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THEMA: Erfahrungen beim Fußball in Südamerika

Erfahrungen beim Fußball in Südamerika 01 Nov 2005 10:36 #1465

Hallo Leute,

an dieser Stelle werden in Kürze Berichte von Clementino aus Buenos Aires folgen, der häufig Spiele von den Boca Juniors besucht.
Doch auch jeder andere, der einmal ein Spiel in Südamerika besuchte, kann hier seinen Bericht niederschreiben und alle Fußballfans teilhaben lassen! :D

Hasta pronto - até logo

Marco 8)

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Re: Erfahrungen beim Fußball in Südamerika 01 Nov 2005 10:42 #1466

Aus dem Bereich "Kriminalität in Lateinamerika" habe ich vorerst folgende Berichte von Clementino hierher geholt:


¡Hola!

Wie angekuendigt ein kurzer Bericht ueber el superclásico! Gestern CA Riverplate vs CA Boca Juniors.

Beim Anpfiff das uebliche argentinische Spektakel bestehend aus Wurfrollen, Konfetti, Fahnen und Rauch + eine Riesenueberrrollfahne war bei den barras bravas von Riverplate zu sehen!

Boca vereinzelte Luftballons in gelb/blau bei Spielbeginn! Waren nur ca. 5000! Die Nebensektoren aus Sicherheitsgruenden gesperrt! Nach ca. 15 Spielminuten kam La Doce mit Fahnen, (!) Regenschirmen, Ueberrollfahne und ihren Banner!

Stimungsmaessig war es gut, vorallem wenn die Riverplate barras bravas die anderen Tribuenen mitrissen! War allerdings nicht sehr oft der Fall!

Fussball wurde auch gespielt! 0-0 ;-(

Salutdos Clementino

Ps: Dale Boca


Die Polizei hat eine sehr gute Strategie gehabt! Die Boca hinchas wurden gut abgeschirmt! Die Umgebung rund um den Auswaertssektor grossrauemig abgesperrt und mit Baustellenholz auch die Moeglichkeit des Sichtkontakts vermieden!

Nach dem Spiel konnten vorerst nur die barras bravas von CABJ das Estadio verlassen.

Polizei wie schon beschrieben sehr aufmerksam! Die Spezialeinheiten hatten sicher 150 cm (!) lange Stoecke als Waffe!

Am Sonntag werde ich zum erstenmal Boca zu hause sehen! Freue mich schon! Sie spielen gegen Newell's Old Boys!

Dale Boca!

Saludo Clementino


Also ein kurzer Bericht ueber das Spiel von Boca. Sehr gute Stimmung (nicht nur einmal bebte das Stadion)! Uebliche Szenario bei Spielbeginn (Wurfrollen, Konfetti + sehr schoene Fahnen). Ca. 2000 aus Rosario! Auch sehr gut stimmungsmaessig drauf!

Die Stehplatzausgaenge wurden nach Spielende gesperrt um ein aufeinandertreffen mit den "Rojas" aus Rosario zu verhindern!

Spiel endete 2-1 fuer Boca!

War heute bei San Lorenzo vs Racing! Sehr schoenes Stadion, welches nur durch eine Strasse von den schlimmsten jemals von mir gesehenen Ghettos umgeben ist! Wahnsinn, da ist La Boca eine "schoene" Gegend dagegen! Gottseidank bin ich ohne "Verluste" raus!

¡Hasta luego! Clementino

DALE CA BOCA!

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Re: Erfahrungen beim Fußball in Südamerika 01 Nov 2005 14:00 #1470

Einige links zum Thema:

Fussballderbies allgemein, nicht nur in Suedamerika. Mit Stadioninfos und auch teilweise mit Berichte und Infos ueber die Fanszenen unter:

[url:2lm1yt5p] www.footballderbies.com [/url]

Fotos der Riverplate barra bravas vom Derby unter:

[url:2lm1yt5p] www.lapaginamillonaria.com.ar/superclasico2005 [/url]

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Re: Erfahrungen beim Fußball in Südamerika 01 Nov 2005 17:15 #1476

hola clementino,

viel spaß und freude beim argentinischen fussball - und pass gut auf dich auf!
als europäer findet man dort nicht nur freunde.
grüße boca von mir und einen schönen gruß an diego! :wink:

erwarte mit interesse und neugierde deine kommenden berichte!

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Re: Erfahrungen beim Fußball in Südamerika 01 Nov 2005 20:53 #1482

@ La Boca

Pass auf mich auf keine Sorge! Werde davon berichten! Diego habe ich ganz klein aber doch beim Boca Heimspiel gesehen! Werde die Gruesse ausrichten! :D

Um die Zeit ein wenig zu ueberbruecken, Berichte von einer sehr guten schweizerischen Groundhoppingseite (uebrigens nicht nur von Suedamerika)!
Gefunden bei - [url:15h8evy4] www.rosinenhopper.ch [/url]
Nuevo Chicago – Chacarita Juniors 1:1

Samstag 24.4.04 14:00 Uhr

Estadio José Amalfitani (Vélez Sarsfield), 13‘000 Zuschauer

Primera Division

Leider wurde das Spiel aus Sicherheitsgründen kurzfristig ins 50‘000 Zuschauer fassende Stadion von Vélez Sarsfield verlegt. Von den gutgezählten 13‘000 Fans waren etwa gut 5‘000 aus dem Norden von Buenos Aires angereist. Das Spiel war schlecht, die Stürmer vergaben die besten Torchancen, trotzdem guter Support in der ersten Halbzeit auf beiden Seiten. Nach der Pause konnte Chacarita ausgleichen und von da an hörte man nur noch deren Fans mit einem geilen 45minütigem Dauersupport. Nach dem Spiel sorgten 20 Minuten Stadionsperre für die Heimfans und 3-400 Bullen inkl. Polizeihelikopter und unzählige Pferde dafür, dass es keine 3. Halbzeit gab. Wir fuhren mit dem Zug zurück in die Stadt und machten uns nach dem vertilgen der ersten Chorizos und Quilmes schon bald wieder auf den Weg zum nächsten Spiel:
Independiente - Rosario Central 3:2

