine Beine schmerzten, aber an die Grenze war ich noch nicht gekommen. Glaub ich jedenfalls. Jedenfalls merkt euch: Nie von einer Frau von euren Reiseplaenenn abhalten lassen...die Strafe folgt bei Fuss!
:wink:

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