EZF der Tour de France startete mit vielen Favoriten: Geraint Thomas schlug allen ein Schnippchen

Autor: Bernd Mülle     veröffentlicht am 02 Juli 2017    
 
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Geraint Thomas beim Einzelzeitfahren
Foto: Arne Mill

Die Startreihenfolge des Einzelzeitfahrens über 14 km zum Auftakt der diesjährigen Tour de France wurde wie immer am Vortag festgelegt. Um 15.15 Uhr ging es los und als erster Fahrer von insgesamt 198 startete der junge, noch relativ unbekannte Franzose Elie Gesbert vom Team Fortuneo Vital Concept an seinem 22. Geburtstag, um die erste Richtzeit vorzulegen. Der morgendliche Regen hatte zwischenzeitlich immer mal wieder aufgehört und die Straßen waren halbwegs trocken, so dass man auf einen regulären Rennverlauf hoffen konnte. Doch pünktlich zum Start des Franzosen öffnete der wolkenverhangene Himmel wieder seine Schleusen und dennoch war die Begeisterung bei den vielen den Kurs säumenden Zuschauern, nur teilweise mit Regenjacken und Schirmen ausgestattet, riesengroß. Eine imposante Kulisse bei diesem schlechten Wetter ließ erahnen, dass in Deutschland der Radsport durchaus eine Zukunft haben kann.

Tony

Favoriten für das Einzelzeitfahren boten sich reichlich an, allen voran natürlich Tony Martin vom Team Katusha-Alpecin, der sein Heimspiel nutzen und ins erste Gelbe Trikot schlüpfen wollte. Etliche der vermeintlichen Spezialisten im Kampf gegen die Uhr gingen relativ früh an den Start, so etwa der Weißrusse Vasil Kiryienka vom Team Sky als 88. Starter, der Australier Damien Howson (102.) von Orica-Scott, der Spanier Jonathan Castroviejo (130.) vom Movistar Team, der Brite Geraint Thomas (154.) vom Team Sky, der Niederländer Jos van Emden (160.) vom Team Lotto NL-Jumbo oder auch der australische Mitfavorit auf die Gesamtwertung Richie Porte (172.) vom BMC Racing Team. Ab Position 180 ging es dann Schlag auf Schlag mit den vermeintlichen Topfavoriten wie Tony Martin (186.), dem deutschen Supersprinter Marcel Kittel (188.) von Quick-Step Floors, dem Australier Luke Durbridge (190.) von Orica-Scott bis hin zum letzten Starter, dem Vorjahressieger und erneuten Favoriten Christopher Froome aus Großbritannien vom Team Sky.

Kueng

Die von Elie Gesbert vorgelegte Zeit von 17:24,88 Minuten wurde schon von dem Italiener Sonny Colbrelli von Bahrain-Merida mit 16:36,36 Minuten unterboten, der als Dritter ins Rennen gegangen war und danach ging es munter weiter. Auf dem nassen, teilweise schwer zu bewältigenden Untergrund sollten Stürze nicht ausbleiben und so war der Niederländer Dylan Groenewegen vom Team Lotto NL-Jumbo der erste, der mit dem Asphalt Bekanntschaft machte. Nach dem Ukrainer Andriy Grivko vom Astana Pro Team, der Sonny Colbrelli an der Spitze ablöste, war es dann mit Nikias Arndt vom Team Sunweb einer der 16 Deutschen, der dessen Zeit knapp mit einer Sekunde unterbieten konnte und die zwischenzeitliche Führung mit 16:20,95 Minuten übernahm.

EZF

Diese Führung behauptete Nikias Arndt, der als 30. gestartet war, recht lange, bevor er vom Italiener Matteo Trentin von  Quick-Step Floors abgelöst wurde, der sechs Sekunden schneller war. Noch schneller war dann kein Geringerer als der Weltmeister im Einzelzeitfahren von 2015 Vasil Kiryienka vom Team Sky, der die Zeit des Italieners um weitere drei Sekunden unterbot. Das Wetter änderte sich kaum, der Regen, mal mehr mal weniger, nahm kein Ende und so war zumindest bis zum Schluss in etwa Chancengleichheit für alle gegeben. Der Straßenweltmeister von 2014 Michal Kwiatkowski aus Polen vom Team Sky, der von vielen angereisten Fans seines Heimatlandes unterstützt wurde, fuhr dann eine gute Zeit, die reichte, um Nikias Arndt vom bislang dritten Rang zu verdrängen. 