Samstag 24.04.04 21:10 Uhr

Estadio Doble Visera, 10‘000 Zuschauer

Primera Divison

Obwohl man bei der letzten Tour schon bei genau dieser Begegnung war und die Independiente Fans überhaupt nicht überzeugen konnten, wollte man es noch mal probieren, da es das einzige Spiel am Samstag Abend war. Das Spiel war ganz ansehnlich und nachdem die Roja‘s zweimal den Rückstand ausgleichen konnten und dann kurz vor Schluss gar noch den 3:2 Siegtreffer erzielte, war das Stadion am toben. Die etwa 400 Mitgereisten aus Rosario gingen in ihrem riesigen Auswärtsblock etwas unter. Bei unterdessen weniger als 10 Grad Lufttemperatur und ziemlich müde von der Reise, kam man dann nach der kurzen Taxifahrt um Mitternacht endlich ins Bett.
Estudiantes de La Plata - Boca Juniors 2:2

Sonntag 25.04.04 18:10 Uhr

Estadio Jorge Luis Hirschi, 23‘000 Zuschauer

Primera Division

Obwohl wir auch dieses Spiel letztes Mal schon gesehen hatten, wollten wir uns das Spiel der Runde nicht entgehen lassen. Da wir letztes Mal auf der Heimfahrt nach Buenos Aires von den Asozialen Bocas ausgeraubt wurden, nahmen wir nun ein Hotel in La Plata. Schon Stunden vor dem Anpfiff lag die ganze Innenstadt im Duft von gegrilltem Rindfleisch. Beim Geniessen von ein paar Bierchen konnte man zusehen, wie immer mehr blau-gelbe aus Buenos Aires in der Stadt ankamen. Das Stadion hat sich nicht verändert, nur die rostigen Stahltribünen sind noch rostiger geworden! Bald soll hier ein neuer 40‘000 Seater entstehen, aber bei der aktuellen Finanzlage des Landes kann das noch lange dauern... Der Auswärtsblock war mit 9‘000 Untermenschen gefüllt und auch der Rest des Stadions war proppenvoll. Estudiantes holte einen verdienten Punkt, doch die Stimmung konnte leider nicht ganz mit dem letzten Mal mithalten.
Defensores de Belgrano - Belgrano Cordoba 1:0

Montag 26.04.05 20:35 Uhr

Estadio Defensores de Belgrano, 700 Zuschauer

Nacional B

Zurück in der Hauptstadt stand heute das TV-Spiel der 2. Liga an. Aus dem etwa 700 km entfernten Cordoba waren immerhin 80 Leute angereist. Von den Heimfans waren etwa die Hälfte auf der kleinen Tribüne hinter dem Tor und zeigten zu unserer Überraschung 90 Minuten Dauersupport. Sogar bei diesem Spiel wieder gut 10 Minuten Blocksperre für die Heimfans. Die Polizei geht kein Risiko ein...

Da der Spieltag, der für Dienstag -Donnerstag angesagt war, ja bekanntlich verschoben wurde, die zwei Copa Libertadores Spiele irgendwo im Norden Südamerikas stattfanden und die Meisterschaftsrunde in Brasilien uns nicht unbedingt zu begeistern mochte, ging es für zwei Tage mit dem Bus nach Santa Fe und Parana zum Sightseeing und Bier vernichten. Mittwoch Nacht dann wieder mit dem Nachtbus zurück in die Capital Federal, da Donnerstag schon das erste TV-Spiel der nächsten Runde anstand:
Boca Juniors - Newell‘s Old Boys 1:1

Donnerstag 29.04.05 19:00 Uhr

Estadio La Bombonera, 30‘000 Zuschauer

Primera Division

Man zog die assligsten Kleider an, liess alles im Hotel, was ein wenig Wert hatte und machte sich dann auf mit dem Bus zum Stadion. Nach langer Suche fand man endlich den Fussball-Tempel inmitten dem alten Hafenviertel. Die Umgebung alleine würde ja noch so gehen, aber die blau-gelben Assos, die unzähligen streunenden Hunde und die einbrechende Dunkelheit liessen schon ein etwas mulmiges Gefühl aufkommen. Dazu sehr wenig Polizei: für was auch, die Diebe rauben sich ja nicht gegenseitig aus... Fast eine Stunde brauchten wir, bis die Kassenhäuschen gefunden wurden. Die beiden Kurven kosteten umgerechnet nur gut 4 Franken, doch wir entschieden uns natürlich für die mit 25 Franken nächstteurere Kategorie auf den Gegentribüne. So war man wenigstens im Stadion vom grössten Teil des Pöbels geschützt. Die Stimmung war zeitweise schon wirklich geil, aber auch die gut 1‘000 Jungs aus dem 400 km entfernten Rosario legten sich mächtig ins Zeug. Trotz dem Führungstor durch ex GC Spieler Barijho kam der Tabellenführer nur zu einem unverdienten Punkt. Nach dem Spiel gab es zu unserer Überraschung nur für die beiden Kurven Blocksperre. So schützen sie wohl die wenigen normalen Boca Fans vor dem eigenen Pöbel... Uns war es recht, konnten wir so recht sicher mit einem Taxi das Viertel verlassen.
Huracan - CAI 1:3

