Team-Pressekonferenzen vor Beginn der Tour de France 2017

Autor: Bernd Mülle     veröffentlicht am 30 Juni 2017    
 
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Pressekonferenz in Düsseldorf
Foto: Arne Mill

Die erste Pressekonferenz fand bereits am Mittwoch statt, und zwar mit den deutschen Profis André Greipel, Marcel Kittel und Nikias Arndt, die nicht nur zu den 16 Deutschen gehören, die bei der diesjährigen Tour gemeinsam mit den Belgiern das drittgrößte Nationenkontingent nach Frankreich (39) und Italien (18) stellen, sondern auch bei einzelnen Etappen ein Wort mitsprechen wollen. Leider konnte der Unterzeichner zu diesem Termin noch nicht präsent sein, da die liebe Bahn auf der Hinfahrt mal wieder mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Gleiches galt für die folgende Pressekonferenz des Teams FDJ mit den Fahrern Thibaut Pinot und Arnaud Demare sowie Generalmanager Marc Madiot, die ebenso verpaßt wurde.

Aber der Pressekonferenz mit dem Team Sky konnte ich dann schon beiwohnen, nachdem ich nach etwas längerer Bahnirrfahrt nach Düsseldorf endlich im Pressezentrum gelandet und akkreditiert worden war. Generalmanager Dave Brailsford und vor allem der sehr relaxt wirkende Tourfavorit Christopher Froome mit samt seinem kompletten Team standen den vielen Pressevertretern Rede und Antwort. Dabei gab der sympathische Brite Auskünfte in englischer und auch französischer Sprache und zeigte sich sehr zuversichtlich im Hinblick auf die kommenden drei Wochen. „Ich habe volles Vertrauen in mein Team, fühle mich gut vorbereitet, aber es gibt ein offenes Rennen mit einigen Favoriten, darunter auch ein sehr starker Richie Porte“, gab Chris Froome zu verstehen, der einen gut austrainierten Eindruck hinterließ. Angesprochen von einem Journalisten auf ein ähnliches Mißgeschick wie die Laufeinlage des letzten Jahres, antwortete der Brite schmunzelnd, dass sich dieser Vorfall hoffentlich nicht wiederholt.

Sky

Auch Christian Knees hatte in Einzelgesprächen viele Fragen zu beantworten und stand der Presse geduldig zur Verfügung. Er freut sich auf den Start im eigenen Land und ist davon überzeugt, daß Chris Froome als der erneut große Favorit anzusehen ist. „Ich selbst fahre meine 8. Tour und denke noch lange nicht ans Aufhören, fühle mich gut in Form und mit 36 bin ich noch jung genug“, gestand der 1,94 Meter große, gebürtige Kölner selbstbewußt. Das Team insgesamt wird vervollständigt durch so starke Fahrer wie Geraint Thomas, Mikel Nieve, Michal Kwiatkowski, Mikel Landa, Vasil Kiryienka, Luke Rowe und nicht zuletzt Sergio Luis Henao, der vor allem auf den schweren Bergetappen ein wichtiger Helfer für Chris Froome sein wird. 

Am Donnerstag folgte zunächst die Pressekonferenz des BMC Racing Teams mit dem potentiellen Sieganwärter Richie Porte aus Australien, der bei seiner 7. Teilnahme seine bisher beste Platzierung (5.) zumindest mit einem Podiumsplatz tauschen will. Er vertraut dabei auf sein phantastisches Team, das alles tun wird, damit er beim größten Rennen am Ende vorn ist. Ein dickes Zeichen hat er vor dem Start der Tour gesetzt, indem er seinen Vertrag mit dem BMC Racing Team über das Jahr 2017 hinaus verlängert hat und somit die kontinuierliche Entwicklung des Teams mitbestimmen will. „Es ist so kurz vor der Tour der richtige Moment für die weitere vertragliche Bindung, so dass Richie voll konzentriert an den Start gehen kann“, sagte der Generalmanager Jim Ochowicz, der sich sichtlich happy über diese Entscheidung zeigte. 

