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THEMA: Ostdeutschland

Re: Ostdeutschland 14 Jul 2006 12:09 #4464

Ja, das klingt alles ueberzeugend. Ich denke Marco, das du den Nagel auf den Kopf triffst. Vorallem, weil ich als Schweizer sicherlich eine andere Wahrnehmung habe. Es kann auch gut an den sprachlichen Unterschieden liegen. Bei uns ist ein gut aehnlich viel Wert wie ein supertoll in Deutschland...:P

Ich will hier betonen, dass ich alles etwas spitz, etwas ueberzogen formuliere, ich will ja niemanden kraenken. Dennoch braucht es diese Schaerfe, damit man versteht was ich meine und damit man mir widersprechen kann. Ich hoffe schon, dass ihr mir nachher den Kopf waescht... :wink:

Ein anderer Teil kommtzu kurz, den ich fairerweise auch erwaehnen muss. Es gibt auch die anderen Sachsen, die voellig aufgeschlossen sind und nichts mit dem Klischee zu tun haben, das ich unten entworfen habe. Wohl die unauffaellige Mehrheit. Und ich will auch nicht den Eindruck vermitteln, dass ich hier nicht willkommen waere. Im Gegenteil. Mir gegenueber waren alle sehr gastfreundlich und ich verbringe hier eine schoene Zeit. Aber wie heisst es doch so schoen. Von neun positiven und einem negativen Satz bleibt dir der negative in Erinnerung. Trotzdem, je laenger ich hier bin desto mehr bin ich ueberzeugt, verzeiht mir den Ausdruck, 'Westdeutschland' mit dem Osten einen Rucksack voller Steine angehaengt bekommen hat. Natuerlich betrifft das nur einen Teil der Bevoelkerung. Sogar ein cooler Typ aus Torgau meinte, dass du '40 der 'Ossis nicht brauchen kannst' und er sich fuer diese schaemt. Und ich bin aber je laenger desto mehr ueberzeugt, dass es nicht nur zwischen Ost und West, sondern auch innerhalb des Ostens grosse Unterschiede gibt.

Was hat der Typ in der ARD gemeint, als Bush zu Besuch kam. "Frueher wars besser, heute darf man ja nichts mehr sagen". Und genau das erlebe ich hier! Der unterschwellige Groll auf den Westen, das Nachtrauen an ein Konstrukt, das nicht ueberlebensfaehig war und was darf man nicht mehr sagen? Da kann es nur um die Fremdenfeindlichkeit gehen (sonst darf man ja alles sagen), die ich hier an der WM zu meiner grossen Enttaeuschung miterleben durfte. Das waren keine Glatzen, das waren Studenten, Buerger.

Natuerlich macht die Arbeitslosigkeit aus normalen Buergern andere Menschen. Tiefes Lohnniveau etc. Das musste ich zum Glueck noch nie erleben.

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Re: Ostdeutschland 21 Jul 2006 10:50 #4486

Vielen Dank auf jeden Fall für deine interessanten Schilderungen!
Ich hatte dich ja bereits kennengelernt, Kalleman, undich weiß, dass du nicht übertreibst.
Es ist spannend, von einem Außenstehenden mal so eine Sicht der Dinge zu hören. Du kamst ja völlig voreingenommen aus der Schweiz und gingst völlig neutral an die Sache heran.
Ich würde ja in Leipzig alles mit anderen Augen sehen.
Aber so zum Beispiel sah ich in der Schweiz Dinge, die Dir kaum auffallen würden. Das ist alles schon sehr interessant.
Wie facettenreich bereits Europa sein kann, unglaublich...

Es grüßt Marco :D

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Re: Ostdeutschland 21 Jul 2006 20:30 #4490

Ja, absolut. Aber ich komm jetzt gar nicht mehr draus. In den letzten Tagen hat sich mein Bild nochmals völlig gedreht. Ich hab richtig viele Leute kennengelernt, aus Brandenburg und Anhalt. Die waren völlig offen, aktiv, aufgeschlossen. Unglaublich, wie locker hier das Gespräch lief.

Ich bin verwirrt. De facto hab ich keine Ahnung mehr, was ich über Ostdeutschland denken soll.