Freitag 30.04.04 15:30 Uhr

Estadio Tomas Adolfo Duco, 2‘000 Zuschauer

Nacional B

Ins Stadion des letztjährigen Erstligisten passen 50‘000 Leute und sieht aus wie eine riesige Salatschüssel mit extrem steilen Kurven, die rundherum geschlossen sind. Wegen der fast unmöglichen Anspielzeit von 15:30 Uhr während eines normalen Arbeitstages und dem miesen Tabellenplatz des Traditionsclubs kamen nur 2‘000 Leute, darunter 25 Gäste aus dem fast 2‘000 km entfernten Comodore Rivadavia. Die Huracan Supps waren 90 Minuten damit beschäftigt, die eigenen Spieler als Hurensöhne zu beschimpfen... Ganz übel!
Racing - Nueva Chicago 1:1

Freitag 30.04.04 21:10 Uhr

Estadio Presidente Juan Domingo Peron, 20‘000 Zuschauer

Primera Divison

Gemäss Zeitung waren für das abendliche TV Spiel der ersten Liga 600 Polizisten im Einsatz, da sich der Racing Pöbel im Moment eine Art Guerilla Krieg untereinander führt. Als wir die Kurve betraten, wurde dann auch schon ein Mann blutüberströmt aus dem Block gebracht. Als die rund 100 Mann des Heimpöbels den Block betreten wollte, wurden diese von den anderen aus der Kurve geprügelt... Ansonsten gehören die Racing Fans eigentlich zur zivilisierteren Sorte. Das Stadion fasst 64‘000 Zuschauer, ist als eines der wenigen Stadien in Argentinien grösstenteils überdeckt und liegt nur etwa 100 Meter vom verhassten Nachbarn Independiente entfernt. Heute waren etwa 20‘000 Heimfans anwesend sowie rund 2‘500 Away Supps. Der Favorit ging schnell in Führung, was das Stadion für ein paar Mal mächtig zum toben brachte. Doch schon bald glich der Aussenseiter aus und von da an hörte man nur noch die Gäste mit absolut geilem Dauersupport. Den Heimfans war die Lust wegen der katastrophalen Leistung der eigenen Spieler vergangen, die nach den zwei Unentschieden von Boca sogar wieder eine Chance auf den Titel gehabt hätten.

Am Samstag 1. Mai fand im ganzen Land kein Fussballspiel statt. Erst dachten wir, alle Bullen würden für allfällige Ausschreitungen benötigt, aber scheinbar will an diesem Tag einfach niemand arbeiten. Nicht mal die Sportzeitung wurde heute gedruckt. So nutzte man den schönen Tag für Sightseeing im Yachthafen Vorort Tigre.
Deportivo Moron - Tigre 0:0

Sonntag 2.05.04 11:00 Uhr

Estadio Francisco Urbano, 1‘500 Zuschauer

Primera B

Da das Spiel des Tages erst am Nachmittag war, konnte man morgens um 11 Uhr noch das 3. Ligaspiel Moron-Tigre mitnehmen. Moron hat schon bessere Tage erlebt und so kamen nur 1‘500 Zuschauer ins Stadion. Auch aus Tigre sind nur rund 200 Tigre Fans mitgekommen. Beim Auswärtsspiel vor einer Woche bei Atlanta hatten sie noch 2‘000 Leute im Stadion... Da das Polizeiaufgebot riesig war und die Moron Fans nicht grad den besten Ruf haben, setzte man sich auf der Tribüne. Das Spiel und die Stimmung war der Uhrzeit entsprechend langweilig. Man stelle sich vor, wir müssten Sonntag Morgen um 11 Uhr ins Stadion. Die Hälfte würde wohl noch kotzen...
Vélez Sarsfield - Independiente 0:0

Sonntag 2.05.04 15:10 Uhr

Estadio José Amalfitani, 25‘000 Zuschauer

Primera Division

Nach der Blocksperre ging's mit dem Zug vier Stationen zurück ins Viertel Liniers zum Klassiker Vélez-Independiente. Der Away Block war mit gut 10‘000 Roja‘s mehr als voll. Diese legten sich in der ersten Halbzeit mächtig ins Zeug und zeigten geilen Support. Von Vélez war eigentlich während 90 Minuten fast nichts zu hören. Das Spiel war wieder mal katastrophal, während 90 Minuten etwa 2 1/2 Torchancen, die dann auch noch anfängerhaft vergeben wurden und so sahen wir schon wieder kein Tor. Bei solchem Fussball ist es ein Wunder, dass überhaupt noch jemand ins Stadion geht. Aber sobald ein Spieler dreimal einen geraden Pass schlagen konnte, wird er nach Europa verkauft...
Universidad Catolica - Universidad de Chile 1:2

Dienstag 4.05.04 20:00 Uhr

Estadio Nacional de Chile, 15‘000 Zuschauer

Primera A

Wohl aus Sicherheitsgründen wurde das Stadtderby nicht im 20‘000 Zuschauer Stadion von Catolica ausgetragen, sondern ins 70‘000 Plätzer Nationalstadion verlegt. Beim Stadion dann auch jede Menge Polizei inkl. Wasserwerfer und Pferden. Zuerst wunderte man sich über die vielen Schwarzmarkthändler, konnte sich doch Catolica für die in zwei Wochen beginnenden Playoffs nicht mehr qualifizieren und somit erwarteten wir nicht allzu viele Zuschauer. Als man uns beim Eingang erklärte, dass es an der Abendkasse keine Tickets gäbe, wussten wir dann warum. Der erste Händler mit dem wir verhandelten, wurde von zwei rabiaten Polizistinnen fast verhaftet. Doch der Typ gab nicht auf und verfolgte uns. Er wollte für die Haupttribüne 40 Franken pro Ticket, das Doppelte des Normalpreises, was wir natürlich nicht zahlten. Doch der Typ verfolgte uns dauernd und mischte mit seinen Gringo-Rufen die ganze Meute ums Stadion auf, dass auch jeder wusste, dass wir Ausländer sind. So blieb uns nicht viel anderes übrig, als mit ihm zu verhandeln. Er konnte sein Glück kaum fassen, als wir ihm dann 26 Franken pro Ticket anboten. So konnte man dann doch noch das grosse Oval betreten.