Arndt

Der Spanier Jonathan Castroviejo schaffte keine neue Bestzeit, die man durchaus von ihm erwarten konnte. Das gelang dann aber dem starken Geraint Thomas, der mit 16:04,48 Minuten eine Zeit fuhr, die am Ende zum etwas überraschenden Sieg reichen sollte. Zeitfahrspezialist Jos van Emden fuhr zwar erwartet stark, aber ihm fehlten am Ende doch immerhin 15 Sekunden zu Geraint Thomas, doch war er geringfügig schneller als Nikias Arndt. Es war schon ein denkwürdiges Rennen am ersten Tag der Tour mit einem schweren Sturz eines der Mitfavoriten auf gefährlichem, nassen Untergrund: der Spanier Alejandro Valverde vom Movistar Team rutschte in einer Kurve aus und prallte in die Absperrgitter. Es sah mehr als böse aus und eine Weiterfahrt war für den Spanier unmöglich, der anschließend zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht wurde. Großes Pech für ihn, der mit einigen Ambitionen in diese Tour de France gegangen war und seine hervorragende Form in den letzten Wochen mehrmals unter Beweis gestellt hatte. Ebenfalls nicht mehr dabei ist sein Landsmann Ion Izaguirre von Bahrain-Merida, während ebenfalls gestürzte Fahrer wie Luke Durbridge, Rick Zabel von Katusha-Alpecin und der Franzose Tony Gallopin von Lotto Soudal mit mehr als zwei bzw. drei Minuten Rückstand die Tour wenigstens fortsetzen können.  

Contador

Alles wartete dann auf den Weltmeister im Einzelzeitfahren Tony Martin, der es allerdings nicht schaffte, sein Vorhaben ins Gelbe Trikot zu fahren, umzusetzen. Bei 16:12,28 Minuten blieben die Uhren stehen und damit lag er acht Sekunden hinter Geraint Thomas und auch gegenüber Vasil Kiryienka fehlte ihm noch eine Sekunde. Nach ihm kam ein sehr gut fahrender Marcel Kittel, der nur acht Sekunden gegenüber Tony Martin preisgeben musste, bevor der junge Schweizer Stefan Küng mit 16:09,67 Minuten auf einen sensationellen zweiten Platz fuhr, den ihm auch nicht mehr die folgenden Alberto Contador aus Spanien von Trek-Segafredo – er fuhr trotz der widrigen Witterungsverhältnisse enttäuschende 16:58,00 Minuten – und Christopher Froome streitig machen konnten. Der Brite konnte dennoch zufrieden sein, denn ein 6. Platz läßt alle Chancen offen, zumal seine vermeintlich härtesten Widersacher wie Richie Porte (35 Sekunden zurück), der Kolumbianer Nairo Quintana vom Movistar Team (36 Sekunden) und Alberto Contador (42 Sekunden) schon einiges an Rückstand aufzuweisen haben. 

Froome

Es war auf jeden Fall dem Wetter zum Trotz ein hervorragender Auftakt in Düsseldorf mit einer so nicht vorhersehbaren Zuschauerresonanz. Bewundernswert vor allem, wie das Publikum teilweise ohne Schirm und Regenjacke ausharrte und die Rennfahrer begeistert feierte. Das Ergebnis der deutschen Fahrer konnte sich mehr als sehen lassen mit Platz 4 für Tony Martin, der nach 8,1 km noch die beste Zwischenzeit inne hatte, Marcel Kittel auf Rang 9 und einem stark fahrenden Nikias Arndt, der auf einem bemerkenswerten 11. Platz landete. Der morgige Start zur zweiten Etappe nach Lüttich über 203,5 km wird hoffentlich bei besserem Wetter erfolgen, auf alle Fälle ist erneut mit großer Zuschauerresonanz zu rechnen.

Text: Bernd Mülle

Fotos: Arne Mill

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