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Stefan Schäfer auf dem Weg zur Titelverteidigung?! Steher-Europameisterschaft erstmals in Bahn-EM integriert

Autor: Bernd Mülle     veröffentlicht am 05 Oktober 2017    
 
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turus Fotostrecke
SM Peter Bäuerlein und Steher Stefan Schäfer
Foto: Arne Mill

Es ist der Tag der Deutschen Einheit und daher schon ein wenig ungewöhnlich, dass im Berliner Velodrom die Stehermotoren knattern, obwohl keine Radsportveranstaltung stattfindet. Intensives Training mit dem Bundestrainer Mario Vonhof ist angesagt, der seine Schützlinge Stefan Schäfer, Franz Schiewer und Thomas Steger – als Vierter stößt am zweiten Tag noch Robert Retschke dazu - für drei Tage ins Velodrom geholt hat und dabei Unterstützung von Berlins Steherlegende Rainer Podlesch erhält. Die Vorbereitung auf die kommende Europameisterschaft läuft auf Hochtouren und die Schützlinge des Bundestrainers absolvieren jeweils von 12-14 Uhr bzw. 19-21 Uhr an jedem der drei Tage insgesamt sechs Einheiten von je 20 Minuten, in denen bei hoher Geschwindigkeit jeder Fahrer einen simulierten Angriff fährt, bis er die übrigen Kontrahenten überrundet hat. 

Vonhof

„Ich bin mit dem Stand der Vorbereitung absolut zufrieden, die Form stimmt bei allen und die EM kann kommen“, sagt der seit 2013 für die Steher verantwortliche Mario Vonhof. Nach dem Erfolg von Stefan Schäfer bei der letzten EM mit Peter Bäuerlein ist die Titelverteidigung nahezu Pflicht und auch der Bundestrainer nennt den Titel als Ziel. „Die Konkurrenz mit den Schweizern und Niederländern an der Spitze ist zwar nicht zu unterschätzen, aber zu den Favoriten zählen wir schon“, fuhr Mario Vonhof fort, der dabei vor allem auf den Heimvorteil setzt. Da kann man nur hoffen, dass im Velodrom begeisterungsfähige Zuschauer für die entsprechende Unterstützung sorgen.

steher

Auf der nach 20 Jahren erneuerten Piste bescheinigten alle Fahrer und Schrittmacher der neuen Bahn einen guten Zustand, der Fahrbahnbelag wird auch in Zukunft schnelle Zeiten zulassen, zumal sich auch die Geometrie nicht verändert hat. Das Holz aus sibirischer Fichte muss sich noch ein wenig setzen, d.h. der Untergrund ist derzeit noch ein bisschen weicher als vorher. Die Bahn wirkt sehr hell und macht einen sehr guten Eindruck, so dass die Vorfreude auf die in 14 Tagen beginnenden europäischen Titelkämpfe groß ist. 

Für Stefan Schäfer, der nicht weniger als 12 deutsche Meistertitel in fünf verschiedenen Disziplinen errungen hat, ist die Heim-EM der Höhepunkt dieser Saison, auf den er sich nach Abschluss seiner Ausbildung bei der Landespolizei in Brandenburg und privaten Veränderungen jetzt voll konzentriert. „Es wird in Berlin bestimmt eine bessere Atmosphäre mit lautstarker Unterstützung vorherrschen als zuletzt in Paris und dadurch ist man noch mehr motiviert“, sagte Stefan Schäfer und fügte hinzu: „die Titelverteidigung ist natürlich das Ziel, aber die Gegner sind auf keinen Fall zu unterschätzen“. Auch wenn das endgültige Teilnehmerfeld noch nicht feststeht, rechnet der Cottbuser vor allem mit dem unverwüstlichen Schweizer Giuseppe Atzeni, den Niederländern Patrick Kos und Reinier Honig und auch seine deutschen Teamkollegen, die sich ebenfalls in hervorragender Form befinden, sind durchaus zu beachten. Inwieweit eventuell der Franzose Emilien Clere oder der Italiener Manuel Cazzaro ins Geschehen eingreifen können, bleibt zunächst abzuwarten. 