Im Stadion waren hinter einem Tor rund 5‘000 Catolica‘s, hinter dem anderen Tor und auf der Haupttribüne etwa 10‘000 Universidad Anhänger. Zum Intro gab es auf beiden Seiten Choreo‘s und Pyro en masse und auch die Stimmung war genial, vor allem von Universidad de Chile, die unbedingt gewinnen mussten, um noch die Playoffs zu erreichen. Anfangs der zweiten Halbzeit dann endlich wieder ein Tor, das erste nach fast 300 Minuten torlosen Fussball! Von jetzt an war von den Catolica‘s nicht mehr viel zu hören.
Colo Colo - Palestino 2:1

Mittwoch 5.05.04 21:30 Uhr

Estadio Monumental, 3‘500 Zuschauer

Primera A

Colo Colo, klare Nummer 1 des Landes, war schon für die Playoffs qualifiziert, während die Palästinenser keine Chance mehr auf einen Platz unter den ersten acht hatten. Wenn das Spiel dann auch noch unter der Woche nachts um 21:30 Uhr stattfindet und live im TV übertragen wird, muss man sich nicht wundern, wenn nur ein paar ganz treue Seelen den Weg ins Stadion finden, das weit ausserhalb der Stadt liegt. Hier gab es zwar Tickets aber, bis man endlich die richtige Kasse gefunden hatte, verging wieder eine halbe Stunde! Das Spiel war ganz ordentlich und auch der Support der etwa 2‘000 Colo Colo Kids hinter dem Tor war den Umständen entsprechend sehr gut. Von den 25 Gästen war einzig eine Palästina Fahne zu sehen, aber kein Support zu hören.
River Plate - Vélez Sarsfield 1:0

Sonntag 9.05.04 11:10 Uhr

Estadio Monumental, 35‘000 Zuschauer

Primera Divison

Dieses Derby wurde auf 11 Uhr angesetzt, damit sich die River Fans nicht mit den Boca Fans in die Quere kommen. So machte man sich schon früh morgens auf den Weg durch die Nobelviertel zu den Millionarios. Wir nahmen Tickets für die Haupttribühne auf dem Oberrang, zwischen dem River und Vélez Fanblock. Stimmungsmässig konnten leider wie erwartet beide Seiten nicht überzeugen. Die River‘s sind einfach zu reich und die Vélez Fans scheinbar unfähig. Wenigstens schoss River in der zweiten Halbzeit noch das Führungstor, damit sie im Kampf um die Meisterschaft den Boca‘s auf den Fersen bleiben. Nach 25 Minuten Blocksperre fuhr man mit dem Taxi vom reichen Norden in den armen Süden der Hauptstadt:
Independiente - Boca Juniors 1:4

Sonntag 9.05.04 16:10 Uhr

Estadio Doble Visera, 45‘000 Zuschauer

Primera Divison

Da unsere spanisch Kenntnisse nicht ausreichend waren um zu verstehen, ob es am Spieltag noch Tickets für den Heimblock gab, ging man am Vortag auf Nummer sicher und holte da schon die Karten. Legia wollte auf Nummer ganz sicher gehen und kaufte Tickets für den teuersten Block auf der Haupttribühne, während Fischbein und ich Sitzplätze auf der Gegentribühne nahmen. Die Strassen waren schon zwei Stunden vor Anpfiff überfüllt mit Chorizo Grillständen, Souvenierverkäufern und Roja Fans. Boca Fans sah man keine, weil diese nur durch einen mehrere hundert Meter langen Rang auf der Rückseite beim Racing Stadion ins Stadion gelangen durften, abgeschottet von 1‘000 Polizisten.

12‘000 Boca Fans wurden auf die Away Stehrampe gelassen und diese war bis zum letzten Platz gefüllt. Kurz vor Anpfiff wurde in der Mitte des Blocks durch die La Doce Chefs einen Gang frei gemacht, damit der rund 1‘000 Mann Mob von Boca mit den Fahnen ins Stadion stürmen konnte. Auch der Rest des Stadions war mit gut 30‘000 Roten sehr gut gefüllt. Doch die meisten der Independiente Fans hätten sich nach 45 Minuten am liebsten erschossen, da Boca schon mit 3:0 in Führung lag, unter anderem durch zwei Tore von Barijho... Viele verliessen schon das Stadion, doch der Rest der Heimfans setzte zu einem Sinnlossupport der Marke 1a an!!! Das wussten die Boca‘s natürlich mit ebenfalls geilem Support zu kontern. Obwohl man sie als zivilisierter Mensch nicht mögen kann, sieht es halt schon geil aus, wenn 12‘000 Fanatiker im Block einen Pogo tanzen...! Während es auf unseren billigen Plätzen ruhig blieb, musste Legia von seinem teuren Platz flüchten, als der Independiente Mob nach dem 0:3 den eigenen Präsidenten ein paar Reihen neben Legia angriff und dann die Bullen den Block stürmten. Beim Versuch, die Polizisten zu fotografieren, durfte er auch noch den Schlagstock Punkt Argentinien sammeln...:-)
Estudiantes de La Plata – Boca Juniors 2:2
Freitag 26.11.99 21.10 Uhr
Estadio Luis Jorge Hirschi, 20‘000 Zuschauer

