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Bahnrad-Weltcup: In Pruszkow und Manchester führt der BDR jeweils den Medaillenspiegel an

Autor: Bernd Mülle     veröffentlicht am 16 November 2017    
 
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erfolgreiche BDR-Athleten beim Weltcup
Foto: Arne Mill

Die ersten beiden Weltcups im Bahnradsport unmittelbar nach den Europameisterschaften im Berliner Velodrom haben gezeigt, dass der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) seinen Platz in der Weltelite nach wie vor  innehat. Während in Pruszkow der Medaillenspiegel vom BDR mit drei Gold- und zwei Silbermedaillen angeführt wurde, waren es in Manchester neben einer Silber- gar vier Goldmedaillen, die die deutsche Mannschaft als erneut bestes Team erringen konnte. Dazu kam noch eine Silbermedaille für das Track-Team Brandenburg durch Eric Engler im 1000 m Zeitfahren. Da gab es natürlich allerorts zufriedene Gesichter, zumal es in Pruszkow in der Mannschaftsverfolgung in der Besetzung Felix Groß, Theo Reinhardt, Nils Schomber und Domenic Weinstein in tollen 3:57,778 Minuten hinter Italien einen hervorragenden zweiten Platz gab, der die kontinuierliche Entwicklung im Hinblick auf Olympia 2020 unterstrich. Das deutsche Flagschiff, der früher jahrzehntelang äußerst erfolgreiche Bahnvierer, knüpft offensichtlich an alte Zeiten an und lässt dabei trotz des sechsten Platzes beim zweiten Weltcup in Manchester, als Maximilian Beyer seinen Berliner Landsmann Theo Reinhardt ersetzte, den BDR durchaus optimistisch in die Zukunft schauen.

 

Polen

Im Ausdauerbereich waren weitere Fortschritte zu verzeichnen, die sich in guten vierten Plätzen in der Mannschaftsverfolgung der Frauen in Pruszkow durch Charlotte Becker, Franziska Brauße, Lisa Klein und Gudrun Stock sowie in der Einzelverfolgung durch Gudrun Stock ausdrückten. In Manchester erreichte Maximilian Beyer im Omnium ebenfalls einen hervorragenden vierten Platz hinter so starken Fahrern wie Benjamin Thomas aus Frankreich, Niklas Larsen aus Dänemark und Albert Torres aus Spanien und unterstrich dabei seine Ambitionen für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr im niederländischen Apeldoorn. Gegen einen Lucas Liss, nur 13. in Pruszkow, dürfte er dabei zur Zeit über die weitaus besseren Karten verfügen. Das Programm von Maximilian Beyer in Großbritannien mit zusätzlichen Einsätzen in der Mannschaftsverfolgung und im Madison an der Seite von Domenic Weinstein war alles andere als leicht, dabei zeigte sich aber deutlich, dass auf den jungen Berliner jederzeit Verlaß ist und er im Ausdauerbereich in jede Bresche springen kann. 

Madison

Zu äußerst schönen Hoffnungen berechtigt der jüngste Fahrer im deutschen Team, der 1998 geborene Felix Groß, der sowohl in Pruszkow als auch in Manchester mit großartigen Leistungen aufwartete. Er scheint schon in der Mannschaftsverfolgung eine feste Größe zu sein und unterstrich sein großes Talent in Manchester auch im 1000 m Zeitfahren, wo er in ausgezeichneten 1:01,512 Minuten einen respektablen 9. Platz unter 22 Startern belegte. Zu den von ihm getragenen, legendären grünen Socken von Joachim Eilers fehlte nur noch der grüne Helm seines Vorbildes und dann wäre vielleicht eine noch schnellere Zeit möglich gewesen. Spaß beiseite, aber der junge Mann geht genau den richtigen Weg und kann dabei auf unsere europäischen Nachbarn u.a. aus Großbritannien oder Dänemark schauen, die immer wieder sehr junge Rennfahrer an die internationale Spitze im Bahnradsport heranführen. So verfügt zum Beispiel Dänemark mit Niklas Larsen, Julius Johansen oder Casper von Folsach über junge Talente, die jetzt schon in der Lage sind, im Elitebereich Akzente zu setzen, während in Großbritannien im Ausdauerbereich auch diverse veranlagte Fahrer wie der erst 21-jährige Oliver Wood sowie der 22-jährige Mark Stewart schon etabliert oder Talente wie der 19-lährige Ethan Hayter, der gleichaltrige Matt Walls oder der 20-jährige Matthew Bostock auf dem Sprung sind.

