Tour de France 2017 so spannend wie noch nie: Die ersten 7 trennen nur 2 Minuten

Autor: Bernd Mülle     veröffentlicht am 18 Juli 2017    
 
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Tour de France 2017
Foto: Arne Mill

Der zweite Teil der Tour nach dem ersten Ruhetag in Dordogne begann mit einem Doppelschlag von Marcel Kittel von Quick-Step Floors, der in Bergerac und Pau zwei weitere beeindruckende Etappensiege herausfuhr und somit das Grüne Trikot souverän verteidigte. Der Massenspurt in Bergerac wurde von den deutschen Fahrern dominiert, die mit John Degenkolb von Trek-Segafredo auf Platz 2 und Rüdiger Selig von BORA-hansgrohe auf Platz 4 für einen Paukenschlag sorgten. In Pau ließ der unwiderstehliche Marcel Kittel den Niederländer Dylan Groenewegen von Lotto NL-Jumbo, am Vortag noch Dritter, und den Norweger Edvald Boasson Hagen von Dimension Data hinter sich und demonstrierte einmal mehr mit seiner enormen Endschnelligkeit seine Überlegenheit. 

Le Tour

Die 12. Etappe von Pau nach Peyragudes mit fünf Bergwertungen war prädestiniert für eine Vorentscheidung, aber für die Überraschung sorgte zunächst erneut Marcel Kittel, der in einer 12-köpfigen Ausreißergruppe fuhr. Es war die relativ frühe und einzige Sprintwertung nach 94 km, die ihn offensichtlich reizte, nachdem sein ärgster Widersacher in dieser Wertung, der Australier Michael Matthews vom Team Sunweb ebenfalls in dieser Gruppe zu finden war. Er wollte nichts riskieren, überließ dem Austalier die 20 Punkte, während er als Zweiter mit 17 Punkten nur unwesentlichen Boden einbüßte. Danach war dann von Marcel Kittel nicht mehr allzu viel zu sehen, er fiel als erster aus der Gruppe zurück, um am Ende mit über 34 Minuten Rückstand ins Ziel zu kommen.

Kittel

Aber an der Spitze wurde mit Haken und Ösen gekämpft, wo der Kolumbianer Nairo Quintana vom Movistar Team und der Spanier Alberto Contador von Trek-Segafredo über zwei Minuten Rückstand in Kauf nehmen mussten und auch der britische Topfavorit Christopher Froome vom Team Sky auf den letzten, bergauf führenden 2,5 Kilometern mit 8,4 % Durchschnittssteigung Federn lassen musste. Die Animatoren waren am Ende der Franzose Romain Bardet von AG2R La Mondiale, der schließlich zwei Sekunden Vorsprung vor dem Kolumbianer Rigoberto Uran von Cannondale Drapac und dem Italiener Fabio Aru vom Astana Pro Team ins Ziel rettete. Dabei überraschte ein wenig die Taktik des Teams Sky, das mit vier Fahrern unter 12 in der Favoritengruppe auf der ersten Pyrenäen-Etappe dominierte, um am Ende das Gelbe Trikot von Christopher Froome an den Italiener Fabio Aru zu verlieren. Der Brite schwächelte am letzten Anstieg, was seine ärgsten Widersacher gnadenlos ausnutzten und so führte jetzt Fabio Aru mit sechs Sekunden vor Christopher Froome und Romain Bardet, der 25 Sekunden zurücklag.

Le Tour

Auf der mit 101 Kilometer kürzesten Etappe der Tour am französischen Nationalfeiertag von Saint-Girons nach Foix mit drei Bergwertungen der Kategorie 1 war Wiedergutmachung bei Nairo Quintana und Alberto Contador angesagt, die mit dem Franzosen Warren Barguil vom Team Sunweb und dem Spanier Mikel Landa vom Team Sky eine vielversprechende Spitzen-gruppe bildeten, die am Ende den Sieg unter sich ausmachte. Warren Barguil war dabei als Führender der Bergwertung schon früh in einer Ausreißergruppe mit seinem Landsmann Thomas Voeckler von Direct Energie unterwegs, deren Versuch aber zunächst scheiterte. Offensichtlich wollte Warren Barguil am Nationalfeiertag wieder einmal einen französischen Sieg einfahren, denn er attackierte erneut und Alberto Contador sowie Mikel Landa folgten ihm. Der Franzose fiel dann zunächst zurück, aber mit Nairo Quintana im Schlepptau schaffte er wieder den Anschluss an die führenden Spanier und dann legte er alles in den Schlussspurt und holte sich den Sieg vor Nairo Quintana und Alberto Contador, während Mikel Landa als Vierter zwei Sekunden zurücklag. Fabio Aru, Christopher Froome und Romain Bardet verloren zwar 1:48 Minuten, aber der Italiener behielt sein Gelbes Trikot, während sich noch acht Fahrer in der Gesamtwertung Chancen auf den Tour-Sieg ausrechnen konnten.