1. Liga, 16. Runde

Wieder zurück in Argentinien, führte die Reise gleich weiter nach La Plata. Diese Stadt liegt etwa 60 Kilometer von Buenos Aires City entfernt, ist aber gut mit der S-Bahn erreichbar. Das Rückfahrt Ticket kostete gerade einmal 5 Franken! Die Stadien von Estudiantes und Gimnasia y Esgrima La Plata liegen in einem Park, etwa 10 Minuten Fussmarsch vom Bahnhof La Plata entfernt. Beide Stadion bestehen aus einer kleinen Haupttribüne, drei Seiten rostigen Stahlrohrtribünen mit Stehplätzen und fassen 28'000 resp. 23'000 Plätze. Schon drei Stunden vor dem Spiel herrschte Sicherheitsstufe 1 auf den Strassen. Von den 20'000 Fans war mind. die Hälfte für Boca. Auf beiden Seiten herrschte geniale Stimmung. Sogar die Estudiantes Opas neben uns drehten völlig durch und kletterten das Absperrgitter hoch! Auf dem 8 Meter hohen Zaun hinter dem Estudiantes Tor standen drei Verrückte und feuerten die Heimkurve an!!! Für Boca war nach diesem Unentschieden der Zug zum Meistertitel wohl abgefahren. Boca-Spiele sind in ganz Argentinien etwas Besonderes, aber bei Heim- und Auswärtsspielen ist absolute Vorsicht geboten. Viele Boca Fans aus der Hauptstadt sind Diebe und Gauner!
Independiente – Rosario Central 0:1
Samstag 27.11.99 20.10 Uhr
Estadio Almte. Cordero, 5‘000 Zuschauer

1. Liga, 16. Runde

Independiente sammelte in diesem Jahrhundert weltweit am meisten internationale Titel. Das Team von Trainer Enzo Trossero ist im Vorort Avellaneda, nahe der City beheimatet. 150 Meter neben dem Stadion, das 57'000 Menschen Platz bietet und aus verschiedenartigen Tribünen besteht, liegt das super Stadion des grossen Rivalen Racing. Bei Derbys sind schon viele Fans umgebracht worden! Nur 5'000 Fans sind zum heutigen TV-Spiel gegen Rosario Central, ebenfalls ein Traditionsverein, gekommen. Die 400 Supporter aus dem Ort am Rio Parana fielen vor allem durch einige „Salerno-Bomben“ auf. Ansonsten war die Stimmung bescheiden. Das Spiel ging verdientermassen zu Gunsten der Gäste aus.
River Plate – Racing Club 1:0
Sonntag 28.11.99 15.30 Uhr
Estadio Monumental, 52‘000 Zuschauer

1. Liga, 16. Runde

River ist neben Boca der grösste Verein des Landes. Das Stadion fasst 75'000 Sitzplätze und ist im noblen Stadtteil Nunez beheimatet. Zu diesem Derby war es dann auch gut gefüllt. Unverständlicherweise wurden die Gäste-Fans im Oberrang platziert und konnten so jede Menge Gegenstände auf die rot-weissen im Unterrang werfen! Das Spiel fand bei 36 Grad im Schatten statt. Dementsprechend war auch das Tempo. Trotz zwei roten Karten gegen Racing-Spieler musste River am Schluss froh sein, das 1:0 über die Zeit gerettet zu haben. Leider waren die vielen noblen Home-Supps nicht so fanatisch, wie bei einigen 2. Ligaclubs. Als die 5'000 Racing Fans aus Avellaneda das Stadion verliessen, wurden sie von den Gegnern mit Steinen beworfen. Dies führte natürlich zu kleineren Ausschreitungen, da die Tore zu den Heimsektoren nur 10 Minuten blockiert wurden. Doch das grosse Polizeiaufgebot konnte Schlimmeres verhindern. Bei anderen Spielen wäre eine solche Aktion ausgeartet!
Chacarita Juniors – River Plate 4:4
Sonntag 5.12.99 17 Uhr
José Amalfitani (Velez Sarsfield), 40‘000 Zuschauer

1. Liga, 17. Runde

 Zum Abschluss unserer Tour stand nochmals ein absoluter Knaller auf dem Programm. Da das Stadion von Chacarita nur 24'000 Plätze fasst, wurde das Spiel nach langem Hickhack in den Ground von Velez Sarsfield verlegt. Der super Ground bietet 49'000 Leuten Platz und liegt im heruntergekommenen Stadtteil Liniers, gleich neben der gleichnamigen S-Bahn Station. Grosse, doppelstöckige Haupt- und Gegentribüne mit Sitzen und steile Stehplatz-Kurven hinter den Toren. Die Polizei war mit zwei Hubschraubern, sechs Wasserwerfern und über Tausend Polizisten im Einsatz. Das Spiel war Kult! Schon nach 11 Minuten stand es 2:2, dann verschoss River einen Elfer und kurz vor Abpfiff stand es noch 4:2 für den Gast. Doch nach einer roten Karte für den Leader glich der Aufsteiger Chacarita noch zum 4:4 Endstand aus. Somit ist der Meistertitel für River zwei Runden vor Saisonschluss wieder in Gefahr geraten. Von den 40'000 Zuschauern waren 2/3 für River. Doch wie schon beim Spiel gegen Racing konnten diese stimmungsmässig nicht überzeugen.


Gefunden bei - [url:15h8evy4] www.rosinenhopper.ch [/url]

Gibt es niemanden, der über Spiele in Brasilien berichten kann? Habe gehört, dass es Tote gegeben hat.

Hier der Auszug einer Pressemitteilung:

Drei Tote bei Ausschreitungen in Brasilien. Innerhalb von nur zwei Tagen hat es bei Ausschreitungen in Brasilien drei Todesopfer gegeben. Anderson Thomas, Anhänger vom Erstligisten Ponte Preta, wurde am Montag (17.10.05) beim Kauf einer Eintrittskarte für das Lokalderby gegen den FC Sao Paolo von 15 rivalisierenden Fans zu Tode geprügelt. Zwei Tatverdächtige wurden noch vor Ort festgenommen. Schon am Sonntag (16.10.05) kamen zwei Fans aus Sao Paulo ums Leben. Vor dem Klassiker gegen Corinthians wurde Palmeiras-Anhänger Diogo Lima mit einem Schuss in den Bauch tödlich verletzt, Corinthians-Fan Wellington Martins wurde bei Straßenkämpfen nach der Partie durch einen Kopfschuss getötet.

