Sixday Serie startet in London mit Sieg der Australier Cameron Meyer/Callum Scotson

Autor: Bernd Mülle     veröffentlicht am 02 November 2017    
 
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Cameron Meyer bei der Bahn-WM 2017
Foto: Arne Mill

Nachdem im Sommer in Italien zwei Sechstagerennen zur Austragung kamen, die von den Franzosen Morgan Kneisky/Benjamin Thomas in Fiorenzuola und den Italienern Elia Viviani/Francesco Lamon in Turin gewonnen wurden, startete nun in London die im letzten Jahr begonnene Sixday Serie der Madison Sports Group aus Großbritannien und damit offiziell die Sechstagesaison 2017/18. Am Start waren 16 Teams mit Spitzenfahrern wie Mark Cavendish aus Großbritannien, Cameron Meyer aus Australien, Albert Torres und Sebastian Mora aus Spanien, Yoeri Havik aus den Niederlanden sowie den Siegern der Londoner Sixdays 2015, 2016 und der Gesamtwertung der letztjährigen Serie Kenny de Ketele/Moreno de Pauw aus Belgien. Ferner am Start waren im Rahmenprogramm die Sprinter mit den starken Neuseeländern Edward Dawkins und Ethan Mitchell sowie dem frischgebackenen Europameister im Keirin Maximilian Levy aus Deutschland und darüber hinaus waren 24 Frauen mit Katie Archibald aus Großbritannien an der Spitze dabei, die an drei Tagen Einzelwettbewerbe wie Punktefahren, Ausscheidungsfahren, Scratch und Temporunden sowie am Schlusstag noch ein Madison bestritten. In den ersten drei Nächten war auch der Nachwuchs der Klasse U 21 mit einem Madison für ebenfalls 16 Teams im Einsatz.

London

Dominierend in der Klasse U 21 waren die Belgier Bryan Boussaer/Jules Hesters, die alle drei Jagden gewannen und mit zwei Runden Vorsprung Gesamtsieger wurden, wobei die einzigen deutschen Teilnehmer Moritz Augenstein/Nils Weispfennig auf einen guten dritten Platz landeten. Weniger gut schnitten die deutschen Frauen ab, die in dem von der Britin Katie Archibald beherrschten, erstklassig besetzten Wettbewerb nur die Plätze 21 (Michaela Ebert) und 24 (Laura Süßemilch) belegten. Der frischgebackene Europameister im  Keirin, Maximilian Levy, hatte im täglich ausgetragenen Sprinterturnier gegen die beiden Neuseeländer Edward Dawkins (266 Punkte) und Ethan Mitchell (260 Punkte) als Drittplatzierter unter sechs Startern mit 227 Punkten keine Chance.

Spannend verlief das Sechstagerennen mit dem verdienten Sieg der Australier Cameron Meyer/Callum Scotson, die mit einer Runde Vorsprung die Briten Mark Cavendish/Peter Kennaugh und die Belgier Kenny de Ketele/Moreno de Pauw distanzierten. Mit sogar zwei Runden Vorsprung waren die Australier am Ende der 5. Nacht in Führung, aber die Briten und die Belgier konnten dank der erspurteten Punkte noch eine Bonusrunde erzielen, waren am Ende den mit viel Übersicht fahrenden Australiern dennoch unterlegen. Ein letzter Versuch der Briten 17 Runden vor Schluss war zum Scheitern verurteilt, nachdem sich die Australier vor das Feld spannten und einen Rundengewinn nicht mehr zuließen. Für die beiden deutschen Mannschaften Theo Reinhardt/Kersten Thiele und Sebastian Schmiedel/Maximilian Beyer verlief das Rennen sehr unterschiedlich. Während Letztere am Ende mit 18 Runden Rückstand den 14. und letzten Platz belegten, nachdem Maximilian Beyer zwischenzeitlich wegen Schulterproblemen neutralisiert werden musste, kam für die zunächst sehr gut fahrenden Theo Reinhardt/Kersten Thiele am letzten Tag krankheitsbedingt ebenso das Aus wie für die Tschechen Vojtech Hacecky/Alois Kankovsky. 

London

Die Fortsetzung der Serie nach dem Ausscheiden von Amsterdam folgt erst wieder Ende Januar in Berlin, direkt danach in Kopenhagen und dann mit einem aus unserer Sicht viel zu spät terminierten Finale im April auf Mallorca, das maximal 14 Tage nach Kopenhagen stattfinden sollte. Zwischendurch finden drei weitere Sechstagerennen in Gent, Rotterdam und Bremen statt, die nicht zur Serie gehören. Insgesamt gesehen ist die Sechstagesaison sehr überschaubar und man darf nicht an frühere Zeiten denken, als 15 Rennen in einem Winterhalbjahr keine Seltenheit waren. Das hängt natürlich zum großen Teil auch mit dem vollgestopften Straßenkalender zusammen, der für viele, auch für die Bahn interessanten Rennfahrer einen Start zum Beispiel im Januar in Berlin nicht zulässt. Mit einem Vertrag bei einem Topteam stehen natürlich die mittlerweile fast ganzjährigen Straßenrennen im Focus, beginnend schon Anfang Januar im fernen Australien. So werden wir höchstwahrscheinlich in Berlin auf die Sieger von London und auch die Zweitplatzierten Briten verzichten müssen, ebenso auf Fahrer wie Benjamin Thomas aus Frankreich, die Spanier Albert Torres/Sebastian Mora oder den Belgier Iljo Keisse, um nur einige zu nennen. 