schiewer

Schade, dass sich das große Stehertalent aus Berlin, Marcel Bartsch, vom Stehersport zurückgezogen hat und keine Rennen mehr bestreitet. Für ihn steht jetzt die berufliche Ausbildung im Vordergrund und dafür muss man einfach Verständnis haben. Aber der Nachwuchs rückt dennoch nach, mit Stefan Lange vom Bad Doberaner SV und Daniel Harnisch vom SC DHfK Leipzig stehen junge deutsche Steher bereit, den Etablierten Konkurrenz zu machen. Im Augenblick sind aber noch Franz Schiewer vom RK Endspurt Cottbus, Thomas Steger vom RV Union Nürnberg und Routinier Robert Retschke vom Team Lotto-Kern Haus, am Dienstag noch beim Münsterland Giro auf der Straße unterwegs, diejenigen, die den Stehersport in Deutschland neben Stefan Schäfer dominieren. 

schiewer

Franz Schiewer, der von der Sportfördergruppe in Brandenburg unterstützt wird, gewann einst im Jahre 2009 die Tour de Berlin und errang im Punktefahren und in der Mannschaftsverfolgung immerhin drei deutsche Meistertitel. Den zweiten Platz bei der letzten Europameisterschaft der Steher mit Gerd Gessler würde er nur allzu gern wiederholen, doch der erst im Jahre 2015 ins Stehermetier gewechselte Franz Schiewer hat Respekt vor den voraussichtlichen 16 Teilnehmern bei der EM, deren Stärken zum Teil schwer einzuschätzen sind. „Ich bin schon optimistisch, zumal die Form stimmt und sich auch die neue Bahn sehr gut fährt“, gab der Cottbuser zu Protokoll, der noch ledig ist und kein besonderes Hobby hat. „Für mich steht die Familie im Vordergrund, die mir bei meiner bisherigen sportlichen Laufbahn stets zur Seite gestanden hat und mit der ich viel Zeit verbringe“, ergänzte der sympathische Athlet. 

Für Thomas Steger, der auch bei der EM mit seinem Stammschrittmacher Thomas Ruder fahren wird, steht in erster Linie ein erfolgreiches Abschneiden der Mannschaft im Vordergrund, wobei er selbst auf jeden Fall das Finale anstrebt. „Eine Platzierung auf dem Podium wäre natürlich eine tolle Sache, aber auch mit Platz vier oder fünf wäre ich zufrieden“, zeigte sich der Nürnberger eher bescheiden. Wie er allerdings seine Runden auf dem Berliner Oval drehte, könnte sogar eine Überraschung möglich sein. Der Bundestrainer kann sich auf seine Jungs verlassen, nur über sie wird die Titelvergabe im Velodrom möglich sein. 

Steher

Bereit steht auch noch Robert Retschke mit Schrittmacher Holger Ehnert, der in der Vergangenheit dreimal als Deutscher Bergmeister glänzte und durch sein diesjähriges Engagement beim Continentalteam Lotto-Kern Haus über die nötige Rennhärte verfügen dürfte, die ihm bei einem eventuellen Einsatz noch zum Vorteil werden könnte. 

Der dem Stehersport nicht abgeneigte, ehemalige UEC Präsident David Lappartient aus Frankreich, wurde ja bekanntlich zum neuen UCI Präsidenten gewählt und so hofft man im deutschen Lager, dass vielleicht in absehbarer Zeit sogar wieder einmal über eine Weltmeisterschaft nachgedacht wird. Ob dann aber noch ein Stefan Schäfer dabei ist, muss abgewartet werden, zumal er im nächsten Jahr etwas kürzer treten will und offensichtlich noch andere Pläne im Hinterkopf hat. Die volle Konzentration gilt aber erst einmal der EM, von der man sich durch großen Sport und vor allem auch entsprechendes Publikumsinteresse erhofft. 

Text: Bernd Mülle

Fotos. Arne Mill (frontalvision.com)

> zur turus-Fotostrecke: Bahn-EM 2017 in Berlin    

Inhalt der Neuigkeit:
Ausblick
Radrennen-Art:
Bahnradsport
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