Clementino

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Re: Erfahrungen beim Fußball in Südamerika 02 Nov 2005 00:08 #1487

Oh la la - meu deus...
Qué grandioso!

Na Mensch, da gibt es ja mehr als reichlich zu lesen.
Ich traute meinen Augen kaum, ich dachte, ich scrolle mit der Maus ins Endlose... :wink:

Tolle Berichte. Morgen werde ich mal die Seite ausdrucken und in Ruhe lesen.

Hasta luego, Marco :D

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Re: Erfahrungen beim Fußball in Südamerika 02 Nov 2005 02:57 #1488

Hier ein paar weitere Berichte:

Quelle: [url:2locv2e6] www.sio96.at.tf [/url]
5. April 2001  1:0  
Estadio José Amalfitani  1500  

Dann endlich das erste Match: Unter der Woche fand gerade eine Runde des Libertadores Cup, der Uefa-Cup in Südamerika, statt. Uninteressant in der Vorrunde, entsprechend leer sind auch die Stadien, aber zur Einstimmung gerade richtig. Gerade einmal 1.500 Fans verirrten sich im riesigen Stadion von Velez Sarsfield, dennoch eine gute Atmosphäre. In Argentinien gibt es noch echte Kurven, steile, imposante Stehplatztribünen hinter den Toren - wirklich mächtig. Das Match war eher durchwachsen, ich war nur überrascht, was für eine Atmosphäre 1500 Hansln erzeugen können, wirklich eine lässige Mentalität. 

Interessant war der Ablauf vor dem Spiel: Zuerst kommt das Schirigespann, dann das Gästeteam durch einen eigenen Korridor und dann die Heimelf - das Vorspiel wird wirklich zelebriert. Wir vertschüssten uns ein paar Minuten vor dem Schlußpfiff, so aufregend wars nicht, um uns dann mit dem Bus zwei Stunden lang zu verfahren. Der spanischen Sprache nicht mächtig, Buenos Aires ist riesig groß, das öffentliche Verkehrsnetz kaum zu durchschauen, und schon war es um uns geschehen. Kurz vor Mitternacht fanden wir uns in den tiefsten Slums von ganz Argentinien wieder - zwei Touristen mit Photoapparat, wirklich unauffällig. Glücklicherweise ist nix passiert! 
7. April 2001  3:1  
Nuevo Gasómetro  18.000  

Wir lernten aus unseren Fehlern, und nahmen zu dieser Abendpartie ein Taxi. Ein weiser Entschluß, denn das Nuevo Gasómetro ist nicht nur am Orsch von Buenos Aires, sondern auch in der tiefsten Gegend der Hauptstadt. Wirklich ungemütlich dort! Aber gut, so konnten wir uns gleich aufs Derby vorbereiten, sprich vor dem Stadion mundhalten und Kamera verstecken. Wir checkten uns wieder die teuersten Karten auf der Haupttribüne (nur per Aufzug zu erreichen). Ich würde es wirklich keinem noch so erlebnisorientierten Nicht-Argentinier raten, dort auf einen Stehplatz (sprich die Populares) zu gehen, noch dazu mit Freundin. Fussball ist dort der Sport der Armen, die Armen sind auf den Populares, und die haben wirklich nichts mehr zu verlieren. Entsprechend schnell ist man seinen Photoapparat, Uhr oder sonstige Dinge los - verständlich! 

Das Spiel selbst war vom Feinsten. Geile Stimmung, die San Lorenzo Kurve war mit rund 7.000 restlos ausverkauft. Aber auch die paar Hundert Colon-Fans gaben mächtig Gas! Lange, aggressive Schlachtgesänge - eine perfekte Mischung. Ein Doppelschlag anfang der zweiten Halbzeit entschied die Partie für San Lorenzo, ab diesem Zeitpunkt wurde nur noch gesungen und gehüpft. Wer singt, der muss auch hüpfen und mit den Händen wild in der Luft herumfuchteln, das verlangt die Mentalität. Ob ein 80jähriger Großvater, oder ein 10jähriges Mädel - die Emotionen leben alle dort gleich aus. Mächtig! 
8. April 2001  3:0  
La Bombonera  56.800  

Dann war es endlich soweit, der 8. April 2001! Schon um 7 Uhr in der Früh mußte ich aus den Federn, zu groß war die Nervosität, zu groß die Anspannung - an schlafen konnte ich wirklich nicht denken. Seit einer Woche gab es in ganz Buenos Aires kein anderes Thema mehr als Boca vs. River - "El Superclasico". Schon Tage zuvor, waren in den Zeitungen diverseste Stadionpläne zu sehen. Die Bomonera, oder auch Chocolate Box genannt, liegt inmitten von La Boca, einem Armenviertel. Rund um das Stadion, ein Schmuckkästchen, gibt es viele kleine, enge, verwinkelte Gassen - ideal für die Fangruppen, um ihren Krieg auszutragen. Die Pläne in den Gazzetten zeigten von wo die Fans sich dem Stadion nähern durften - der ganze Stadtteil wurde abgeriegelt. In La Boca herrschte Ausnahmezustand, wie immer beim Superclasico. Das Aufgebot der Polizei konnte sich sehen lassen: 800 Polizisten, 10 Spezialeinheiten, 12 berittene Einheiten, 20 Mottorad-Bullen, 1 Helicopter und zwei Wasserwerfer. Dazu vier Ambulanzen, doch die sollten bei weiten nicht ausreichen. 