Weltcup

Vier weitere Briten aus Derby, alles reine Amateure, schrieben in Manchester in der Mannschaftsverfolgung ein eigenes Kapitel und fuhren mit einer völlig anderen Taktik nahezu sensationelle Zeiten. Unter den 15 Teams, die am Start waren, belegten Jonathan Wale, Jacob Tipper, Daniel Bigham und Charlie Tanfield in 4:00,448 Minuten in der Qualifikation einen ausgezeichneten fünften Platz als Team KGF, um in der 1. Runde die Belgier mit 3:58,134 Minuten auszuschalten und schließlich im Finale um Bronze gegen Frankreich äußerst knapp zu verlieren. Dabei fungierte jeweils Jacob Tipper als Anfahrer, der nach einer Runde die Führung an Jonathan Wale abgab, der dann nicht weniger als sechs (!) Runden von vorne fuhr und danach den Weg für die restlichen drei Fahrer freimachte. Immerhin sind die Jungs amtierende britische Meister und von daher ist diese Taktik durchaus mal eine Überlegung wert. Ein Integrieren eines Joachim Eilers in den deutschen Vierer wäre doch mal einen Versuch wert. 

Vogel

Garant der deutschen Erfolge bei den ersten beiden Weltcups waren aber wieder einmal die Fahrer-/innen des Kurzzeitbereiches, obwohl dort einige Nationen wie zum Beispiel die vom Ex-Weltmeister Bill Huck aus Berlin trainierten Niederländer erhebliche Fortschritte gemacht haben. Aber über allen thront eine Kristina Vogel, die sich derzeit in der Form ihres Lebens befindet und nahezu unschlagbar scheint. In Pruszkow gewann sie neben Sprint und Keirin auch den Teamsprint mit Pauline Sophie Grabosch und auch in Manchester siegte sie in allen drei Wettbewerben, wobei im Teamsprint Miriam Welte ihre kongeniale Partnerin war, die auch im 500 m Zeitfahren mit Silber hinter der Russin Daria Shmeleva glänzte. Die männlichen Kurzzeitathleten des BDR konnten ebenfalls überzeugen und erzielten in Polen mit Joachim Eilers im Keirin einen zweiten Platz hinter dem Niederländer Matthijs Buchli sowie einen guten vierten Platz im Teamsprint mit Robert Förstemann, Tobias Wächter und Joachim Eilers, die dann in Manchester mit Maximilian Levy anstelle von Tobias Wächter sogar den Sieg herausfuhren. Dabei fuhren sie als Dritte der Qualifikation 43,363 Sekunden, steigerten sich in der 1. Runde gegen Tschechien auf 43,129 Sekunden und erzielten im Finale gegen den Beat Cycling Club aus den Niederlanden mit 43,095 Sekunden nochmals eine Zeit, die lediglich in der Qualifikation vom Nationalteam der Niederlande mit 42,967 Sekunden noch übertroffen wurde. 

Eilers

Der BDR kann nach diesen Erfolgen den weiteren Weltcups im Dezember in Milton/Kanada und Santiago/Chile sowie im Januar in Minsk/Weißrussland mit der nötigen Ruhe gepaart mit gesundem Selbstvertrauen entgegensehen. Abgerechnet wird dann bei den Weltmeisterschaften in Apeldoorn, die vom 28. Februar bis zum 04. März 2018 stattfinden und für den BDR ein weiterer Meilenstein auf dem Weg nach Tokio 2020 sein werden. 

Text: Bernd Mülle

Fotos: Arne Mill

> zur turus-Fotostrecke: Bahnrad-Weltcup in und Manchester

Inhalt der Neuigkeit:
Rennbericht
Radrennen-Art:
Bahnradsport
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