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THEMA: Lebensgefahr, Grenzerfahrungen, Schlüsselerlebnisse ...

Re: Lebensgefahr, Grenzerfahrungen, Schlüsselerlebnisse ... 01 Mai 2007 09:25 #5746

Wollten echt die Polizisten, dass du sie schmierst, Elma?

In der ersten Woche an der Uni war ich im grössten Hörsaal an einer Veranstaltung. Dieser Hörsaal ist nur von den oberen Etagen zu erreichen. In der Pause lief ich etwas rum und merkte nicht, dass ich eine Treppe runterlief. Danach suchte ich (eine Etage tiefer) verzweifelt den Durchgang zum Hörsaal. Kurz vor dem Ende der Pause lief ich aus Verzweiflung die Treppe hoch und sah den Durchgang. Doch als ich in den Hörsaal kam, waren schon alle drin und ich hatte keine Ahnung mehr, in welcher Reihe ich sass.

Da stehste und suchst 300 Plätze ab. Ich kannte ja niemanden. So lief ich einfach mal in eine Reihe rein (alle mussten aufstehen und Platz machen) und sah dann während des Pausengongs meinen Rucksack zwei Reihen höher. Nach einer kurzen Klettertour sass ich dann erleichtert wieder an meinem Platz.

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Re: Lebensgefahr, Grenzerfahrungen, Schlüsselerlebnisse ... 09 Mai 2007 22:32 #5775

Mit lebensgefährlichen Situationen kann ich (zum Glück) nicht dienlich sein, wohl aber mit durchaus pikanten...

Alaska-Reise 2006 (der Bericht kommt noch auf meine Website, versprochen! :?
Wir fuhren zu weit mit dem Leihwagen nach Homer über die Kenai-Halbinsel. Bis Homer war es noch eine ganze Weile (sprich: noch viele Meilen). Bei dieser Gelegenheit muss ich wohl nicht erwähnen, dass Alaska extrem dünn besiedelt ist, so dass zum einen zwischen den Ortschaften teilweise Hunderte von Meilen keine Ansiedlung von Menschen vorzufinden ist und zum anderen auch kein Telefon.

Ok wir fuhren da also den Highway entlang, als ich Fotoverrückter auf der rechten Seite einen Berg erspähte, der ein unglaublich schönes Motiv abgegeben hat. Problem: Zwischen uns und dem Berg war ein Landstreifen, dessen Bäume den Berg ständig bedeckten. Hinter dem Land lag dann ein Meeresarm. Man stelle sich also das Motiv bzw. die malerische Kulisse vor: Ein Alaskatypischer Berg, der sich im Meerwasser spiegelt. Ok, wie gesagt - die ganze Zeit ergab sich nicht die Chance, einfach mal rechts ranzufahren und den Burschen zu fotografieren. Es gab keinen Parkplatz und mitten auf dem Highway wollte ich ja auch nicht stehen bleiben.

Da kam plötzlich ein Haus oder besser gesagt der Rohbau eines entstehenden Hauses und die zugehörige Einfahrt. Ich dachte mir noch: "Hey, das ist doch die ideale Gelegenheit, das Auto zu parken und dann den Berg zu fotografieren!" Meine frischgebackene Frau (es waren unsere Flitterwochen) sagte noch: "Hey, fahr da nicht in die Einfahrt! Siehst Du nicht, dass da alles vermatscht ist!? Da kommen wir doch nie wieder raus!"

Doch ich wollte nicht auf mein Eheweib hören (was ich aber besser getan hätte) und fuhr mit dem Automatik-Chevy auf das Grundstück. Schon beim Abstellen bemerkte ich, dass ich an Traktion verloren hatte, aber ich wollte mir noch keine Sorgen machen und testete erst garnicht, ob ich den Wagen noch rausbekommen würde.... Ich konzentrierte mich also zunächst voll und ganz aufs Fotografieren und lichtete den Berg meiner Begierde ab.