 Wir hatten uns perfekt auf das Derby vorbereitet. Allen Warnungen zum Trotz wollte ich mir diesen Klassiker natürlich nicht entgehen lassen. Ohne Gürtel (wird gern als Waffe eingesetzt, und teilweise bei den Eingängen abgenommen), mit zerfetzten Jeans, kaputten Schuhen - also wie die ärgsten Sandler, und natürlich ohne Farben, machten wir uns vier Stunden vor dem Anpfiff auf dem Weg zum Stadion. Wir wollten nicht auffallen, und als einer der ersten im Stadion sein. Wir hatten Karten für 140 $, also mehr als 2300,- ATS, ein Arbeitskollege meines Vaters organisierte uns die Tickets - noch dazu gratis. Danke dafür! In der Hoffnung Logenkarten zu haben (um den Preis), und möglichst früh dort zu sein, nahmen wir den Linienbus (diesmal kannten wir den Weg) zum Stadion. Falsch gedacht! Wir hatten weder Logentickets, sondern "normale Tribünenkarten" (für das Spiel wird der normale Kartenpreise einfach verfünffacht) und rund ums Stadion war bereits die Hölle los. La Boca war wahrhaftig abgeriegelt. Zwischen den Fangruppen wurden zwei Straßen abgesperrt, innerhalb der Absperrung standen die Wasserwerfer bereit - die Polizei glaubte sich vorbereitet. Und im Stadion? Dort waren die Kurven bereits bumm voll. Unpackbar was sich dort abgespielt hat. 

 Kurz zur Einteilung des Stadion: Die Bombonera besteht aus einer kompletten Logentribüne (Längsseite), dann zwei Stehplatzkurven (bestehend aus drei Rängen, und unglaublich steil) hinter den Toren, und einer Haupttribüne (Sitzer, ebenfalls drei Ränge) auf der anderen Längsseite. Wir hatten unsere Plätze im zweiten Rang der Haupttribüne, gleich bei der Boca-Kurve. River hatte den zweiten und dritten Rang einer Stehplatzkurve, darunter (!) standen weitere Boca-Fans. Die Aufteilung: 48.000 Boca-Fans, 8.000 River-Fans. 

Mehr als zwei Stunden vor dem Hauptspiel wurde das Vorspiel, die Reserveteams von Boca und River trafen aufeinander, angepfiffen. Zu diesem Zeitpunkt waren die Kurven voll. Sorry, aber was soll ich schreiben, es wurde gesungen, gesprungen, geschimpft und das alles mit einer Lautstärke und einer Inbrunst, da verblaßt ein Römer-Derby, genauso wie ein Manchester oder Londoner Derby! Einfach einzigartig, nicht in Worte zu fassen. Neben der Lautstärke und den variantenreichen Liedern, die alle 50.000 durchgehend hüpfend mitsingen, beeindruckt vorallem die Mentalität, wie diese Menschen mitleben. Dazu noch dieses enge, steile Stadion - wirklich ohne Worte. Imposant war auch was sich rund eine Stunde vor dem Anpfiff in der Boca-Kurve abspielte. Von ganz unten führte eine Polonaise bis rauf in den dritten Rang, dann gab es ein lautes "Bumm, Bumm" (zwei Trommelschläge), und plötzlich springt das ganze Stadion auf, teilweise sogar auf die Sitzer und beginnt hüpfend über zwei Minuten ein Lied zu singen, das mit River-Beschimpfungen endete. Was war passiert? Zuvor hatte die Kurve ihren Trommler stilgerecht begrüßt und dann das gesamte Stadion die Hymne gesungen (geil!)! 

Der nächste Höhepunkt ereignete sich unmittelbar nach dem Vorspiel! Aufgrund der traditionell schweren Ausschreitungen beim Superclasico appellierte die Liga an die Fans, ihren Krieg (das ist wirklich Krieg, und nicht bloß eine Phrase) zu beenden. Wie? Mit einem Transparent gegen Gewalt auf der Mittelauflage, und Kindern in Boca- und River-Dressen, die händehaltend, und winkend eine Stadionrunde laufen. Die Reaktion war animalisch! Ein gellendes Pfeifkonzert, von beiden Kurven, der Haupt- und der Logentribüne, und alles was man schmeißen konnte, flog - auf die Kinder. Einfach nur Haß pur! 

Dann der Einlauf der Teams: Zuerst kam Boca! Ich warte natürlich auf den legendären, traditionellen Konfettiregen, allerdings konzentrierte ich mich mit der Kamera auf der Kurve. Falsch! Die Paperschnipsel kamen von der Hautptribüne runter. Für Sekunden "schneite" es plötzlich in Buenos Aires. Die Tribüne war plötzlich weiß! Die River-Fans präsentierten beim Einlauf ihrer Mannschaft eine gelungene rot-weiß-rote Choregraphie, dazu lange Bänder, und ebenfalls einen Konfettiregen. 

 Boca hatte den Ankick und wollte River überraschen. Von der Auflage weg, spielte Superstar Riquelme einen weiten Pass in die Spitze - ein zu weiter Pass. Doch gerade als River-Goalie Costanzo den Ball locker aufnehmen wollte, kam Boca-Stürmer Barijho angerauscht - mit zwei gstreckten in Kniehöhe. Bei uns Dunkelrot, und Sperre für ein Jahr, doch bei Boca - River ließ der Schiri weiterspielen, und er war gut beraten damit. In der ersten Hälfte war das Spiel sehr ausgeglichen, der Tabellenführer River hatte ein wenig mehr vom Match. Es war ein schnelles, aggressives, teilweise brutales und spannendes Spiel - nur die Tore fehlten. Nicht lange! In der 65. Minute zog Boca-Verteidiger Ibbara aus 25m ab - der Ball paßte genau ins Kreuzeck. 1:0 für Boca, die Bombonera bebte. Wenig später erhöhte Riquelme per Elfmeter-Nachschuß auf 2:0 (70.), und Schelotto fixierte erneut per Penalty den 3:0 Endstand (82.). 