Für die sportliche Leitung in Berlin ist es immer wieder unter diesen Bedingungen eine Herausforderung, das Sechstagefeld zusammenzustellen, so dass zwangsläufig der Ruf laut wird, das Sechstagerennen in die Monate November oder Dezember zu verlegen, um noch weitaus attraktivere Starterfelder präsentieren zu können. Man sieht es an Gent und auch noch an Rotterdam, wo zum Teil hochkarätige Straßenfahrer wie Elia Viviani aus Italien, Dylan van Baarle, Niki Terpstra und Dylan Groenewegen aus den Niederlanden am Start stehen. Es ist auch immer eine Frage der Gagenforderungen einiger Rennfahrer, die dann das Budget sprengen und eine Verpflichtung nahezu unmöglich machen. Aber Berlin als einzige noch bestehende Sechstagehochburg sollte doch Möglichkeiten haben, hier neue Akzente zu setzen, zumal nach wie vor beim Berliner Publikum gerade der sportliche Teil eines Sixdays gefragt ist.

Berlin

Ein Sechstagerennen sollte aber auch ein Rahmenprogramm präsentieren, das vor allem neues, insbesondere junges Publikum anzieht. Man hat sich dahingehend einige Gedanken gemacht und so geht der Veranstalter davon aus, dass beim kommenden Six Day Berlin für jeden etwas geboten wird. Jeder Tag wird unter einem bestimmten Motto stehen, von der „Nacht der Legenden“ über den AOK-Familiensonntag bis hin zur „After Work Party“ soll bestes Entertainment geboten werden. Einzelheiten sind derzeit nicht bekannt, doch sollte man die derzeit äußerst beliebte Schlagerwelle dabei nicht außer Acht lassen, die für Partystimmung sorgen kann. Das gilt für den Freitag und den Samstag, wobei man sich hier an Bremen orientieren kann, wo Jahr für Jahr beste Stimmung herrscht. London war hier gerade nicht das beste Beispiel, als von Partystimmung nicht viel zu sehen war.  

Berlin

Auf einer ersten Pressekonferenz wurden vor kurzem auch die ersten Fahrerverpflichtungen bekanntgegeben, die auch vom Sportlichen einiges versprechen. So werden bei den Sprintern u.a. Maximilian Levy, Robert Förstemann und „Showman“ Nate Koch vertreten sein, während für das Hauptprogramm die Belgier Kenny de Ketele/Moreno de Pauw bereits fest verpflichtet sind und auch die Berliner Theo Reinhardt, Maximilian Beyer und Sebastian Schmiedel am Start sein werden. Der Lokalmatador der letzten Jahre Marcel Kalz aber wird dieses Mal fehlen, da er seine sportliche Laufbahn inzwischen beendet hat und so liegt es vor allem an Theo Reinhardt in die Bresche zu springen, der höchstwahrscheinlich mit Roger Kluge ein Paar bilden wird, das das Podium anvisiert. Aber der oder die großen „Kracher“ wie ein Mark Cavendish  oder Elia Viviani werden leider wieder fehlen, wenngleich im 16 Mannschaften starken Feld wieder mit vier oder fünf Topteams gerechnet werden kann. Vielleicht sind dieses Mal aber einige Nationen am Start, die wir in Berlin lange (z.B. Italien) oder noch nie gesehen haben (z.B. Irland oder Portugal), die für den einen oder anderen Farbtupfer sorgen würden.

Berlin

Hier sei einmal ein Fahrerkontingent in alphabetischer Reihenfolge genannt, das für Berlin in Frage kommen könnte (außer den teilweise bereits Genannten): Liam Bertazzo (Italien), Achim Burkart (Deutschland), Steven Burke (Großbritannien), Simone Consonni (Italien), Lindsay de Vylder (Belgien), Mark Downey, Felix English (beide Irland), Corentin Ermenault (Frankreich), Jan Andre Freuler (Schweiz), Robbe Ghys (Belgien), Andreas Graf (Österreich), Christian Grasmann (Deutschland), Nico Heßlich (Deutschland), Marc Hester (Dänemark), Claudio Imhof (Schweiz), Julius Johansen (Dänemark), Leif Lampater (Deutschland), Niklas Larsen (Dänemark), Christopher Latham (Großbritannien), Florian Maitre (Frankreich), Tristan Marguet (Schweiz), Jesper Mörköv (Dänemark), Andreas Müller (Österreich), Ivo Oliveira, Rui Oliveira (beide Portugal), Frank Pasche (Schweiz), Casper Pedersen (Dänemark), Roy Pieters (Niederlande), Wojciech Pszczolarski (Polen), Denis Rugovac (Tschechien), Michele Scartezzini (Italien), Thery Schir (Schweiz), Daniel Staniszewski (Polen), Mark Stewart (Großbritannien), Nick Stöpler, Wim Stroetinga (beide Niederlande), Gael Suter (Schweiz), Adrian Teklinski (Polen), Andrew Tennant (Großbritannien), Gerben Thijssen (Belgien), Melvin van Zijl (Niederlande), Casper von Folsach (Dänemark) und Oliver Wood (Großbritannien).

Man sieht, die Auswahl ist groß an talentierten Bahnfahrern, die für einen Sechstageeinsatz durchaus geeignet sind. Sei es das vielleicht kostenintensive Rahmenprogramm (es muss ja nicht Helene Fischer sein) oder die etwas teuren Sechstagefahrer: hier sollte man durchaus einmal mehr investieren, was sich erfahrungsgemäß auf Dauer immer auszahlt. Sparen am falschen Ende führt bekanntermaßen nicht zum gewünschten Erfolg!

Bericht: Bernd Mülle   

Fotos: Arne Mill (Archivbilder)

     

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