Ok.... nun ging es wieder ins Auto. Eigentlich ahnte ich ja bereits Böses, doch es sollte noch schlimmer kommen: Auto gestartet und versucht, loszufahren. Was passierte? Nichts! Einfach NICHTS! Das Auto blieb auf der Stelle stehen. Eigentlich nicht mal das - es grub sich immer und immer tiefer in den Dreck. Ob Vorwärts- oder Rückwartsgang - es tat sich nix mehr! Da es sich um ein Automatikauto handelte, konnte ich nicht mal den Wintertrick mit dem Anfahren im 2. probieren.

Meine Frau schimpfte schon mit mir. Der berühmte Satz: "Hättest Du lieber mal auf Deine Frau gehört!" entwich ihren Lippen. "Jaja", meinte ich und überlegte mir, wie ich den Kahn wieder aus dem Dreck fahren konnte.

Wir haben alles probiert: Einer schiebt, der andere gibt Gas, Räder freibuddeln, Bretter unter die Räder. Egal, was wir taten - es war vergebens! Als meine Frau dann anschieben wollte und in den Dreck fiel, rastete sie vollkommen aus (was ich ja sogar verstehen konnte).

Das Pikante an der Situation war: Wir waren mutterseelenallein. Gut, da war der Highway. Aber 1. fuhr nur alle paar Minuten mal jemand vorbei, 2. wie hätte man uns helfen sollen?

Dunkel erinnerte ich mich, dass ich einige Meilen zuvor eine Farm erspäht hatte. Also rannte ich kurzerhand zurück, um Hilfe zu holen. Atemlos kam ich an und sah die Farm vor mir liegen. Die Garage stand offen, und ich konnte Geräusche aus ihr vernehmen. "Perfekt! Da ist wer!", dachte ich mir und ging auf das Tor zu. "Hello! Hello! Can anybody help me?", rief ich. Und ja - da war jemand, nur nicht der, auf den ich gehofft hatte! 2 Wachhunde schossen aus der Garage, die sich als ansonsten menschenleer entpuppte, als ich näher herantrat. Die Hunde fletschten die Zähne und bellten mich böse an. Ich erinnerte mich an die Tips aus dem Reiseführer, die man bei einem Bären anwenden sollte: Arme hoch halten (damit man Größe und Überlegenheit signalisiert), leise mit den Tieren reden und langsam zurückgehen.... Das tat ich auch. Mein Herz pochte, denn die Hunde stießen mich an und umzingelten mich. Eigentlich war es sogar schwer, den Rückweg anzutreten, denn ständig war einer der beiden hinter mir..... Ich hatte tierisch (im wahrsten Sinne des Wortes "tierisch") Angst davor, dass mich einer der Hunde beißen würde, denn das hätte die Gesamtsituation nachhaltig verschlechtert. Kein Auto, kein Arzt, keine Tetanusspritze... ach, mir schossen 1000 Gedanken durch den Kopf. :?

Doch dann war es vollbracht: Ich spürte schon wieder den Highway unter meinen Füßen und die Hunde ließen von mir ab. Puuuh, das war gerade nochmal gut gegangen. Aber das Auto war noch immer festgefahren.

Dann sah ich genau gegenüber noch eine kleine Farm und steuerte sofort auf sie zu. Davor stand ein riesiger Ford-Pickup. Hinter der halb geöffneten Tür beobachtete mich ein älterer Mann mit grauem "Hillbillie-Bart" und Schlapphut. Ich erläuterte ihm hechelnd und mit kurzen Atempausen, was ich angestellt hatte und fragte ihn, ob er mir denn helfen könne. Er lachte zunächst nur und meinte trocken: "Haha! You're sticking in the mud!" Ich fand das eigentlich nicht so lustig, aber schon sah ich, wie er eine Eisenkette holte und sie auf die Ladefläche des Pickups beförderte. Wow! Er half mir sofort und so spontan, wie man es von Deutschland her garnicht gewöhnt ist! Er fuhr mit mir zurück zum Auto, wo meine verärgerte Frau wartete (naja, sie hatte sich schon wieder ein wenig beruhigt). Dann meinte er, dass er das hinbekommen würde. Er müsse lediglich die Kette an der Achse des Chevy befestigen. Das tat er dann auch. Ich stieg in den Wagen ein, er zog und ich gab Gas - TATAAAA ! Ich war raus aus dem "Schlamm-massel". :roll:

Der Mann war UNSER HELD! Er hatte uns geholfen. Ich wollte ihm einen Dollarbetrag in die Hand drücken und sagte: "Many, many thanks! That's for you! Go get a beer!" - Doch das wollte er partout nicht. Er meinte: "I'm glad to do anyone a favor!" und verschwand.