Die Klassikerfahrer sollten auf der 14. Etappe von Blagnac nach Rodez in ihrem Element sein und das hat sich dann auch bestätigt. Der Sieger hieß Michael Matthews, der den Belgier Greg van Avermaet von BMC Racing niederrang und dabei im Schlussanstieg die größten Reserven hatte. Bemerkenswert aber war der Ausgang des Rennens insgesamt durch den erneuten Wechsel an der Spitze des Gesamtklassements. Während Christopher Froome mit nur einer Sekunde Rückstand auf Platz 7 einkam, verloren seine ärgsten Gegner Romain Bardet auf Platz 11 fünf und Fabio Aru als 30. gar 25 Sekunden, so dass der Brite wieder das Gelbe Trikot überstreifen durfte. Jetzt führt er mit 18 Sekunden vor Fabio Aru und 23 Sekunden vor Romain Bardet, der wiederum nur sechs Sekunden vor Rigoberto Uran platziert ist. 

Froome

Auf der 15. Etappe waren vier Bergwertungen zu absolvieren auf einer sehr abwechslungsreichen Strecke über 189,5 km mit dem Ziel in Le Puy-en-Velay, wo der letzte Anstieg 13 km vor dem Ziel bewältigt werden musste. Eine schwere und sehr spannende Etappe, die im Zentralmassiv endete, sah den Niederländer Bauke Mollema von Trek-Segafredo siegreich, der seine erste Tour-Etappe im Alleingang mit 19 Sekunden Vorsprung gewann. Wieder stark der Franzose Warren Barguil auf Platz 5 mit nur 23 Sekunden Rückstand, dagegen lieferten sich die großen Favoriten erbitterte Positionskämpfe im geschlagenen Feld und lagen am Ende 6:25 Minuten hinter dem Tagessieger. Gefahr drohte dabei Christopher Froome, der nach einem Defekt fast eine Minute verlor, aber wieder Anschluss fand und sein Gelbes Trikot verteidigen konnte. Endgültig seine Chancen begraben musste Nairo Quintana, der auf dieser Etappe weitere vier Minuten auf seine großen Konkurrenten verlor und mit jetzt über sechs Minuten Rückstand auf Platz 11 seine Hoffnung auf das Podium in Paris aufgeben kann. 

Wesentlich besser schlug sich Tony Martin von Katusha-Alpecin, der schon früh einer Spitzengruppe mit dem Deutschen Meister Marcus Burghardt von BORA-hansgrohe und Marcel Sieberg von Lotto Soudal angehörte und später mit einem Solo 66 Kilometer vor dem Ziel überraschte. Aber der Erfolg blieb ihm versagt, dennoch war Platz 20 mit 5:14 Minuten Rückstand als bestplatzierter deutscher Fahrer an diesem Tag ein passables Ergebnis. Von den 16 gestarteten Deutschen liegen noch alle im Rennen und das ist zum jetzigen Zeitpunkt ein sehr beachtenswertes Ergebnis. Der Überflieger ist Marcel Kittel, der bis jetzt nicht weniger als fünf (!) Etappen gewann und das Grüne Trikot, sofern er Paris erreicht, erstmals in seinen Besitz nehmen dürfte. Auch einzelne Ergebnisse von Andre Greipel von Lotto Soudal, John Degenkolb oder Rüdiger Selig unter den Top Ten überzeugten ebenso wie der 17. Platz in der Gesamtwertung von Emanuel Buchmann von BORA-hansgrohe, der als bestplatzierter Deutscher einen Rückstand von 19:37 Minuten aufweist. Er trägt nach dem Ausfall von Weltmeister Peter Sagan aus der Slowakei und Rafal Majka aus Polen die alleinige Last in seinem Team und fährt unter diesen Umständen ein starkes Rennen, wenngleich der vielleicht angedachte Platz unter den Top Ten nicht mehr realisiert werden kann. Dem jungen Mann bleibt aber noch einiges an Zeit, um dieses Vorhaben in den nächsten Jahren umzusetzen. 

L Tour

Text: Bernd Mülle       

Fotos: Arne Mill, Mario Stiehl

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