Porte

Das große Vertrauen in Richie Porte hat nicht nur der Manager, auch die acht Mitstreiter bei dieser Tour werden den Kapitän bedingungslos unterstützen, um vielleicht Teil des größten Erfolgs seiner Karriere zu sein. Seit Dezember letzten Jahres wurde bereits mit diesen Fahrern für die Tour de France geplant und diesen Plan wollen sie jetzt erfolgreich umsetzen. Die Form stimmt beim Australier und alles andere als ein Platz auf dem Podium wäre für das mit Fahrern wie Greg van Avermaet, Damiano Caruso oder Nicolas Roche hervorragend besetzte Team eine kleine Enttäuschung. „Eine Etappe  würde ich schon gerne für mich mitnehmen“, sagte Greg van Avermaet, der in diesem Jahr bislang äußerst erfolgreich unterwegs war und die Führung in der WorldTour innehat. „Wir sind aber in erster Linie hier, um Richie ins Gelbe Trikot zu fahren“, fuhr der Belgier fort und ließ keine Zweifel an mangelnde Unterstützung aufkommen. Jim Ochowicz und Sportdirektor Fabio Baldato mit seinen Assistenten Valerio Piva und Yvon Ledanois ließen durchblicken, dass man in diesem Jahr mit dem bestmöglichen Team am Start stehen wird, das hervorragenden Teamgeist besitzt und jeder dem anderen gute Unterstützung geben wird. „Mit dem tollen Team möchte ich in Paris ganz vorne sein, alle sind in guter Form und so sollte unser Wunsch in Erfüllung gehen können“, so abschließend Richie Porte, während Jim Ochowicz aber anfügte, dass in diesem Jahr der Ausgang des Rennens offener denn je ist. 

Anschließend fand eine weitere Pressekonferenz mit dem Team Orica-Scott statt und hier konzentrierte sich das Medieninteresse vor allem auf die beiden Fahrer für das Gesamtklassement den Kolumbianer Esteban Chaves und den Briten Simon Yates, die beide das Zeug haben, in die Top Ten zu fahren. „Es ist ein Traum für mich, bei der größten Rundfahrt der Welt am Start zu sein und darüber bin ich schon sehr glücklich“, gestand der sympathische Kolumbianer, der erstmals an der Tour teilnimmt. Für ihn stehen die Freude darüber und der Spaß im Vordergrund, wenngleich er, nachdem er von Februar bis Juni laut Aussagen seines Sportdirektors Matthew White verletzungsbedingt keine Rennen mehr gefahren und erst wieder beim Criterium du Dauphine in Europa am Start war, sich dennoch gewisse Chancen für eine vordere Platzierung ausrechnet. 

Man darf gespannt sein, wie er mit Simon Yates harmoniert, der von seinen Fehlern bei seinen bisherigen zwei Teilnahmen an der Tour angeblich gelernt hat und nun es besser machen will. Für ihn dürfte das Weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers, das im Vorjahr sein Bruder Adam gewann, ein lohnendes Ziel sein, obwohl er auch auf eine Podiumsplatzierung schielen dürfte. Mit den beiden offensichtlich gut harmonierenden Topfahrern hat Orica-Scott zwei Trümpfe in der Hand, die je nach Bedarf ausgespielt werden können.

Am Freitag fand zunächst die Pressekonferenz des französischen Teams AG2R La Mondiale statt, die in kompletter Besetzung nebst Generalmanager Vincent Lavenu erschienen. Das oder der Beste kommt zum Schluss und so erschien als Letzter der Kapitän Romain Bardet, nachdem die vielen Fotographen schon etliche Fotos von seinem Team gemacht hatten. Der Generalmanager bestätigte gleich zu Beginn die wichtigen Vertragsverlängerungen mit den Franzosen Romain Bardet und Pierre Latour sowie dem Belgier Oliver Naesen und äußerte volles Vertrauen zu seinem Team. „Wir haben mit Romain Bardet wieder das Podium im Visier, d.h. der Focus liegt auf die Gesamtwertung, wobei wir die Chance eines Etappensieges selbstverständlich nutzen wollen“, sagte Vincent Lavenu am Ende seines Statements. Für den Schweizer Mathias Frank  ist es nur wichtig, Romain Bardet aufs Podium zu fahren, während sich der Belgier Jan Bakelants einfach nur voll auf die Tour konzentrieren will, statt Sex-Aussagen zu machen, die nur irritierend sein können und für die er sich bei der Pressekonferenz entschuldigte. Für Romain Bardet, der seine fünfte Tour bestreitet, zählt eigentlich nur ein Podiumsplatz, aber die Konkurrenz ist natürlich groß. „Der Ausgang des Rennens ist offener denn je, es gibt viele Fahrer, die für eine Podiumsplatzierung in Frage kommen wie z.B. Chris Froome, Richie Porte, Nairo Quintana oder Fabio Aru“, sagte der Franzose abschließend, dessen Spezialrad für die Tour noch vorgestellt wurde.