Er hatte uns gerettet aus dieser mißlichen Lage.... Heute lachen wir darüber und finden es im Nachhinein betrachtet eigentlich lustig. Naja, und einen lehrreichen Effekt hatte die Sache ja auch: Ab und an sollte man eben doch auf sein Weibchen hören... :lol:



Genuss ist die schönste Form der Daseinsbewältigung!
Dekadenz hingegen die schlimmste Form des Realitätsverlustes!


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Re: Lebensgefahr, Grenzerfahrungen, Schlüsselerlebnisse ... 21 Mai 2007 10:52 #5794

Hallo Michael,

man merkt, es ist sonniges Wetter, und die Leute schauen seltener ins Forum...
Auf jeden Fall vielen Dank für deine langen Schilderungen. Es hat viel Freude bereitet, sie zu lesen!

Lieben Gruß

Marco :D

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Re: Lebensgefahr, Grenzerfahrungen, Schlüsselerlebnisse ... 22 Mai 2007 21:43 #5807

Alter Schalter, Hut ab, hier ist ne Menge zusammengekommen. Zum Lesen hat frau nicht die Muße, doch mir genügten bereits einige Auszüge der Beiträge.
Da hatte ich ja auf meinen Reisen richtig Semmelmehl gehabt. Kein Raub, keine Krankheit, keine Gewalt und kein Schlangenbiss. Toi, toi, toi...

Anke
immer fein sauber bleiben ;-) <img src="{SMILIES_PATH}/icon_wink.gif" alt=";-)" title="Wink" />;-)

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Re: Lebensgefahr, Grenzerfahrungen, Schlüsselerlebnisse ... 03 Okt 2007 16:11 #6523

Ich war mal in Irland mit 3,8 im Turm mit dem Fahrrad von Dorf zu Dorf gefahren.
Und das spät abends bei kompletter Dunkelheit. Links und rechts die dicken Hecken. Wäre da mal urplötzlich ne Karre um die Ecke geschossen, wäre es wohl um mich geschehen, so wie ich geschlenkert hatte...
Das war blöd & rikant zu gleich von mir...

Gruß Gil

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Re: Lebensgefahr, Grenzerfahrungen, Schlüsselerlebnisse ... 17 Mai 2008 18:45 #8081

gil_vicente schrieb: Ich war mal in Irland mit 3,8 im Turm mit dem Fahrrad von Dorf zu Dorf gefahren.
Und das spät abends bei kompletter Dunkelheit. Links und rechts die dicken Hecken. Wäre da mal urplötzlich ne Karre um die Ecke geschossen, wäre es wohl um mich geschehen, so wie ich geschlenkert hatte...
Das war blöd & rikant zu gleich von mir...

Gruß Gil


Witzig.
Zuerst las ich nur die Stichwörter "Knarre" und "geschossen".
Doch es hieß ja "Karre"...
Also alles halb so wild...

LG Anke
immer fein sauber bleiben ;-) <img src="{SMILIES_PATH}/icon_wink.gif" alt=";-)" title="Wink" />;-)

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Re: Lebensgefahr, Grenzerfahrungen, Schlüsselerlebnisse ... 18 Mai 2008 22:57 #8098

also wirklich gefährlich wurde es auf meinen reisen zwar nie - im gegensatz zu manchen erlebnissen, die marco erlebte - aber dafür hatte ich das eine oder andere mal mit finanziellen engpässen und krankheit im ausland zu kämpfen.
unvergessen meine vorzeitige abreise aus indien im jahr 1997, als ich heftig krank wurde und so einige kilo abnahm...

mark :cry:

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