Was sich dann im Stadion abspielte ist nicht zu beschreiben, sinnlos irgend etwas in Worte zu fassen. 50.000 geisteskranke Gauchos zuckten vollkommen aus, ließen sich vollkommen willenlos wirken - es war orgasmatisch! Wild fremde Menschen lagen sich in den Armen, einige weinten, andere bekreuzigten sich, aber alle hüpften, sangen, schrien und strahlten - es war orgasmatisch (wenn es das Wort überhaupt gibt). Und die River Fans? Die sammelten die Reste ihrer Choreographie, zündeten den Papier-Haufen an, und warfen einzelne Feuerbälle auf die Boca-Fans unter ihnen. Die Polizei, im Stadion übrigens kaum vorhanden, sah zu. Vollkommen krank! Apropos krank: Die Spielerbänke waren vor der Logentribüne, dennoch mußte der River-Coach Gallego, immer wenn er sich von seinem Platz erhob um Anweisungen zu geben, unter den Schildern zweier Polizisten, die Gallego auf Schritt und Tritt begleiten mußten, Deckung suchen. Von der Ehrentribüne (!) hagelte es sonst Wurfgeschosse. Diego Maradona ließ sich dann noch, von seiner Loge aus, von den 50.000 Boca-Fans feiern, und er zelebrierte den Boca-Triumph. Mit nacktem Oberkörper, sein Leiberl über den Kopf schwingend, heizte der die Stimmung von der Ehrentribüne aus an - vollkommen krank, und daher so genial! 

 Unmittelbar nach dem Schlußpfiff, Boca gewann 3:0, beeilten wir uns mit dem Taxi Richtung Hotel, um uns die 3. Halbzeit im TV anzuschauen. Und es gab eine dritte Halbzeit. Während die Boca-Fans auf der einen Seite der Stadions feierten, war auf der anderen Seite der Krieg ausgebrochen - River-Fans stürmten die Polizei. Wir waren live dabei, denn die Argentinier haben extra für solche Anlässe eine eigenen TV-Sender, der seine Kameraleute mit schusssicheren Westen an die "Front" schickt - krank! 

Die Polizei war zu sehr damit beschäftigt, die beiden Fangruppen zu trennen, geriet so in einen Hinterhalt. Die River Fans stürmten ca. 50 chancenlose Polizisten von zwei Seiten. Die Polizisten verschanzten sich hinter einer Mauer und hofften auf die Wasserwerfer. Inzwischen flogen Steine und Feuerbälle, einige Polizisten benutzten in ihre Panik sogar scharfe Munition (zwar auf die Beine, aber dennoch). Ein fürchterlich blutender River-Fan wurde sekundenlang in Großaufnahme im TV gebracht, geholfen hat ihm niemand. Die Bilanz: 1 Toter, über 100 Verletzte und über 100 Festnahmen. 

Auch in Belgrano kam es an diesem Wochenende zu schwersten Ausschreitungen. Fans wollten das Spielfeld stürmen, hatten den Zaun schon niedergerissen gehabt, nur diesmal war die Polizei schneller. Sie "säuberten" vom Spielfeld aus per Wasserwerfer die gesamte Kurve - erfolgreich!
11. April 2001  3:2  
El Monumental  15.000  

Nur drei Tage nach der unverzeihlichen Derby-Pleite der nächste Auftritt von River, und wieder ein Derby, wenn auch nur ein kleines. Vorweg: River Plate, die Millionarios, waren zu diesem Zeitpunkt überlegener Tabellenführer, dennoch sollte sich an diesem Abend eine etwas eigenartige Atmosphäre ergeben. Nur 15.000 Fans fanden nach der Derby-Schmach den Weg in das riesige Nationalstadion von Buenos Aires. Die Kurve war gut gefüllt, die Haupttribüne relativ voll, der Rest war leer. In der Kurve hingen jede Menge Spruchbänder mit dem Namen von Trainer Gallego. Wie gesagt, ich kann kein Wort spanisch, aber schon bald war auch mir klar, was da draufstand. 

 Nochmals: River war überlegener Tabellenführer. Das Match beginnt, und im Stadion ist es still. Kaum ein Schlachtgesang, auf den Stehplätzen sitzen die Leute teilweise - eigenartig. Das Spiel selbst war sehr gut. Abwechslungsreich, schnell, hohes Niveau, also echt eine gute Partie. Der Höhepunkt erfolgte jedoch mit dem Pausenpfiff: Der Schiri pfeift ab, plötzlich springen 15.000 River-Fans auf und beginnen mit ihren Gesängen - mächtig. Ein Lied folgt dem nächsten. Die Leute springen, singen - so wie ich es in Argentinien kennengelernt habe. Doch kaum kommen die Spieler wieder aus den Katakomben - Stille. Schlagartig sind alle wieder ruhig, auch die gesamten zweiten 45 Minuten. Und das obwohl River Argentinos Juniors mit 3:2 niederringt. Der Grund für den Fanstreik ist klar: Das Derby wurde mit 0:3 verloren, trotz Tabellenführung, der Kopf des Trainers wird gefordert. Skurril, aber irgendwie genial! 

Nach knapp zehn Tagen war dann auch für uns der Urlaub in Buenos Aires zu Ende: 5 Spiele in 10 Tagen, darunter El Superclasico, sollte reichen. Mein Fazit: Ein Derby hat eigene Gesetze, vor allem in Buenos Aires, dort gibt es dann nämlich vorübergehend keine Gesetzte. Und zum Derby selbst: Einfach orgasmatisch! Nicht in Worte zu fassen! Aber vollkommen krank! 

Borti

Quelle: [url:2locv2e6] www.sio96.at.tf [/url]

Clementino

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