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Gespannt war man auch auf die Pressekonferenz mit dem Movistar Team, wo allerdings wie vorgesehen nur Nairo Quintana mit seinem Generalmanager Eusebio Unzue erschien und die Fragen der vielen spanischen und kolumbianischen Journalisten beantwortete. Alles lief nur in spanischer Sprache ab und damit war der Unterzeichner leider überfordert, obwohl vorher Übersetzungen eines Dolmetschers in englischer Sprache angekündigt waren. Doch der gute Mann saß nur staunend da, ohne in irgendeiner Weise eine Übersetzung vorzunehmen. Der Gipfel war die Frage eines Journalisten in englischer Sprache, die in spanisch beantwortet, aber nicht für ihn übersetzt wurde! Da sei noch einmal Chris Froome erwähnt, der sowohl in englischer wie französischer Sprache auf Fragen antwortete und sich eines Champions auch in dieser Hinsicht würdig zeigte. 

Die vielen Pressekonferenzen der Teams wurden noch ergänzt von den Teams Dimension Data und Cofidis, die allerdings beide nicht in voller Mannschaftsstärke erschienen. Während das Team aus Südafrika mit den drei Fahrern Mark Cavendish, Edvald Boasson Hagen und Steve Cummings erschien, waren auch von Cofidis nur die vier Fahrer Nacer Bouhanni, Christophe Laporte, Daniel Navarro und Dimitri Claeys sowie der Generalmanager Yvon Sanquer dabei. Während bei Dimension Data das Medieninteresse recht groß war, fanden sich bei Cofidis nur relativ wenige Journalisten ein. Besonders gespannt war man natürlich auf Mark Cavendish, der für Dimension Data wieder die Kastanien aus dem Feuer holen soll. Bislang hat der Brite 30 (!) Etappen schon gewinnen können, aber in diesem Jahr dürfte er es nach seiner langen, krankheitsbedingten Pause schwer haben, zumal die Konkurrenz mit André Greipel, Marcel Kittel, Nacer Bouhanni, Peter Sagan, Arnaud Demare, Michael Matthews oder John Degenkolb nicht gerade klein ist. „Ich weiß meine Form derzeit nicht einzuschätzen“, gab Mark Cavendish zu bedenken, wobei man mit einem Mann wie ihn immer rechnen muss.

Einen Etappensieg bei dieser Tour will der schnelle Franzose Nacer Bouhanni möglichst schon einfahren, aber es wird bestimmt nicht einfach bei der starken Gegnerschaft. Wie bekannt, muss er besonders beim Massenspurt immer aufpassen, nicht disqualifiziert zu werden, denn seine oft rigorose Fahrweise ist ihm in der Vergangenheit nicht nur einmal zum Verhängnis geworden. Unabhängig davon zählt der Franzose allemal zu den schnellsten Fahrern des Feldes, der seine Chance nutzen wird, wenn er sie bekommt.

Am Samstag ist dann der Tag der Wahrheit, dann sind alle Prognosen für die Katz und das härteste Rennen kann beginnen. Hoffen wir vor allem, dass es nach den Wetterkapriolen der letzten Tage trotz anderer Vorhersagen trocken bleibt und somit ein regulärer Verlauf des Rennens für alle Fahrer gewährleistet ist.

Text: Bernd Mülle

Fotos: Arne Mill

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