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Re: Ostdeutschland 25 Jul 2006 12:48 #4505

Na siehste, jeht doch...
Und dein Besuch in Ostberlin wird dem ganzen noch die Krone aufsetzen, wirst sehen... :D

Marco 8)

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Re: Ostdeutschland 06 Aug 2006 10:14 #4558

Hallo Kalleman,

nun bist du ja wieder in der Schweiz, hast etwas Abstand - und wie lautet nun dein Resumé?

Grüsse aus Berlin von Marco :D

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Re: Ostdeutschland 21 Aug 2006 20:47 #4623

naja, so manchmal sind die ostdeutschen schon etwas durchgeknallt.
aber die schweizer haben manchmal auch einen am deckel... :lol: :lol: :lol:

julia :roll:

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Re: Ostdeutschland 30 Aug 2006 11:55 #4678

Nun auch aus zeitlicher Distanz betrachtet scheinen mir der Ostdeutsche doch recht unterschiedlich im Vergleich zu Westdeutschen.

Dabei darf man natürlich den historischen Kontext nicht aus den Augen lassen. Die 50 Jahre DDR sind nicht spurlos vorbeigegangen. Dabei verstehe ich durchaus den Frust einiger Ostdeutschen. Im Westen tut man so, wie alles schlecht war in der DDR. Das trifft natürlich nicht zu.

Augenscheinlich ist die Entwicklung der Städte! Es ist unübersehbar, dass den ostdeutschen Städten eine Entwicklungsstufe fehlt. Mit Ausnahme von Berlin wirken auch Leipzig und Dresden eher wie Kleinstädte auf dem Lande. Dann kam die Wende und den Ostdeutschen wurde gesagt, dass alles in der DDR falsch war. Doch noch schlimmer. Während es in der DDR keinen Konkurrenzkampf um Arbeitsplätze gab und der Mitarbeiter kein Konkurrent sondern ein Kumpel war, hatten sie natürlich nach der Wende gegen die Westdeutsche Konkurrenz keine Chance. Zudem ja der Westen auch dafür gesorgt hat, dass unliebsame potentielle ostdeutsche Konkurrenz schnell mal verschwindet.

Doch das ist bald 20 Jahre her und mich hat es erstaunt, dass die DDR in den Köpfen der Menschen überdauert hat. Zumindest in einem Teil. Das positive daran ist, dass mir die Ostdeutschen viel solidarischer vorkamen. Mir erscheinen Westdeutsche doch viel egoistischer. Aber auch die negativen Eigenschaften haben überdauert und zu meiner grossen Enttäuschung auch bei den Jungen!
Dies wurde mir klar, als ich mit Leipziger ins Gespräch kam, die mittlerweile in den Westen abgewandert sind.
Sie beklagten, dass 'Ossis' Drückeberger sind, was ich absolut bestätigen kann. Nur schon in meinem Wohnheim haben sich meine ostdeutschen Mitbewohner vor jeder Arbeit gedrückt. Ganz zu schweigen von den Studentenwerkmitarbeiter, die sich teilweise gar versucht haben sich um eine einfache Antwort zu drücken. Auch die völlig fehlende Eigeninitiative ist fatal, was natürlich zu Drückebergern gehört. Ich will und kann die politische Leistung nicht beurteilen, aber Eigeninitiative ist nunmal die Basis einer jeden Wirtschaft.
Mir persönlich machte ihre Ausdruckslosigkeit zu schaffen. Die Menschen wirkten so emotionslos. Keine Freude in den Gesichtern zu erkennen, keine Neugier, kein Interesse und dies bei der jungen Generation! Ich frage mich, ob diese Jugendlichen überhaupt Träume haben oder Wünsche. Freuen die sich überhaupt am Leben? Mag sein, dass die Lage in Ostdeutschland trostlos ist, doch das ist sie in Afrika auch und trotzdem sieht man die Menschen lachen. Zudem sind es die Menschen, die etwas aus ihrer Heimat machen.

Im gewissen Sinne wurden die ostdeutschen sicherlich auch betrogen oder wohl besser gesagt, übertölpelt, vom Westen überfahren. Aber ist es wirklich schlechter als vor der Wende, wie viele Ossis immer wieder beklagen? Für mich klingt das eher wie eine faule Ausrede, so drücken sie sich erneut vor der Verantwortung.

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